Guten Morgen zusammen. Zunächst einmal finde ich es fantastisch in den vergangenen Tagen hier dabei gewesen zu sein. Und zweitens empfinde ich es als große Ehre, diese außergewöhnliche Zusammenkunft von Menschen und diese fantastischen Vorträge, die wir gehört haben, abzuschließen. Ich denke, ich stimme in vielerlei Hinsicht mit Einigem, das ich hier gehört habe, überein. Ich komme direkt aus dem tiefsten tropischen Regenwald in Ecuador hierher, wo ich -- man kam dort nur mit dem Flugzeug hin -- bei den Einheimischen war, die bunte Farbe im Gesicht und Papageienfedern als Kopfschmuck trugen. Wo diese Menschen darum kämpfen, die Ölfirmen und deren Verkehrsstraßen von ihren Wäldern fernzuhalten. Sie kämpfen darum, ihre eigene Lebensweise in diesem Wald weiterzuentwickeln, in einer Welt, die noch sauber ist, einer Welt, die noch nicht verseucht, in einer Welt, die noch nicht verschmutzt ist. Und was ich so erstaunlich fand, und das passt sehr gut zu dem, worüber wir hier bei TED geredet haben, ist, dass dort, mitten in diesem Regenwald, ein paar Sonnenkollektoren standen -- die ersten in diesem Teil Ecuadors -- und zwar vor allem, um Wasser mit Pumpen zu fördern, damit die Frauen nicht mehr hinuntersteigen müssen. Das Wasser wurde gereinigt, aber weil sie viele Batterien bekamen, konnten sie viel Strom speichern. Damit konnte jedes Haus -- es gab, glaube ich, acht Häuser in dieser kleinen Gemeinde -- elektrisches Licht haben für ich glaube etwa eine halbe Stunde jeden Abend. Und hier ist der Häuptling, in seiner vollen königlichen Tracht, mit einem Laptop. (Gelächter) Und dieser Mann, er lebte schon einmal außerhalb der Gemeinde, kam aber wieder zurück, er sagte: "Wissen Sie, wir sind plötzlich in ein völlig neues Zeitalter gesprungen, vor 50 Jahren wussten wir noch nicht einmal etwas vom Weißen Mann, und nun sitzen wir hier mit Laptops, und es gibt Einiges, was wir von der modernen Welt lernen möchten. Wir möchten etwas über medizinische Versorgung lernen. Wir möchten wissen, was andere Menschen tun -- wir interessieren uns wirklich dafür. Und wir wollen andere Sprachen lernen. Wir wollen Englisch und Französisch lernen, und vielleicht Chinesisch, wir sind gut in Sprachen." Da ist er also mit seinem kleinen Laptop, aber er kämpft gegen einen mächtigen Druck von außen -- wegen der Schulden, der Auslandsverschuldung von Ecuador -- er kämpft gegen den Druck von der Weltbank, vom IWF und natürlich von den Menschen, die die Wälder ausbeuten und dort Öl fördern wollen. Ich komme also direkt von dort hierher. Aber natürlich ist mein wirkliches Fachgebiet eine ganz andere Art von Zivilisation -- ich kann es nicht wirklich Zivilisation nennen. Eine andere Lebensweise, eine andere Lebensform. Wir haben hier schon -- in dem wundervollen Vortrag von Wade Davis -- über die verschiedenen Kulturen der Menschen in der ganzen Welt gesprochen, aber die Welt besteht nicht nur aus Menschen, es gibt auch noch andere Lebewesen. Und ich bringe in diese TED-Konferenz, wie ich es immer überall auf der Welt tue, die Stimme des Tierreichs ein. Zu oft sehen wir nur ein paar Dias oder ein paar Filmaufnahmen, aber diese Lebewesen haben Stimmen, die etwas ausdrücken. Und deshalb möchte ich Sie begrüßen, wie es ein Schimpanse in den Wäldern von Tansania tun würde -- uh, uh, uh, uh, uh, uh, uh, uh, uh, uh, uh, uh, uh, uh, uh! (Applaus) Ich studiere die Schimpansen in Tansania seit 1960. In dieser Zeit wurden moderne Technologien entwickelt, die die Arbeit von Biologen und Verhaltensforschern wirklich grundlegend verändert haben. Zum Beispiel konnten wir vor ein paar Jahren zum ersten Mal, nur mit ein paar gesammelten Kotproben, die wir analysieren lassen konnten -- um DNA-Profile erstellen zu lassen -- zum ersten Mal also konnten wir tatsächlich herausfinden, welche männlichen Schimpansen die Väter der einzelnen Jungtiere waren. Schimpansen wechseln nämlich recht häufig ihre Partner. Hier eröffnet sich uns also eine völlig neue Forschungsrichtung. Wir benutzen auch GPS -- geographisches, was auch immer GPS bedeutet -- um den Bewegungsradius der Schimpansen zu bestimmen. Wir benutzen -- Sie sehen, dass ich mich damit nicht gut auskenne -- jedenfalls benutzen wir Satellitenbilder, um die Entwaldung in dieser Region zu beobachten. Und natürlich gab es Entwicklungen in der Infrarot-Technik, mit der wir die Tiere bei Nacht beobachten können, und auch die Technik für Video- und Tonaufnahmen ist viel leichter und besser geworden. In vielerlei Hinsicht können wir heute also Dinge tun, die wir 1960, als ich anfing, noch nicht tun konnten. Besonders wenn wir Schimpansen und andere Tiere mit großen Gehirnen in Gefangenschaft studieren, hilft uns die moderne Technik, nach höheren kognitiven Ebenen bei einigen dieser nicht-menschlichen Lebewesen zu suchen. Wir wissen deshalb heute, dass sie zu Leistungen fähig sind, die die Forschung für absolut unmöglich gehalten hat, als ich angefangen habe. Ich denke, der am besten für intellektuelle Leistungen trainierte Schimpanse in Gefangenschaft ist Ai in Japan -- ihr Name bedeutet Liebe -- und sie hat einen wunderbar einfühlsamen Trainer, der mit ihr arbeitet. Sie liebt ihren Computer -- dafür lässt sie ihre große Gruppe und ihr fließend Wasser, ihre Bäume und alles stehen. Und dann setzt sie sich an diesen Computer -- es ist wie ein Videospiel für ein Kind, sie ist süchtig. Sie ist übrigens 28 Jahre alt, und sie macht Dinge mit ihrem Computerbildschirm und einem Touchpad, und zwar schneller als die meisten Menschen. Sie löst sehr komplexe Aufgaben, ich habe jetzt nicht die Zeit, das genauer zu beschreiben, aber das Erstaunliche an diesem Weibchen ist, dass sie es nicht mag, wenn sie Fehler macht. Wenn sie nicht gut war und ihr Ergebnis schlecht ist, dann kommt sie zurück, reckt sich nach oben und klopft ans Glas -- weil sie den Versuchsleiter nicht sehen kann -- damit bittet sie um einen neuen Versuch. Ihre Konzentration -- sie hat sich ja schon etwa 20 Minuten lang sehr konzentriert, und nun will sie das ganze noch mal machen, nur wegen der Genugtuung, dass sie es diesmal besser gemacht hat. Das Futter ist dabei nicht wichtig -- sie bekommt eine winzige Belohnung, eine Rosine für eine richtige Antwort -- aber sie macht es auch umsonst, wenn man es ihr vorher sagt. So sieht's also aus, ein Schimpanse, der einen Computer benutzen kann. Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans lernen auch die menschliche Zeichensprache. Aber das Entscheidende ist: als ich 1960 das erste Mal in Gombe war -- ich erinnere mich daran so gut, als wäre es gestern gewesen -- das erste Mal, als ich durch die Vegetation zog, rannten die Schimpansen noch meistens vor mir weg, obwohl einige das schon ein bisschen gewöhnt waren -- da sah ich diese dunkle Gestalt, über einen Termitenhügel gebeugt, und ich beobachtete sie mit meinem Fernglas. Es war zum Glück ein erwachsenes Männchen, das ich David Greybeard ("David Graubart") nannte -- übrigens ermahnte mich die Forschung damals, dass ich den Schimpansen keine Namen geben sollte, sondern dass sie alle Nummern bekommen sollten, weil das wissenschaftlicher sei. Jedenfalls, David Greybeard -- ich sah, dass er kleine Grashalme pflückte und sie benutzte, um Termiten aus ihrem unterirdischen Nest zu fischen. Und nicht nur das -- manchmal pflückte er einen Zweig mit Blättern und riss dann die Blätter ab. Ein Objekt zu verändern, um es für einem bestimmten Zweck nutzbar zu machen -- das ist der Anfang der Werkzeugherstellung. Das war so aufregend und ein echter Durchbruch, weil wir damals noch dachten, dass Menschen, und zwar nur Menschen, Werkzeuge gebrauchen und herstellen. Als ich zur Schule ging, definierte man uns als Menschen, die Werkzeughersteller. Als Louis Leakey, mein Betreuer, damals von dieser Neuigkeit erfuhr, sagte er, "Ah, jetzt müssen wir entweder den Menschen oder das Werkzeug neu definieren oder Schimpansen als Menschen akzeptieren." (Gelächter) Wir wissen heute, dass es alleine in Gombe neun verschiedene Arten gibt, auf die Schimpansen verschiedene Objekte zu unterschiedlichen Zwecken verwenden. Darüber hinaus wissen wir, dass es in anderen Teilen Afrikas, überall wo man Schimpansen studiert hat, völlig unterschiedliche Verhaltensweisen im Werkzeuggebrauch gibt. Und weil es scheint, dass diese Verhaltensmuster von einer Generation zur nächsten weitergereicht werden, und zwar durch Beobachtung, Imitation und Übung -- ist das eine Definition menschlicher Kultur. Im Laufe dieser gut 40 Jahre, in denen ich und andere Forscher Schimpansen und die anderen großen Affen erforscht haben, und wie gesagt auch andere Säugetiere mit komplexen Gehirnen und sozialen Systemen, haben wir gesehen, dass wir am Ende keine klare Trennlinie ziehen können, mit der wir Menschen vom Rest des Tierreichs abgrenzen können. Es ist eine sehr unscharfe Linie. Und sie wird immer unschärfer, weil wir sehen, dass Tiere Dinge tun, die wir in unserer Arroganz immer für ausschließlich menschlich gehalten haben. Schimpansen haben -- leider ist keine Zeit, um ihre faszinierenden Lebenswege zu diskutieren -- aber sie haben ein lange Kindheit, fünf Jahre lang, in denen sie gesäugt werden und bei der Mutter schlafen, und dann weitere drei, vier oder fünf Jahre, in denen sie von ihr emotional anhängig sind, sogar auch dann noch, wenn das nächste Kind zur Welt kommt. Lernen ist wichtig in dieser Zeit, wenn das Verhalten noch flexibel ist -- und es gibt unglaublich viel zu lernen in einer Schimpansengemeinschaft. Die lange liebevolle unterstützende Verbindung zur Mutter, die sich während dieser langen Kindheit entwickelt, und auch die zu den Geschwistern, kann das ganze Leben lang erhalten bleiben, und das können bis zu 60 Jahre sein. Tatsächlich können sie in Gefangenschaft älter als 60 Jahre werden, in der Wildnis haben wir erst 40 Jahre Forschung hinter uns. Und wir sehen auch, dass Schimpansen zu wahrem Mitleid und Nächstenliebe fähig sind. In ihrer nonverbalen Kommunikation -- und die ist sehr vielfältig -- benutzen sie viele Laute, in verschiedenen Situationen, aber sie verwenden dafür auch Berührungen, Körperhaltungen und Gesten, und was machen sie dabei? Sie küssen sich, sie umarmen sich, sie halten sich an den Händen. Sie klopfen sich gegenseitig auf den Rücken, sie stolzieren herum, sie ballen die Fäuste -- dasselbe was wir auch tun -- und sie tun das genau in denselben Kontexten. Ihr Art der Zusammenarbeit ist sehr hochentwickelt. Manchmal jagen sie -- nicht so oft, aber wenn sie jagen, dann arbeiten sie gut zusammen, und teilen sich die Beute. Sie zeigen Gefühle, ähnlich -- und manchmal genauso -- wie wir, wenn wir glücklich, traurig, ängstlich oder verzweifelt sind. Sie kennen seelisches wie auch körperliches Leid. Ich habe jetzt leider keine Zeit auf das einzugehen, was Ihnen Einiges hiervon beweisen würde, ich sage nur, dass es sehr kluge Studenten in den besten Universitäten gibt, die die Gefühle und die Persönlichkeiten von Tieren studieren. Wir wissen, dass Schimpansen und andere Lebewesen sich selbst im Spiegel erkennen können -- also das Selbst im Gegensatz zu anderen. Sie haben einen Sinn für Humor, und all das sind Dinge, die traditionell als menschliche Vorrechte angesehen wurden. Aber das lehrt uns eine neue Form von Respekt -- und es ist wirklich eine neue Form von Respekt, nicht nur vor Schimpansen, würde ich sagen, sondern auch vor den anderen wunderbaren Tieren, mit denen wir uns diesen Planeten teilen. Und wenn wir erst einmal bereit sind zuzugeben, dass wir nicht die einzigen Lebewesen mit Persönlichkeit, Verstand, und vor allem mit Gefühlen sind, dann fangen wir an, darüber nachzudenken, wie wir sie benutzen und missbrauchen, diese vielen anderen fühlenden, wissenden Lebewesen auf diesem Planeten, und das führt zu einem tiefen Gefühl von Scham, zumindest bei mir. Das Traurige ist, dass diese Schimpansen -- die uns vielleicht mehr als jedes andere Lebewesen ein bisschen Bescheidenheit beigebracht haben, dass sie in der Wildnis sehr schnell verschwinden. Sie verschwinden aus den Gründen, die Sie alle hier nur zu gut kennen. Die Entwaldung, der Zuwachs der menschlichen Bevölkerung, die mehr Land braucht. Sie verschwinden, weil einige Holzfirmen Kahlschlag in den Wäldern betreiben. Sie verschwinden aus dem Herz ihrer Heimat in Afrika, weil die großen multinationalen Holzbetriebe eingedrungen sind und Straßen gebaut haben -- wie sie es auch in Ecuador tun wollen und in anderen Gebieten, wo die Wälder noch unberührt sind -- um dort Öl oder Holz herauszuholen. Und das hat im Kongobecken und in anderen Teilen der Welt zu dem geführt, was wir als Buschfleisch-Handel kennen. Das bedeutet, dass obwohl seit hunderten, vielleicht tausenden von Jahren Menschen in diesen Wäldern oder auch in anderen Lebensräumen in Einklang mit ihrer Umwelt leben und dabei nur die Tiere töten, die sie für sich und ihre Familien brauchen -- dass also nun plötzlich wegen der Straßen Jäger aus den Städten eindringen können. Sie erschießen alles, alles was sich bewegt und größer als eine kleine Ratte ist, dann trocknen sie das Fleisch an der Sonne oder räuchern es. Nun haben sie Transportwege und sie nehmen es auf den Holztransportern oder den Bergbautrucks mit in die Städte und verkaufen es. Und die Menschen zahlen mehr für das Buschfleisch, wie es genannt wird, als für das Fleisch von Haustieren -- es wird in der Kultur bevorzugt. Es ist nicht nachhaltig, und auch die riesigen Lager der Holzarbeiter im Wald brauchen nun Fleisch, und so werden die Pygmäen, die im Kongobecken jagten und dort in ihrer wunderbaren Lebensweise so viele hunderte Jahre lang gelebt haben, verdorben. Sie bekommen Waffen, schießen Wild für die Holzarbeiter und bekommen Geld dafür. Ihre Kultur wird zerstört und mit ihr die Tiere, von denen diese Menschen abhängen. Wenn die Lager weiterziehen, bleibt nichts zurück. Wir haben schon über den Verlust kultureller Vielfalt gesprochen, und ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Das düstere Bild in Afrika -- ich liebe Afrika, aber was sehen wir in Afrika? Wir sehen Entwaldung, wir sehen fortschreitende Wüstenbildung, Hungersnöte, wir sehen Krankheit und wir sehen Bevölkerungswachstum in Gebieten, in denen heute mehr Menschen auf einem Stück Land leben als dieses Land überhaupt ernähren kann, und sie sind zu arm, um Essen von anderswo zu kaufen. Waren die Menschen, von denen wir gestern gehört haben, die auf der Osterinsel ihren letzten Baum gefällt haben -- waren die dumm? Wussten sie nicht, was da passierte? Natürlich wussten sie das, aber wenn Sie die lähmende Armut in einigen Teilen der Welt gesehen haben, ist das keine Frage von "Lassen wir den Baum für die Zukunft stehen". "Wie soll ich heute meine Familie versorgen? Vielleicht kann ich nur ein paar Dollar für diesen letzten Baum kriegen und uns damit ein bisschen länger über Wasser halten und dann beten wir darum, dass etwas passiert, das uns vor dem unausweichlichen Ende bewahrt." Das ist ein ziemlich düsteres Bild. Das einzige, was wir haben, das uns wirklich unterscheidet von Schimpansen und anderen Lebewesen, ist unsere hochentwickelte Sprache -- eine Sprache, mit der wir Kindern von Dingen erzählen können, die wir nicht direkt vor Augen haben. Wir können über die ferne Vergangenheit sprechen und für die ferne Zukunft planen, Ideen miteinander diskutieren, so dass diese Ideen durch das gesammelte Wissen einer Gruppe wachsen können. Wir können das tun, indem wir miteinander sprechen, und mit Videos, und im geschriebenen Wort. Wir missbrauchen unsere große Macht, um schlaue Verwalter zu sein, und wir zerstören die Welt. In der entwickelten Welt ist es in gewisser Weise noch schlimmer, weil wir Zugang zu so viel Wissen haben, Wissen darüber, wie dumm das ist, was wir tun. Wissen Sie, dass wir kleine Kinder in eine Welt setzen, in der sie an vielen Orten das Wasser vergiftet. Und ihnen die Luft schadet, und das Essen vergiftet, das auf verseuchtem Boden angebaut wird. Und das nicht in den weit entfernten Entwicklungsländern, sondern überall. Wissen Sie, dass wir heute etwa 50 Chemikalien im Körper haben, die wir vor etwa 50 Jahren noch nicht kannten? Und dass so viele Krankheiten wie Asthma und einige Arten von Krebs immer mehr zunehmen und zwar an den Orten, wo wir unseren dreckigen, giftigen Müll abladen. Wir schaden uns selbst auf der ganzen Welt, und wir schaden den Tieren und genauso der Natur. Mutter Natur, die uns hervorgebracht hat. Mutter Natur, von der ich glaube, dass wir in ihr Zeit verbringen müssen, wo Bäume und Blumen und Vögel sind für eine gute psychische Entwicklung. Trotzdem gibt es hunderte Kinder in den Industrienationen, die niemals Natur sehen, weil sie in Beton aufwachsen und nur die virtuelle Realität kennen, ohne die Möglichkeit, in der Sonne zu liegen, oder im Wald, wo kleine Sonnensprenkel durch die Baumkronen zu ihnen durchscheinen. Als ich durch die Welt reiste, musste ich den Wald verlassen -- den ich liebe. Ich musste diese faszinierenden Schimpansen verlassen, damit meine Studenten und Mitarbeiter weiter studieren konnten, denn als klar wurde, dass ihre frühere Anzahl von zwei Millionen vor 100 Jahren auf heute etwa 150.000 geschrumpft ist, da wusste ich, dass ich den Wald verlassen musste, um alles mir mögliche zu tun, um in der ganzen Welt dafür das Bewusstsein zu schärfen. Und je mehr ich über die Notlage der Schimpansen redete, desto mehr merkte ich, dass alles miteinander verbunden ist, und die Probleme der Entwicklungsländer so oft von der Gier der Industrienationen verursacht wird, und alles fügte sich ineinander und ergab -- keinen Sinn, Sie sagten, im Sinn liegt Hoffnung -- nein, es ergibt sozusagen Unsinn. Wie machen wir das? Gestern sagte das jemand, und als ich herumreiste, traf ich ständig junge Menschen, die die Hoffnung verloren hatten. Sie waren verzweifelt und dachten, "Naja, es ist ja egal, was wir machen, lasst uns essen, trinken und fröhlich sein, morgen sterben wir eh. Alles ist hoffnungslos -- das sagen uns doch auch die Medien die ganze Zeit." Und dann traf ich einige, die wütend waren, und Wut kann sich in Gewalt verwandeln, das kennen wir alle. Ich habe drei kleine Enkelkinder, und einige Studenten auf der Highschool oder der Universität sagten zu mir: "Wir sind wütend", oder: "Wir sind völlig verzweifelt, weil wir das Gefühl haben, dass ihr unsere Zukunft aufs Spiel gesetzt habt und dass wir nichts dagegen tun können." Ich schaute meinen kleinen Enkeln in die Augen und dachte daran, wie sehr wir diesem Planeten geschadet haben, seit ich in ihrem Alter war. Ich fühle eine tiefe Scham, und deshalb begann ich 1991 in Tansania ein Programm, das "Roots and Shoots" (Wurzeln und Sprösslinge) heißt. Da draußen liegen überall kleine Broschüren, und wenn jemand von Ihnen mit Kindern zu tun hat und Ihnen ihre Zukunft am Herzen liegt, dann bitte ich Sie, nehmen sie diese Broschüre mit. "Roots and Shoots" ist ein Programm für die Hoffnung. "Roots", Wurzeln, geben eine sichere Grundlage. "Shoots", Sprösslinge, erscheinen winzig aber um die Sonne zu erreichen, können Sie Steinmauern durchbrechen. Sehen Sie die Steinmauern als all die Probleme an, mit denen wir diesen Planeten belastet haben. Dann, sehen Sie, ist das eine hoffnungsvolle Botschaft. Hunderte, tausende junge Leute auf der ganzen Welt können die Mauern durchbrechen und diese Welt besser machen. Die wichtigste Botschaft von "Roots and Shoots" ist, dass jeder Einzelne etwas verändern kann. Jeder Einzelne spielt eine Rolle. Jeder von uns beeinflusst die Welt um uns herum an jedem Tag und Sie als Wissenschaftler wissen das, selbst wenn sie den ganzen Tag im Bett liegen, atmen Sie Sauerstoff ein und Kohlendioxid aus und gehen wahrscheinlich mal aufs Klo und so weiter. Sie verändern die Welt. Im "Roots and Shoots"-Programm sind Jugendliche an drei Arten von Projekten beteiligt. Das sind Projekte, die die Welt um sie herum zu einem besseren Ort machen sollen. Ein Projekt besteht darin, Sorge für unsere eigene menschliche Gemeinschaft zu tragen. Ein weiteres Projekt ist für Tiere, einschließlich einheimischer Tiere -- und ich muss sagen, ich habe alles, was ich heute über das Verhalten von Tieren weiß, schon bevor ich nach Gombe und zu den Schimpansen ging, von meinem Hund Rusty gelernt, der mich in meiner Kindheit begleitet hat. Und das dritte Projekt ist etwas für die örtliche Umwelt. Was die Kinder tun, hängt zunächst mal davon ab, wie alt sie sind -- wir decken vom Kindergarten bis zur Universität alles ab. Es hängt davon ab, ob sie in der Stadt oder auf dem Land wohnen. Es hängt davon ab, ob sie reich oder arm sind. Es hängt davon ab, in welchem Teil von, sagen wir, Amerika, sie leben. Uns gibt es nun in jedem Bundesstaat, und die Probleme in Florida sind andere als die in New York. Es hängt davon ab, in welchem Land sie leben -- wir sind schon in mehr als 60 Ländern mit etwa 5.000 aktiven Gruppen vertreten -- ich höre ständig von Gruppen, von denen ich zuvor gar nichts mitbekommen habe, weil die Kinder das Programm nehmen und es selbst verbreiten. Warum? Weil sie daran glauben und sie selbst entscheiden können, was sie machen. Das sagen ihnen nicht die Eltern oder ihre Lehrer. Das ist zwar wirksam, aber wenn sie selbst entscheiden: "Wir wollen diesen Fluss säubern und die Fische wieder zurückbringen, die früher dort waren. Wir wollen den giftigen Boden in diesem Gebiet abtragen und einen Bio-Garten anlegen. Wir wollen Zeit mit alten Menschen verbringen und uns ihre Geschichten anhören und aufschreiben. Wir wollen in einem Hundeasyl arbeiten. Wir wollen etwas über Tiere lernen. Wir wollen ..." Wissen Sie, so geht es immer weiter, und das gibt mir viel Hoffnung. Ich bin an 300 Tagen im Jahr auf Reisen durch die Welt und überall gibt es "Roots and Shoots"-Gruppen mit Kindern unterschiedlichen Alters. Überall gibt es Kinder mit leuchtenden Augen, die sagen: "Schau mal, was wir verändert haben." Und nun kommt die Technik dazu, weil sie mit den neuen digitalen Kommunikationsmöglichkeiten auf der ganzen Welt miteinander in Kontakt treten können. Wenn jemand uns helfen will, wir haben so viele Ideen aber wir brauchen Hilfe dabei -- wir brauchen Hilfe, um das richtige System zu finden, das diesen jungen Menschen dabei hilft, ihre große Freude mitzuteilen. Aber auch -- und das ist so wichtig -- ihre Verzweiflung mitzuteilen und sagen zu können "Wir haben dies und das versucht, aber es hat nicht geklappt, was sollen wir jetzt machen?" Und dann gibt es, siehe da, eine andere Gruppe, die ihnen antwortet, vielleicht in Amerika, oder in Israel, die sagt: "Ja, da habt ihr was falsch gemacht. So müsst ihr das machen." Die Philosophie ist sehr einfach. Wir glauben nicht an Gewalt. Keine Gewalt, keine Bomben, keine Waffen. Das ist kein Weg, Probleme zu lösen. Gewalt führt zu Gegengewalt, zumindest sehe ich das so. Also wie lösen wir Probleme? Die Mittel, um Probleme zu lösen, sind Wissen und Verständnis. Kenne die Fakten, aber schaue auch, wie sie in den Zusammenhang passen. Harte Arbeit und Beharrlichkeit -- gib nicht auf -- und Liebe und Mitleid führen zu Respekt vor allen Lebensformen. Wie viele Minuten noch? Zwei, eine? Chris Anderson: Eine -- ein bis zwei. Jane Goodall: Zwei, zwei, ich brauche noch zwei. (Gelächter) Kommen Sie sonst und zerren mich hier runter? (Gelächter) Wie auch immer -- also im Grunde fängt "Roots and Shoots" an, das Leben junger Menschen zu verändern. Und dem widme ich zur Zeit den Großteil meiner Energie. Ich glaube, dass eine solche Gruppe sehr viel Einfluss nehmen kann, nicht nur weil Sie und wir dieselbe Technik benutzen, sondern weil so viele von Ihnen Kinder haben. Wenn Sie dieses Programm mitnehmen und Ihren Kindern geben, haben die eine richtig gute Möglichkeit, rauszugehen und Gutes zu tun, weil sie Eltern wie Sie haben. Es ist klar geworden, wie wichtig es uns allen ist, diese Welt besser zu machen. Das ermutigt sehr. Aber die Kinder fragen mich -- und das dauert jetzt wirklich nicht mehr als zwei Minuten, versprochen -- die Kinder sagen "Dr. Jane, hast du wirklich Hoffnung für die Zukunft? Du reist herum, du siehst, wie all diese furchtbaren Dinge passieren." Erstens, das menschliche Gehirn -- darüber muss ich wohl nichts sagen. Nun, da wir die Probleme auf der Welt kennen, entwickelt das menschliche Gehirn Lösungen für diese Probleme. Darüber haben wir schon viel gesprochen. Zweitens, die Belastbarkeit der Natur. Wir können einen Fluss zerstören, und ihn wieder zum Leben bringen. Wir können zusehen, wie eine ganze Region verwüstet wird, und wir können sie wieder zum Blühen bringen, mit Zeit oder ein bisschen Hilfe. Und drittens, darüber hat der letzte -- oder der vorletzte -- Redner gesprochen, der unbezwingbare menschliche Geist. Wir sind von wirklich wunderbaren Menschen umgeben, die Dinge tun, die absolut unmöglich scheinen. Nelson Mandela -- ich habe hier ein Stück Kalkstein von der Gefängnisinsel Robben Island, wo er 27 Jahre lang geschuftet hat, und die er mit so wenig Bitterkeit verließ, dass er Leute ohne Blutvergießen aus dem Schrecken der Apartheid herausführen konnte. Selbst nach dem 11. September -- und ich war in New York und fühlte die Angst -- trotzdem, da gab es so viel Mut unter den Menschen, so viel Liebe und Mitgefühl. Als ich danach durchs Land fuhr und die Angst spürte -- Angst, die dazu führte, dass die Menschen glaubten, sie könnten sich nun keine Sorgen mehr um die Umwelt machen, für den Fall, dass sie dann nicht patriotisch genug erschienen -- versuchte ich, sie zu ermutigen, und jemand erwähnte ein kleines Zitat von Mahatma Gandhi: "Wenn wir auf die Geschichte der Menschen zurückblicken, dann sehen wir, dass jede Schreckensherrschaft vom Guten abgelöst wurde." Und kurz danach gab mir eine Frau diese kleine Glocke, und damit will ich diesen Gedanken beenden. Sie sagte: "Wenn Sie über Hoffnung und Frieden sprechen, läuten Sie sie. Diese Glocke ist aus Metall aus einer entschärften Landmine, aus den Schlachtfeldern von Pol Pot -- eine der größten Schreckensherrschaften der Geschichte -- und dort haben die Leute nun angefangen, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bringen, nachdem das Regime zusammengestürzt ist. Also, ja, es gibt Hoffnung, und wo ist sie? Da draußen bei den Politikern? Sie ist in unseren Händen. In Ihren und in meinen und in denen unserer Kinder. Es kommt wirklich nur auf uns an. Wir sind es, die etwas verändern können. Wenn wir unser Leben so führen, dass wir bewusst der Umwelt so wenig Schaden wie möglich zufügen, dass wir Dinge kaufen, die ethisch sind, und die Dinge nicht kaufen, die es nicht sind, dann können wir die Welt über Nacht verändern. Ich danke Ihnen.
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Jane Goodall hat das fehlende Bindeglied noch nicht gefunden, aber sie ist bisher näher dran als jeder andere. Die Verhaltensforscherin sagt, dass der einzige wirkliche Unterschied zwischen Menschen und Schimpansen unsere hochentwickelte Sprache ist. Und sie ermahnt uns, diese Sprache dazu zu benutzen, die Welt zu verändern.
Jane Goodall, dubbed by her biographer "the woman who redefined man," has changed our perceptions of primates, people, and the connection between the two. Over the past 45 years, Goodall herself has also evolved -- from steadfast scientist to passionate conservationist and humanitarian. Full bio »
Translated into German by Michaela Hilbert
Reviewed by Mareike Kaden
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17:25 Posted: Apr 2007
Views 1,029,562 | Comments 295
20:31 Posted: Jan 2008
Views 433,689 | Comments 80
16:25 Posted: Apr 2007
Views 565,437 | Comments 47
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