Es ist eine grosse Ehre, hier zu sein. Ich fühle mich so glücklich. Ich bin tief beeindruckt von der Güte, die mir entgegengebracht wurde. Ich rief meine Frau Leslie an, und sagte: "Weisst du, hier sind so viele gute Menschen, die versuchen, so viel Gutes zu tun. Es fühlt sich an, als sei ich in einer Kolonie von Engeln gelandet." So empfinde ich das wirklich. Aber lassen Sie mich mit meiner Rede beginnen – ich sehe, die Zeit läuft.
Ich bin ein Grundschullehrer und möchte Ihnen eine Geschichte meiner Schulleiterin erzählen. Sie heisst Pam Moran aus der Gemeinde Albemarle, Virginia, am Fuss der Blue Ridge Berge. Sie ist eine Hightech-Schulleiterin. Sie benützt interaktive Wandtafeln, schreibt Blogs, sie tweetet, ist auf Facebook, sie macht also all dieses Hightech-Zeug mit. Sie ist eine Führungsperson in Technologie und der Lehre. Aber in ihrem Büro steht ein alter, verwitterter Holztisch, ein Küchentisch – die grüne Farbe blättert ab, er ist ziemlich wackelig. Und ich sagte: "Pam, Sie sind so eine moderne, innovative Person. Warum ist dieser alte Tisch in Ihrem Büro?
Und sie erklärte es mir. Sie sagte, "Wissen Sie, ich wuchs im Südwesten von Virginia auf, zwischen den Kohlenminen und Feldern des ländlichen Virginia und dieser Tisch stand in der Küche meines Grossvaters. Wir kamen vom Spielen, er kam vom Pflügen und Arbeiten heim, und jeden Abend sassen wir um den Tisch herum. Und während ich aufwuchs, hörte ich so viel Wissenswertes und so viele Erkenntnisse und so viel Weisheit, alles wurde um diesen Tisch besprochen, dass ich anfing, ihn den Tisch der Weisheit zu nennen. Und als er starb, nahm ich den Tisch mit und brachte ihn in mein Büro und da erinnert er mich an ihn. Er erinnert mich daran, was um einen leeren Raum manchmal vorgeht." Das Projekt, wovon ich Ihnen erzählen werde heisst Weltfriedens-Spiel, und im Wesentlichen ist dies auch ein leerer Raum. Ich möchte es mir effektiv als einen Tisch der Weisheit des 21. Jahrhunderts vorstellen.
Alles fing im Jahr 1977 an. Ich war ein junger Mann, der mit mehr oder eher weniger Begeisterung studierte. Meine Eltern waren sehr geduldig, aber ich hatte mich mehrmals auf Reisen nach Indien begeben auf einer mystischen Sinnsuche und ich erinnere mich, als ich das letzte Mal zurückkam von Indien – in meinen langen wehenden Gewändern und meinem langen Bart und der John-Lennon-Brille, da sagte ich zu meinem Vater, "Papa, ich glaube, bald finde ich meine spirituelle Erleuchtung." Er sagte: "Hm, dann gibt es nur noch etwas, das du finden musst." Ich sagte, "Was ist das, Papa?" - "Eine Arbeit." (Gelächter) Und sie flehten mich an, einen Abschluss in irgendetwas zu machen. Also machte ich einen Abschluss und zwar in Erziehungswissenschaften. Es war ein experimentelles Unterrichtsprogramm. Es hätte Zahnmedizin sein können, aber das Wort "experimentell" war drin und für sowas musste ich mich entscheiden.
Und ich ging zu einem Vorstellungsgespräch in die öffentlichen Schulen von Richmond, der Hauptstadt von Virginia. kaufte mir einen dreiteiligen Anzug – meine Konzession an die Konventionen, behielt meinen langen Bart und meine Afro-Locken und meine Plateauschuhe – es waren die 70er – und ich ging da rein, setzte mich und hatte ein Vorstellungsgespräch. Und ich glaube, sie hatten Lehrermangel, denn die Schulvorsteherin, ihr Name war Anna Aro, sagte, ich bekäme die Aufgabe, hochbegabte Kinder zu unterrichten. Und ich war so schockiert, so verblüfft, dass ich aufstand und sagte "Na ja, danke, aber was mache ich da?" (Gelächter) Damals war Hochbegabtenförderung noch nicht sehr verbreitet. Es gab noch nicht wirklich viel Material oder brauchbare Dinge. Und ich sagte, "Was soll ich machen?" Und ihre Antwort schockierte, verblüffte mich. Ihre Antwort war richtungsweisend für meine ganze Karriere, die darauf folgte. Sie sagte: "Was möchten Sie machen?" Und diese Frage ebnete mir den Weg. Es gab keine Programmvorgaben, kein Handbuch zu befolgen, keine Standards für Hochbegabtenförderung sozusagen. Und sie eröffnete mir einen solchen Spielraum, dass ich mich von da an bemühte, meinen Studenten den Weg freizumachen, den leeren Raum, in dem sie etwas schaffen und Sinn finden konnten mit ihrer eigenen Verstand.
Dies geschah also in 1978, und viele Jahre später unterrichtete ich, als mich einer meiner Freunde einem jungen Filmemacher vorstellte. Sein Name ist Chris Farina. Chris Farina ist heute auf eigene Rechnung hergekommen. Chris, würdest du bitte aufstehen und dich zeigen ein junger, visionärer Filmemacher, der einen Film drehte. (Applaus) Er heisst "Weltfrieden und andere Errungenschaften in der vierten Klasse". Er schlug mir vor, den Film zu machen – es ist ein fantastischer Titel. Er bot mir an, den Film zu machen, und ich sagte: "Jaja, der kommt vielleicht in einem Regionalfernsehprogramm, und wir können unseren Freunden Grüsse ausrichten." Aber der Film wurde richtig erfolgreich. Er ist immer noch in den roten Zahlen, aber Chris schaffte es mit persönlichen Opfern, diesen Film herauszubringen. Wir machten also einen Film und am Ende war es mehr als eine Geschichte über mich, mehr als eine Geschichte über einen Lehrer. Es ist eine Geschichte, die ein Beleg für die Lehre und Lehrpersonen ist. Und es ist eine wundervolle Sache.
Und das Merkwürdige daran ist, wenn ich den Film anschaue – habe ich ein unheimliches Gefühl, zu sehen – wie Ich buchstäblich verschwinde. Was ich sah, waren meine eigenen Lehrer, die durch mich hervorkamen Ich sah meinen Geometrielehrer im Gymnasium, Herrn Rucell, ironisch lächeln unter seinem Bart, der aussah wie eine Fahrradlenkstange. Genau so lächle ich auch – das ist sein Lächeln. Ich sah Jan Polo's aufblitzende Augen. Und sie blitzten nicht im Zorn, sie blitzten in Liebe, leidenschaftliche Liebe für seine Studierenden. Und ich habe manchmal dieses Blitzen. Und ich sah Frau Ethel J. Banks die jeden Tag in Perlen und hohen Schuhen in die Grundschule kam. Und wissen Sie, sie hatte diesen Blick der alten Schullehrer. Sie wissen, was ich meine. (Gelächter) "Und ich rede nicht einmal über dich, da hinter mir, weil ich hinten an meinem Kopf Augen habe." (Gelächter) Kennen Sie diese Sorte Lehrer? Ich brauchte diesen Blick nicht sehr oft, aber ich habe ihn in meinem Repertoire. Frau Banks war für mich eine grosse Mentorin.
Und dann sah ich meine eigenen Eltern, meine ersten Lehrer. Mein Vater, sehr einfallsreich, ein räumlicher Denker. Da drüben ist mein Bruder Malcom auf der rechten Seite. Und meine Mutter, die mich in der vierten Klasse unterrichtete in rassengetrennten Schulen im Staat Virginia, die meine Inspiration war. Und ehrlich, es ist für mich, als hätte ich, wenn ich den Film sehe – eine Handbewegung, die sie auch macht, etwa so – ich fühle mich wie eine Weiterführung ihrer Geste. Ich bin eine ihrer Lehrergesten. Und das Schöne daran war, dass ich meine Tochter Madeline in der Grundschule unterrichten konnte. Und deshalb lebt diese Geste meiner Mutter weiter durch viele Generationen. Es ist ein fantastisches Gefühl, diesen Familenhintergrund zu haben. Und so stehe ich hier auf den Schultern vieler Menschen. Ich bin hier nicht alleine. Da sind viele Menschen mit mir auf der Bühne.
Also, dieses Weltfriedens-Spiel, über das ich Ihnen erzählen will fing folgendermassen an: Es ist nur ein 120 x 150 cm grossen Sperrholzbrett an einer Grosstadtschule eines Armenviertels, 1978. Ich bereitete für die Klasse eine Lektion über Afrika vor. Wir bauten dort alle Probleme der Welt auf, und ich dachte, lassen wir sie von ihnen lösen. Ich wollte ihnen keinen Vortrag halten oder sie nur Bücher lesen lassen. Ich wollte, dass sie eintauchen und ihr Lernen in ihren Körpern zu erfahren. Also dachte ich, naja, sie lieben Spiele. Ich mache etwas – ich nannte es nicht interaktiv. Diesen Ausdruck gab es 1978 noch nicht – aber etwas Interaktives. Also schufen wir das Spiel. Und seither hat es sich weiterentwickelt zu einem 120 x 120 x 120 cm Plexiglas-Gebilde. Es hat vier Ebenen aus Plexiglas.
Da gibt es eine Weltallebene mit schwarzen Löchern und Satelliten, und Forschungssatelliten und Bergbau auf Asteoriden. Es gibt eine Luft- und Raumfahrt-Ebene mit grossen Baumwoll-Wolken, die wir herumschieben und in Territorien eingeteilter Luftraum mit Luftwaffen, eine Ebene mit Land, Wasser und Tausenden Spielfiguren drauf - sogar eine Unterwasser-Ebene mit Unterseeboten und Unterwasser-Bergbau. Es gibt vier Länder auf dem Brett verteilt. Die Kinder überlegen sich Namen für die Länder - einige sind reich, andere arm. Sie haben verschiedene Anlagegüter, wirtschaftliche und militärische. Und jedes Land hat eine Regierung. Es gibt einen Premierminister, Aussenminister, Verteidigungsminister und einen Finanzchef, oder Präsidenten des Rechnungshofes. Ich bestimme den Premierminister auf Grund meines Verhältnisses zu ihnen. Ich biete ihnen den Posten an, sie können ihn ablehnen. und dann wählen sie ihr Kabinett aus. Es gibt eine Weltbank, Waffenhändler und die Vereinten Nationen Es gibt auch eine Wettergöttin, die eine Zufallsbörse und das Zufallswetter kontrolliert.
Das ist nicht alles. Es gibt auch ein 13-seitiges Krisenpapier mit 50 ineinander greifenden Problemen. Das heisst also, wenn sich etwas ändert, verändert sich alles. Ich werfe sie in diese komplexe Matrix, und sie vertrauen mir, weil wir eine tiefe, reiche Beziehung miteinander haben. Und so, mit all diesen Krisen; wir haben – mal sehen – ethnische und Minoritätskonflikte, wir haben Chemie- und Nuklear-Störfälle, atomare Aufrüstung. Es gibt Öllecks, Umweltkatastrophen, Streitigkeiten wegen Wasserrechten, unabhängig werdende Republiken, Hungersnöte, aussterbende Arten und die Erderwärmung. Wenn Al Gore hier ist, werde ich ihm meine Viertklässler aus der Agnor-Hurt und Venable schicken, weil sie die Klimaerwärmung in einer Woche gelöst haben. (Gelächter) (Applaus) Und sie haben es schon mehrmals geschafft.
Ich habe auch einen Saboteur im Spiel - ein Kind – es ist im Prinzip ein Unruhestifter – Mein Unruhestifter ist sehr nützlich weil sie an der Oberfläche die Welt retten wollen und ihren Platz im Spiel. Sie versuchen aber auch, alles andere im Spiel zu untergraben. Sie machen das heimlich durch Fehlinformationen und Vieldeutigkeiten und Belanglosigkeiten, Versuchen, alle dazu zu bringen, genauer zu überlegen. Der Saboteur ist da, und wir lesen auch "Die Kunst des Krieges" von Sun Tzu. Viertklässler verstehen das – Neunjährige – und sie gehen damit um und benützen das um zu verstehen, wie sie nicht dem Weg folgen – am Anfang machen sie das – dem Weg zu Macht und Zerstörung, dem Weg zum Krieg. Sie lernen, kurzsichtige Reaktionen und impulsives Denken zu durchschauen, mit Weitblick auch an die Folgen zu denken,
Stewart Brand ist hier und eine der Ideen für dieses Spiel kam von ihm, mit einem Artikel in der "CoEvolution" Quartalszeitung über eine Friedentstruppe. Im Spiel bilden die Schülerinnen und Schüler manchmal eine Friedenstruppe. Ich habe nur die Aufgabe, auf die Zeit zu achten. Ich kläre nur Fragen, ich bin nur ein Vermittler. Die Schüler und Schülerinnen sind verantwortlich für das Spiel. Ich habe keine Chance, irgend eine Richtlinie festzulegen, wenn sie mal zu spielen angefangen haben. Ich zeige Ihnen jetzt...
(Video) Junge: "Das Weltfrieden-Spiel ist ernst. Du kriegst wirklich beigebracht, wie man Sorge trägt zur Erde. Schauen Sie, Herr Hunter macht dies weil er sagt, seine Generation habe viel Mist gebaut, und er möchte uns erklären, wie man dieses Probleme löst.
John Hunter: Ich bot ihnen ein – (Applause) Eigentlich kann ich ihnen nichts erzählen, weil ich die Anwort nicht weiss. Und ich sage von Anfang an die Wahrheit; Ich weiss es nicht. Und weil ich es nicht weiss, müssen sie die Antworten finden. Ich entschuldige mich auch bei ihnen. Ich sage: "Es tut mir so leid, Jungs und Mädels, aber die Wahrheit ist, dass wir euch diese Erde in einem traurigen, schrecklichen Zustand überlassen, und wir hoffen, dass ihr das für uns wieder gut machen könnt. und vielleicht wird euch dieses Spiel dabei helfen." Es ist eine ernst gemeinte Entschuldigung, und sie nehmen sie sehr ernst.
Nun fragen Sie sich sicher, wie dieses komplexe System aussieht. Also, wenn wir das Spiel starten, sieht man folgendes:
(video) JH: Also, wir beginnen die Verhandlungen jetzt. Los. (Gespräche)
JH: Ich frage Sie: Wer hat in diesem Klassenzimmer das Sagen? Es ist eine ernste Frage: Wer ist hier federführend? Ich habe gelernt, die Kontrolle über mein Schulzimmer mit der Zeit den Schülern zu übergeben. Es gibt ein Vertrauen und Einvernehmen und eine Hingabe an ein Ideal, so dass ich ganz einfach nicht tun muss, was ich als junger Lehrer meinte, tun zu müssen: Jedes Gespräch und jede Antwort im Schulzimmer zu kontrollieren. Es ist unmöglich. Ihr kollektives Wissen ist viel grösser als meines, und ich gebe das ihnen gegenüber offen zu. Ich will mit Ihnen ganz rasch einige Geschichten zeigen von magischen Dingen, die geschahen.
In diesem Spiel hatten wir ein kleines Mädchen, und sie war die Verteidigungsministerin des ärmsten Landes. Und die Verteidigungsministerin – sie hatte Panzercorps und die Luftwaffe, etc. Sie war neben einem sehr reichen Nachbarn mit viel Ölreserven. Ohne provoziert zu werden, griff sie plötzlich an, gegen den Befehl ihres Premierministers, attackierte die Ölfelder ihres Nachbarn. Sie marschierte in die Ölfelder ein, umzingelte sie und ohne einen Schuss abzufeuern sichterte sie ihre Stellungen und nahm sie in Besitz. Und dieser Nachbar war nicht fähig, eine Militäroperation durchzuführen, weil ihre Ölreseven blockiert waren.
Wir waren alle sauer auf sie: "Warum machst du das? Das ist ein WeltFRIEDENS-Spiel. Was ist mit dir los? (Gelächter) Sie war ein kleines Mädchen, neun Jahre alt, und sie hielt ihre Dinge zusammen und sagte: "Ich weiss, was ich tue." Ihren besten Freundinnen sagte sie das. Das ist ein Vertrauensbruch. Aber wir lernten daraus, dass man niemals einer Neunjährigen entgegentreten sollte, die Panzer befiehlt. (Gelächter) Dies sind die härtesten Gegner. Und wir waren sehr sauer. Ich dachte, ich hätte als Lehrer versagt. Warum sollte sie so etwas machen?
Aber das habe ich einige Spieltage später verstanden – reihum verhandeln wir mit jedem Team – eigentlich gibt es Verhandlungsperioden mit allen Teams, und jedes Team kommt dran, und dann verhandeln wir weiter, immer wieder im Turnus, und jede Runde ist ein Tag im Spiel. Einige Spieltage später also wurde es klar, wir fanden heraus, dass dieses grosse Land eine Militäroffensive geplant hatte um die ganze Welt zu beherrschen. Wenn sie ihre Ölreserven gehabt hätten, hätten sie es geschafft. Sie war fähig gewesen, die Tendenzen und Pläne vorauszusehen lange vor uns allen und zu verstehen, was geschehen würde und da fällte sie eine philosophische Entscheidung in einem Friedens-Spiel anzugreifen.
Sie benutzte also einen kleinen Krieg, um einen grossen abzuwenden. und so stoppten wir und hatten eine sehr gute philosophische Diskussion darüber, ob das richtig war, bedingt richtig oder nicht in Ordnung. Dies ist die Denkweise, in die wir sie in solchen Situationen bringen müssen. Ich hätte das nie mit normalem Unterricht bewerkstelligen können. Es entstand spontan durch ihr kollektives Wissen.
Ein anderes Beispiel, etwas Wunderbares geschah. Wir haben im Spiel Briefe. Militärische Befehlshaber, die Truppen in den Krieg schicken – die kleinen Plastik-Spielfiguren auf dem Brett – und sie verlieren, dazu führte ich einen Brief ein. Sie müssen den Eltern einen Brief schreiben – den fiktiven Eltern ihrer fiktiven Soldaten – ihnen erklären, was geschehen ist und kondolieren. So überlegt man etwas mehr, bevor man sich in die Schlacht wirft. Und da kam diese Situation auf – es war letzten Sommer, in der Agnor-Hurt-Schule der Gemeinde Albemarle – einer unserer Befehlshaber sollte diesen Brief vorlesen und eines der Kinder sagte: "Herr Hunter, lassen Sie uns diese Elternperson fragen." An dem Tag hatten wir eine Mutter zu Besuch, die hinten im Raum sass. "Lasst uns diese Mama den Brief lesen. Das wird viel echter, wenn sie ihn liest." So geschah es, wir fragten sie und sie nahm bereitwillig den Brief. "Klar". Sie begann zu lesen. Las einen Satz. Sie las zwei Sätze. Beim dritten Satz weinte sie. Ich weinte. Alle verstanden, dass wenn wir jemanden verlieren, die Gewinner keine Schadenfreude spüren. Wir alle verlieren. Und es war ein faszinierendes Ereignis und eine beeindruckende Einsicht.
Ich zeige Ihnen, was mein Freund David dazu zu sagen hat. Er war schon in vielen Schlachten.
(Video) David: Wir hatten wirklich genug davon, Menschen anzugreifen. Ich meine, [meistens] hatten wir Glück. Aber jetzt fühle ich mich sehr unwohl, weil ich genau das lebe, was Sun Tzu vor einer Woche sagte. Irgendwann mal sagte er, "Diejenigen, die in eine Schlacht gehen und gewinnen wollen wieder zurück, und diejenigen, die eine Schlacht verlieren, wollen wieder zurück und gewinnen. Und so habe ich Schlachten gewonnen, und ich gehe in weitere Schlachten. Und ich finde, es ist unheimlich, das zu durchleben, was Sun Tzu sagte.
JH: Mich schaudert es jedes Mal, wenn ich das sehe. Dies ist die Art Engagement, die man geschehen lassen will. Und das kann ich nicht konzipieren, planen. und ich kann es nicht einmal überprüfen. Aber es ist eine selbsterklärende Beurteilung. Wir wissen, das ist authentische Lehrzielüberprüfung. Wir haben viele Daten, aber ich denke, manchmal gehen wir über dies hinaus mit der Wahrheit darüber, was geschieht.
Lassen Sie mich eine dritte Geschichte erzählen. Sie ist über meinen Freund Brennan. Wir hatten das Spiel immer nach der Schule gespielt seit Wochen, ungefähr sieben Wochen schon. Und wir hatten im Wesentlichen alle 50 ineinander greifenden Krisen gemeistert. Das Spiel ist gewonnen, wenn alle 50 Probleme gelöst sind und das Vermögen jedes Landes höher ist als am Anfang. Einige sind arm, andere reich. Es gibt Milliarden. Der Weltbankpräsident war damals ein Drittklässler. Er sagte, "Wie viele Nullen hat eine Billion? Ich muss das sofort ausrechnen." Aber er bestimmte die Finanzpolitik dieses Spiels für die Oberstufenschüler, die mit ihm spielten.
Nun war das ärmste Team noch ärmer geworden. Es gab keine Möglichkeit, zu gewinnen. Und wir kamen 4 Uhr näher, der Zeit für den Spieleschluss, Es blieb nur noch etwa eine Minute – und Hoffnungslosigkeit breitete sich im Raum aus. Ich dachte, ich versage als Lehrer. Ich hätte es so einrichten sollen, dass sie gewinnen konnten. Sie dürften nicht so versagen. Ich hatte sie im Stich gelassen. Und ich fühlte mich so traurig und deprimiert. Und plötzlich kam Brennan zu meinem Stuhl und packte die Glocke, die ich immer läute, um einen Wechsel oder Kabinettssitzungen einzuberufen, und er rannte zurück zu seinem Stuhl und klingelte. Jeder rannte zu seinem Stuhl, es gab ein Gezeter, es gab ein Gebrüll, es wurde mit Dossiers gefuchtelt. Sie bekommen so Dossiers für ihre geheimen Dokumente. Sie gestikulierten, rannten herum. Ich wusste nicht, was sie machten. Ich hatte die Kontrolle über mein Klassenzimmer verloren. Wenn jetzt der Schulleiter hereinkommt, verliere ich den Job. Eltern schauten durch das Fenster herein.
Und Brennan rennt zurück zu seinem Stuhl. Alle rennen zurück zu ihren Stühlen. Er läutet noch einmal die Glocke. Er sagt: "Wir legen" – und es bleiben nur noch 12 Sekunden Zeit – "wir legen jetzt alles Geld aller Nationen zusammen. Und wir haben 600 Milliarden Dollars. Wir offerieren sie diesem armen Land als Spende. Und wenn sie annehmen, wird das ihr Vermögen erhöhen und wir können das Spiel gewinnen. Werdet ihr das annehmen?" Und es blieben nur noch drei Sekunden Zeit. Alle schauen auf diesen Premierminister dieses Landes, und er sagt: "Ja". Und das Spiel war gewonnen. Spontanes Mitgefühl, das nicht hätte geplant werden können, das unerwartet und unvorhersehbar war.
Jedes Spiel, das wir spielen ist anders. Einige Spiele handeln mehr von sozialen Themen, andere sind mehr über wirtschaftliche Themen. Wieder andere Spiele sind mehr über Krieg. Aber ich versuche nicht, ihnen diese Realität des Menschseins zu verweigern. Ich erlaube ihnen, dorthin zu gehen und, durch ihre eigene Erfahrung, auf unblutige Weise zu lernen wie man etwas, das man als falsch erachtet, nicht tut. Und sie finden heraus, was richtig ist auf ihre Weise, sie ganz allein. Und so habe ich in diesem Spiel so viel gelernt, aber ich möchte sagen wenn sie sich doch nur ein Werkzeug zum kritischen Denken aneignen oder ein Hilfsmittel zum kreativen Denken aus diesem Spiel, und wirksam einsetzen für etwas Gutes in der Welt, dann können sie uns alle vielleicht retten. Wenn das doch nur geschähe.
Und im Namen all meiner Lehrer, auf deren Schultern ich hier stehe, danke ich Ihnen. Danke. Danke.
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John Hunter legt alle Probleme der Welt auf einem ca. 120 x 150 cm grossen Stück Sperrholz aus und lässt sie von seinen Viertklässlern lösen. An der TED 2011 Konferenz erklärt er, wie sein Weltfriedens-Spiel die Schulkinder fesselt und warum die komplexen Lehren, die daraus gezogen werden – spontan und immer überraschend – viel weiter führen als eine herkömmliche Lektion.
Teacher and musician John Hunter is the inventor of the World Peace Game (and the star of the new doc "World Peace and Other 4th-Grade Achievements"). Full bio »
Translated into German by Susi Tuerler
Reviewed by Karin Friedli
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12:30 Posted: Jan 2011
Views 595,944 | Comments 530
20:59 Posted: Aug 2008
Views 798,529 | Comments 143
17:13 Posted: Sep 2010
Views 1,414,992 | Comments 466
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