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Adrian Kohler: Wir sind heute hier um über die Entwicklung einer Pferdepuppe zu sprechen.
Basil Jones: Aber eigentlich fangen wir diese Entwicklung mit einer Hyäne an.
Der Urahnin des Pferdes. OK, wir machen mal was mit ihr. (Gelächter) Hii hii hii hiihihihiii. Die Hyäne ist die Ahnin des Pferdes, weil sie Teil einer Produktion war, die "Faust in Afrika" hiess, eine "Handspring Produktion" von 1995, wo sie mit Helena von Troja Dame spielen sollte. Sie wurde von einem südafrikanischen Künstler und Regisseur inszeniert, William Kentridge. Die Hyäne brauchte eine äusserst gelenkige Vorderpfote. Wie alle Puppen hat sie noch andere Fähigkeiten.
Eine ist ihr Atem, sie atmet irgendwie.
Atem ist sehr wichtig für uns. Es ist für uns eine der wesentlichen Bewegungen für jede Puppe auf einer Bühne. Genau das unterscheidet die Puppe
vom Schauspieler. Puppen müssen immer lebendig sein wollen. Das ist ihre Ur-Geschichte auf der Bühne, der verzweifelte Wille zu leben.
Eine Puppe ist ein totes Objekt, seht ihr, und sie lebt nur dann wenn man sie dazu bringt. Schauspieler kämpfen darum, auf der Bühne zu sterben, aber eine Puppe muss kämpfen, um zu leben. Irgendwie eine Metapher für's Leben.
In jedem Moment auf der Bühne rackert sich die Puppe ab. Wir nennen das ein Stück emotionale Ingenieursarbeit, die bis heute eine Technologie des 17. Jahrhunderts nutzt. (Gelächter) um Hauptwörter in Verben zu verwandeln.
Ich sage lieber, dass sie ein aus Holz und Stoff gebautes Objekt ist, mit eingebauten Bewegungen, um Euch glauben zu lassen, sie sei lebendig.
Sie hat passiv bewegte Ohren sobald der Kopf etwas tut.
Sie hat Querstreben aus Sperrholz, die mit Stoff überzogen sind - interessanterweise sehr ähnlich den Sperrholz-Kanus die Adrians Vater herstellte, dem er als kleiner Junge in der Werkstatt half.
In einem Dorf bei Port Elizabeth, Südafrika.
Seine Mutter war Puppenspielerin. Als wir uns auf der Kunstschule trafen, und ineinander verliebten, damals 1971, hasset ich Puppen. Ich dachte, sie wären unter meinem Niveau. Ich wollte Avantgardekünstler werden - bestimmt nicht zum Kasperltheater gehen. Es dauerte tatsächlich 10 Jahre
um durch die westafrikanischen Bamaro Bambano Puppen aus Mali wo es eine tolle Puppenspieltradition gibt, einen erneuerten, oder neuen Respekt für diese Kunstform zu entdecken.
1981 überzeugte ich Basil und ein paar meiner Freunde eine Puppenspielgruppe zu gründen. 20 Jahre später, wie durch ein Wunder, arbeiteten wir mit einer Truppe aus Mali, der "Sogolon Marionette" Truppe aus Bamako, an einem Stück über eine grosse Giraffe. Es hiess "Grosses Pferd", und war eine lebensgrosse Giraffe.
Hier sieht man wieder dieselben Strukturen. Die Querstreben sind jetzt Ringe aus Rohr, aber es ist letztendlich dieselbe Struktur. Innen 2 Stelzenläufer für die Höhe und einer vorne mit einer Art Lenkrad für den Kopf.
Die Person in den Hinterbeinen kontrolliert auch den Schwanz, wie bei der Hyäne - derselbe Mechnsimus, nur grösser. Und er steuert die Ohrenbewegungen.
Diese Produktion wurde von Tom Morris gesehen, vom "National Theatre" in London. Ungefähr zur selben Zeit hatte ihn seine Mutter gefragt: "Kennst Du das Buch von Michael Morpurgo? Das "Schlachtross" ?
Es geht um einen Jungen, der ein Pferd liebt. Das Pferd wird im 1. Weltkrieg ans Heer verkauft und er mustert an, um sein Pferd zu finden.
Tom rief und an und sagte: "Könnt ihr uns ein Pferd für eine Show im "National Theatre" bauen?"
Es klang nach einer reizvollen Idee.
Aber es musste reiten können - mit einem Reiter.
Es musste einen Reiter haben, und an Kavallerieattacken teilnehmen. (Gelächter) Ein Stück über Pflugtechniken des frühen 20 Jhd. und mit Kavallerieattacken war eine echte Herausforderung für die Buchhaltung am "National Theatre". Aber sie stimmten letztendlich zu. Wir begannen mit einem Test.
Das sind Adrian und Thys Stander, der das Rohrgerüst für das Pferd entwickelte, und unsere Nachbarin Katherine, die auf einer Leiter reitet. Das ganze Gewicht über Kopfhöhe ist wirklich schwierig.
Als Katharine diese ganz spezielle Höllenqual überstanden hatte, wussten wir, dass wir ein reitbares Pferd bauen könnten. Also bauten wir ein Modell. Ein Pappmodell, ein bisschen kleiner als die Hyäne. Die Beine sind aus Sperrholz, auch die Kanubauweise gibt's noch.
Die zwei Manipulatoren sind innen. Aber wir hatten damals nicht gemerkt, dass wir einen Dritten brauchten, denn der Hals war von innen nicht lenkbar, wenn das Pferd gleichzeitig laufen sollte.
Wir begannen mit der Arbeit am Prototyp, und das Modell wurde angenommen, doch der Prototyp dauerte etwas länger als wir erwarteten Beine aus Rohr statt aus Sperrholz. Wir mussten ihm eine Kiste bauen. Es musste nach London verschifft werden. Wir wollten es vor unserer Haustür in Kapstadt testen. Um Mitternacht hatten wir's noch nicht geschafft.
Also holten wir eine Kamera und posierten mit der Puppe in verschiedenen Galopp-Phasen. Wir schickten es ans "National Theatre" in der Hoffnung, dass sie glauben würden, dass wir etwas Funktionierendes entwicklet hätten. (Gelächter)
Einen Monat später waren wir in London mit der Kiste und 'nem Saal voll Leuten, die mit uns arbeiten wollten.
Wir hatten wirklich Angst. Wir öffneten den Deckel, nahmen das Pferd raus, und es klappte: es lief und man konnte es reiten. Hier habe ich einen 18 Sekunden Clip der ersten Schritte des Prototyps. Das ist im Studio des "National Theatre", dort wo sie neue Ideen ausbrüten. Es hatte noch gar kein grünes Licht gegeben. Der Choreograoh, Toby Sedgwick, erfand eine wunderschöne Sequenz, in der das Fohlen, das aus Stöcken und Zweigen gebaut war, zum grossen Pferd heranwächst. Als Nick Starr, der Direktor des "National Theatre", das sah - (er stand neben mir) - machte er sich fast in die Hose. Und so erhielt die Show grünes Licht. Wir gingen nach Kapstadt zurück, und bauten das Pferd komplett um. Hier ist der Plan.
Und hier unsere Fabrik in Kapstadt, wo wir Pferde herstellen. im HIntergrund sehr ihr viele Skelette. Die Pferde sind alle vollständige Handarbeit. Kaum Technologien des 20. Jhds. Wir nutzen einen Laser zum Sperrholzschneiden und ein paar Aluminiumstücke. Doch da sie leicht und flexibel sein müssen und jedes anders ist, können sie leider nicht in Serie hergestellt werden Hier sind ein paar halbfertige Pferde, um in London weiterbearbeitet zu werden. Jetzt würden wir Euch gerne Joey vorstellen. Joey, Junge, bist Du da ? Joey. (Applaus) (Applaus) Joey. Joey, komm her. Nein, ich hab ihn nicht. Er muss in seiner Tasche sein.
Joey. Joey, Joey, Joey. Komm her. So, dass die Leute Dich sehen können. Dreh Dich rum. Komm schon. Ich wollte noch beschreiben - nicht zu laut, er könnte irritiert werden. Craig hier bewegt den Kopf. Er hat Fahrradbremsenkabel, die vom Kopf zur Steuerung gehen. Jede davon steuert entweder eins der Ohren, oder den Kopf, hoch und runter. Er kontrolliert den Kopf auch direkt, indem er die Hand benutzt. Die Ohren sind offensichtlich ein ganz wichtiger Gefühls-Indikator des Pferds. Zeigen sie nach hinten, ist das Pferd ängstlich oder wütend, abnhängig von dem, was um es herum vorgeht. Wenn es entspannter ist, kommt der Kopf runter und die Ohren horchen, auf beiden Seiten- Das Gehör ist für Pferde sehr wichtig. Fast wichtiger als ihre Sehfähigkeit. Hier drüben nimmt Tommy die "Herzposition" ein. Er steuert das Bein. Beachtet die Schnur-Sehne der Hyäne, das Vorderbein zieht automatisch den Huf hoch. (Gelächter) Pferde sind echt unvorhersehbar. (Gelächter) Die Art, wie der Huf eines Pferds hochkommt, gibt einem sofort das Gefühl eines überzeugenden Pferde-Verhaltens. Die Hinterbeine machen dasselbe.
Und Mikey kann mit seinen Fingern den Schweif bewegen, von rechts nach links und von oben nach unten mit der anderen Hand. Zusammen ergibt das eine sehr komplexe Ausdrucksmöglichkeit für den Schweif.
Möchtest Du was zur Atmung sagen?
Die Atmung war eine Herausforderung. Adrian dachte, dass er den Brustkorb der Puppe zweiteilen müsse, damit sie so atmen könne: denn so würde ein Pferd atmen, mit ausgedehntem Brustkorb. Aber wir stellten fest, dass dann das Publikum das Atmen nicht sehen würde. Also machten wir hier einen Kanal, in dem der Brustkorb sich auf und ab bewegt. Das ist eigentlich "anti-realistisch", aber es fühlt sich wie Atmen an. Es ist sehr einfach, weil alles passiert, wenn der Puppenspieler mit seinen Knien atmet.
Weitere Gefühls-Dinge. Wenn ich das Pferd hier berühre, auf seiner Haut, kann der "Herz-Spieler" dan Körper von innen schütteln und die Haut zittert. Ihr bemerkt natürlich, dass die Puppe aus Rohrgeflecht besteht. Toll, falls Ihr das für eine "künstlerisch" hieltet., Für eine 3-dimensionale Pferdezeichnung, die sich durch den Raum bewegt. Aber natürlich ist das Rohr leicht, flexibel, haltbar, und biegbar. Es waren also ganz praktische Gründe.
Die Haut ist aus durchsichtigem Nýlongewebe, damit eine Lichtdesignerin das Pferd verschwinden lassen könnte. Sie würden den Hintergrund beleuchten und und das Pferd würde durchsichtig wie ein Geist. Man sähe noch das Skelett. Käme das Licht von oben, schiene das Pferd solide. Doch auch hier - praktische Überlegungen. Die Jungs im Pferd müssen ja raussehen können. Sie müssen mit ihren Schauspielkollegen interagieren können. Sie müssen absolut "Im Moment" sein! Drei "Köpfe" spielen eine Figur.
Jetzt würde Joey gerne ein paar Gangarten zeigen. Und steh!
Danke. Und jetzt nur - (Applaus) Den weiten Weg aus Kalifornien hat Zem Joaquin gemacht, die das Pferd jetzt für uns reiten wird.
Wir möchten betonen, dass die Leistungen des Pferdes von drei Leuten stammen, die das Verhalten von Pferden genauestens studiert haben.
Sie können auf der Bühne nicht miteinander sprechen, weil sie mikrofoniert sind. Die Geräusche des grossen Brustkorbs - - das ganze Gewieher - fängt meist bei einem Spieler an, wird vom Zweiten übernommen und endet beim Dritten.
Mikey Brett aus Leicestershire. (Applaus) Mikey Brett - Craig - Leo Zem Joaquin und ich.
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"Puppen müssen immer versuchen, lebendig zu sein," sagt Adrian Kohler von der Handspring Puppet Company, eine erfolgreiche ambitionierte Truppe mit menschlichen und hölzernen Darstellern. Ausgehend von der Geschichte einer raffinierten Hyänen-Pfote spannen die Puppenspieler Kohler und Basil Jones den Bogen bis zu ihrem letzten erstaunlichen Projekt: dem wunderbar lebensechten Joey, einem Schlachtross, das überzeugend auf die TED-Bühne trabt und galoppiert.
Basil Jones and Adrian Kohler, of Handspring Puppet Company, bring the emotional complexity of animals to the stage with their life-size puppets. Their latest triumph: "War Horse." Full bio »
Translated into German by TeeKay Kreissig
Reviewed by Alex Boos
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An actor struggles to die onstage, but a puppet has to struggle to live. And in a way that’s a metaphor for life.” (Handspring Puppet Company)
11:11 Posted: Oct 2010
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