Ich möchte heute über die zwei wohl größten sozialen Trends des kommenden Jahrhunderts vielleicht sogar der nächsten 10.000 Jahre sprechen. Beginnen möchte ich aber mit meiner Arbeit über die romantische Liebe, da das meine jüngste Tätigkeit darstellt. Was ich und meine Kollegen taten, war 32 Leute, die schrecklich verliebt waren, einem fMRT Scan zu unterziehen. 17 die sehr verliebt waren und deren Liebe erwidert wurde und 15 stark Verliebte, die gerade verlassen wurden. Und so möchte ich Ihnen zuerst darüber erzählen und dann darüber, wohin ich denke die Liebe geht.
"Was ist die Liebe?", schrieb Shakespeare. Ich denke, dass Menschen sich diese Frage schon vor Millionen von Jahren gestellt haben, seit sie am Feuer zusammen saßen und die Sterne betrachteten. Ich begann zu verstehen was romantische Liebe ist, indem ich mir die psychologischen Untersuchungen der letzten 45 Jahre angesehen habe und es stellt sich heraus, dass bestimmte Dinge stattfinden, wenn man sich verliebt. Das erste, was passiert, ist, dass eine Person -wie ich es nenne- eine "spezielle Bedeutung" erlangt. Wie ein Lastwagenfahrer es mir einmal sagte, er sagte: "Die Welt hatte einen neuen Mittelpunkt und dieser war Mary Anne."
George Bernard Shaw schrieb es leicht anders. Er sagte: "Liebe besteht darin die Unterschiede zwischen der einen Frau und der anderen zu überschätzen" Und tatsächlich ist es das, was wir tun. Und dann fokussiert man sich auf diese Person. Man kann auflisten, was man an der Person nicht mag, aber dann wischt man es beiseite und konzentriert sich darauf, was man tut. So wie Chaucer sagte: "Liebe ist blind."
Um romantische Liebe zu verstehen, beschloss ich Liebesgedichte, aus der ganzen Welt zu lesen, und ich möchte Ihnen ein sehr kurzes Gedicht aus dem China des 18. Jhdts. vortragen, weil es ein perfektes Beispiel ist für einen Mann, der völlig auf eine bestimmte Frau fixiert ist. Es ist ungefähr so, wie wenn man in jemanden verliebt ist und man auf einen Parkplatz geht. Das Auto des Schwarms unterschiedet sich von allen anderen Autos in der Parkanlage. Beim Abendessen ist ihr Weinglas anders als all die anderen Weingläser auf der Party. Und in diesem Fall wurde ein Mann süchtig nach einer Schlafmatte.
Es ist vom Dichter Yuan Chen und geht folgendermaßen: "Ich kann es nicht ertragen die Bambusmatte wegzupacken. In der Nacht, in der ich dich herbrachte, habe ich dich sie ausrollen sehen." Er wurde süchtig nach der Schlafmatte, vermutlich wegen der erhöhten Dopamin-Aktivität in seinem Gehirn, genau wie bei Ihnen und mir.
Aber nicht nur, dass die Person eine spezielle Bedeutung erlangt, man richtet auch seine Aufmerksammkeit auf sie. Man hebt sie im Ansehen. Man bekommt aber auch einen Energieschub. Wie ein Polynese einmal sagte: "Ich hätte in den Himmel springen können." Man ist die ganze Nacht wach. Man läuft bis morgens rum. Man verspürt intensive Freude, wenn es gut geht, die Stimmung schlägt um in tiefste Verzweiflung, wenn es schlecht läuft. Richtige Abhängigkeit von dieser Person. Wie ein Geschäftsmann mir einmal sagte: "Alles, was sie mochte, mochte ich auch" Ganz einfach. Romantische Liebe ist sehr einfach.
Man wird sexuell sehr besitzergreifend. Wenn man nur gelegentlich mit Jemandem schläft, interessiert man sich eigentlich nicht dafür, mit wem er sonst schläft. Aber in dem Moment, in dem man sich verliebt, wird man sehr besitzergreifend von Demjenigen. Ich denke, dass das darwinistisch ist, dass es ein darwinistischess Ziel verfolgt. Der Sinn dahinter ist es zwei Menschen zusammenzubinden, stark genug, damit sie gemeinsamm Kinder aufziehen können.
Aber die Hauptcharakteristik romantischer Liebe ist Verlangen, ein starkes Verlangen danach mit dieser Person zusammen zu sein, nicht nur sexuell, sondern auch emotional. Man will eher -- es ist auch schön mit ihr zu schlafen-- aber man will auch von ihr angerufen werden, gemeinsam ausgehen u.s.w. Man will, dass sie einem sagt, dass sie einen liebt. Die andere Hauptcharakteristik ist Motivation. Die Maschine im Gehirn beginnt zu arbeiten und man begehrt die Person.
Zu guter Letzt ist es eine Besessenheit. Wenn ich die Leute zum MRT geschickt habe, habe ich ihnen davor alle möglichen Fragen gestellt. Aber die wichtigste Frage war immer dieselbe. und zwar: "Wie viel Prozent des Tages denkst du an diese Person?" Und tatsächlich sagten sie: "Den ganzen Tag. Die ganze Nacht. Ich kann einfach nicht aufhören an ihn/sie zu denken."
Und zu allerletzt würde ich fragen -- Ich musste mich immer zu dieser Frage durchringen, weil ich keine Psychologin bin. Ich arbeite nicht mit Menschen in traumatischen Zuständen. Und meine letzte Frage war immer dieselbe. Ich würde fragen: "Würdest du für sie oder ihn sterben?" Und tatsächlich sagten diese Leute: "Ja!", so als ob ich sie gebeten hätte das Salz zu reichen. Es hat mich einfach erstaunt.
Also scanten wir ihr Gehirn, während sie auf ein Foto ihres Liebsten oder einer neutralen Person schauten, was mit einer ablenkenden Aufgabe verbunden wurde. Wir konnten so die Zustände im Gehirn bei Erregung und bei Ruhe vergleichen. Und wir fanden Aktivität in mehreren Hirnregionen. Fakt ist, dass eine der Wichtigsten die war, die aktiv wird, wenn man einen Kokainrausch verspürt. Tatsächlich ist es exakt das, was passiert.
Ich fing an zu verstehen, dass romantische Liebe keine Emotion ist. Eigentlich habe ich immer gedacht, dass es ein ganzes Spektrum an Emotionen sei, von ganz starken zu ganz schwachen. Aber eigentlich ist es ein Antrieb, der vom Motor der Psyche, dem Teil, der Wollen und Begehren generiert, kommt. Der Teil des Verstands, der arbeitet, wenn man nach einem Stück Schokolade greift, oder wenn man eine Beförderung bekommen will. Der Motor des Gehirns. Es ist ein Trieb.
Ich denke, dass er tatsächlich stärker ist als der Sextrieb. Wissen Sie, wenn Sie jemanden fragen, ob er mit ihnen schläft und er sagt: "Nein danke", werden Sie sich sicherlich nicht umbringen oder in eine klinische Depression rutschen. Aber es gibt mit Sicherheit überall auf der Welt Menschen, die, wenn sie zurückgewiesen werden, deswegen töten würden. Menschen leben für die Liebe. Sie sterben für die Liebe. Sie haben Lieder, Gedichte, Romane, Skulpturen, Gemälde, Mythen, Legenden. In über 175 Gesellschaften haben die Menschen Zeugnisse dieser machtvollen Gehirnstruktur hinterlassen. Ich bin dazu übergegangen es als den wichtigsten Gehirnprozess auf der Welt zu betrachten, aufgrund der großen Freude, sowie auch großen Schmerz.
Ich habe mir auch gedacht, dass es eines von drei grundsätzlich verschiedenen Prozessen ist, die sich durch Vermehrung und Reproduktion entwickelt haben. Der eine ist der Sextrieb: das Verlangen nach sexueller Befriedigung. W. H. Auden nennt es einen "unerträglichen neuronalen Juckreiz" und das ist es auch. Es beschäftigt Einen ein wenig, so wie hungrig sein. Der zweite der drei Prozesse ist die romantische Liebe: die Begeisterung, Bessessenheit der anfänglichen Liebe. Und der dritte Prozess ist die Bindung: das Gefühl von Ruhe und Sicherheit bei einem festen Partner.
Und ich denke, dass der Sextrieb sich entwickelt hat, um einen daraus zu holen, und sich eine ganze Bandbreite an Partnern anzusehen. Sie können das spüren, wenn sie Auto fahren. Es muss auf Niemanden fokussiert sein. Ich denke, dass romantische Liebe entstand, um seine ganze Energie auf nur einen Partner zur selben Zeit zu fokussieren, um dabei Paarungszeit und Energie zu sparen. Ich denke, dass Bindung - das dritte mentale Programm- sich entwickelte, um Einem zu ermöglichen diese Person zu tolerieren, zumindest so lange, wie man Kinder zusammen groß zieht.
Mit diesem Vorwort möchte ich nun die zwei schwerwiegenden sozialen Trends besprechen. Einer der letzten 10.000 Jahre und der andere -ganz sicher- der letzten 25, welche einen gravierenden Einfluss auf diese drei Systeme haben werden: Lust, romantische Liebe und Bindung an einen Partner.
Das erste ist das Vordringen der Frauen in die Arbeitswelt. Ich sah mir 130 Gesellschaften im demographischen Jahrbuch der Vereinten Nationen an. Und überall auf der Welt, in 129 von 130, dringen die Frauen nicht nur in die Arbeitswelt vor-- manchmal ist es sehr, sehr langsam, aber sie kommen voran-- und sie schließen langsam die Kluft zwischen Männern und Frauen in Hinsicht auf wirtschaftliche Macht, Gesundheit und Bildung. Es geschieht sehr langsam.
Für jeden neuen Trend gibt es einen Gegentrend. Wir wissen von ihnen, aber nichtsdestotrotz -- wie die alten Araber es sagen: "Der Hund mag bellen, aber die Karawane zieht weiter" Und die Karawane zieht in der Tat weiter. Frauen dringen wieder in den Arbeitssektor. Und ich sage 'wieder', weil es nichts Neues ist. Millionen Jahre lang, im Grasland Afrikas, kamen Frauen zusammen um Nahrung zu sammeln. Sie kamen mit 60-80 % des Abendessens nach Hause. Der doppelte Familienertrag war die Regel. Und Frauen wurden als genauso ökonomisch, sozial und sexuell einflussreich wie Männer angesehen. Kurz: wir bewegen uns wirklich Richtung Verganngenheit.
Dann, die schlechteste Erfindung der Frauen war der Pflug. Mit dem Beginn der Agrarwirtschaft wurde die Position des Mannes zunehmend machtvoller. Frauen verloren ihre Rolle als Sammler, aber nun mit der Industriellen Revolution und der Postindustriellen Gesellschaft begeben sie sich wieder zurück ins Arbeitsleben. Kurz gesagt, sie erhalten den Status, den sie vor einer Million Jahren hatten, vor 10.000 oder 100.000 Jahren. Wir sehen nun eine der beeindruckendsten Traditionen der Menschheit. Und es wird bleibende Auswirkungen hinterlassen.
Ich halte normalerweise einen ganzen Vortrag über die Auswirkungen der Frauen auf die Geschäftswelt. Ein Wort noch, dann gehe ich über zu Sex und Liebe. Es gibt eine Menge Unterschiede zwischen den Geschlechtern; Jeder, der denkt Männer und Frauen wären gleich, hatte noch nie eine Sohn oder eine Tochter. Ich weiß nicht, warum sie glauben wollen, dass Männer und Frauen gleich sind. Es gibt eine Menge Gemeinsamkeiten, aber auch einen Haufen Unterschiede, die wir nicht gemeinsam haben.
Mit den Worten von Ted Hughes: "Ich denke, dass wir wie ein Paar Beine geschaffen sind. Wir brauchen einander um voranzukommen." Auch haben wir verschiedene Gehirne entwickelt. Wir finden jetzt immer mehr geschlechtsspezifische Unterschiede im Gehirn. Ich nenne nur einige und fahre dann fort mit Sex und Liebe. Eine ist die Sprachfähigkeit der Frauen. Frauen können reden.
Die weibliche Fähigkeit schnell das richtige Wort zu finden, die Hauptartikulation steigt an in der Mitte des Menstruationszyklus, wenn der Östrogenspiegel steigt. Aber sogar während der Menstruation sind sie besser als der Durchschnittsmann. Frauen können reden. Sie taten es Millionen Jahre lang; Worte waren die Waffen der Frauen. Und sie hielten das Baby vor ihrem Gesicht, redeten ihm zu, ermahnten es, erzogen es mit Worten. Und es wurde wirklich zu einer starken Kraft.
Überall, in Ländern wie India und Japan, wo sich Frauen schneller in das Arbeitsleben eingliedern, tendieren sie in Richtung Journalismus. Und ich glaube, dass das Fernsehen wie ein weltweites Lagerfeuer ist. Wir sitzen drumherum und schärfen unseren Verstand. Fast immer ist der Produzent, der mich zu einem Fernsehauftritt ruft und mit mir abhandelt, was wir sagen werden, eine Frau. Solschenizyn sagt einst : "Ein großartiger Schriftsteller ist wie eine großartige Regierung"
Heute sind 54% aller amerikanischen Schriftsteller Frauen. Es ist eine der vielen Charakteristiken, die Frauen besitzen, die sie ins Arbeitsleben mitbringen. Sie haben große soziale Kompetenzen, Verhandlungsfähigkeiten. Sie haben eine sehr hohe Vorstellungskraft. Wir kennen die Verschaltung des Gehirns bei Vorstellung, bei Langzeitplanung. Sie tendieren dazu große Denker zu sein. Weil die weiblichen Gehirnhälften besser verbunden sind, neigen sie dazu, wenn sie denken mehr Information zu sammeln, welche sie dann in komplizierteren Mustern anordnen und mehr Optionen und Ergebnisse sehen. Sie neigen dazu kontextabhängig, holistisch zu denken, ich nenne sie "Netz-Denker".
Männer neigen dazu --im Durchschnitt-- alles abzuwerfen, was sie als belanglos ansehen, sich zu fokussieren auf was sie tun und eher die Schritt-für-Schritt-Denkweise zu haben. Beides gute Denkweisen. Wir brauchen beide um voranzukommen. Tatsächlich gibt es viel mehr männliche Genies in der Welt. Es gibt aber auch viel mehr männliche Idioten in der Welt. Wenn das männliche Gehirn gut arbeitet, tut es das sehr effizient. Ich denke wir steuern auf eine kollaborative Gesellschaft hin, eine Gesellschaft, in der die Talente von Männern und Frauen verstanden, geschätzt und genutzt werden.
Kurzum: Frauen, die in den Arbeitssektor vordringen, haben riesige Auswirkungen auf Sex, das Liebesleben und das Familienleben. Zuallererst haben Frauen damit angefangen ihre Sexuallität auszuleben. Ich bin immer überascht, wenn Leute zu mir kommen und sagen: "Warum sind Männer so ehebrecherisch? " Und ich antworte: "Warum denken Sie, dass Männer untreuer sind als Frauen?" "'Nun ja -- Männer sind halt ehebrecherischer!" Und ich antworte: "Was denken Sie eigentlich mit wem diese Männer schlafen?" Einfach Mathematik.
Jedenfalls. In der westlichen Welt, kleine Mädchen beginnen-- Frauen beginnen früher Sex zu haben, mehr Partner zu haben, weniger Bedauern für diese zu empfinden, später zu heiraten, weniger Kinder zu haben und schlechte Ehen zu beenden, um bessere zu etablieren. Wir sehen den Aufstieg der weiblichen Sexuallität. Und in der Tat sehen wir eine Bewegung in Richtung der sexuellen Ausdrucksweise, welche wir wahrscheinlich im Grasland Afrikas vor Millionen von Jahren sahen, weil das die Ausdrucksweise ist, welche wir in den heutigen Sammler und Jäger Gesellschaften sehen.
Wir kehren auch zurück zu einer sehr alten Form der Gleichberechtigung in der Ehe. Man sagt jetzt, dass das 21. Jahrhundert das sein wird, was wir das Jahrhundert der "symmetrischen Heirat" nennen, oder "reinen Heirat " oder "Kameradschaftsehe". Das ist eine Heirat zwischen Gleichen, voranrückend an ein System, das vereinbar ist mit einer alten meschlichen Geisteshaltung.
Auch sehen wir die Wiederkehr romantischer Liebe. 91% der Frauen und 86% der Männer in Amerika würden Jemanden, der zwar alle beim Partner erwünschten Qualitäten mitbringt, den sie aber nicht lieben, auch nicht heiraten. Überall auf der Welt, das ergab eine Studie in 37 Gesellschaften, wollen die Menschen denjenigen, den sie heiraten, auch lieben. In der Tat verschwinden arrangierte Heiraten langsam aus dem Geflecht des menschlichen Lebens.
Ich denke, dass Ehen sogar stabiler werden wegen des zweiten globalen Trends. Der erste war: Frauen arbeiten wieder, der zweite: die alternde Weltbevöllkerung. In Amerika spricht man jetzt davon das mittlere Alter bis 85 einzustufen. Weil Diejenigen in der höchsten Kartegorie -76 bis 85 also ca. 40%- kerngesund sind. Somit sehen wir eine echte Verlängerung der mittleren Lebensspanne.
Und für eines meiner Bücher schaute ich mir die Scheidungsraten in 58 Gesellschaften an. Und es stellt sich heraus, dass je älter man wird, eine Scheidung umso unwahrscheinlicher wird. Die Scheidungsrate in Amerike ist momentan stabil, und fängt sogar an abzunehmen. Sie wird wahrscheinlich sogar noch mehr abfallen. Ich behaupte sogar, dass mit Viagra, Östrogenersatz, Hüftersatz und den unglaublich interessanten Frauen -- Frauen waren noch nie so interessant wie heutzutage. Zu keiner Zeit auf diesem waren Planten waren die Frauen so gebildet, so interessant, so fähig. Und so denke ich ehrlich, dass, wenn es je eine Zeit in der menschlichen Evolution gab, in der die Möglichkeit bestand gute Ehen zu schließen, dann ist diese jetzt.
Allerdings gibt es immer Komplikationen. Diese drei Gehirnstrukturen: Lust, romantische Liebe und Bindung arbeiten nicht immer zusammen. Sie können zusammen wirken. Deshalb ist beiläufiger Sex nicht immer so beiläufig. Mit dem Orgasmus bekommt man ein Dopaminhöchststand. Dopamin ist assoziert mit romantischer Liebe, und deshalb kann man sich in jemanden verlieben, mit dem man nur beiläufig schläft. Bei einem Orgasmus bekommt man einen Anstieg an Ocytocin und Vasopressin, beide werden mit Bindung assoziert. Das ist der Grund, warum man eine kosmische Einheit mit Jemandem verspüren kann, nachdem man mit ihm geschlafen hat.
Aber diese Strukturen: Lust, romantische Liebe und Bindung sind nicht immer miteinander verbunden. Man kann eine tiefe Bindung zu einem Langzeitpartner verspüren, gleichzeitig aber intensive romantische Liebe für Jemand anderen fühlen, während man wiederum mit anderen Leuten schlafen möchte. Kurz: wir sind fähig mehr als eine Person gleichzeitig zu lieben. Man kann nachts im Bett liegen und von tiefen Gefühlen der Zugehörigkeit zu einer Person zu Gefühlen starker romantischer Liebe zu einer anderen schwingen. Es ist, als ob man eine Versammlung im eigenen Kopf abhalten würde während man versucht sich klar zu werden, was man nun tut. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass wir geschaffen wurden um glücklich zu sein; wir sind geschaffen, um uns zu vermehren. Ich glaube um Glück zu finden, müssen wir es selber erschaffen. Dennoch, ich glaube, wir sind fähig gute Beziehungen miteinander zu knüpfen.
Ich möchte abschließen mit zwei Dingen. Ich möchte abschließen mit einer Sorge. Ich bin besorgt -- und mit einen wundervollen Geschichte. Ich sorge mich über Antidepressiva. In den USA gibt es jährlich mehr als 100 Millionen Antidepressiva-Verschreibungen. Und sie werden zu einem Generikum. Sie schwappen über die ganze Welt. Ich kenne ein Mädchen, dass diese Antidepressiva genommen hat --Serotonin-Erhöher-- SSRI, Serotoninfördernde Antidepressiva-- seit sie 13 war. Sie ist 23. Sie hat sie genommen seit sie 13 war.
Ich habe nichts gegen Menschen,die es über eine kurze Periode einnehmen, wenn sie etwas wirklich schreckliches durchmachen. Wenn sie Selbstmord begehen oder Jemanden töten wollen. Dann würde ich das empfehlen. Aber immer mehr Menschen in den USA nehmen diese auf Langzeitbasis. Diese Medikamente erhöhen tatsächlich den Serotoninspiegel. Und wenn der Serotoninspiegel ansteigt, wird der Dopaminkreislauf unterdrückt. Das weiß jeder. Dopamin ist verantwortlich für Empfindungen romantischer Liebe. Und nicht nur, dass der Dopaminkreislauf unterdrückt wird, der Sextrieb wird ausgelöscht. Und wenn man den Sextrieb löscht, tötet man den Orgasmus. Und wenn man den Orgasmus abtötet, tötet man alle Stoffe, die für Bindung zuständig sind. Diese Dinge sind im Gehirn verknüpft. Und wenn man einen Teil davon manipuliert, beeinflusst man auch einen anderen. Ich sage nur, dass eine Welt ohne Liebe ein tödlicher Ort ist.
Also nun- danke sehr. Ich möchte mit eine Geschichte abschließen. Nur noch ganz kurz. Ich habe die romantische Liebe nun seit 30 Jahren erforscht. Ich habe einen eineiigen Zwilling; ich bin interessiert daran zu erfahren: warum wir alle gleich sind. Warum Sie und ich gleich sind; Iraker, Japaner, die Aborigines sowie die Stämme vom Amazonas.
Und vor einem Jahr kam eine Internetdating Firma -Match.com- auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht eine neue Seite für sie kreieren würde. Ich antwortete: "Ich weiß aber gar nichts über Persönlichkeit. Ich weiß nicht. Sind Sie sich sicher, die richtige Person ausgesucht zu haben?" Die sagten: "Ja!" Ich begann mich zu fagen, warum man sich eher in die eine Person verliebt, als in die andere.
Das ist mein aktuelles Pojekt. Das wird mein nächstes Buch. Und dafür, dass man das tut, gibt es eine Menge Gründe. Zeit ist wichtig. Nähe ist wichtig. Das Geheimnisvolle ist wichtig. Man veliebt sich in Menschen, die rätselhaft sind, weil Rätsel Dopamin fördern, das treibt Einen an sich zu verlieben. Man verliebt sich in Menschen, die in den "Liebes-Plan" passen, einer unbewusst zusammengestellten Liste, welche man seit der Kindheit entwickelt. Und ich denke auch, dass man sich zu Menschen hingezogen fühlt, die eher komplimentärere Hirnstrukturen aufweisen. Dazu trage ich momentan bei.
Aber ich will Ihnen eine Geschichte erzählen, um das zu illustrieren. Ich habe Ihnen über die Biologie der Liebe erzählt. Nun möchte ich Ihnen über ihre Kultur und Magie erzählen. Die Geschichte wurde mir erzählt von Jemandem, der sie von - wahrscheinlich eine wahre Geschichte. Es war ein Student -- Ich arbeite in Rutgers und meine zwei Kollegen-- Art Aaron ist in SUNY Stonybrook. Dort legen wir die Leute in die MRI- Maschinen.
Und dieser Student war schrecklich verliebt in eine andere Studentin, aber sie nicht mit ihn. Damals gab es eine Konferenz in Beijing. Und von unser Abeit her wusste er, dass, wenn man etwas gänzlich Neues mit Jemandem macht, man das Dopaminlevel im Gehirn in die Höhe treiben kann. Und somit vielleicht das Hirnsystem für romantische Liebe aktiviert. Also entschied er sich wissenschaftlich vorzugehen, und er lud das Mädchen auf eine Rikschafahrt mit ihm ein.
Und es ist so, dass --- ich war noch nie auf einer, aber sie umfahren Busse, LKW, und es ist verrückt, laut und aufregend. Und er plante, dass das den Dopaminspiegel heben und sie sich in ihn verlieben würde. Und das taten sie und sie quietschte und quetschte ihn, sie lachten und hatten eine tolle Zeit. Und eine Stunde später steigen sie ab, sie wirft ihre Arme hoch, und sagt "War das nicht wundervoll?" und "Sah der Rikscha-Fahrer nicht gut aus?!" (Applaus)
Liebe ist wie Magie! Abschließend will ich sagen, dass wir drei Haupttriebe entwickelt haben: den Sextrieb, die romantische Liebe und die Fähigkeit der Bindung an einen Langzeitpartner. Diese Schaltkreise sind tief im Gehirn gelagert. Sie werden solange bestehen, solange wie die menschliche Rasse besteht auf dem, was Shakespeare „diese sterbliche Spirale“ nannte. Danke sehr.
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Anthropologin Helen Fisher beschreitet ein heikles Thema - die Liebe - und erklärt deren Entstehung, deren biochemische Grundlage und ihre soziale Bedeutung. Abschließend warnt sie vor dem möglichen Disaster, das durch Missbrauch von Antidepressiva hervorgerufen werden kann.
Anthropologist Helen Fisher studies gender differences and the evolution of human emotions. She's best known as an expert on romantic love, and her beautifully penned books -- including Anatomy of Love and Why We Love -- lay bare the mysteries of our most treasured emotion. Full bio »
Translated into German by Valentina Wellbrock
Reviewed by Carolin Siegert
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13:45 Posted: Sep 2008
Views 527,690 | Comments 89
19:08 Posted: Jan 2008
Views 786,551 | Comments 166
06:18 Posted: Apr 2007
Views 308,104 | Comments 69
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