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Eve Ensler über Sicherheit

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Ich denke, es wird für Einige eine Erleichterung sein und eine Enttäuschung für andere, dass ich heute nicht über Vaginas reden werde. Ich begann die Vagina-Monologe weil ich mir über Vaginas sorgen machte. Heute bin ich sehr besorgt über diese Idee, diese Welt, diese vorherrschende Art der Bedeutung von Sicherheit. Ich sehe dieses Wort, höre dieses Wort, fühle dieses Wort überall. Echte Sicherheit, Sicherheitschecks, Sicherheitsfokus, Sicherheitsfreigabe. Wieso fühle ich mich durch diesen ganzen Fokus auf Sicherheit so viel unsicherer? Was meint jemand wenn er über echte Sicherheit redet? Und warum sind besonders wir Amerikaner eine Nation geworden die vor allem anderen nach Sicherheit strebt? In Wirklichkeit denke ich dass Sicherheit schwer fassbar ist, sogar unmöglich. Wir werden alle sterben. Wir werden alle alt. Wir werden alle krank. Leute verlassen uns. Leute verändern uns. Nichts ist sicher. Und das sind die guten Nachrichten.

Außer, natürlich, wenn sich das ganze Leben darum dreht sicher zu sein. Ich denke dass wenn das der Mittelpunkt des Lebens ist, passieren diese Dinge: Man kann sich nicht sehr weit aus einem bestimmten Kreis herauswagen. Man kann nicht zu viele sich widersprechende Ideen gleichzeitig im Kopf erlauben, da sie einen verwirren oder herausfordern könnten. Man kann sich nicht neuen Erfahrungen, neuen Leuten öffnen. Oder Dinge auf eine neue Art und Weise tun. Sie könnten einen vom Kurs abbringen. Man kann nicht nicht wissen wer man ist, also klammert man sich an dingliche Identitäten. Man wird ein Christ, ein Muslim, ein Jude. Man ist ein Inder, Ägypter, Italiener, Amerikaner. Man ist heterosexuell oder homosexuell, oder man hat nie Sex. Oder zumindest sagt man das wenn man sich vorstellt. Man wird Teil eines "Uns". Um sicher zu sein verteidigt man sich gegen "Die". Man klammert sich an sein Land weil es sein sicherer Ort ist. Man muss jeden bekämpfen der eindringt. Man wird sein Land. Man wird seine Religion. Man wird was auch immer es ist das einen einfrieren wird, abstumpfen wird und vor Zweifel oder Veränderung beschützt. Aber was all das in Wirklichkeit macht, ist den Kopf abschalten. In Wirklichkeit macht es einen nicht sicherer.

Ich war zum Beispiel in Sri Lanka, drei Tage nach dem Tsunami, und ich stand an den Stränden und es war absolut klar dass innerhalb von fünf Minuten eine 10 Meter hohe Welle auftauchen kann und ein Volk, eine Bevölkerung und Leben vernichten kann. Dieses ganze Streben nach Sicherheit hat einen in Wirklichkeit viel unsicherer gemacht, denn jetzt muss man die ganze Zeit aufpassen. Es gibt Menschen die nicht so sind wie man selbst. Menschen die man jetzt Feinde nennt, es gibt Orte an die man nicht gehen kann, Gedanken die man nicht denken kann, Welten die man nicht länger bewohnen kann. Und während man seine Tage damit verbringt Dinge abzuwehren, sein Territorium zu verteidigen, und man sich immer mehr in seinem fundamentalistischen Denken eingräbt. Man widmet seine Tage dem Selbstschutz. Dies wird die Mission. Das ist alles was man tut. Ideen werden kürzer. Sie werden Tonfragmente. Es gibt Bösewichte und Heilige, Kriminelle und Opfer.

Es gibt diejenigen, die, wenn sie nicht für uns sind, gegen uns sind. Es wird einfacher, Menschen zu verletzen weil man nicht fühlt was in ihnen vorgeht. Es ist einfacher sie einzusperren, sie auszuziehen, sie zu demütigen, sie zu besetzen, sie zu erobern und sie zu töten. Denn sie sind nun nur Hindernisse für die eigene Sicherheit. In sechs Jahren hatte ich das außerordentliche Privileg durch V-Day, einer globalen Bewegung gegen [Gewalt gegen] Frauen, etwa 60 Länder zu bereisen und eine lange Zeit in verschiedenen Erdteilen zu verbringen. Ich habe überall auf diesem Planeten Frauen und Männer getroffen, die durch verschiedene Umstände, Krieg, Armut, Rassismus, verschiedene Formen der Gewalt, nie Sicherheit erlebt haben, oder deren Illusion der Sicherheit für immer zerstört wurde. Ich habe Zeit mit Frauen in Afghanistan unter den Taliban verbracht, welche im wesentlichen misshandelt und zensiert wurden. Ich war in bosnischen Flüchtlingscamps. Ich war bei Frauen in Pakistan deren Gesichter mit Säure weggeätzt waren. Ich war bei Mädchen in ganz Amerika die bei einer Verabredung vergewaltigt wurden oder von ihren besten Freunden eines Nachts unter Drogen gesetzt und vergewaltigt wurden.

Eines der erstaunlichen Dinge die ich auf meinen Reisen entdeckt habe ist, dass diese Spezies entsteht. Ich fand es toll als er über diese andere Welt redete, die direkt neben dieser Welt ist. Ich habe diese Leute entdeckt, die wir in der V-Day Welt Vagina-Krieger nennen. Bestimmte Leute die, anstatt dass sie sich AK-47 besorgen, oder Massenvernichtungswaffen oder Macheten, im Geist des Kriegers zum Zentrum, dem Innersten der Schmerzens, des Verlustes gegangen sind. Sie haben darüber getrauert, sie sind darin aufgegangen und haben es zugelassen, sogar gefördert dass Gift zu Medizin wurde. Sie haben das Feuer ihres Schmerzes dazu benutzt diese Energie umzuleiten zu einem anderen Zweck und einem anderen Kurs.

Diese Krieger widmen jetzt sich und ihr Leben dazu, sicherzustellen dass das was Ihnen passiert ist keinem anderen passiert. Es gibt Tausende, wenn nicht Millionen von Ihnen auf dem Planeten. Ich wage zu behaupten, es gibt viele von Ihnen in diesem Raum. Sie haben eine Wildheit und eine Freiheit von der ich glaube dass sie das Fundament eines neuen Paradigmas ist. Sie sind aus dem existierenden Rahmen von Opfer und Täter ausgebrochen. Ihre persönliche Sicherheit ist nicht ihr endgültiges Ziel, und deswegen, denn anstatt sich über Sicherheit zu sorgen, weil die Transformation von Leiden ihr endgültiges Ziel ist, glaube ich ernsthaft, dass sie echte Sicherheit erschaffen und eine ganz neue Idee von Sicherheit. Ich will über ein paar dieser Leute die ich getroffen habe reden.

Morgen gehe ich nach Kairo, und ich bin sehr bewegt dass ich bei Frauen in Kairo sein werde die V-Day Frauen sind, die das erste Frauenhaus für misshandelte Frauen im Nahen Osten aufmachen. Das wird passieren weil Frauen in Kairo eine Entscheidung getroffen haben aufzustehen und sich selbst zu gefährden und über den Grad der Gewalt in Ägypten zu reden und die willens waren angegriffen und kritisiert zu werden, und durch ihre Arbeit in den letzten Jahren werden sie nicht nur dieses Haus eröffnen sondern es wird von vielen Teilen der Gesellschaft unterstützt die es sonst nie unterstützt hätten. Frauen in Uganda, die in diesem Jahr die Vagina-Monologe am V-Day aufführen wollten, haben sogar den Zorn der Regierung erregt.

Und, ich liebe diese Geschichte so sehr. Es gab ein Kabinettstreffen und ein Treffen der Präsidenten um darüber zu reden ob Vaginas nach Uganda kommen könnten. Und während diesem Treffen, es war wochenlang in der Presse, zwei Wochen lang gab es eine riesige Diskussion. Die Regierung traf am Ende die Entscheidung dass die Vagina-Monologe nicht in Uganda aufgeführt werden dürfen. Aber die faszinierende Nachricht war, dass weil diese Frauen aufgestanden waren, und weil sie Willens waren ihre Sicherheit zu riskieren, eine Diskussion begann die nicht nur in Uganda geführt wurde, sondern in ganz Afrika. Als Ergebnis, diese Aufführung die schon ausverkauft war, jede einzelne Person in diesem 800-köpfigen Publikum, außer zehn Leuten, traf die Entscheidung das Geld zu behalten. Sie haben 10.000 $ durch eine Aufführung eingenommen die nie stattfand.

Es gibt eine junge Frau namens Kerry Ruffleson* in Minnesota. Sie ist in der High School. Sie hatte die Vagina-Monologe gesehen und war wirklich bewegt, und als Ergebnis trug sie einen "Ich liebe meine Vagina" Button in ihrer Schule in Minnesota.

(Gelächter)

Ihr wurde mit Schulverweis gedroht. Ihr wurde gesagt dass sie ihre Vagina in ihrer Schule nicht lieben könnte, dass es nicht legal wäre, dass es nicht moralisch wäre, dass es keine gute Sache wäre. Sie war sehr unsicher, was sie tun sollte, denn sie war fast fertig mit der Schule und sie war gut und ihr wurde mit Rauswurf gedroht, was sie also gemacht hat, ist dass sie alle ihre Freunde zusammengerufen hat, ich glaube es waren so 100, 150 Schüler, die alle "Ich liebe meine Vagina" T-Shirts trugen, und die Jungs trugen "Ich liebe ihre Vagina" T-Shirts zur Schule.

(Gelächter)

Das scheint jetzt ziemlich, wissen Sie, frivol, aber was als Ergebnis davon passiert ist, ist dass diese Schule jetzt einen Sexualkundeunterricht hat, sie fängt an über Sex zu sprechen, sie fängt an sich anzuschauen wieso es falsch wäre für ein junges Schulmädchen über ihre Vagina öffentlich zu reden oder öffentlich zu sagen dass sie ihre Vagina liebt.

Ich weiss dass ich früher schon über Agnes geredet habe, aber ich will Ihnen ein Update über Agnes geben. Ich habe Agnes vor drei Jahren im Rift Valley getroffen. Als sie ein junges Mädchen war, wurde sie gegen ihren Willen verstümmelt. Diese Verstümmelung der Klitoris hat offensichtlich ihr Leben beeinflusst und in einer vernichtenden Art und Weise verändert. Sie hat die Entscheidung getroffen, sich keine Rasierklinge oder Glasscherbe zu besorgen, sondern ihr Leben dem gewidmet, dass dies keinem anderem Mädchen passiert. Acht Jahre lang ist sie durchs Rift Valley gelaufen. Sie hat diese wunderbare Kiste die sie getragen hat und sie hatte ein Torso von einem Frauenkörper drinnen, die Hälfte eines Torsos, und sie würde Leuten überall wo sie hin ging erklären wie eine gesunde Vagina aussah und wie eine verstümmelte Vagina aussah. In den Jahren in denen sie umher wanderte, sie hat Eltern, Mütter, Väter, aufgeklärt, hat sie 1500 Mädchen davor bewahrt beschnitten zu werden.

Als V-Day sie traf, haben wir sie gefragt wie wir ihr helfen könnten. Und sie Sagte "Wenn ihr mir einen Jeep besorgt könnte ich viel schneller herumkommen." Also haben wir ihr einen Jeep gekauft. In dem Jahr in dem sie einen Jeep hatte, hat sie 4500 Mädchen davor gerettet beschnitten zu werden. Also sagten wir, was können wir noch tun? Sie sagte, "Wenn ihr mir helft Geld aufzutreiben, könnte ich ein Haus eröffnen." Vor drei Jahren hat Agnes ein Frauenhaus in Afrika eröffnet um Verstümmelung zu stoppen. Als sie ihre Mission vor acht Jahren begann, wurde sie beschimpft, sie wurde verabscheut, sie wurde in ihrer Gemeinschaft komplett durch den Dreck gezogen. Ich bin stolz Ihnen zu erzählen, dass sie vor sechs Monaten zum stellvertretenden Bürgermeister von Narok gewählt wurde.

(Beifall)

Ich denke was ich versuche hier zu sagen, ist dass wenn das endgültiges Ziel Sicherheit ist, und wenn das alles ist auf das man sich konzentriert, was am Ende passiert, ist dass man nicht nur mehr Unsicherheit in anderen Leuten schafft, sondern dass man sich selbst auch viel unsicherer macht. Echte Sicherheit ist den Tod akzeptieren, nicht vorzugeben er existiere nicht. Nicht vor Verlusten davonzulaufen, sondern Trauer anzunehmen, sich dem Leid zu ergeben. Echte Sicherheit ist nicht etwas zu wissen wenn man es nicht kennt. Echte Sicherheit ist nach Verbindungen zu hungern anstatt nach Macht. Sie kann nicht gekauft oder arrangiert oder mit Bomben erzwungen werden. Sie ist tiefer, sie ist ein Prozess, sie ist echtes Bewusstsein dass wir alle vollständig verbunden sind, und eine Handlung von einer Person in einer winzigen Stadt überall Konsequenzen hat. Echte Sicherheit ist nicht nur fähig zu sein Rätselhaftigkeit, Komplexität, Zweideutigkeit zu tolerieren sondern danach zu hungern und nur einer Situation zu trauen wenn diese vorhanden sind.

Etwas ist passiert als ich vor acht Jahren damit begann am V-Day zu reisen. Ich verirrte mich. Ich erinnere mich, an Bord eines Flugzeuges von Kenia nach Südafrika zu sein, und ich hatte keine Ahnung wo ich war. Ich wusste nicht wohin ich ging, wo ich herkam, und ich hatte Panik, ich hatte einen totalen Angstanfall. Und dann habe ich plötzlich realisiert dass es absolut egal war wohin ich ging, oder wo ich herkam weil wir am Ende alle dauerhaft heimatlose Menschen sind. Wir sind alle Flüchtlinge. Wir kommen von irgendwoher und wir reisen hoffentlich die ganze Zeit, in Richtung eines neuen Ortes. Freiheit bedeutet dass ich mich nicht mit einer Gruppe identifiziere sondern dass ich alle Gruppen besuchen kann und mich in jeder wiederfinde. Das bedeutet nicht dass ich keine Werte oder Grundsätze habe, sondern das bedeutet dass ich mich nicht um sie herum versteife. Ich benutze sie nicht als Waffen. In einer gemeinsamen Zukunft, werden sie genau das sein , gemeinsam. Das endgültige Ziel wird sein verwundbar zu werden, die Anwesenheit unserer Verbindung zueinander zu realisieren, anstatt sicher zu werden, in Kontrolle zu sein, und allein. Vielen Dank.

(Beifall)

Wie geht es dir? Bist du erschöpft? An einem typischen Tag, wachst du mit Hoffnung oder Trübsinn auf? Ich weiss dass Carl Jung einmal gesagt hat, um im 20. Jahrhundert zu überleben, müssen wir mit zwei existierenden, gegensätzlichen Gedanken zur gleichen Zeit leben. Und ich denke ein Teil von dem was ich in dem Prozess lerne, ist dass man sich erlauben muss Trauer zu fühlen. Und ich denke so lange ich trauere, und schluchze, und dann weiter mache, geht es mir gut. Wenn ich anfange vorzutäuschen dass das was ich sehe mich nicht berührt, und mein Herz nicht verändert, dann bin ich in Gefahr denn wenn man viel Zeit damit verbringt von Ort zu Ort zu gehen, von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, das Ausmaß zu dem Frauen, zum Beispiel, misshandelt werden und die Epidemie davon, und das Gewöhnliche daran, ist so verheerend für die Seele, dass man sich die Zeit nehmen muss, zumindest muss ich mir die Zeit nehmen, um das zu verarbeiten.

Es gibt viele Angelegenheiten da draußen in der Welt über die geredet wurde, Armut, Krankheit und so weiter, du hast acht Jahre mit dieser verbracht. Wieso dieser? Ich denke, dass wenn man über Frauen nachdenkt, Frauen sind die ursprünglichste Ressource des Planeten, sie gebären, wir kommen von ihnen, sie sind Mütter, sie sind Visionäre, sie sind die Zukunft. Wenn man denkt dass die UN heute sagt dass eine von drei Frauen auf dem Planeten in ihrem Leben vergewaltigt oder geschlagen werden wird, dann reden wir über die Entweihung der ursprünglichen Ressource des Planeten, wir reden über den Ort von dem wir herkommen, wir reden über Elternschaft. Stell dir vor dass du vergewaltigt wurdest und du ziehst einen Jungen groß. Wie beeinflusst das deine Fähigkeit zu arbeiten, dir eine Zukunft vorzustellen, oder zu florieren im Gegensatz zu überleben? Ich glaube dass, wenn wir herausfinden könnten wie man die Frauen sicher machen kann und sie ehren kann, wäre das eine Parallele oder ein Gleichnis das Leben selbst zu ehren.

About The Speaker

Eve Ensler created the ground-breaking "Vagina Monologues," whose success propelled her to found V-Day -- a movement to end violence against women and girls everywhere.
Full bio and more links

About This Talk

Dramatikerin Eve Ensler erforscht unsere neue Sucht nach Sicherheit -- und wieso sie uns weniger sicher macht. Hören Sie inspirierende, herzzerreißende Geschichten über Frauen die Veränderungen bewirken.

Translated into German by Jochen Schmidt
Reviewed by Stefan Soehnle
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