Ich habe eine Geschichte, die ich gerne mit Ihnen teilen würde. Und es ist eine afrikanische Geschichte. Eine Geschichte von Hoffnung, Durchhaltevermögen und Glamour.
Es gab Hollywood. Dann kam Bollywood. Heute haben wir Nollywood, die drittgrösste Filmindustrie in der Welt. Allein in 2006 wurden fast 2000 Filme in Nigeria gedreht. Nun versuchen Sie, sich 40, 50 Filme vorzustellen, die jede Woche verpackt und in den Strassen von Lagos, Nigeria und Westafrika vertrieben werden. Einige Schätzungen stufen den Wert dieser Industrie auf 250 Millionen Dollar ein. Sie hat Tausende, wenn nicht Zehntausende von Jobs geschaffen. Und sie expandiert. Aber bedenken Sie, dass dies eine Graswurzelbewegung war. Es geschah ohne Auslandsinvestitionen, ohne staatliche Unterstützung und eigentlich entgegen allen Erwartungen, in einem der schwierigsten Momente in der nigerianischen Wirtschaft. Die Industrie ist 15 Jahre alt.
Und vielleicht denken Sie jetzt, warum und wodurch ein italienischer Filmemacher, in Boston ansässig, so an dieser Geschichte interessiert ist? Und so bin ich der Meinung, dass ich Ihnen einige Worte, einige Dinge über mein Privatleben erzählen muss, weil ich denke, dass ein Zusammenhang besteht. Mein Grossvater verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Sambia und ist auch dort beerdigt worden. Auch mein Vater wohnte die meiste Zeit seines Erwachsenenlebens in Ostafrika. Und ich wurde in Sambia geboren. Auch wenn ich fortging, als ich nur drei Jahre alt war, fühlte ich wirklich, dass Afrika einen grossen Teil meines Lebens bildete. Und es war tatsächlich ein Ort, an dem ich laufen lernte. Ich denke ich habe dort die ersten Worte ausgesprochen, und meine Familie kaufte ihr erstes Haus. Als wir dann nach Italien zurückkehrten, und eines woran ich mich am meisten erinnere war, dass meine Familie grosse Schwierigkeiten hatte, Geschichten zu teilen. Es schien, dass für unsere Nachbarn und Freunde Afrika entweder dieser exotische Ort, dieses imaginäre Land war, das wahrscheinlich nur in ihrer Phantasie existierte, oder ein Ort des Grauens und der Hungersnot. Also waren wir stets in dieser Klischeevorstellung gefangen. Und ich erinnere mich wirklich an diesen Wunsch über Afrika zu sprechen, als einen Ort, an dem wir lebten und an dem Menschen wohnen und ihr Leben führen, und Träume wie wir alle haben. Als ich dann in einer Zeitung auf den Business-Seiten die Geschichte Nollywoods gelesen habe, fühlte ich tatsächlich, dass es eine unglaubliche Gelegenheit sei, eine Geschichte zu erzählen, die sich über all diese vorgefassten Meinungen hinwegsetzt.
Hier kann ich eine Geschichte über Afrikaner erzählen, die wie ich Filme machen, und tatsächlich empfand ich dies als eine Inspiration für mich. Ich habe das Glück, Filmemacher am Center of Digital Imaging Arts an der Boston University zu sein. Und wir sehen wirklich, wie Digitaltechnik sich verändert und wie junge, unabhängige Filmemacher Filme zu einem Bruchteil der Kosten machen können. Als ich also die Geschichte vorschlug, hatte ich in der Tat all den Beistand, um diesen Film zu machen. Und ich hatte nicht nur die Unterstützung, ich fand auch zwei wundervolle Komplizen für dieses Abenteuer. Aimee Corrigan, eine sehr talentierte junge Fotografin und Robert Caputo, ein Freund und Mentor, der ein Veteran bei National Geographic ist, und mir sagte, "Weisst Du, Franco, in den 25 Jahren, in denen ich über Afrika berichtete, weiss ich nicht, ob ich auf eine Geschichte gestossen bin, die so voller Hoffnung und so unterhaltsam ist."
Also fuhren wir Oktober 2005 nach Lagos. Und wir fuhren dorthin, um Bond Emeruwa zu treffen, einen wundervollen, talentierten Filmregisseur, der heute Abend bei uns ist. Der Plan war, Ihnen ein Bild von Nollywood zu vermitteln,™ von dieser unglaublichen Filmindustrie, indem wir Bond in seinem Streben beobachteten, einen Actionfilm namens "Checkpoint" zu drehen, der sich mit dem Problem von Korruption auseinandersetzt. Polizeikorruption. Und er hatte neun Tage Zeit, um ihn zu drehen. Wir dachten, es sei eine gute Geschichte.
In der Zwischenzeit mussten wir Nollywood abdecken und wir unterhielten uns mit sehr vielen Filmemachern. Aber ich will nicht zu viele Erwartungen wecken. Ich würde Ihnen gerne sechs Minuten zeigen. Und dies sind sechs Minuten, die sie wirklich für die TED-Zuschauer vorbereitet haben. Es gibt einige Themen aus der Doku, aber sie wurden überarbeitet und für Sie gestaltet, ok? Deshalb glaube ich, es ist eine Weltpremiere.
(Video) Mann: Action. Milverton Nwokedi: Man schneidet einen guten Film mit nur 10,000 Dollar, hier in Nigeria. Und man dreht ihn in sieben Tagen. Peace Piberesima: Wir machen Filme für die breite Masse. Wir machen sie nicht für die Elite und für die Leute in ihren Glashäusern. Sie können es sich leisten, ihren "Robocop" und was auch immer zu sehen. Mahmood Ali Balogun: Ich denke, Filmemachen in Nigeria ist für jene, die in dieser Branche arbeiten eine Art von Lebensunterhalt-Filmemacherei – was sie eben tun, um davon zu leben. Es ist nicht dieses ausgefallene Filmemachen, wo man sagt, oh, ich will all die Hollywood-Effekthascherei verwenden, und wo man grosse Budgets zur Verfügung hat.
Hier ist es so, dass man diese Filme macht, sie verkaufen sich, man fährt wieder zu einem Drehort um den nächsten Film zu drehen, weil man kein Essen hat, wenn man ihn nicht macht. Bond Emeruwa: Also während wir unterhalten, sollten wir auch in der Lage sein, zu erziehen.
Ich glaube an die Macht der audiovisuellen Hilfsmittel. Ich meine, 90 Prozent der Bevölkerung werden sich Nollywood ansehen. Ich denke, es ist nun das tragfähigste Medium, um Informationen über ein bestimmtes Kabel zu übermitteln. Wenn man also einen Film macht, egal was das Thema ist, sollte man eine Aussage reinbringen. Frau: Du musst immer noch den Vorfall melden. Er braucht angemessene ärztliche Hilfe. PP: Ich versuche den Leuten ständig zu erklären, dass es im Moment nicht um Qualität geht – sie kommt noch. Ich meine, es gibt jene Filme, die Leute wegen der Qualität machen, aber das erste, woran man in dieser Gesellschaft denken muss, ist, dass es in Afrika immer noch Menschen gibt, die von einem Dollar am Tag leben, und dies sind die Leute, die sich wirklich diese Filme ansehen.
Sonny McDon W: Nollywood ist eine fantastische Industrie, die in diesem Erdteil soeben geboren wurde. Denn niemand glaubte, dass Nollywood in Afrika zum Vorschein kommen kann. Lancelot Imasen: Aber unsere Filme, sie sind Geschichten, mit denen sich unsere Leute identifizieren können. Sie sind Geschichten über unsere Leute und für sie. Und sie kleben durchweg am Bildschirm wann immer sie eine Geschichte sehen. Sprecher: Spannung, Spass und Intrige. Es ist die Blockbuster-Komödie. Du wirst lachen, bis die Balken krachen.
Bernard Pinayon Agbaosi: Wir sind so in ausländische Filme vertieft. Es geht immer nur um ausländische Filme. Aber auch wir können etwas leisten. Wir können etwas kreieren, von dem, wenn die Welt es zu sehen kriegt, sie sagen wird, wow, das ist Nigeria. Mann: Verhaften Sie sich selbst, Herr Wachtmeister. Bringen Sie sich selbst nicht in Verlegenheit. Komm schon. Lauf nicht weg. Komm zurück. Komm zurück.
SMW: Man kann nun die Strasse entlanglaufen und ein Vorbild sehen. Es ist nicht nur das, was man auf dem Bildschirm sieht. Man sieht die Person live. Man sieht wie er spricht. Wie er lebt. Er beeinflusst dich wirklich stark, weisst du. Es ist nicht nur das, was man im Film sieht. Es ist nicht das, was man von der westlichen Presse hört, weiss du. Mann: Man sieht sich. Tschüss. Action.
Saint Obi: Weisst du, ich war so sehr von diesen Cowboyfilmen fasziniert. Aber dann, als ich von dier Situation in meinem Land erfuhr, zu jener Zeit herrschte so viel Korruption. Damit es ein junger Mann da draussen wirklich zu was bringen kann, muss er über gewisse negative Dinge nachdenken und all dies, oder irgendein untugendhaftes Benehmen. Und weisst du, ich wollte dies nicht. Und ich fand heraus, dass ich im Leben als Schauspieler erfolgreich sein könnte, ohne Verbrechen zu begehen, ohne jemanden zu betrügen, ohne Lügen zu erzählen. Nur ich und das gottgegebene Talent. Mann: Lass uns gehen. OK, es ist Zeit, es ihnen zu zeigen. Sicher das ab. Es ist dein eigenes. Beweg dich.
Roboger Animadu: Wenn sie in grossen Ländern Filme machen, haben sie all diese Sachen, die bereit stehen. Aber hier improvisieren wir diese Dinge, wie Waffenschüsse. Wie sie es machen, hier, jetzt, jetzt, man sieht die Waffe dort, aber man wird keine schiessenden Waffen sehen, wir benutzen Explosionen. Kevin Books Ikeduba: Wovor ich Angst habe ist, dass die Explosion bis zu meinem Gesicht hochkommt. Frau: Deshalb benutze ich entsprechend viel Abdeckband. Das Abdeckband wird es abfangen. Warte, warte. Halte dies nur mal für mich. KBI: Ich sage ihr nur, dass sie dafür sorgen soll, es korrekt anzubringen, damit es nicht mein Gesicht in Mitleidenschaft zieht--die Explosion, weisst du. Aber sie ist ein Profi. Sie weiss was sie tut. Ich versuche auch, mein Gesicht zu schützen. Dies wird nicht mein letzter Film sein. Weisst du, das ist Nollywood, wo die Magie lebt.
RA: Also werdet ihr jetzt gleich sehen, wie wir hier unsere eigenen Filme machen, mit oder ohne die Unterstützung von irgend jemandem. Mann: Action. Schnittt. (Applaus)
Franco Sacchi: So vieles zu sagen, so wenig Zeit. So viele Themen in dieser Geschichte. Ich kann Ihnen gar nicht sagen – es gibt eine Sache, die ich Ihnen erzählen will. Wissen Sie, ich habe einige Wochen mit all diesen Schauspielern und Produzenten verbracht, und die Probleme, die sie durchmachen müssen, sind unvorstellbar, für einen Abendländer, einen Filmemacher, der in Amerika oder Europa arbeitet. Aber stets mit einem Lächeln, immer mit Enthusiasmus, das ist unglaublich.
Werner Herzog, der deutsche Filmemacher, sagte, "Ich muss Filme machen, wie ihr atmen müsst." Und ich denke, sie atmen. Die nigerianischen Filmemacher tun wirklich das, was sie mögen. Und deshalb ist es eine sehr, sehr wichtige Sache für sie, und für ihre Zuschauer. Eine Frau sagte mir, "Wenn ich einen Nollywood-Film sehe, kann ich mich entspannen, wirklich – ich kann besser atmen."
Da gibt es noch eine andere sehr wichtige Sache, die bei diesem Publikum Resonanz finden wird, hoffe ich. Es ist Technologie. Ich interessiere mich sehr dafür und ich glaube wirklich, dass der digitale nonlineare Videoschnitt, wissen Sie, die Kosten drastisch gesenkt hat, es ist nun ein Bruchteil davon, was einst üblich war. Fantastische Kameras kosten unter 5,000 Dollar. Und dies hat eine enorme Energie freigesetzt. Und stellt euch vor! Wir mussten es den nigerianischen Filmemachern nicht sagen. Sie haben es verstanden, sich die Technologie zu eigen gemacht, sie arbeiten damit und sind erfolgreich. Ich hoffe, dass das Nollywood-Phänomen in beide Richtungen funktionieren wird. Hoffentlich wird es andere afrikanische Nationen inspirieren, sich die Technologie anzueignen, das nigerianische Modell zu betrachten, ihre Filme zu machen, Arbeitsplätze zu schaffen, eine Geschichte für die Bevölkerung zu erschaffen, etwas zum Identifizieren, etwas Positives, was wirklich eine psychologische Entlastung ist und ein Teil der Kultur. Aber ich bin wirklich der Meinung, dass dies ein Phänomen ist, welches uns inspirieren kann. Ich glaube wirklich, es funktioniert in beide Richtungen.
Filmemacher, Freunde von mir, betrachten Nollywood und sagen, "Wow, sie tun, was wir wirklich machen wollen, verdienen Geld und leben mit diesem Job." Also denke ich wirklich, es ist eine Lektion, die wir eigentlich von ihnen lernen. Und da ist etwas, eine kleine Aufgabe, die ich für Sie habe, und es sollte uns dazu bewegen, über die Bedeutung des Geschichtenerzählens nachzudenken. Ich denke, dies ist wirklich das Thema dieser Veranstaltung. Versuchen Sie sich eine Welt vorzustellen, in der das einzige Ziel Nahrung und ein Unterschlupf ist, aber keine Geschichten. Keine Geschichten ums Lagerfeuer. Keine Legenden, keine Märchen. Nichts. Keine Romane. Schwierig, nicht wahr? Es ist bedeutungslos.
Das ist also was ich wirklich glaube. Ich denke, dass der Schlüssel zu einer gesunden Gesellschaft in einer blühenden Gemeinschaft von Geschichtenerzählern liegt, und ich meine, dass die nigerianischen Filmemacher dies wirklich bewiesen haben. Ich möchte, dass Sie ihre Stimmen hören. Nur wenige Minuten. Es ist keine beigefügte Sequenz, nur einige Stimmen aus Nollywood.
(Video) Toyin Alousa: Nollywood ist das Beste, was ihnen passieren kann. Wenn es eine Branche gibt, die ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen zaubert, ist das Nollywood. SO: Ich glaube, sehr bald werden wir nicht nur bessere Filme haben, wir werden diesen original nigerianischen Film haben. BE: Es sind immer noch dieselben Grundthemen. Liebe, Action. Aber wir erzählen es auf unsere eigene Weise, unsere eigene nigerianische Weise, afrikanische Weise. Wir haben vielfältige Kulturen, diverse Kulturen, es gibt so viele, dass ich nicht voraussehe, dass wir die vorhandenen Geschichten zu unseren Lebzeiten ausschöpfen werden.
FS: Meine Aufgabe endet hier, und die Nollywood-Filmemacher müssen sich nun wirklich an die Arbeit machen. Und ich hoffe wirklich, dass es viele, viele Kollaborationen geben wird, wo wir uns gegenseitig Dinge beibringen. Und hoffentlich wird dies wirklich geschehen. Vielen Dank. (Applaus)
Chris Anderson: Halt. Ich habe zwei Fragen. Franco, du hast dies als drittgrösste Filmindustrie der Welt beschrieben. Wie setzt sich das tatsächlich um was die Anzahl der Filme angeht?
FS: Oh, ja. Ich glaube, ich habe es kurz erwähnt – es sind fast 2,000 Filme. Es gibt wissenschaftliche Angaben darüber.
CA: 2,000 Filme pro Jahr? FS: 2,000 Filme pro Jahr. 2005 oder 6, hat die Zensurbehörde allein 1,600 Filme zensiert. Und wir wissen, dass es mehr gibt. Also kann man mit Sicherheit sagen, dass es 2,000 Filme gibt. Also stellen Sie sich 45 Filme pro Woche vor. Es gibt Herausforderungen. Es gibt wirklich Herausforderungen. Es gibt ein Übermass an Filmen, die Qualität muss erhöht werden, sie müssen zum nächsten Level gelangen, aber ich bin optimistisch.
CA: Und dies sind nicht Filme, die hauptsächlich in Kinos gesehen werden?
FS: Oh ja, natürlich. Das ist sehr wichtig. Vielleicht, wissen Sie, damit Sie sich das vorstellen können, dies sind Filme, die direkt auf den Märkten vertrieben werden. Sie werden in Videotheken gekauft. Man kann sie für Pennys leihen.
FS: Oh, das Format – danke für die Frage. Ja, es sind VCDs. Es ist eine CD, ein etwas komprimierteres Bild. Sie haben mit VHS angefangen. Tatsächlich haben sie nicht auf die neueste Technologie gewartet. Sie haben in '92, '94 angefangen. Es gibt also 57 Millionen Videorekorder in Nigeria, die VHS und diese VCDs abspielen. Es ist im Grunde genommen eine CD. Eine Kompaktdisk.
CA: Also auf den Strassen, sind Filmcasts ...?
FS: Man kann in einem Stau in Lagos stecken und einen Film kaufen oder einige Bananen, oder etwas Wasser. Ja. (Gelächter) Und ich muss sagen, dies beweist wirklich, dass Geschichtenerzählen ein Produkt, ein Grundnahrungsmittel ist. Es gibt kein Leben ohne Geschichten.
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Der in Sambia geborene Filmemacher Franco Sacchi nimmt uns mit auf eine Tour durch Nollywood, Nigerias boomende Filmindustrie (die drittgrösste der Welt). Guerilla-Filmemachen und Grossartigkeit unter Druck von Crews, die einen Spielfilm innerhalb einer Woche drehen können.
Franco Sacchi is the director of This Is Nollywood, the story of Nigeria's massive homegrown film industry. Full bio »
Translated into German by Hanna Lezok
Reviewed by Karin Friedli
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18:02 Posted: Jan 2008
Views 1,475,014 | Comments 190
18:44 Posted: Oct 2008
Views 215,609 | Comments 31
17:36 Posted: Aug 2007
Views 306,919 | Comments 67
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