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Über Einfachheit. Eine tolle Art, anzufangen. Als erstes habe ich mir den Trend zu diesen Büchern angesehen, wie 'Dies und Das für Dummies'. Kennen Sie die, 'Dies und Das für Dummies'? Meine Töchter sagen, ich sehe fast so aus wie er hier, das ist ein kleines Problem. (Gelächter) Aber ich habe mich auf Amazon.com nach solchen Büchern umgeschaut. Es gibt auch eins, das 'Handbuch für komplette Idioten' heisst, wussten Sie das? Irgendwie gibt es eine Art Businessmodell für Dummheit. Komischerweise mögen wir es, uns durch Technologie schlecht zu fühlen.
Aber mir gefällt das, deshalb habe ich ein Buch namens 'Die Gesetze der Einfachheit' geschrieben. Letzte Woche war ich zur italienischen Veröffentlichung in Mailand. Es ist sozusagen ein Buch über Fragen – Fragen über Einfachheit. Sehr wenig Antworten. Ich frage mich auch, was ist Einfachheit? Ist es gut? Ist es schlecht? Ist Komplexität besser? Ich bin mir nicht sicher.
Nachdem ich 'Die Gesetze der Einfachheit' geschrieben hatte, hatte ich genug von der Einfachheit, wie Sie sich vorstellen können. Und so habe ich in meinem Leben entdeckt, dass Urlaub die wichtigste Fähigkeit für jeden Streber ist. Denn Ihre Firma wird Ihnen Ihr Leben wegnehmen, aber sie können Ihnen nie Ihren Urlaub nehmen – theoretisch. (Gelächter)
Ich war also unten in Cape Cod im letzten Sommer, um mich vor der Einfachheit zu verstecken, und dort ging ich zu Gap, weil ich nur schwarze Hosen hatte. Also ging ich hin und kaufte mir eine khakifarbene oder sowas und unglücklicherweise bestand ihre Markenwerbung vor allem aus dem Spruch 'Einfach bleiben'. (Gelächter) Ich öffnete ein Magazin und sah die Werbung von VISA: 'Geschäfte brauchen Einfachheit'. Ich entwickle Photos und Kodak sagt mir 'Mach es einfach'. Ich fand es sonderbar, dass die Einfachheit mir quasi überallhin folgte.
Dann machte ich den Fernseher an, und ich sehe nicht sehr viel fern, aber Sie kennen diese Person – das ist offenbar Paris Hilton. Sie war in dieser Sendung namens 'Das einfache Leben'. Ich sah mir das an. Es ist nicht sehr einfach, eher etwas verwirrend. (Gelächter) Also suchte ich mir eine andere Sendung. Ich öffnete den Programmführer; und gesehen, dass diese Sendung 'Das einfache Leben' auf E! sehr beliebt ist. Sie zeigen sie immer und immer und immer wieder. (Gelächter) Es war tatsächlich etwas traumatisch.
Ich wollte wieder flüchten und ging hinaus zu meinem Auto, auf Cape Cod gibt es idyllische Strassen, und wir alle hier können fahren. Und wenn man fährt, sind diese Schilder sehr wichtig. Das ist ein sehr einfaches Schild, es heisst 'einmündende Strasse'. Also fuhr ich weiter, und dann sah ich dieses Schild. (Gelächter) Plötzlich griff mich diese Komplexität an und ich dachte "Ah, Einfachheit – sehr wichtig.".
Aber dann dachte ich, "Einfachheit, was wäre das an einem Strand? Wenn der Himmel 41 Prozent grau wäre – wäre das nicht perfekter Himmel?" Ich meine, ein Himmel der Einfachheit? Aber tatsächlich sah der Himmel so aus, es war ein wunderschöner, komplexer Himmel.
Mit pink und blau, wissen Sie. Wir können nicht anders, wir mögen Komplexität. Wir sind Menschen, wir lieben komplexe Dinge. Wir lieben Beziehungen. Wir sind sehr kompliziert, also lieben wir solche Dinge.
Ich arbeite an diesem Ort namens Media Lab. Manche von Ihnen haben vielleicht schon davon gehört. Es wurde von I. M. Pei entworfen, einem der führenden Architekten der Moderne. Moderne, das bedeutet: Eine weisse Schachtel. Es ist eine perfekte weisse Schachtel. (Gelächter) Manche von Ihnen sind Unternehmer oder sowas. Letzten Monat war ich bei Google, und wow, was für eine Cafeteria! Sie haben hier im Silicon Valley Dinge wie zum Beispiel Aktienanteile. Wissen Sie, wir bekommen in der akademischen Welt vor allem viele Titel.
Das waren alle meine vielen Titel, als ich letztes Jahr bei TED war. Und ich habe einen vorgegebenen Titel als Vater von einem Haufen Töchter. Dieses Jahr kann ich hier bei TED verkünden, dass ich neue Titel habe zusätzlich zu meinen vorherigen. Ein weiterer 'Teilhabender Forschungsleiter'. Und ich habe jetzt fünf Töchter. (Gelächter) Das ist mein Baby Reina. Vielen Dank. Mein Leben ist wegen des Babys jetzt viel komplexer, aber das ist in Ordnung. Ich denke, wir werden verheiratet bleiben.
Aber wenn ich an meine Kindheit zurückdenke – sehen Sie, ich bin in einer Tofufabrik in Seattle aufgewachsen. Viele von Ihnen mögen vielleicht keinen Tofu, weil sie keinen guten probiert haben, aber Tofu ist gutes Essen. Es ist sehr einfaches Essen. Es ist sehr viel Arbeit, Tofu herzustellen. Als Kinder wachten wir um ein Uhr früh auf und arbeiteten bis sechs Uhr abends, sechs Tage die Woche. Mein Vater war ein bisschen wie Andy Grove, paranoid wegen der Konkurrenz. Also machten wir das oft sieben Tage die Woche. Ein Familiengeschäft bedeutet Kinderarbeit.
Wir waren beispielhaft darin. Also ging ich sehr gern zur Schule. Die Schule war toll, und dahin zu gehen, half mir vielleicht, in dieses Media Lab Ding zu kommen, ich bin nicht sicher. (Gelächter) Danke. Aber das Media Lab ist ein interessanter Ort, und es ist wichtig für mich, denn ich studierte ursprünglich Computerwissenschaften und erst später in meinem Leben habe ich Design entdeckt.
Da gab es diese eine Person, Muriel Cooper. Wer kennt Muriel Cooper? Muriel Cooper? War sie nicht erstaunlich? Muriel Cooper. Sie war schrullig. Und sie war ein TEDster, genau, sie zeigte uns – sie zeigte der Welt, wie der Computer wieder schön werden kann. Sie ist sehr wichtig in meinem Leben, denn sie sagte mir, ich soll das MIT verlassen und zur Kunstakademie gehen. Das war der beste Rat, den ich je bekommen habe. Ich ging ihretwegen zur Kunstakademie. Sie starb 1994 und ich wurde zurück ans MIT geholt, um ihren Platz einzunehmen, aber es ist so schwierig. Dieser erstaunliche Mensch, Muriel Cooper.
Als ich in Japan war – ich ging zu einer Kunstakademie in Japan – war ich in einer angenehmen Lage, denn irgendwie hatte ich eine Verbindung zu Paul Rand. Manche von Ihnen kennen Paul Rand, den – Entschuldigung – grossartigsten Grafikdesigner überhaupt. Der grossartige Grafikdesigner Paul Rand: er entwarf das IBM Logo, das Westinghouse Logo – er sagte im Grunde: "Ich habe alles entworfen." Auch Ikko Tanaka war ein wichtiger Mentor in meinem Leben – der Paul Rand Japans. Er entwarf die meisten der bedeutenden japanischen Symbole wie Issey Miyakes Marke und auch Muji.
Wenn Sie Mentoren haben – gestern hat Kareem Abdul-Jabbar über Mentoren gesprochen, diese Menschen in Ihrem Leben – das Problem mit Mentoren ist, dass sie alle sterben. Das ist traurig, aber auf eine andere Art ist es auch ein Glück, denn so kann man sich an sie in ihrer reinen Form erinnern. Ich denke, die Mentoren, die wir treffen, machen uns menschlich. Wenn man älter wird und etwas durchgeknallt oder so, dann beruhigen einen die Mentoren. Ich bin dankbar für meine Mentoren, und ich bin sicher, das sind wir alle.
Denn die Sache mit der Menschlichkeit ist schwierig, wenn man am MIT ist. Das T steht nicht für 'Mensch', sondern für 'Technologie'. Und deshalb habe ich mir immer Gedanken über Menschlichkeit gemacht. Also habe ich immer dieses Wort 'Mensch' gegoogelt, um herauszufinden, wieviele Ergebnisse ich bekomme. 2001 hatte ich 26 Millionen Suchergebnisse, und für Computer, denn Computer sind ein bisschen gegen Menschen,
bekomme ich 42 Millionen Suchergebnisse. Lassen Sie mich hier einen Al Gore-Vergleich machen. Wenn man das also auf diese Art vergleicht, sieht man dass dieses Computer-gegen-Mensch – ich habe das über das letzte Jahr hinweg verfolgt – Computer-gegen-Mensch hat sich im letzten Jahr verändert. Früher stand er ungefähr zwei zu eins. Jetzt holen die Menschen auf. Sehr gut, wir Menschen: Wir holen die Computer ein. Im Bereich der Einfachheit ist es auch interessant, wenn man also Komplexität mit Einfachheit vergleicht, holt diese auch irgendwie auf. Ich denke, irgendwie sind Menschen und Einfachheit miteinander verflochten.
Ich habe ein Geständnis für Sie: Ich bin kein Mann der Einfachheit. Ich habe meine ganze frühe Karriere mit komplexen Dingen verbracht. Sehr vielen komplexe Dinge. Ich habe Computerprogramme geschrieben, um komplexe Grafiken wie diese zu machen. Ich hatte Kunden in Japan und machte wirklich komplexe Dinge wie diese hier für sie. Und in einem gewissen Sinn habe ich mich deswegen immer schlecht gefühlt. Also habe ich mich in zeitlichen Dimensionen versteckt: Ich habe Dinge in einer zeitlich-grafischen Dimension gebaut. Für Shiseido habe ich diese Kalenderserie gemacht. Das ist ein Kalender mit Blumenthema von 1997 und dieses hier ein Feuerwerk-Kalender. Man schiesst die Zahl in den Raum, denn die Japaner glauben, dass wenn man Feuerwerk sieht, ist man aus irgendeinem Grund cooler. Deshalb haben sie Feuerwerke im Sommer. Eine sehr extreme Kultur. Als letztes sehen wir einen herbstlichen Kalender, weil ich so viele Blätter in meinem Hof habe. Im Grunde sind das also die Blätter in meinem Hof.
Ich habe viele Dinge dieser Art gemacht. Ich hatte Glück, dass ich da war, bevor andere diese Art von Dingen machten, und so habe ich all dieses Zeug gemacht, das Ihre Augen belästigt. Ich fühle mich ein wenig schlecht deswegen. Morgen wird Paola Antonelli sprechen; ich liebe Paola. Sie hat zurzeit diese Ausstellung im MoMA wo einige dieser frühen Werke gezeigt werden, im MoMA, an den Wänden. Wenn Sie in New York sind, gehen Sie bitte hin und sehen Sie sich an.
Aber ich hatte ein Problem, denn ich mache all dieses fliegende Zeug und die Leute sagen: "Oh, ich kenne Ihre Arbeit, Sie sind der Typ, der diese schönen Sachen macht – 'Süßigkeiten für's Auge'." Und wenn einem das jemand sagt, fühlt man sich komisch. 'Süßigkeiten für's Auge' – irgendwie herabwertend, finden Sie nicht? Ich sage dann: "Nein, ich mache 'Fleisch für's Auge'." (Gelächter) 'Fleisch für's Auge' ist etwas anderes, etwas mit mehr Fasern, mit mehr Kraft vielleicht. Aber was könnte das sein, 'Fleisch für's Auge'?
Mein Leben lang habe ich mich für Computerprogramme interessiert. Computerprogramme sind immer wie ein Baum, und wenn man mit einem Computerprogramm Kunst macht, gibt es ein Problem. Wenn man mit einem Computerprogramm Kunst macht, ist man immer auf diesem Baum und paradoxerweise will man für grossartige Kunst vom Baum runter. Ich begegnete also dieser Art von Komplikationen.
Um vom Baum weg zu kommen, benutzte ich meine alten Computer. Ich nahm diese hier 2001 mit nach Tokio, um Computerobjekte zu bauen. Hier eine neue Art zu tippen, auf meinem alten Color Classic. Man kann nicht sehr viel darauf tippen. Ich fand auch heraus, dass eine Infrarotmaus auf CRT-Emissionen reagiert und sich von selbst bewegt, dies ist eine selbstzeichnende Maschine. Und dann erschien dieser blaue Apple G3 und seine CD-Schublade schoss gefährlich schnell aus dem Gehäuse. Ich dachte, "Das ist sehr interessant. Ich sollte sowas wie einen Auto-Crash-Test machen." Also machte ich einen Crash-Test. (Gelächter) Und ich mass die Einwirkung auf den Monitor. Solche Dinge habe ich gemacht, um einfach zu verstehen, was das für Dinge sind. (Gelächter)
Kurz danach geschah der 11. September und ich war sehr deprimiert. Ich war betroffen über die zeitgenössische Kunst, die sich nur um Mist drehte und um sehr traurige Dinge, und ich wollte über etwas fröhliches nachdenken. Also konzentrierte ich mich aufs Essen als mein Spezialgebiet, diese Klementinenschalen-Dinge. In Japan ist es toll, die Schale einer Klementine in einem Stück zu entfernen. Wer hat das schon gemacht? An einem Stück geschält? Oh, Sie verpassen etwas, wenn Sie das noch nicht gemacht haben. Es war sehr gut und ich entdeckte, dass ich daraus Skulpturen in verschiedenen Formen machen konnte. Wenn man sie rasch trocknet, kann man Elefanten oder Rinder machen, meiner Frau gefiel das nicht, weil sie schimmeln, also musste ich aufhören.
Ich ging also zurück zum Computer und kaufte fünf grosse Portionen Pommes, um sie alle einzuscannen. Ich suchte nach einer Art Essensthema und schrieb eine Software, um automatisch Pommes-Bilder anzulegen. Als Kind habe ich dieses Lied gehört, wissen Sie, 'Oh, die schönen weiten Himmel und bernsteinfarbenen Kornfelderwellen' Also machte ich dieses Bild von bernsteinfarbenen Wellen. Es ist eine Art Mittelwest-Kornfeld aus Pommes frites.
Ausserdem war ich das dickste Kind in meiner Klasse und ich liebte Cheetos. Oh, ich liebe Cheetos, lecker. Also wollte ich irgendwie mit Cheetos spielen. Ich war nicht sicher, wo das hinführte. Ich erfand Cheeto-Malerei. Cheeto-Malerei ist eine sehr einfache Art, mit Cheetos zu malen. (Gelächter) Ich fand heraus, dass Cheetos sehr gutes Ausdrucksmaterial sind. Und mit diesen Cheetos überlegte ich, 'Was kann ich mit Cheetos machen?'
Ich fing an, Kartoffelchips zu zerkrümeln, und Salzstangen. Ich suchte irgendeine Form und am Ende machte ich 100 frittierte Schmetterlinge. Verstehen Sie? (Gelächter) Jeder einzelne ist aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt. Die Leute fragen mich, woraus die Fühler sind. Manchmal finden sie ein Haar im Essen, eins von mir. Meine Haare sind sauber, das ist okay.
Ich bin ein fest angestellter Professor, das heisst, eigentlich muss ich nicht mehr arbeiten. Es ist ein komisches Geschäftsmodell. Ich kann jeden Tag zur Arbeit kommen und fünf Papierbögen tackern, das anstarren und einen Latte trinken. Ende der Geschichte. (Gelächter) Aber ich realisierte, dass das Leben so sehr langweilig wäre, also dachte ich über das Leben nach und stellte fest, dass meine Kamera – meine Digitalkamera im Gegensatz zu meinem Auto – sehr eigenartig... Das Auto ist so gross, die Kamera ist so klein, doch die Bediendungsanleitung für die Kamera ist viel umfangreicher. Das ergibt keinen Sinn. (Gelächter)
Ich war einmal in Cape Cod und tippte das Wort 'Einfachheit' und ich stellte fest, auf diese komische M. Night Shyamalan-Art, dass ich Buchstaben entdeckte, 'M-I-T', kennen Sie das Wort? In den englischen Ausdrücken für 'Einfachheit' und 'Komplexität' tauchen sie in perfekter Reihenfolge auf. Es ist ein bisschen gruselig, nicht wahr? Also dachte ich, vielleicht mache ich das für die nächsten zwanzig Jahre.
Ich schrieb dieses Buch, 'Die Gesetze der Einfachheit' es ist ein sehr kurzes, einfaches Buch. Es gibt zehn Gesetze und drei Schlüssel. Die werde ich nicht durchgehen, denn dafür habe ich ja ein Buch, und deshalb ist es auch gratis im Internet zu haben. Aber die Gesetze sind ein bisschen wie sushi: sie sind alle verschieden. In Japan sagt man, Sushi ist eine Herausforderung. Das Uni ist am schwierigsten, also ist Nummer zehn schwierig – die Leute hassen Nummer zehn wie sie Uni-Sushi hassen. Die drei Schlüssel sind leicht zu schlucken, das ist wie Anago, schon gekocht. Geniessen Sie später Ihr Sushi, zusammen mit den Gesetzen der Einfachheit. Denn ich will sie für Sie vereinfachen. Darum geht es ja überhaupt; ich muss dieses Ding vereinfachen.
Wenn ich also die Gesetze der Einfachheit vereinfache, habe ich das, was man 'Keks gegen Wäsche' nennt. Jeder der Kinder hat weiss, dass wenn man einem Kind einen grossen oder einen kleinen Keks anbietet, welchen nimmt es dann? Den grossen Keks. Es sieht, im kleinen Keks sind Schokoladenstücke, aber das funktioniert nicht. Es will den grossen Keks. Aber wenn Sie einem Kind zwei Haufen Wäsche zum falten anbieten, einen kleinen und einen grossen, welchen wird es wählen?
Seltsamerweise nicht den grossen Haufen. Ich denke, so einfach ist das. Man will mehr von etwas, weil man es geniessen will. Man will weniger von etwas, das mit Arbeit zu tun hat. Heruntergebrochen heisst das: Einfachheit handelt davon, das Leben mit mehr Genuss und weniger Schmerz zu leben. Ich denke, es ist ein einfaches mehr-gegen-weniger. Grundsätzlich kommt es immer darauf an. Ich schrieb das Buch, weil ich etwas übers Leben herausfinden wollte. Ich liebe das Leben. Ich liebe es, lebendig zu sehen. Ich sehe gerne Dinge. Und im Leben, denke ich, geht es sehr oft um Einfachheit, denn man versucht, sich das Leben zu vereinfachen.
Ich liebe es einfach, die Welt zu sehen. Die Welt ist ein erstaunlicher Ort. Bei TED sehen wir soviele Dinge auf einmal. Ich kann einfach nicht anders, als es geniessen, alles anzusehen. Alles was man sieht, immer wenn man aufwacht. Es ist so eine Freude, alles in der Welt zu erfahren. Von allem in einer eigenartigen Hotelhalle über Klarsichtfolie, die über ein Fenster gespannt ist bis zu dem Moment, in dem die Strasse vor meinem Haus schwarz geteert worden war und diese weisse Motte dort sterbend in der Sonne lag.
Und das alles traf mich, die Aufregung hier zu sein, denn das Leben ist begrenzt. Dies hat mir der Vorstandschef von Shiseido gegeben. Er ist ein Experte im Altern. Die waagerechte Achse ist, wie alt man ist – zwölf Jahre, vierundzwanzig, vierundsechzig, sechsundneunzig – und das sind medizinische Daten. Die Fähigkeit des Gehirns steigt bis 60 an und dann, nach 60, geht es wieder abwärts. Ein bisschen deprimierend, irgendwie.
Auch wenn man sich die körperlichen Fähigkeiten anschaut. Wissen Sie, ich habe da viele eingebildete Studienanfänger am MIT, und ich sage ihnen, "Oh, Eure Körper werden wirklich immer stärker, aber Ende zwanzig bis Mitte dreissig sterben eine Menge Zellen." Okay. Es lässt sie manchmal härter arbeiten. Und wenn man sich die Sehkraft anschaut, das ist interessant. Wenn man vom Kindesalter heranwächst, wird die Sehkraft besser. So um die zwanzig herum sucht man vielleicht nach einem Gefährten, und danach nimmt die Sehkraft nur noch ab. (Gelächter)
Soziale Verantwortlichkeit ist sehr interessant. Wenn man älter wird, hat man vielleicht Kinder oder so. Und dann fliegen die Kinder aus, und man hat keine Verantwortlichkeiten mehr – das ist auch sehr gut.
Aber wenn jemand von Ihnen fragt, "Was wird denn besser? Wird irgendwas besser? Welches ist der positive Teil daran?" Ich glaube, die Weisheit wird immer mehr. Ich liebe diese achtzig, neunzig Jahre alten Menschen. Sie haben so viele Gedanken und so viel Weisheit, und ich denke – wissen Sie, diese TED-Sache. Ich bin jetzt zum vierten Mal hier, ich denke, ich komme für diese Weisheit hierher. Dieser TED-Effekt vermehrt irgendwie die eigene Weisheit. Ich bin sehr froh und sehr dankbar, hier zu sein, Chris. Es ist auch für mich eine wundervolle Erfahrung.
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John Maeda vom MIT Media Lab lebt an der Schnittstelle zwischen Technologie und Kunst – einem Ort, der sehr kompliziert werden kann. Er spricht das Herausarbeiten der wesentlichen Grundsätze.
John Maeda is the president of the Rhode Island School of Design, where he is dedicated to linking design and technology. Through the software tools, web pages and books he creates, he spreads his philosophy of elegant simplicity. Full bio »
Translated into German by Karin Friedli
Reviewed by Anja Lehmann
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