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Hallo! Mein Name ist Golan Levin. Ich bin Künstler und Ingenieur, eine Mischung, die immer häufiger wird. Aber ich falle immer noch in diese seltsame Lücke, denn einige Leute scheinen mich nicht zu verstehen. Ich sah mich um und fand dieses schöne Bild. Es ist ein Brief vom "Artforum" aus dem Jahr 1967, in dem es heißt: "Wir können uns nicht vorstellen, jemals eine Sonderausgabe über Elektronik oder Computer in der Kunst zu machen." Und das haben sie auch immer noch nicht gemacht. Und damit Sie nicht denken, dass Sie als IT-Spezialisten aufgeklärter sind, ging ich neulich zum iPhone-Store. Wo ist die Kunst? Es gibt Produktivität, es gibt Sport. Irgendwie ist die Vorstellung, dass jemand vielleicht Kunst für das iPhone machen will – und genau das machen meine Freunde und ich zur Zeit – immer noch nicht verankert sind in unseren Vorstellungen vom Zweck der Computer.
Es gibt also auf beiden Seiten einen Mangel an Verständnis davon, was es bedeuten könnte, ein Künstler zu sein, der mit den Materialien arbeitet, die für seine Zeit typisch sind. Ich meine, Künstler sind dazu verpflichtet, das Ausdruckspotenzial dieser neuen Werkzeuge gründlich zu erforschen. Was mich angeht: Ich bin Künstler und sehr daran interessiert, das Vokabular der menschlichen Aktion zu erweitern und den Menschen durch Interaktivität ihre Stärken aufzuzeigen. Ich möchte, dass Leute sich selbst als Akteure entdecken, als kreative Akteure, indem sie interaktive Erfahrungen machen.
Es geht vor allem darum, hiervon wegzukommen. Das ist ein Foto vom Schreibtisch einer meiner Studenten. Und ich meine nicht nur den tatsächlichen Schreibtisch, dessen Oberfläche von der Maus abgeschabt worden ist. Wenn man genau hinsieht, kann man sogar eine Spur des Apple-Menüs sehen, hier oben links, wo sich die virtuelle Welt buchstäblich auf die physische durchgedrückt hat. Also das war gemeint, als Joy Mountford einmal sagte: "Die Maus ist der wahrscheinlich engste Strohhalm, durch den man sämtliche menschliche Ausdrucksweisen zu saugen versucht."
Was ich wirklich zu tun versuche, ist, den Leuten zu ermöglichen, tiefer gehende interaktive Erfahrungen zu machen. Wie können wir von der Maus wegkommen und unseren gesamten Körper als ein Mittel benutzen, ästhetische Erfahrungen zu machen, und nicht unbedingt anwendungsbezogene. Ich schreibe Software. Und so mache ich es. Viele meiner Erfahrungen sind in gewisser Weise Spiegeln ähnlich. Denn so entdecken die Menschen zum ersten Mal ihr eigenes Potenzial als Akteure und ihre eigene schöpferische Kraft, indem sie sagen: "Wer ist das da im Spiegel? Oh, das bin ja ich."
Zum Beispiel: Das ist ein Projekt vom letzten Jahr, das sich "Interstitial Fragment Processor" nennt. Es ermöglicht es einem, die negativen Formen, die man erzeugt, zu betrachten, während man seinen alltäglichen Verrichtungen nachgeht. Wenn die Leute also Formen mit ihren Händen oder Köpfen oder miteinander machen, dann erzeugen diese Formen buchstäblich Geräusche und entstehen wie aus dem Nichts. Im Grunde nimmt es diesen unsichtbaren Raum, oder diesen unentdeckten Raum, und macht daraus etwas Reales, mit dem die Leute sich vergnügen und kreativ werden können. Die Leute entdecken so also wieder ihre schöpferische Kraft. Und ihre Persönlichkeit kommt auf jeweils ganz einzigartige Weise zum Vorschein.
Zusätzlich zum Gebrauch des Ganzkörper-Inputs, mit dem ich nun eine Weile gearbeitet habe, kommt nun der Gebrauch der Stimme. Töne zu erzeugen ist für uns ein sehr ausdrucksstarkes System. Das Lied ist eine der ältesten Möglichkeiten, uns Gehör zu verschaffen und verstanden zu werden. Ich stieß auf die fantastische Forschungsarbeit von Wolfgang Köhler, dem sogenannten Vater der Gestaltpsychologie, aus dem Jahr 1927, der einem Publikum wie Ihnen die folgenden zwei Formen gezeigt hat. Er sagte, eine heißt Maluma und die andere heißt Taketa. Welche ist welche? Irgendwelche Vorschläge? Maluma ist oben. Ja. Wie er hier sagt, antworten die meisten ohne zu zögern.
Was wir hier sehen, ist ein Phänomen namens Phonästhesie, eine Art Synästhesie, die Sie alle haben. Während also, wie Dr. Oliver Sacks sagte, vielleicht einer von einer Million Menschen tatsächlich ein echter Synästhet ist, der Farben hört oder Formen schmeckt und ähnliches, ist Phonästhesie etwas, das wir alle bis zu einem gewissen Grad erfahren können. Es geht dabei um Verbindungen zwischen verschiedenen Wahrnehmungsbereichen, wie Härte, Schärfe, Helligkeit und Dunkelheit, und die Phoneme, die wir benutzen.
70 Jahre später gab es Forschungen, bei der Kognitionspsychologen tatsächlich den Grad ermittelt haben, zu dem L, M und B eher mit solchen Formen assoziiert werden und P, T und K vielleicht eher mit Formen wie diesen. Und auf einmal haben wir eine Verbindung zwischen Rundung, die wir numerisch bestimmen können, eine relative Verbindung zwischen Rundung und [Sprache].
Ich kam auf den Gedanken: Was passiert, wenn man das umdrehen könnte? So wurde das Projekt "Remark" ins Leben gerufen, eine Zusammenarbeit mit Zachary Lieberman und dem Ars Electronica Futurelab. Das ist eine interaktive Installation, die die Fiktion präsentiert, dass Sprache sichtbare Schatten produziert. Der Gedanke ist, dass man in eine Art magisches Licht tritt und dadurch die Schatten der eigenen Worte sieht. Sie fliegen weg, aus deinem Kopf heraus. Wenn das Spracherkennungsprogramm erkennt, was man sagt, buchstabiert es das. Und wenn nicht, produziert es eine Form, die phonästhetisch eng mit dem Laut verknüpft ist, den man gemacht hat. Hier ist ein Video davon.
Danke. So, und an diesem Projekt hier arbeitete ich mit dem genialen abstrakten Vokalisten Jaap Blonk. Er ist der Experte im Vortrag der "Ursonate", einem halbstündigen Nonsens-Gedicht von Kurt Schwitters, geschrieben in den 1920ern. Es ist ein halbe Stunde kompliziert strukturierten Unsinns. Es ist fast unmöglich, es vorzutragen. Aber Jaap ist einer der Experten, die das können. Für dieses Projekt haben wir eine Art intelligenter simultaner Untertitel entwickelt. Das sind unsere Live-Untertitel, die von einem Computer produziert werden, der den Text der "Ursonate" kennt. Zum Glück kennt Jaap den auch sehr genau. Er trägt den Text gleichzeitig mit Jaap vor. Alle Wörter, die Sie gleich sehen werden, werden live vom Computer generiert. Er visualisiert, was Jaap mit seiner Stimme macht. Hier sehen Sie den Aufbau, der Bildschirm mit den Untertiteln ist hinter ihm. Gut. Also … (Applaus) Im Internet gibt es die Videos in voller Länge, falls Sie interessiert sind.
Die Reaktionen während dieser Live-Performance sind gemischt. Es gibt nämlich Leute, die verstehen, dass Live-Untertitel ein Widerspruch in sich sind, denn normalerweise schreibt sie jemand im Nachhinein. Und dann gibt es viele Leute, die sagen: "Na und? Im Fernsehen sehe ich auch ständig Untertitel." Sie denken nicht an die Leute in der Box, die das alles tippen.
Zusätzlich zum gesamten Körper und der Stimme gibt es noch etwas anderes, das mich neuerdings sehr interessiert, der Einsatz der Augen oder des Blickes, und wie der die Leute miteinander verbindet. Es ist tatsächlich ein großer Anteil an nonverbaler Information, der über die Augen kommuniziert wird. Das ist eine der interessantesten technischen Herausforderungen, die zur Zeit die Informatik beschäftigt. Eine Kamera zu entwickeln, die aus recht großer Distanz erkennt, wie diese klitzekleinen Kugeln tatsächlich in die eine oder andere Richtung zeigen, um zu erkennen, was einen interessiert und worauf unsere Aufmerksamkeit gerichtet ist. Es findet dort also viel emotionale Kommunikation statt.
Ich habe also angefangen, mit vielen verschiedenen Projekten zu erforschen, wie Menschen über ihre Augen mit Maschinen in Verbindung treten. Im Grunde stellte ich folgende Fragen: Was wäre, wenn der Kunst bewusst wäre, dass sie betrachtet wird? Wie könnte sie reagieren, um die Tatsache des Betrachtetwerdens anzuerkennen oder zu unterlaufen? Was könnte sie tun, wenn sie den Blick erwidern könnte? Das sind also die Fragen, mit denen sich die nächsten Projekte auseinandersetzen.
Im ersten, das ich Ihnen zeige – es heißt Eyecode ("Augencode") –, geht es um eine interaktive Software, in der, wie wir in diesem kleinen Kreis lesen können, "die Spur des Blickes des vorherigen Betrachters die Spur des Blickes des vorherigen Betrachters anschaut." Die Idee dahinter ist, dass das Bild völlig aus der Geschichte seines Betrachtetwerdens konstruiert ist, von verschiedenen Leuten in einer Installation. Lassen Sie mich schnell umschalten, damit wir die Live-Demo sehen können. Mal sehen, ob es funktioniert.
Okay. Ah, schön hell. Das ist nur ein kleines Testbild, das anzeigt, dass es läuft. Das werde ich jetzt ausblenden. Hier können Sie sehen, dass es meine Augen jedes Mal aufnimmt, wenn ich blinzle. Hallo? Und ich kann … hallo … okay. Egal, wo ich ich bin – es verfügt über ein Verfahren, das versucht, meine Augen zu lokalisieren. Und wenn ich sehr weit weggehe, werde ich verschwommen. Sie haben dann diese verschwommenen Flecke wie da, die vielleicht nur ungefähr so aussehen wie zwei Augen, sehr abstrakt. Aber wenn ich sehr nahe rangehe und direkt in die Kamera starre, sieht man diese schönen klaren Augen.
Man kann sich das als eine Art von Schreibmaschinenschrift mit den Augen vorstellen. Und was man tippt, sind die Aufnahmen der Augen, wie sie die Augen anderer Leute betrachten. Jede Person betrachtet also die Blicke all der Leute vorher. Es gibt davon auch größere Installationen, wo es Abertausende von Augen gibt, die die Leute anstarren können, während man sieht, wer die Betrachter betrachtet, wie sie die Blicke der Leute vor Ihnen betrachten. Ich setze noch ein paar hinzu. Zwinker. Zwinker. Sie können wieder sehen, wie es meine Augen findet und versucht, mein Blinzeln zu ermitteln. Okay. Genug davon. Es ist also eine Art rekursives Observationssystem. (Applaus) Danke.
Die letzten paar Sachen, die ich Ihnen zeigen werde, sind im Grunde Teil des neuen Reiches der Robotik, neu für mich. Es heißt Opto-Isolator. Ich werde Ihnen ein Video einer älteren Version zeigen, das nur eine Minute dauert. Okay. In diesem Fall blinzelt der Opto-Isolator, wenn man vorher selbst geblinzelt hat. Er blinzelt also eine Sekunde später als man selbst. Das ist ein Gerät, dass das Phänomen des Blickes auf die allereinfachsten Materialien reduziert. Nur ein Auge, das einen ansieht, der Rest des Gesichts wird weggelassen. Um den Blick isoliert zu betrachten, als eine Art Element. Und gleichzeitig versucht es, etwas aufzunehmen, das man ein vertrautes psychosoziales Blickverhalten nennen könnte. Wenn man es z. B. zu lange ansieht, wird es schüchtern und sieht weg. Oder ähnliche Dinge.
Okay. Das letzte Projekt, das ich Ihnen zeigen werde, ist ein neues, das sich Snout ("Schnauze") nennt. (Gelächter) Es ist eine etwa drei Meter lange Schnauze mit einem Glotzauge. (Gelächter) Innen ist ein 400 kg schwerer Roboterarm, den ich mir ausgeliehen habe, (Gelächter) von einem Freund. (Gelächter) Es hilft, gute Freunde zu haben. Ich bin an der Carnegie Mellon Universität. Es gibt da ein großartiges Institut für Robotik. Ich würde Ihnen gerne Snout zeigen, der … Der Gedanke hinter diesem Projekt ist es, einen Roboter zu bauen, der aussieht, als wäre er immer überrascht, dich zu sehen. (Gelächter) Der Gedanke ist, dass er im Grunde immer "Hä? – Hä?" sagt. Deshalb heißt er auch der Spätzünder. Er muss sozusagen immer zweimal hinsehen und sagen: "Was?" Die Absicht dahinter ist im Grunde, dass er dich anschaut und dich dazu bringt zu denken: "Was? Ist was mit meinen Schuhen?" "Hab ich was in den Haaren?" Okay, los geht's.
Sehen Sie sich ihn an … Für die Nerds unter Ihnen ist hier ein bisschen Insider-Info. Er hat ein visuelles Computerprogramm und versucht, die Leute anzusehen, die sich am meisten bewegen. Das sind seine Ziele. Da oben ist das Skelett, das ist, was er zu tun versucht. Es geht tatsächlich darum, eine neue Körpersprache für ein neues Wesen zu erschaffen. In Hollywood machen sie das natürlich ständig. Aber es geht auch darum, mit Körpersprache demjenigen etwas mitzuteilen, die ihn betrachtet. Diese Sprache teilt mit, dass er überrascht ist, dich zu sehen, und dass er es interessant findet, dich zu betrachten.
Vielen Dank. Das wäre alles für heute. Ich freue mich sehr, hier zu sein. Vielen, vielen Dank.
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Golan Levin, Künstler und Ingenieur, benutzt moderne Werkzeuge – Robotik, neue Software, Kognitionsforschung –, um Kunstwerke zu erstellen, die überraschen und erfreuen. Sehen Sie, wie aus Tönen Formen werden, Körper Gemälde erschaffen und ein neugieriges Auge den Blick des neugierigen Betrachters erwidert.
Half performance artist, half software engineer, Golan Levin manipulates the computer to create improvised soundscapes with dazzling corresponding visuals. He is at the forefront of defining new parameters for art. Full bio »
Translated into German by Mareike Kaden
Reviewed by Wolf Ruschke
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14:53 Posted: Apr 2007
Views 228,983 | Comments 37
14:51 Posted: Apr 2007
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17:10 Posted: Jul 2007
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