Also, dies ist eine Geschichte über einen Ort, den ich jetzt mein Zuhause nenne. Es ist eine Geschichte von öffentlicher Bildung und von ländlichen Gemeinschaften und davon, was Design bewirken kann, um beide zu verbessern. Das ist Bertie County in North Carolina, USA, um Ihnen einen Eindruck zu geben über das "Wo". Das ist North Carolina. Und wenn wir nun hineinzoomen, liegt Bertie County im östlichen Teil des Staats. Es liegt etwa zwei Fahrstunden östlich von Raleigh. Und es ist sehr flach. Und sumpfig. Es besteht vor allem aus Landwirtschaftsland. Das ganze County beherbergt gerade 20.000 Leute und diese sind sehr dünn verteilt. Es gibt im Schnitt nur 27 Leute pro Quadratmeile, was circa 10 Leuten pro Quadratkilometer entspricht.
Bertie County ist ein ziemlich typisches Beispiel des Niedergangs des ländlichen Amerika. Wir haben diese Geschichte im ganzen Land gesehen und auch außerhalb der amerikanischen Grenzen. Wir kennen die Symptome. Diese sind das Aushöhlen kleiner Städte. Innenstädte, die zu Geisterstädten werden -- der Brain Drain, infolgedessen die Bestausgebildeten und Qualifiziertesten weggehen und nie wieder zurückkommen. Es ist die Abhängigkeit von Agrarsubventionen und die zu wenig leistungsfähigen Schulen und die Armutrate, die in ländlichen Gegenden höher ist als in städtischen. Und Bertie County macht da keine Ausnahme. Das größte Problem, mit dem Bertie County kämpft -- wie viele andere, ähnliche Gemeinschaften -- ist wahrscheinlich, dass es keine geteilten, gemeinsamen Investitionen in die Zukunft von ländlichen Gemeinschaften gibt. Nur 6.8 der philanthropischen Spenden in den USA kommen ländlichen Gemeinschaften zugute, obwohl 20% unserer Bevölkerung in solchen leben.
Bertie County ist also nicht nur sehr ländlich, es ist auch unglaublich arm. Es ist das ärmste County des Staats. Eines von drei Kindern in Bertie County lebt in Armut. Und es ist, was man "ländliches Ghetto" nennt. Die Wirtschaft besteht vor allem aus Landwirtschaft. Die wichtigsten Feldfrüchte sind Baumwolle und Tabak und wir sind sehr stolz auf unsere Bertie County-Erdnüsse. Der größte Arbeitgeber ist die Purdue-Hühnerverarbeitungs-Fabrik. Das Hauptort des Countys ist in Windsor. Was Sie hier sehen, ist sozusagen der Times Square von Windsor. Windsor hat nur 2.000 Eiwohnerinnen und Einwohner und wie viele andere Städtchen wurde es über die Jahre hinweg ausgehöhlt. Es gibt mehr leere oder beschädigte Häuser als besetzte und benutzte. Man kann die Anzahl Restaurants im County an einer Hand abzählen -- Bunn's Barbecue ist mein absolutes Lieblingslokal. Aber im gesamten County gibt es keinen Coffee Shop, kein Internet-Café, es gibt kein Kino, keinen Buchladen. Es gibt nicht mal einen Walmart.
Ethnisch ist das County zu etwa 60% schwarz, aber was in den öffentlichen Schulen passiert, ist dass die meisten der privilegierten weißen Kinder in die private Lawrence Akademie gehen. Die Schüler der öffentlichen Schulen sind also zu circa 86% schwarz. Das ist eine Seite der örtlichen Zeitung, welche die Klassen zeigt, die kürzlich abgeschlossen haben. Und Sie können sehen, dass der Unterschied ziemlich groß ist. Zu sagen, dass das öffentliche Bildungssystem in Bertie County Probleme hat, wäre also eine große Untertreibung. Es gibt grundsätzlich keinen Pool von gut qualifizierten Lehrern. Und nur 8% der Menschen des County verfügen über einen Bachelor- oder einen höheren Abschluss. Es gibt also kein großes Erbe des Stolzes auf Bildung. Tatsächlich haben vor zwei Jahren nur 27% der Dritt- bis Achtklässler den Staatsstandard in Englisch und Mathematik bestanden.
Es klingt also, wie wenn ich ein wirklich düsteres Bild von diesem Ort malen wollte, aber ich verspreche, es gibt auch gute Neuigkeiten. Der größte Aktivposten - meiner Meinung nach einer der größten Aktivposten in Bertie County zurzeit - ist dieser Mann. Das ist Dr. Chip Zullinger, liebevoll Dr. Z. genannt. Er wurde im Oktober 2007 als neuer Aufseher angestellt, um das kaputte Schulsystem zu reparieren. Davor war er Aufsichtsbeamter in Charleston, South Carolina, danach in Denver, Colorado. In den späten 80er Jarhen begründete er einige der ersten Charta-Schulen des Landes. Er ist ein absoluter Rebell und Visionär. Und er ist der Grund, dass ich nun dort lebe und arbeite. Im Februar 2009 hat Dr. Zullinger uns – Project H Design, eine gemeinnützige, von mir gegründete Designfirma – nach Bertie County eingeladen, um mit ihm zusammen diesen Schulbezirk zu reparieren und eine Design-Perspektive beizutragen. Dr. Zullinger hat uns speziell deshalb eingeladen, weil wir eine sehr spezifische Art des Designens haben – eine, die passende Designlösungen an Orten erbringt, welche normalerweise keinen Zugang zu Design-Dienstleistungen oder zu kreativem Kapital haben. Genau gesagt, nutzen wir diese sechs Design-Leitsätze. Der wichtigste davon ist wahrscheinlich der zweite: Wir designen "mit", nicht "für" – daher, wenn wir humanitäres Design machen, geht es nicht mehr darum, für Kunden zu gestalten; sondern vielmehr, mit Menschen zu designen. und so passende Lösungen von innen her entstehen zu lassen.
Als wir nach Bertie eingeladen worden sind, waren wir noch in San Francisco stationiert. Deshalb sind wir für den Rest von 2009 hin- und zurückgereist und haben dabei etwa die Hälfte unserer Zeit in Bertie County verbracht. Und wenn ich "wir" sage, meine ich Project H, aber genauer meine ich mich und meinen Partner, Matthew Miller, der Architekt und ein bisschen ein Bastler wie MacGyver ist. Und mit einem Sprung in die Gegenwart: Heute leben wir dort. I habe strategisch Matts Kopf aus diesem Foto ausgeschnitten, denn er würde mich umbringen, wenn er wüsste, dass ich es benutze – wegen der Trainingsanzüge. Aber das ist unser Vorplatz. Dort leben wir. Wir nennen das nun unser Zuhause. Über jenes Jahr hinweg, das wir mit Hin- und Herreisen verbracht haben, haben wir realisiert, dass wir uns in den Ort verliebt hatten. Wir hatten uns in den Ort und die Leute verliebt und in die Arbeit, die wir in einem ländlichen Ort wie Bertie County tun durften und die man als Designer und als Bauhandwerker nirgendswo anders tun kann. Es gibt Platz, um zu experimentieren, um zu schweißen und Dinge auszuprobieren. In Dr. Zullinger haben wir einen großartigen Unterstützer. Und es gibt einen Adel in echter, praktischer, Arbeit, bei der man Dreck unter die Fingernägel kriegt.
Aber neben unseren persönlichen Gründen, wieso wir dort sein wollen, gibt es ein riesiges Bedürfnis. Es gibt eine komplette Leere bezüglich kreativem Kapital in Bertie County. Im ganzen County gibt es keinen einzigen lizenzierten Architekten. Und wir sahen eine Chance darin, Design als ungenutztes Werkzeug mitzubringen, als etwas über das Bertie County sonst noch nicht verfügte und gewissermassen – das als eine neue Art Werkzeug in ihren Werkzeugkasten einzuführen. Das ursprüngliche Ziel war, Design in Partnerschaft mit Dr. Zullinger im öffentlichen Bildungssystem zu gebrauchen. Nur deswegen waren wir dort. Aber darüber hinaus haben wir erkannt, dass Bertie County als Gemeinschaft dringend auf eine neue Perspektive von Stolz und Verbundenheit und von kreativem Kapital angewiesen war, das den Einwohnerinnen und Einwohnern so schmerzlich fehlte. Daher wurde das Ziel, ja, Design in der Bildung zu gebrauchen, aber dann auch herauszufinden, wie Bildung zu einem großartigen Vehikel für die Entwicklung der Gemeinschaft gemacht werden kann.
Um dies umzusetzen, haben wir drei verschiedene Ansätze gewählt um Design und Bildung zusammenzubringen. Und ich sollte erwähnen, dass dies drei Dinge waren, die wir in Bertie County getan haben, aber ich bin ziemlich zuversichtlich, dass sie auch in vielen anderen ländlichen Gemeinschaften in den USA und vielleicht sogar in anderen Ländern funktionieren könnten. Also, das erste ist Design für Bildung. Dies ist die direkteste, offensichtlichste Überschneidung der zwei Dinge. Es ist die physische Konstruktion verbesserter Räume und Materialien und Erfahrungen für Lehrer und Schüler. Dies ist die Antwort auf die schlimmen mobilen Anhänger und die überkommenen Schulbücher und die schrecklichen Materialien, aus denen wir heutzutage Schulen bauen. Dieser Ansatz hat sich auf verschiedene Weise niedergeschlagen. Erstens gab es eine Reihe von Renovationen der Computerräume. Üblicherweise sind die Computerräume, vor allem in einer unterdurchschnittlichen Schule wie jener von Bertie County, wo sie jede zweite Woche eine Schwellentest machen müssen, Testräumlichkeiten, wo aufs Übelste gedrillt wird. Man kommt herein, setzt sich gegenüber der Wand, absolviert seinen Test und geht wieder. Wir wollten die Art, wie die Schüler Technologie begegnen ändern, um einen gastlicheren und sozialeren Raum zu schaffen, der einnehmender und zugänglicher wäre. Und auch um die Möglichkeit für Lehrer zu stärken, diese Räume für technologie-basiertes Lehren zu nutzen. Das Lab, das sie hier sehen, ist an einer High School. Und der Aufseher dort liebte diesen Raum. Jedesmal wenn Besucher kommen, bringt er sie zuerst dort hinein.
Dieser Ansatz bedeutete auch, zusammen mit einigen Lehrern, die Gestaltung dieses erzieherischen Spielplatzes, den wir Lernlandschaft nennen. Sie erlaubt Grundstufenschülern, die Kernfächer durch Spiel und Aktivitäten zu lernen und auch herumzurennen und zu schreien und Kinder zu sein. Das Spiel, das die Kinder hier spielen – in diesem Fall waren sie dabei, einfache Multiplikation durch ein Spiel mit dem Namen "Match Me" zu lernen. In Match Me nimmt man die Klasse und teilt sie in zwei Teams, ein Team auf jeder Seite des Spielplatzes. Und die Lehrerin nimmt ein Stück Kreide und schreibt einfach eine Nummer auf jeden der Reifen. Und dann nennt sie eine Matheaufgabe – sagen wir "vier mal vier" – und ein Schüler von jedem Team muss dann um die Wette versuchen herauszufinden, dass vier mal vier 16 ist, den Reifen mit der 16 finden und sich darauf setzen. Das Ziel des Spiels ist es, alle Teammitglieder auf Reifen sitzen zu haben, dann hat dasjenige Team gewonnen. Die Wirkung der Lernlandschaft war wirklich überraschend und verblüffend. Einige der Klassen und Lehrer berichteten von bessere Testresultaten, einen natürlicheren Umgang mit dem Stoff, und vorallem für die Jungen, dass sie beim Hinausgehen und Spielen nicht so viel Angst haben sich einer zweistelligen Multiplikationsaufgabe zu stellen – und auch dass die Lehrerinnen fähig sind, diese als Bemessungswerkzeug zu verwenden, um besser abschätzen zu können, wie ihre Schüler das neue Material verstehen. So, bei Design für Bildung ist das wichtigste Element, Lösungen zusammen mit den Lehrern auszuarbeiten, so dass diese den Anreiz und den Wunsch verspüren, diese zu benutzen. Das hier ist Mr. Perry. Er ist der Assistenzaufseher. Er kam für einen unserer Lehrertrainingstage mit nach draußen und hat hintereinander fünf Runden von Match Me gewonnen und war sehr stolz auf sich selbst.
Der zweite Ansatz ist das Redesign der Bildung selbst. Das ist der komplizierteste. Er umfasst eine Analyse auf der Systemebene, wie Bildung gehandhabt wird und was wem angeboten wird. In vielen Fällen geht es hierbei nicht so sehr darum, etwas zu verändern, sondern mehr darum, die Bedingungen zu schaffen, unter denen Veränderung möglich ist, und einen Anreiz zu geben, eine Veränderung vornehmen zu wollen. Das ist einfacher gesagt als getan in ländlichen Gemeinschaften und in in sich abgeschlossenen Bildungssystemen in ländlichen Gemeinschaften. Für uns wurde dies also eine öffentliche graphische Kampagne mit dem Namen "Connect Bertie". Es gibt tausende solcher blauer Punkte im ganzen County. Die Aktion war für einen Fonds des Schulbezirks, um einen Computer und eine schnelle Internetverbindung in alle Häuser mit einem Kind im öffentlichen Schulsystem zu bringen. Ich sollte sagen, zurzeit gibt es nur in 10% der Häuser tatsächlich eine Internetverbindung. Und die einzigen Orte, um drahtloses Internet zu benutzen, sind in den Schulgebäuden oder in der Bojangles Fried Chicken-Bude, vor der ich mich oft hinhocke. Außer, dass sie die Leute aufrüttelte und sich fragen ließ, was alle diese blauen Punkte wohl bedeuten mögen, hat die Kampagne das Schulsystem aufgefordert, sich zu überlegen, wie es ein Katalysator für eine besser verbundene Gemeinschaft werden könnte. Sie hat die Leute aufgefordert, außerhalb der Schulmauern zu wirken und darüber nachzudenken, wie sie eine Rolle in der Entwicklung der Gemeinschaft spielen können. Die erste Ladung von Computern wird später diesen Sommer installiert werden. Und wir helfen Dr. Zullinger dabei, einige Strategien zu entwickeln, wie wir das Schulzimmer und das Zuhause miteinander verbinden könnten, um das Lernen über den Schultag hinaus zu verlängern.
Und dann der dritte Ansatz, der mich am meisten begeistert und womit wir uns derzeit gerade beschäftigen, ist Design als Bildung. Design als Bildung bedeutet, dass wir tatsächlich Design in öffentlichen Schulen unterrichten können und nicht design-basiertes Lernen – eben nicht: Lasst uns Physik lernen, indem wir eine Rakete bauen – sondern das eigentliche Design-Denken zusammen mit Konstruktions- und Fertigungsfähigkeiten mit einem gemeinschaftlichen Zweck im Hintergrund lernen. Das bedeutet auch, dass Designer nicht mehr nur Berater sind, sondern auch Lehrer. Wir sind damit beauftragt, Kreativkapital in der nächsten Generation heranzuziehen. Als Rahmen für Bildung bietet Design ein Gegengift zu all der langweiligen, starren, verbalen Stoffvermittlung, welche so viele dieser Schulbezirke plagt. Es ist praktisch, es ist unglaublich direkt, es bedingt ein aktives Engagement und es erlaubt den Kids, all das Wissen aus den Kernfächern mal praktisch anzuwenden. Wir haben also begonnen, über das Erbe des Werkunterrichts nachzudenken, und darüber, wie Werkunterricht – speziell mit Holz und Metall – historisch für die Kinder, die nicht aufs College gehen würden, bestimmt war. Es ist ein Berufstrainings-Weg. Es ist für die arbeitende Klasse, für die Leute im Blaumann. Die Projekte waren Dinge wie: Lasst uns zu Weihnachten ein Vogelhaus für deine Mama machen. In den letzten paar Jahrzehnten ging aber viel Geld, das für Werkunterricht bestimmt war, gänzlich weg.
Wir haben uns also gedacht: Was, wenn wir den Werkunterricht zurückbringen könnten -- aber dieses Mal mit Projekten, die auf das gerichtet wären, was die Gemeinschaft braucht. Was wenn wir Werkunterricht mit kritischerem Denken und mit Denken des kreativen Designs anreichern könnten. Wir haben also diese nebulöse Idee genommen und haben während des letzten Jahres eng mit Dr. Zullinger zusammengearbeitet und ein einjähriges Curriculum für die Junior Class an der High School geschrieben. Dieses wird in vier Wochen Ende des Sommers starten. Mein Partner und ich, Matthew und ich, haben gerade den beschwerlichen und total wirren Prozess des Zertifikats für High School-Lehrer hinter uns gebracht, um das Programm selbst betreuen zu können. So sieht es konkret aus:
Über zwei Semester hinweg, Herbst und Frühling, werden die Schüler drei Stunden pro Tag in unserem 420 m² Studio/Werkraum verbringen. Während dieser Zeit, tun sie alles: hinausgehen und ethnographisch forschen und ein Bedürfnis finden, ins Studio zurückkommen, Brainstorming und Visualisierung des Designs, Konzepte finden, die funktionieren könnten, und sie dann im Werkraum testen, bauen, Prototypen erstellen, herausfinden, ob diese funktionieren werden, und sie verfeinern. Und dann wird ihnen ein Sommerjob angeboeten. Sie werden als Mitarbeiter von Project H angestellt und bezahlt, um mit uns zusammen im Konstruktionsteam zu arbeiten und ihre Projekte in der Gemeinschaft zu bauen. Das erste Projekt, das wir nächsten Sommer umsetzen werden, ist ein Open-Air Bauernmarkt in der Innenstadt. Im zweiten Jahr werden wir dem Wartehäuschen für das Schulbus-System folgen lassen, und Arbeiten in und ums Haus für ältere Personen im dritten Jahr. Es sind also wirklich sichtbare Projekte, auf die die Schüler hoffentlich zeigen werden und sagen werden: "Ich habe das gebaut und ich bin stolz darauf."
Nun möchte ich Ihnen drei unserer Schüler vorstellen. Das ist Ryan. Sie ist 15 Jahre alt. Sie liebt Landwirtschaft und will High School-Lehrerin werden. Sie will ans College gehen, aber danach wieder nach Bertie County zurückkommen, denn ihre Familie ist von hier, sie nennt es ihr Zuhause und sie möchte diesem Ort, an dem sie ziemlich viel Glück hatte, unbedingt etwas zurückgeben. Studio H kann ihr die Chance bieten, Fähigkeiten zu entwickeln, so dass sie möglichst wirksam etwas zurückgeben kann.
Das ist Eric. Er spielt im Football-Team. Er liebt es, Dirtbike zu fahren, und er will mal Architekt werden. Studio H bietet ihm einen Weg, diejenigen Fähigkeiten zu entwickeln, die er als Architekt brauchen wird: alles vom Entwerfen über die Verarbeitung von Holz und Metall zum Recherchieren für einen Kunden.
Das schließlich ist Anthony. Er ist 16, liebt das Jagen, Fischen und Draußensein und alles, was er mit seinen Händen tun kann. Für ihn bedeutet das Studio H, dass er durch dieses praktische Engagement weiterhin an Bildung interessiert bleiben kann. Er ist an Forstwirtschaft interessiert, ist sich aber nicht ganz sicher. Wenn er dann nicht aus College geht, wird er einige Fähigkeiten erlernt haben, die er im Gewerbe gebrauchen kann.
Design und Bauen bietet öffentlicher Bildung tatsächlich eine andere Art von Schulzimmer. Dieses Gebäude im Zentrum, das sehr gut die Stätte für unseren zukünftigen Bauernmarkt werden könnte, ist jetzt das Schulzimmer. Und nach draussen gehen und die Nachbarn darüber interviewen, was für Essen sie kaufen und von wo und wieso, ist eine Hausaufgabe. Und die Eröffnungszeremonie Ende Sommer, wenn sie den Bauernmarkt gebaut haben und er für die Öffentlichkeit zugänglich sein, ist die Abschlussprüfung. Für die Gemeinschaft bietet Design und Bauen fass- und sichtbarer, gebauter Fortschritt. Es ist ein Projekt pro Jahr und es macht die Jugendlichen zum größten Aktivposten und zur größten ungenutzten Ressource dafür, um sich eine neue Zukunft vorzustellen.
Es ist uns klar, dass Studio H, vorallem in diesem ersten Jahr, eine kleine Geschichte ist – 13 Schüler, zwei Lehrer. Es ist ein Projekt an einem Ort. Aber wir haben das Gefühl, dasselbe könnte auch an anderen Orten funktionieren. Und ich glaube wirklich sehr an die Macht einer kleinen Geschichte, denn es ist so schwierig humanitäre Dinge im globalen Massstab zu tun. Denn, wenn man so weit hinauszoomt, verliert man die Fähigkeit, Leute als Menschen wahrzunehmen.
Letztendlich ist Design selbst ein Prozess von ständiger Bildung für die Leute, mit denen wir arbeiten, und für uns als Designer. Und, seien wir ehrlich, Designer, wir müssen uns selbst neu erfinden. Wir müssen uns neu bilden in bezug auf die Dinge, auf die es ankommt. Wir müssen öfter außerhalb unserer Bequemlichkeit arbeiten. Und wir müssen bessere Bürgerinnen und Bürger in unserem eigenen Hinterhof sein. Obschon dies nur eine sehr kleine Geschichte ist, hoffen wir, dass es einen Schritt in die richtige Richtung für eine Zukunft ländlicher Gemeinschaften und für die Zukunft öffentlicher Bildung und hoffentlich auch für die Zukunft von Design darstellt.
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Die Designerin Emily Pilloton ist ins ländliche Bertie County in North Carolina umgezogen, um ein ambitiöses Experiment in design-geführter Verbesserung einer Gemeinschaft zu wagen. Sie unterrichtet Design und Bauen in einem Programm namens Studio H, das die Hirne und Körper von High-School-Schülern aktiviert und dabei smartes Design und neue Möglichkeiten in eines der ärmsten Counties des Staats bringt.
Emily Pilloton wrote Design Revolution, a book about 100-plus objects and systems designed to make people's lives better. In 2010, her design nonprofit began an immersive residency in Bertie County, North Carolina, the poorest and most rural county in the state. Full bio »
Translated into German by Ralph Straumann
Reviewed by Alex Boos
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15:06 Posted: Aug 2006
Views 436,572 | Comments 71
16:50 Posted: Sep 2009
Views 494,578 | Comments 39
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