Ehrlich gesagt habe ich auf den Anruf von TED jahrelang gewartet. Schon 2000 wollte ich über eBay sprechen, doch es kam kein Anruf. 2003 war ich bereit, einen Vortrag über die Skoll Foundation und soziales Unternehmertum zu halten. Kein Anruf. 2004 startete ich Participant Productions, und unser erstes Jahr verlief sehr gut, aber es kam kein Anruf. Und dann bekam ich letztes Jahr endlich einen Anruf, dass ich direkt nach J.J. Abrams sprechen soll. (Lachen) TED hat einen grausamen Humor. (Lachen)
Als ich damals aus dem Silicon Valley nach Hollywood zog, plagten mich anfangs einige Zweifel. Doch dann fand ich heraus, dass ein Leben in Hollywood Vorteile hat. (Lachen) Ebenso der Besitz eines eigenen Medienunternehmens. Zudem stellte ich fest, dass Hollywood und Silicon Valley viel mehr gemeinsam haben, als ich geahnt hatte. Hollywood hat seine Sexsymbole, und Silicon Valley hat seine Sexsymbole. (Lachen) Hollywood hat seine Rivalen, und Silicon Valley auch. Hollywood versammelt sich um Salontische und Silicon Valley auch. Also stellte sich heraus, dass sie viel mehr gemeinsam hatten, als ich mir jemals gedacht hätte.
Aber eigentlich bin ich heute hier, um eine Geschichte zu erzählen. Teilweise ist sie eine persönliche Geschichte. Als Chris mich bat, diesen Vortrag zu halten sagte er, die Menschen würden in mir eine Art Rätsel sehen und wollten mehr über meinen inneren Antrieb wissen. Was mich wirklich antreibt, ist eine Zukunftsvision die wir, wie ich glaube, alle teilen. Eine Welt des Friedens und Wohlstands und der Nachhaltigkeit. Während der letzten Tage haben wir viele Vorträge gesehen, z. B. Ed Wilson und James Nachtweys Bilder. Ich glaube, uns wurde dabei klar, wie weit der Weg zu dieser neuen Form der Menschheit noch ist. Ich möchte sie "Menschheit 2.0" nennen. Was uns ebenfalls alle bewegt, ist die Beendigung der, wie ich denke, zwei größten Missstände der heutigen Zeit.
Das sind erstens ungleiche Chancen, eine Kluft, die Präsident Clinton gestern Abend als ungleichmäßig, unfair und unhaltbar bezeichnete. Sie führt zu Armut, Analphabetismus und Krankheit und all den Übeln, die wir um uns herum sehen können. Aber die noch größere Kluft könnte die Kluft in der Hoffnung sein. Irgendwer hatte einmal diese schlimme Vorstellung, dass ein durchschnittlicher Mensch keinen Unterschied auf der Welt bewirken könne. Ich denke, das ist einfach ein schrecklicher Gedanke. Und damit beginnt das erste Kapitel tatsächlich heute mit uns allen, weil in jedem von uns die Kraft steckt, die Unterschiede bezüglich Chancen und Hoffnung auszugleichen. Und wenn nicht die Männer und Frauen von TED einen Unterschied in der Welt ausmachen können, wer dann?
Für mich begann vieles, als ich noch jünger war und meine Familie regelmäßig zum Camping ins New Yorker Hinterland fuhr. Im Sommer war dort nicht viel zu tun, außer von meiner Schwester Prügel zu bekommen oder Bücher zu lesen. Und so kam es, dass ich Autoren wie James Michener, James Clavell und Ayn Rand las. Ihre Geschichten ließen die Welt wie einen sehr kleinen und vernetzten Ort aussehen. Und ich dachte, wenn ich Bücher schreiben könnte, in denen diese Welt klein und vernetzt war, könnte ich vielleicht Menschen für die Probleme, die uns alle betreffen, interessieren und sie vielleicht sogar dazu bewegen, die Welt zu verbessern.
Ich glaubte nicht, dass das unbedingt die beste Art wäre, mein Geld zu verdienen. Also beschloss ich, nach finanzieller Unabhängigkeit zu streben, damit ich möglichst bald mit dem Geschichtenschreiben anfangen konnte. Mit 14 wurde ich wach gerüttelt. Eines Tages kam mein Vater nach Hause und teilte uns mit, dass er Krebs hatte und es ziemlich schlecht aussah. Er sagte, dass er nicht vor dem Sterben große Angst hätte, sondern davor, dass er mit seinem Leben nicht das getan hätte, was er ursprünglich wollte. Zum Glück lebt er heute, viele Jahre später, noch. Aber als junger Mann hat mich der Gedanke, dass keiner weiß, wieviel Zeit ihm noch bleibt, stark geprägt. Also musste ich mich beeilen. Ich studierte Ingenieurswissenschaften. Ich startete ein paar Unternehmen, von denen ich glaubte, sie wären das Ticket zur finanziellen Freiheit.
Eines davon war ein Computerverleihgeschäft mit dem Namen Micros on the Move ("Mikros unterwegs"). Dieser Name passte hervorragend, da die Computer des öfteren geklaut wurden. (Lachen) Also dachte ich, ich sollte mehr über Betriebswirtschaft lernen, weshalb ich ein Studium an der Stanford Business School begann. Dort schloss ich Freundschaft mit einem Mann namens Pierre Omidyar, der heute hier ist. Pierre, bitte verzeih mir. Dies ist ein Foto aus alten Zeiten. Kurz nach meinem Studienabschluss kam Pierre mit dieser Idee zu mir, Menschen zu helfen, Dinge untereinander online zu kaufen und zu verkaufen. Mit dem Wissen aus meinem Studium in Stanford sagte ich: "Pierre, was für eine dumme Idee." (Lachen) Und natürlich behielt ich Recht. (Lachen)
Aber gleich darauf, Pierre – '96 kündigten Pierre und ich unsere festen Jobs, um aus eBay eine Firma zu machen. Den Rest der Geschichte kennen Sie ja. Zwei Jahre später ging die Firma an die Börse und ist heute eine der bekanntesten Firmen der Welt. Hunderte Millionen nutzen den Service in hunderten von Ländern und so weiter. Aber für mich persönlich war dies eine große Veränderung. Früher lebte ich mit fünf Leuten zusammen in einem Haus in Palo Alto und lebte von dem, das sie mir übrig ließen und dann hatte ich plötzlich all diese Dinge und Möglichkeiten. Ich wollte herausfinden, wie ich den Segen dieser Ressourcen mit der Welt teilen könnte.
Ungefähr zu dieser Zeit traf ich John Gardner, der ein bemerkenswerter Mann ist. Er organisierte das Great Society Program unter Lydon Johnson in den 1960er Jahren. Und ich fragte ihn, was man seiner Meinung nach am besten tun könnte, um die Welt in Hinblick auf die großen Probleme der Menschheit zu verbessern. Und John sagte: "Wette auf gute Leute, die Gutes tun. Wette auf gute Leute, die Gutes tun." Das hat mich voll angesprochen.
Ich gründete eine Stiftung, um in diese guten Menschen zu investieren, die Gutes tun. Die führenden, innovativen, gemeinnützig denkenden Typen, die ihren Geschäftssinn mit großer Effizienz einsetzen, um soziale Probleme zu lösen. Leute, die man heute soziale Unternehmer nennt. Um der Sache ein Gesicht zu verleihen: Menschen wie Mohammed Yunus, der die Grameen Bank gründete, rettete mehr als 100 Millionen Menschen auf der Welt aus der Armut und gewann den Friedensnobelpreis. Doch es gibt noch eine Reihe weiterer Menschen, die Sie nicht kennen. Leute wie Ann Cotton, die eine Gruppe namens CAMFED in Afrika gründete, weil sie der Meinung war, Mädchen erhielten zu wenig Bildung. Sie fing vor ca. 10 Jahren an und unterrichtet heute über 250.000 Mädchen in Afrika. Oder jemand wie Dr. Victoria Hale, die das erste Nonprofit-Pharmazie- Unternehmen weltweit gründete. Das erste Medikament wird Innere Leishmaniose bekämpfen, auch bekannt als Schwarzes Fieber. Sie hofft, diese Krankheit, die in den Entwicklungsländern eine wahre Plage ist, bis 2010 eliminieren zu können. Das ist also ein möglicher Weg in gute Menschen zu investieren, die Gutes tun.
All dies kommt in einer Philosophie der Veränderung zusammen, die, wie ich finde, sehr mächtig ist. Wir nennen das "Investieren, verbinden und feiern". Investieren Sie: Wenn Sie gute Menschen Gutes tun sehen, investieren Sie in sie. Investieren Sie in ihre Organisationen oder in ihre Firmen, investieren Sie in diese Leute. Führen Sie sie durch Konferenzen zusammen, so wie TED viele mächtige Verbindungen herstellt oder durch das Weltforum des sozialen Unternehmertums, die meine Stiftung jährlich in Oxford organisiert. Und feiern Sie sie: Erzählen Sie ihre Geschichten. Denn sie sind nicht nur gute Menschen, die gute Arbeit leisten, sondern ihre Geschichten können die Kluft der Hoffnung schließen helfen.
Dieser letzte Teil der Mission, das Feiern, erinnerte mich stark daran, als ich noch ein Kind war und ich Leuten Geschichten erzählen wollte, um sie für die Probleme, die uns alle betreffen, zu interessieren. Und mir ging ein Licht auf: Nämlich, dass ich erstens nicht selbst Autor werden musste, sondern andere Autoren finden konnte. Und zweitens, besser als einfach nur zu schreiben: Was ist mit Film und Fernsehen, um Menschen im großen Stil zu erreichen? Ich dachte an Filme, die mich inspiriert haben, Filme wie Gandhi und Schindlers Liste. Ich fragte mich, wer heute solche Filme drehte. Es gab kein spezifisches Medienunternehmen, das sich auf das öffentliche Interesse konzentrierte.
Also machte ich 2003 meine Runde durch Los Angeles und sprach über das Konzept eines sozialen Medienunternehmens, wofür ich viel Ermutigung erntete. Einer der besten Kommentare, den ich immer wieder hörte, war: "Die Straßen Hollywoods sind gesäumt mit Kadavern wie dir, die glauben, sie werden in diese Stadt kommen und Filme drehen." Dann gab es noch einen anderen Spruch: "Am sichersten wird man Millionär, wenn man als Milliardär anfängt und ins Filmgeschäft einsteigt." (Lachen)
Unbeeindruckt davon gründete ich 2004 Participant Productions mit der Vision, ein globales Medienunternehmen zu werden, das sich auf das öffentliche Interesse konzentriert. Unsere Mission ist es, Unterhaltung zu schaffen, die soziale Veränderungen schafft und anregt. Wir wollen nicht, dass Menschen unsere Filme anschauen und sagen, "das war lustig", und sie dann wieder vergessen. Wir möchten, dass Menschen sich für die Probleme interessieren. 2005 begannen wir mit der ersten Staffel Filme: "Murderball", "Kaltes Land", "Syriana" und "Good Night, and Good Luck". Zu meiner großen Überraschung fanden sie Beachtung.
Wir erhielten 11 Oskarnominierungen für diese Filme. Es wurde schließlich zu einem ziemlich guten Jahr für diesen Typen. Viel wichtiger war aber, dass Zehntausende Menschen bei den Fürsprache- und Aktionsprogrammen mitmachten, die begleitend zu den Filmen entstanden. Es gab davon auch eine Online-Komponente, unsere Gemeinschaftssekte namens Participate.net. Aber aufgrund unserer Partner aus dem sozialen Bereich – wie z. B. ACLU, PBS und dem Sierra Club und NRDC – gab es tatsächlich etwas, das Menschen nach einem Film bewirken konnten.
Einer dieser Filme namens "Kaltes Land" war in Wahrheit ein Desaster an den Kinokassen. Aber in diesem Film spielte Charlize Theron mit, und er handelte von Frauenrechten, der Ermächtigung von Frauen, häuslicher Gewalt, etc. Der Film kam zu dem Zeitpunkt heraus, als der Kongress in den USA die Erneuerung des Gesetzes gegen Gewalt an Frauen diskutierte. Durch die Filmvorführungen, Diskussionen und der Beteiligung unserer Partner aus dem Sozialbereich, wie die National Organization of Women, gab man dem Film eine Mitverantwortung daran, dass das Gesetz erfolgreich erneuert wurde. Das sagt für mich viel aus, denn der Film begann als eine wahre Geschichte einer Frau, die belästigt wurde und ihren Arbeitgeber verklagte. Dies führte zu einem Präzedenzfall, der wiederum zum Gesetz für Chancengleichheit und dem Gesetz gegen Gewalt an Frauen und weiteren Gesetzen führte. Der Film über diese Person führte dann zur Gesetzeserneuerung. Das wiederum bringt uns zurück zur Wette auf gute Leute, die Gutes tun.
Apropos, unser TED-Kollege Al – ich traf Al zum ersten Mal, als er seinen Diavortrag über die Klimaerwärmung im Mai 2005 hielt. Damals glaubte ich, etwas über den Klimawandel zu wissen. Ich dachte, das Problem käme in 30-50 Jahren auf uns zu. Nach seinem Vortrag war es klar, dass es viel brennender war. Also habe ich Al danach mit Lawrence Bender, Laurie David und Davis Guggenheim getroffen, der damals gerade für Participant Dokus machte. Mit Als Zustimmung beschlossen wir sofort, einen Film daraus zu machen, denn wir hatten das Gefühl, die Botschaft vermitteln zu können, und zwar viel schneller als wenn wir Al um die Welt schicken würden, wo er pro Vortrag 100 oder 200 Menschen erreicht.
Es gibt noch einen Spruch in Hollywood, nämlich dass keiner irgendetwas über irgendetwas weiß. Ich dachte, das würde sicher ein karitatives PBS-Projekt werden. Wir erlebten alle einen großen Schock, als die Öffentlichkeit sich für diesen Film interessierte. Heute gehört er zum Fixprogramm für Schulen in England und Schottland und einem Großteil Skandinaviens. Wir schickten 50.000 DVDs an High School-Lehrer in den USA, und er hat die Debatte über die Klimaerwärmung wirklich verändert. Es war auch ein ziemlich gutes Jahr für diesen Typen. Wir nennen Al nun den George Clooney des Klimawandels. (Lachen)
Für Participant ist das nur der Anfang. Alle unsere Aktivitäten drehen sich um die größeren Probleme auf der Welt. 10 Filme werden gerade gedreht, und Dutzende weitere befinden sich in Entwicklung. Ich werde kurz über die neuesten sprechen. Einer heißt "Der Krieg des Charlie Wilson", mit Tom Hanks und Julia Roberts. Es ist die wahre Geschichte des Kongressabgeordneten Charlie Wilson, und wie er die Taliban im Kampf gegen die Russen in Afghanistan finanziert hat. Wir drehen auch einen Film namens "Drachenläufer", der auf dem gleichnamigen Buch basiert und auch von Afghanistan handelt. Wir glauben, wenn Menschen diese Filme gesehen haben, werden sie jenen Teil der Welt besser verstehen, und den Nahen Osten allgemein.
Beim diesjährigen Sundance Festival haben wir den Film "Chicago 10" vorgeführt. Er basiert auf die Demonstranten bei der Versammlung der Demokraten in den USA 1968, Abby Hoffman und Team, und wieder auf der Geschichte einer kleinen Anzahl Menschen, die die Welt verändert haben. Und einen Dokumentarfilm über Jimmy Carter und seine jahrelangen Friedensbemühungen im Nahen Osten. Wir sind ihm auf seiner neuesten Lesereise gefolgt, die, wie viele unter Ihnen wissen, gar keine Kontroversen ausgelöst hat – (Lachen) - was sehr schlecht ist, wenn man Leute dazu bringen will, einen Film anzuschauen.
Abschließend möchte ich sagen, dass jeder die Möglichkeit hat, auf seine Art eine Veränderung auszulösen. Alle Menschen in diesem Raum haben das in ihrem Geschäftsleben gemacht, in ihrer Wohltätigkeitsarbeit oder ihren anderen Interessen. Ich habe gelernt, dass es nicht nur einen richtigen Weg zur Veränderung gibt. Man kann sie als Techniker, als Finanzierer, gemeinnütziger Mensch oder als Unterhalter bewirken. Aber jeder von uns ist all dies und mehr.
Ich glaube, wenn wir diese Dinge machen, können wir die Kluft zwischen den Chancen und die Kluft in der Hoffnung schließen. Ich kann mir vorstellen, dass die Schlagzeilen in 10 Jahren dann so ähnlich klingen könnten: "AIDS-Neuerkrankungen in Afrika liegen bei Null", "Die USA importieren ihr letztes Ölfass" – (Applaus) "Israel und Palästina feiern 10 Jahre friedlicher Koexisenz". (Applaus) Diese mag ich: "Auf dem Kilimandscharo liegt wieder Schnee". (Lachen) Und schließlich ein eBay-Eintrag für "Einen weltbekannten Diavortrag, inzwischen obsolet, ein Museumsstück. Bitte kontaktieren Sie Al Gore." Ich glaube, durch Zusammenarbeit kann dies alles geschehen. Vielen Dank, dass ich heute hier sein durfte. Es war mir eine Ehre. Vielen Dank. (Applaus) Vielen Dank.
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Der Filmproduzent Jeff Skoll (Eine unbequeme Wahrheit) spricht über seine Filmschmiede "Participant Productions" und über die Menschen, die ihn dazu inspiriert haben, Gutes zu tun.
Jeff Skoll was the first president of eBay; he used his dot-com fortune to found the film house Participant Productions, making movies to inspire social change, including Syriana; Good Night, and Good Luck; Murderball; An Inconvenient Truth ... Full bio »
Translated into German by Johanna Pichler
Reviewed by Angelika Lueckert
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18:02 Posted: Jan 2008
Views 1,479,508 | Comments 190
17:36 Posted: Sep 2007
Views 224,457 | Comments 144
34:25 Posted: Oct 2006
Views 387,583 | Comments 49
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