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Ich bin Amerikaner, was in der Regel bedeutet: Ich ignoriere Fußball, es sein denn Kerle von meinem oder Brunos Kaliber rennen sich mit Volldampf um. Aber trotzdem war es sehr schwer, Fußball zu ignorieren in den letzten zwei Wochen. Bei Twitter sehe ich all diese fremden Wörter, die ich noch nie zuvor gehört hatte: FIFA, Vuvuzela, seltsame Witze über Kraken. Aber eine bestimmte Sache bereitete mir Kopfschmerzen, denn ich konnte sie einfach nicht verstehen, und zwar die Phrase "Cala a boca, Galvao." Wenn Sie in den letzten Wochen bei Twitter reingeschaut haben, haben Sie es wahrscheinlich gesehen. Dies ist ein heißes Trending Topic.
Da ich nun ja ein einsprachiger Amerikaner bin, weiß ich nicht, was die Phrase bedeutet. Also schaute ich bei Twitter nach, und fragte einige Leute, ob sie mir "Cala a boca, Galvao." erklären könnten. Glücklicherweise waren meine brasilianischen Freunde bereit, mir zu helfen. Sie erklärten, dass der Galvao-Vogel ein seltener und vom Aussterben bedrohter Papagei ist, der sich in schrecklicher Gefahr befindet. Aber ich lasse sie es Ihnen doch selbst erzählen. Sprecher: Eine Anmerkung zum Galvao, ein sehr seltener Vogel, der in Brasilien beheimatet ist. Jedes Jahr werden mehr als 300.000 Galvao-Vögel während der Karnevals-Paraden getötet. Ethan Zuckerman: Offensichtlich ist dies eine tragische Situation und es wird sogar noch schlimmer. Es stellt sich heraus, dass der Galvao-Papagei nicht nur sehr attraktiv und nützlich für Kopfschmuck ist, er hat offenbar bestimmte halluzinogene Eigenschaften, was bedeutet, dass es ein schreckliches Problem hinsichtlich Galvao-Missbrauch gibt. Einige kranke und verdorbene Menschen schnupfen Galvao. Und dadurch ist er extrem gefährdet. Die gute Nachricht dabei ist, dass die internationale Gemeinschaft -- so höre ich es von meinen brasilianischen Freunden -- Hilfe beisteuert. Wie es scheint hat Lady Gaga eine neue Single veröffentlicht -- eigentlich fünf oder sechs neue Singles, soweit ich das sagen kann -- mit dem Titel "Cala a boca, Galvao." Und meine brasilianischen Freunde sagen mir, dass wenn ich einfach die Phrase "Cala a boca, Galvao." tweete, 10 Cents gespendet werden an eine weltweite Kampagne zur Rettung dieses seltenen und schönen Vogels.
Nun, die meisten von Ihnen haben sicherlich diesen Scherz durchschaut, der ja sogar sehr, sehr gut war. "Cala a boca, Galvao" bedeutet nämlich etwas ganz anderes. Auf Portugiesisch heissts "Halt deinen Mund, Galvao." Und es bezieht sich besonders auf diesen Kerl, Galvao Bueno, der einer der Haupt-Fußballkommentatoren für Rede Globo ist. Und wenn ich meine brasilianische Freunde richtig verstehe, ist dieser Kerl ein Phrasendrescher. Er kann das spannendste Spiel ruinieren, indem er eine Phrase nach der anderen raushaut. Also haben die Brasilianer beim ersten Spiel gegen Nordkorea dieses Banner aufgehängt, starteten eine Twitter-Kampagne und versuchten, den Rest von uns dazu zu bringen die Phrase "Cala a boca, Galvao." zu tweeten. Sie waren sogar so erfolgreich damit, dass es für zwei Wochen ganz oben bei Twitter stand.
Es gibt nun einige -- es gibt einige Lektionen, die man daraus lernen kann. Die erste Lektion, die ich für erstrebenswert halte, ist, dass man nicht falsch damit liegt, Menschen dazu zu bringen, sich online zu engagieren, solange sich der Aktivismus auf den ReTweet einer Phase beschränkt. Solange der Aktivismus so einfach ist, kommt man ganz einfach damit durch. Die andere Lektion, die man übrigens daraus lernen kann, ist, dass es sehr viele Brasilianer bei Twitter gibt. Es gibt mehr als fünf Millionen von ihnen. Bezogen auf die vertretenden Nationen, sind 11 Prozent der brasilianischen Internetbenutzer bei Twitter. Dies ist eine viel größere Zahl als für die USA oder die UK. Neben Japan ist es am zweitstärksten vertreten im Hinblick auf die Bevölkerungszahl.
Wenn Sie also Twitter oder andere soziale Netzwerke nutzen und Sie nicht wissen, dass dies voll von Brasilianern ist, geht es Ihnen wie den meisten von uns. Was nämlich bei sozialen Netzwerken passiert, ist, dass Sie mit Menschen interagieren, die Sie dafür ausgewählt haben. Und wenn Sie wie ich sind, ein dicker, geeky, weißer Amerikaner, interagieren Sie auch mit vielen anderen geeky, weißen Amerikanern. Und Sie haben nicht unbedingt den Eindruck, dass Twitter tatsächlich von vielen Brasilianern bevölkert wird. Was auch für viele Amerikaner überraschend ist, ist, dass es eine Plattform für viele Afro-Amerikaner ist. Twitter hat vor kurzem nachgeforscht. Sie haben sich ihre Bevölkerung angeschaut. Sie glauben, dass 24 Prozent der amerikanischen Twitterer Afro-Amerikaner sind. Das sind zweimal so viele Afro-Amerikaner wie in der Bevölkerung vertreten sind. Und auch das war für viele Twitterer schockierend, aber das sollte es nicht sein. Und der Grund dafür ist, dass man, wann auch immer, sich die Trending Topics anschauen kann. Und dort findet man in der Regel Topics, die sich beinahe nur mit afro-amerikanischen Themen befassen.
Dies ist eine Visualisierung von Fernando Viegas und Martin Wattenberg, zwei unglaubliche Visualisierungsdesigner, deren Betrachtung eines Wochenendes von Twitter-Nachrichten sie zur Erkenntnis brachte, dass viele dieser Trending Topics letztendlich gruppenspezifische Unterhaltungen waren -- und zwar auf eine unerwartete Art und Weise. Es stellte sich heraus, dass die Ölkatastrophe eine weißes Thema war, dass BBQ eine vorherrschend schwarzes Thema war. Was so verrückt daran ist, ist, dass eine Veränderung dessen, was man bei Twitter sieht, nur ein Klick entfernt ist. Wenn man auf den BBQ-Tag klickt, sieht man eine komplett andere Unterhaltung an der andere Leute teilnehmen. Aber normalerweise tun wir dies nicht. Wir enden in diesen "Filter-Blasen", wie mein Freund Eli Pariser sie nennt, wo wir nur die Menschen sehen, die wir schon kennen und die Menschen, die denen ähneln. Und wir sehen nicht den größeren Rahmen.
Für mich ist dies überraschend, denn so war das Internet eigentlich nicht gedacht. Wenn man zu den Anfängen des Internets zurück geht, wenn Cyber-Utopisten wie Nick Negroponte große Bücher schrieben mit Titeln wie "Total Digital", war die Vorhersage, dass das Internet eine unglaublich einflussreiche Macht werden wird, die kulturelle Unterschiede ausbügelt und die uns alle auf die eine oder andere Art einander angleicht. Negroponte begann sein Buch mit einer Geschichte über die Schwierigkeiten, Verbindungen aufzubauen in einer Welt bestehend aus Atomen. Er ist auf einer Technologiekonferenz in Florida. Und er betrachtet etwas wirklich absolut Absurdes, und zwar Flaschen mit Evian-Wasser auf dem Tisch. Und Negroponte sagt, das ist verrückt. Das ist die "Old Economy". Es ist die Wirtschaft der Bewegung von diesen schweren, langsamen Atomen über große Distanzen, was sehr schwierig ist. Wir bewegen uns auf eine Zukunft mit Bits hin, in der alles schnell und leicht ist. Es kann überall zu jeder Zeit auf dieser Welt sein. Und es wird die uns bekannte Welt verändern.
Negroponte hatte hinsichtlich vieler Dinge recht. Aber diesbezüglich lag er völlig falsch. Es stellt sich heraus, dass in vielen Fällen, Atome viel beweglicher als Bits sind. Wenn ich in den USA in einen Laden gehe, ist es sehr, sehr einfach für mich, Wasser zu kaufen, das in Fidschi abgefüllt wurde, mit großen Kosten in die USA importiert wurde. Es ist dagegen erstaunlich schwer für mich, einen fidschianischen Kinofilm zu sehen. Es ist sehr schwer für mich, mir Musik aus Fidschi anzuhören. Es ist äußerst schwer, Nachrichten aus Fidschi zu bekommen, was seltsam ist, denn es passiert sehr viel in Fidschi. Es gibt eine Putsch-Regierung. Eine Militärregierung. Es gibt Razzien gegen die Presse. Es ist eigentlich eine Gegend, der wir momentan unsere Aufmerksamkeit schenken sollten.
Ich denke, folgendes passiert gerade. Ich denke, dass wir tendenziell dies betrachten: die Infrastruktur der Globalisierung. Wir schauen uns das Gerüst an, das es ermöglicht in dieser vernetzten Welt zu leben. Und dieses Gerüst schließt Flugverbindungen mit ein. Es schließt Dinge wie die Internetkabel ein. Wir schauen uns eine Karte wie diese an, und es sieht so aus, als ob die Welt flach wäre, weil alles nur einen Sprung oder so entfernt ist. Sie besteigen ein Flugzeug in London und sind später am Tag in Bangalore. Zwei Sprünge, und Sie sind in Suva, der Hauptstadt von Fidschi. Es ist alles da.
Wenn man sich anschaut, was tatsächlich an der Spitze der Netzwerke passiert, bekommt man ein ganz anderes Bild. Man schaut sich an, wie globale Fluglinien agieren, und man erkennt plötzlich, dass die Welt nicht annähernd flach ist. Sie ist sehr uneben. Einige Teile der Welt sind sehr, sehr gut verbunden. Es gibt eine gigantische Straße in der Luft zwischen London und New York. Aber sehen Sie diese Karte und schauen Sie sich diese für zwei oder drei Minuten an. Sie werden nicht viele Flugzeuge sehen, die von Südamerika nach Afrika gehen. Und Sie entdecken auch, dass Teile der Welt systematisch abgeschnitten sind. Wenn man nicht die Infrastruktur sieht, die Verbindungen schafft, und sich ansieht, was wirklich geschieht, erkenne wir, dass die Welt nicht so funktioniert, wie wir das dachten.
Dies ist nun das Problem, das mich beschäftigt seit dem letzten Jahrzehnt. Die Welt wird tatsächlich globaler. Sie wird stärker verknüpft. Viele Probleme sind von weltweitem Ausmaß. Viele unserer Ökonomien sind weltweit ausgelegt. Aber unsere Medien werden von Tag zu Tag weniger global. Wenn man in den 70ern Fernsehen in den USA geschaut hat, bestanden 35 bis 40 Prozent aus internationalen Nachrichten während einer abendlichen Nachrichtensendung. Das ist nun auf 12 bis 15 Prozent gesunken. Dadurch erhalten wir einen sehr gefälschten Blick auf die Welt. Hier ist eine Folie, die Alisa Miller in einem früheren TED Talk zeigte. Alisa ist die Vorsitzende des Public Radio International. Sie erstellte ein Kartogramm, eine verfremdete Landkarte, basierend darauf, was amerikanische Fernsehnachrichten in einem Monat betrachteten. Sie sehen -- durch die Manipulation einer Landkarte gemäß Aufmerksamkeit wird die Welt innerhalb der US-Fernsehnachrichten letztendlich reduziert auf diese gigantisch aufgeblähten USA und einige andere Länder, in die wir einmarschiert sind. Und darum dreht es sich im Grunde in unseren Medien. Und bevor Sie denken, dass dies nur in den US-Fernsehnachrichten so ist -- was furchtbar ist, dem stimme ich zu -- verfolgte ich auch die Elite der Medien, wie z.B. die New York Times, und kam zum selben Ergebnis. Schaut man sich die New York Times an oder andere Medieneliten, bekommt man einen Überblick von sehr wohlhabenden Nationen und die, in die wir einmarschiert sind.
Es stellt sich heraus, dass die neuen Medien uns nicht wirklich helfen. Hier ist eine Landkarte, erstellt von Mark Graham, der hier um die Ecke im Oxford Internet Institute sitzt. Dies ist eine Landkarte von Wikipedia-Artikeln, die geokodiert wurden. Sie erkennen eine starke Verzerrung hinsichtlich Nordamerika und Westeuropa. Sogar innerhalb Wikipedien, wo wir den Inhalt selbst online erstellen, gibt es eine starke Verzerrung aufgrund des Ortes, wo sich viele Wikipedia-Autoren befinden, statt dem Rest der Welt. In den UK, können Sie aufstehen, Sie können sich Ihren Computer nach dieser Sitzung greifen, Sie können eine Zeitung aus Indien oder Australien, aus Kanada, oder Gott bewahre, aus den USA lesen. Sie tun es wahrscheinlich nicht. Wenn man sich Online-Medienkonsum ansieht -- in diesem Fall, der 10 Top-Internetbenutzern -- befinden sich mehr als 95 Prozent der Nachrichtenleserschaft auf einheimischen Seiten. Dies ist einer der selten Fälle, wo die USA etwas besser also die UK ist, denn wir lesen Ihre Medien sogar gerne, anders als umgekehrt.
All das bringt mich dazu zu denken, dass wir uns in dem Stadium befinden, das von mir als eingebildete Kosmopolitismus bezeichnet wird. Wir sehen das Internet. Wir denken, dass wir diesen umfassenden Einblick auf die Welt haben. Ab und zu stolpern wir über eine Seite auf Chinesisch, und wir beschließen, dass wir tatsächlich die beste je gebaute Technologie besitzen, die uns mit dem Rest der Welt verbindet. Und wir vergessen dabei meistens, dass wir nur die Resultate der Bosten Red Sox checken. Es besteht also ein echtes Problem -- und das nicht nur, weil die Red Sox ein schlechtes Jahr haben -- aber es ist ein echtes Problem, weil, wie wir es ja auch hier bei TED diskutieren, die echten Probleme dieser Welt, die interessanten zu lösenden Probleme, global im Umfang und Ausmaß sind, und sie bedingen globale Gespräche, um zu globalen Lösungen zu gelangen. Dies ist ein Problem, das wir lösen müssen.
Hier also die guten Nachrichten. Seit sechs Jahren verbringe ich Zeit mit diesen Leuten. Dies ist eine Gruppe mit dem Namen 'Global Voices'. Ein Team von Bloggern aus allen Teilen der Welt. Unsere Mission war es, die Medien der Welt zu reparieren. Wir sind in 2004 begonnen. Wie Sie vielleicht festgestellt haben, haben wir uns bisher nicht so gut geschlagen. Ich denke auch nicht, dass nur wir alleine dieses Problem wirklich lösen können. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr sehe ich, dass einige der Dinge, die wir inzwischen gelernt haben, eine interessante Basis für eine neue Vernetzung sind, wenn wir das Web dafür nutzen wollen, eine offenere Welt zu haben. Als erstes muss man beachten, dass es Gegenden auf dieser Welt gibt, die wegen mangelnder Aufmerksamkeit im Dunkeln stehen. In diesem Fall -- die Weltkarte der NASA bei Nacht -- sind sie tatsächlich dunkel wegen fehlender Elektrizität. Und ich dachte immer, dass ein dunkler Fleck auf dieser Karte heißt, dass man von dort keine Medien erhalten kann, weil es wichtigere Grundbedürfnisse gibt.
Was ich aber langsam lerne ist, dass man doch Medien erhält, es ist unglaublich viel Arbeit, und man braucht Unmengen an Ermutigungen. Einer dieser dunklen Flecken ist Madagaskar, ein Land, das generell besser für den Dreamworks-Film bekannt ist als in Wirklichkeit für die wunderbaren Menschen, die dort leben. Diese Menschen gründeten also den Foko Club in Madagaskar, aber nicht, um das Image ihres Landes zu ändern. Sie taten etwas viel einfacheres. Es war ein Club, um Englisch zu lernen, und den Umgang mit dem Computer und dem Internet. Aber was geschah, war, dass Madagaskar einen gewalttätigen Putsch erlebte. Die meisten unabhängigen Medien wurde geschlossen. Und die High-School-Schüler, die im Foko Club das Bloggen erlernten, fanden sich plötzlich im Dialog mit einem internationalen Publikum wieder über die Demonstrationen, die Gewalt, alles, was in diesem Land passierte. So hat ein sehr, sehr kleines Programm, entwickelt, damit Menschen vor den Computer kommen, um ihre eigenen Gedanken und unabhängige Medien zu veröffentlichen, am Ende einen großen Einfluss darauf gehabt, was wir über dieses Land wissen.
Es gibt einen Trick hier, denn ich nehme an, dass die meisten Menschen hier nicht Madagassisch sprechen. Ich nehme auch an, dass die meisten von Ihnen auch nicht Chinesisch sprechen -- was wirklich traurig ist, wenn man bedenkt, dass dies nun die häufigste Sprache im Internet ist. Glücklicherweise versuchen Menschen dies nun zu beheben. Wenn Sie mit Google Chrome auf eine Seite auf Chinesisch gehen, werden Sie oben dieses wirklich niedliche Feld sehen, welches automatisch erkennt, dass die Seite auf Chinesisch ist und durch einen Mausklick blitzschnell eine Übersetzung der Seite anzeigt. Leider handelt es sich um eine maschinelle Übersetzung. Und während Google hinsichtlich einiger Seiten sehr, sehr gut ist, ist es ziemlich grauenvoll hinsichtlich Chinesisch. Die Resultate können recht lustig sein. Was man aber wirklich will -- was ich wirklich will, ist, irgendwann eine Taste drücken zu können, und es in eine Warteschlange zu packen, damit es ein Mensch übersetzen kann.
Und falls Sie denken, dies ist absurd, das ist es nicht. Es gibt derzeit eine Gruppe in China namens Yeeyan. Yeeyan ist eine Gruppe mit 150.000 Freiwilligen, die jeden Tag online sind. Sie suchen nach dem interessantesten Inhalt in englischer Sprache. Sie übersetzen ungefähr 100 Artikel pro Tag, von großen Zeitungen, großen Webseiten. Sie stellen es kostenlos online. Es ist das Projekt eines Mannes mit dem Namen Zhang Lei, der während der Aufstände in Lhasa in den USA wohnte und der nicht glauben konnte, wie voreingenommen die Berichterstattung der amerikanischen Medien war. Er sagte sich, "Ich kann eine Sache tun, ich kann damit beginnen zu übersetzen, damit Menschen in diesen Ländern beginnen, einander etwas besser zu verstehen." Meine Frage an Sie ist: wenn Yeeyan 150.000 Menschen mobilisieren kann, um das englische Internet ins Chinesische zu übersetzen, wo gibt es die englische Version von Yeeyan? Wer kümmert sich um das Chinesische, das mittlerweile 400 Millionen Internetnutzer hat? Ich tippe, dass mindestens einer etwas Interessantes zu sagen hat.
Selbst wenn wir einen Weg finden, aus dem Chinesischen zu übersetzen, besteht keine Garantie, dass wir es finden. Wenn wir online nach Informationen suchen, verfolgen wir im Grunde zwei Strategien. Wir nutzen oft die Suchfunktion. Und die Suchfunktion ist hervorragend, wenn man weiß, was man sucht. Aber wenn man auf einen glücklichen Zufall hofft, wenn man einfach zufällig auf etwas stoßen will, von dem man nicht wusste, dass man es braucht, wenden wir uns hauptsächlich an unsere sozialen Netzwerke, an unsere Freunde. Was schauen sie sich an? Vielleicht sollten wir das auch tun. Das Problem besteht letztendlich darin, dass man am Ende mit der Weisheit der Herde dasteht. Man endet mit sehr vielen Menschen in einer Herde, die einem selbst wahrscheinlich sehr ähnlich sind, die sehr ähnliche Interessen haben. Es ist sehr, sehr schwer Informationen zu bekommen, von anderen Herden, von anderen Teilen der Welt, wo sich Menschen treffen und über ihre eigenen Interessen reden. Um dies zu tun braucht man an einem gewissen Punkt jemanden, der dich aus deiner Herde in eine andere Herde stößt. Man braucht einen Wegweiser.
So jemand ist Amira Al Hussaini. Sie ist die Lektorin für den Mittleren Osten der Global Voices. Sie hat einen der härtesten Jobs der Welt. Sie muss nicht nur die israelischen und palästinensischen Mitwirkenden daran hindern, sich gegenseitig umzubringen, sie muss zudem herausfinden, was uns interessieren könnte im Hinblick auf den Mittleren Osten. Imdem sie versucht, Sie aus Ihrem gewohnten Umfeld zu holen, und versucht, Ihre Aufmerksamkeit auf eine Geschichte über jemanden zu lenken, der für den Ramadan mit dem Rauchen aufhört, muss sie etwas über das globale Publikum wissen. Sie muss etwas darüber wissen, welche Geschichten es gibt. Sie ist im Grunde ein DJ. Sie ist eine begabte Menschen-Kuratorin, die weiß, welches Material ihr zur Verfügung steht, die es versteht, ihrem Publikum zuzuhören, und die eine Auswahl treffen kann und die Menschen in einer Vielzahl von Arten antreiben kann. Ich denke nicht, dass es hierbei um einen algorithmischen Prozess geht. Ich denke, was so großartig am Internet ist, ist, dass es es wirklich so viel einfacher macht für DJs, ein großes Publikum zu erreichen. Ich kenne Amira. Ich kann sie fragen, was ich lesen soll. Aber durch das Internet ist sie in einer Position, wo sie vielen Leuten sagen kann, was sie lesen sollen. Und Sie können ihr auch zuhören, wenn Sie so das Web für sich erweitern wollen.
Wenn Sie damit begonnen haben, sich auf diese Art zu öffnen, wenn Sie Stimmen in den dunklen Flecken erleuchten, wenn Sie beginnen zu übersetzen, wenn Sie als Kurator agieren, dann landen Sie an einigen wirklich verrückten Orten. Dies ist ein Bild von meinem Lieblingsblog, dem AfriGadget. AfriGadget ist ein Blog, der betrachtet Technologie im afrikanischen Zusammenhang. Im Besonderen betrachtet es einen Schmied, in Kibera in Nairobi, der die Achse eines Landrovers in einen Flachmeißel verwandelt. Wenn man sich dieses Bild anschaut, denkt man vielleicht, "Warum sollte mich das überhaupt interessieren?" Die Wahrheit ist, dass dieser Kerl Ihnen das wahrscheinlich erklären kann. Dies ist Erik Hersman. Sie haben ihn eventuell hier auf der Konferenz gesehen. Er hat den Spitznamen "Weißer Afrikaner". Er ist sowohl ein bekannter amerikanischer Geek, als auch Kenianer; er wurde im Sudan geboren, wuchs in Kenia auf. Er ist eine Brückenfigur. Er ist jemand, der buchstäblich in zwei Welten zu Hause ist -- einerseits in der Welt der afrikanischen Technologiegemeinschaft, andererseits in der Welt der amerikanischen Technologiegemeinschaft. Und daher kann er auch eine Geschichte erzählen über diesen Schmied in Kibera und er macht daraus eine Geschichte über zweckentfremdete Technologien, über Innovation trotz Engpass und Einschränkung, über Inspiration, die auf wiederverwertbaren Materialien basiert. Er kennt eine Welt, und findet einen Weg, dies einer anderen Welt zu kommunizieren, denn er hat zu beiden tiefe Verbindungen. Diese Brückenfiguren, davon bin ich überzeugt, sind die Zukunft dessen, wie wir die Welt verbreitern können durch die Nutzung des Webs.
Aber letztendlich besteht der Trick bei Brücken darin, dass man jemanden braucht, der sie überquert. Und so kommen Xenophile ins Spiel. Wenn ich also ein Mitglied der NFL wäre, würde ich annehmen, dass ich in der Saisonpause meine Wunden lecke, mein Haus genieße und so weiter -- vielleicht ein Hip-Hop-Album aufnehme. Dhani Jones, der 'Middle Linebacker' für die Cincinnati Bengals ist, hat diesbezüglich ein anderes Verständnis. Dhani hat eine TV-Show. Sie heißt "Dhani betrachtet die Welt." Und jede Woche in seiner Show, reist Dhani zu einem anderen Land der Erde. Er findet ein einheimisches Sportteam. Er trainiert eine Woche mit ihnen und er bestreitet ein Spiel mit ihnen. Seine Gründe dafür sind nicht nur, dass er Muay Thai-Boxen beherrschen will. Es ist, weil für ihn, Sport die Sprache ist, die es ihm erlaubt, die volle Größe und Wunder der Welt zu erleben. Für einige von uns mag es die Musik sein. Für einige Essen. Für viele von uns mag es Literatur oder Schriftstellerei sein. Aber es gibt all diese unterschiedlichen Techniken, die es einem erlauben, rauszugehen und die Welt zu betrachten und seinen Platz darin zu finden.
Das Ziel meines Talk hier ist es nicht, die Menschen in diesem Raum davon zu überzeugen, Ihre Xenophilie anzunehmen. Ich vermute -- angesichts der Tatsache, dass Sie auf der TEDGlobal sind -- dass die meisten von Ihnen Xenophile sind, auch wenn Sie diesen Begriff vielleicht nicht verwenden. Meine Herausforderung besteht eher darin: Es reicht nicht, den persönlichen Entschluss zu fassen, dass man eine offenere Welt will. Wir müssen herausfinden, wie wir neue Vernetzungen für die Systeme schaffen, die wir haben. Wir müssen unsere Medien in Ordnung bringen. Wir müssen das Internet, unsere Erziehung und Bildung in Ordnung bringen. Wir müssen unsere Einwanderungspolitik in Ordnung bringen. Wir müssen Wege dafür finden, dass glückliche Zufälle entstehen können, dass Übersetzung überzeugend werden und wir müssen Wege finden, um diese Brückenfiguren anzunehmen und zu feiern. Und wir müssen rausfinden, wie wir Xenophile kultivieren können. Das versuche ich zu tun. Ich brauche Ihre Hilfe.
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Sicherlich bringt das Web die Welt zusammen, aber letztendlich hören die meisten von uns doch hauptsächlich auf Leute, die wie wir sind. Der Blogger und Technologe Ethan Zuckerman will dazu beitragen, dass Geschichten aus der ganzen Welt gehört werden. Er spricht über clevere Strategien, mit denen man seine Twitter-Welt öffnet und Nachrichten in Sprachen lesen kann, die man noch nicht einmal beherrscht.
Ethan Zuckerman studies how the world -- the whole world -- uses new media to share information and moods across cultures, languages and platforms. Full bio »
Translated into German by Linda Geschwandtner
Reviewed by Sandra Holtermann
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[According to Twitter] 24 percent of American Twitter users are African-American. That’s about twice as high as African-Americans are represented in the population.” (Ethan Zuckerman)
04:29 Posted: May 2008
Views 612,645 | Comments 157
03:56 Posted: Apr 2009
Views 191,509 | Comments 31
04:34 Posted: May 2009
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