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Jeder kennt Krebs, aber wir denken normalerweise nicht an Krebs als eine ansteckende Krankheit. Der Tasmanische Teufel hat uns gezeigt, dass Krebs nicht nur eine ansteckende Krankheit sein kann, er kann auch eine ganze Spezie vom Aussterben bedrohen.
Was ist eigentlich der Tasmanische Teufel? Viele von Ihnen kennen den Beutelteufel vielleicht als Zeichentrickfigur, die sich ständig im Kreis dreht. Aber viele Menschen wissen nicht, dass es den Tasmanischen Teufel wirklich gibt. Es ist das größte fleischfressende Beuteltier der Welt. Ein Beuteltier ist ein Säugetier mit einem Beutel, wie ein Känguru. Der Tasmanische Teufel trägt diesen Namen wegen der furchterregenden Schreie, die er nachts von sich gibt.
Der Tasmanische Teufel ist überwiegend ein Aasfresser. Er braucht seine kräftigen Krallen und seine scharfen Zähne, um die Knochen von verwesenden toten Tieren zu zernagen. Der Tasmanische Teufel kommt ausschließlich in Tasmanien vor, einer kleinen Insel im Süden vor Australiens Festland. Trotz ihrer bösartigen Erscheinung sind Tasmanische Teufel eigentlich ganz bezaubernde kleine Tiere. In meiner Kindheit in Tasmanien war es immer sehr aufregend, wenn wir einen Tasmanischen Teufel in freier Wildbahn zu sehen bekamen.
Aber die Population des Tasmanischen Teufels erlebt einen extrem schnellen Rückgang. Es ist zu befürchten, dass die Art in freier Wildbahn in 20 bis 30 Jahren aussterben könnte. Der Grund dafür ist das Aufkommen einer neuen Krankheit, ein ansteckender Krebs.
Die Geschichte fängt 1996 an, als ein Tierfotograf dieses Bild hier aufnahm: ein Tasmanischer Teufel mit einem großen Tumor im Gesicht. Damals dachte man, das sei ein Einzelfall. Genau wie Menschen können auch Tiere manchmal merkwürdige Tumore entwickeln. Heute glauben wir, dass dies der erste dokumentierte Fall einer neuen Krankheit ist, die sich jetzt epidemieartig in Tasmanien ausbreitet. Diese Erkrankung wurde erstmals 1996 im Nordosten Tasmaniens gesichtet und hat wie eine große Welle ganz Tasmanien überrollt. Derzeit ist nur noch ein kleiner Teil der Population nicht betroffen.
Die Erkrankung tritt bei betroffenen Tasmanischen Teufeln zunächst in Form von Tumoren auf, normalerweise im Gesicht oder im Mund. Diese Tumore werden unvermeidbar zu großen Tumoren, so wie diese hier. Das nächste Bild, das ich Ihnen zeigen werde, ist ziemlich grausam. Diese Tumore wachsen unaufhaltsam weiter, bis sie zu gewaltigen, eiternden Tumoren wie diesem hier werden.
Dieser bleibt mir besonders im Gedächtnis, weil es der erste Fall der Krankheit ist, den ich selbst gesehen habe. Ich erinnere mich an den grausamen Anblick dieses kleinen weiblichen Teufels mit dem riesigen, eiternden, stinkenden Tumor im Mund, der letztlich ihren ganzen unteren Kiefer aufgebrochen hatte. Sie hatte tagelang nichts gegessen. Ihre Eingeweide waren überschwemmt mit Parasiten. Ihr Körper war mit Metastasen gespickt. Und doch fütterte sie drei kleine Babies in ihrem Beutel. Natürlich starben auch sie wie ihre Mutter. Sie waren zu jung, um ohne Mutter zu überleben. Im Gebiet, aus dem sie stammt, sind tatsächlich schon mehr als 90 Prozent der Population an dieser Krankheit gestorben.
Wissenschaftler in der ganzen Welt sind von diesem Krebs fasziniert, diesem ansteckenden Krebs, der sich in der Population der Tasmanischen Teufel ausbreitet. Wir denken dabei sofort an den Gebärmutterhalskrebs bei Frauen, der von einem Virus übertragen wird, und an die AIDS-Epidemie, die mit vielen verschiedenen Krebsarten einhergeht. Alle Hinweise deuteten darauf hin, dass dieser Krebs von einem Virus übertragen wird. Wir wissen nun aber - ich sage es direkt - dass dieser Krebs nicht von einem Virus übertragen wird. Was diesen Krebs ansteckend macht, ist etwas insgesamt viel Teuflischeres und etwas, woran wir vorher nie gedacht hatten. Damit ich erklären kann, was es ist, muss ich ein wenig mehr über Krebs als solches sprechen.
Krebs ist eine Krankheit, von der Millionen Menschen in der ganzen Welt jedes Jahr betroffen sind. Einer von drei Menschen in diesem Raum wird im Verlauf ihres Lebens einen Krebs entwickeln. Mir selbst musste ein Tumor am Dickdarm entfernt werden, als ich erst 14 war. Krebs entsteht, wenn eine einzige Zelle in Ihrem Körper eine Reihe von zufälligen Mutationen in wichtigen Genen erfährt, die diese Zelle dazu bringen, mehr und mehr Kopien von sich selbst zu produzieren. Paradoxerweise begünstigt die natürliche Selektion den anhaltenden Wachstum des Krebses, wenn er erst einmal entstanden ist. Natürliche Selektion bedeutet das Überleben der Stärksten. Wenn Sie eine Ansiedlung von sich schnell teilenden Krebszellen haben, und wenn eine davon neue Mutationen entwickelt, die ein schnelleres Wachstum ermöglichen, Nährstoffe erfolgreicher aufnehmen können, den Körper befallen, werden diese von der Evolution ausgewählt.
Deshalb ist es so schwer, Krebs zu behandeln. Er entwickelt sich weiter. Mit einem Medikament beschossen, werden resistente Zellen nachwachsen. Es ist erstaunlich, dass eine Krebszelle in der richtigen Umgebung und mit den richtigen Nährstoffen das Potential hat, für immer weiter zu wachsen. Krebs ist jedoch dazu gezwungen, in unseren Körpern zu leben, und sein unaufhaltsamer Wachstum, seine Ausbreitung in unseren Körpern, wodurch er unser Gewebe auffrisst, führt zum Tod des Krebspatienten und auch zum Tod des Krebses selbst.
Man kann Krebs als eine merkwürdige, kurzlebige, selbstzerstörerische Lebensform betrachten; eine evolutionäre Sackgasse. Genau hier hat der Krebs des Tasmanischen Teufels eine absolut erstaunliche evolutionäre Anpassung entwickelt. Die Antwort fand sich in der Untersuchung der DNS des Krebses des Tasmanischen Teufels. Daran haben viele Menschen gearbeitet, aber ich werde es anhand eines bestätigenden Experiments erklären, das ich vor ein paar Jahren durchführte.
Das nächste Bild ist grausam. Das ist Jonas. Er ist ein Tasmanischer Teufel, den wir mit einem großen Tumor im Gesicht fanden. Als Genetikerin bin ich immer daran interessiert, DNS und Mutationen zu untersuchen. Ich nahm die Gelegenheit wahr und entnahm ein paar Proben aus Jonas' Tumor sowie ein paar Proben aus anderen Körperteilen. Ich brachte diese ins Labor und extrahierte die DNS aus ihnen. Als ich mir die DNS-Sequenzen ansah und die Sequenzen des Tumors mit denen des restlichen Körpers verglich, entdeckte ich, dass sie ein völlig unterschiedliches genetisches Profil aufwiesen. Jonas und sein Tumor unterschieden sich so sehr voneinander wie Sie selbst von der Person, die neben Ihnen sitzt. Dies zeigte uns, dass Jonas' Tumor nicht aus den Zellen seines eigenen Körpers entstanden war. Tatsächlich zeigten weiterführende genetische Untersuchungen, dass dieser Tumor, der in Jonas wuchs, vermutlich zunächst aus den Zellen eines weiblichen Tasmanischen Teufels hervorgegangen war - und Jonas war eindeutig männlich.
Wie kann es sein, dass ein Tumor, der aus den Zellen eines anderen Individuums entstanden war, in Jonas' Gesicht heranwächst? Der Durchbruch kam mit der Untersuchung hunderter Krebsproben des Tasmanischen Teufels aus ganz Tasmanien. Wir fanden heraus, dass alle Krebse dieselbe DNS teilten. Denken Sie einem Moment darüber nach. Das bedeutet, dass alle Krebsgeschwüre im Grunde derselbe Krebs sind, der irgendwann in einem einzigen Teufel entstanden ist, der aus dem Körper dieses ersten Teufels ausgebrochen ist und sich über die gesamte Population des Tasmanischen Teufels ausgebreitet hat.
Doch wie kann sich ein Krebs in einer Population ausbreiten? Das letzte Puzzleteil fanden wir, als wir daran dachten, wie die Teufel sich verhalten, wenn sie einander in freier Wildbahn begegnen. Sie beißen sich gegenseitig, oft ziemlich heftig und normalerweise im Gesicht. Wir denken, dass die Krebszellen des Tumors in den Speichel übergehen. Wenn ein Teufel einen anderen beißt, implantiert er im Grunde lebende Krebszellen in den nächsten Teufel und so wächst der Tumor weiter. Der Krebs des Tasmanischen Teufels ist vielleicht der ultimative Krebs. Er ist nicht auf das Leben innerhalb des Körpers beschränkt, der ihn erschaffen hat. Er verbreitet sich in der Population, hat Mutationen, mit denen er das Immunsystem umgehen kann, und es ist der einzige bekannte Krebs, durch den eine ganze Gattung vom Aussterben bedroht ist.
Doch wenn das mit Tasmanischen Teufeln passiert, dann kann das auch bei anderen Tieren passieren, oder sogar bei Menschen? Es ist schon passiert. Das ist Kimbo. Der Hund gehört zu einer Familie in Mombasa in Kenia. Letztes Jahr hat seine Besitzerin Blut bemerkt, das aus seinem Genitalbereich tropfte. Sie brachte ihn zum Tierarzt und dieser entdeckte etwas Ekelhaftes. Wenn Sie empfindlich sind, dann sehen Sie jetzt nicht hin. Er entdeckte dies: einen großen, blutenden Tumor an Kimbos Penis. Der Tierarzt diagnostizierte das als einen übertragbaren Geschlechtstumor, einen durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krebs, der Hunde befällt. Wie der des Tasmanischen Teufels ist der Krebs ansteckend, indem lebende Krebszellen übertragen werden, wie beim Krebs dieses Hundes.
Der Krebs dieses Hundes ist aber bemerkenswert, denn er verbreitet sich in der ganzen Welt. Genau dieselben Zellen, die Kimbo hier befallen haben, wurden auch bei Hunden in New York City gefunden, in Bergdörfern im Himalaya und in Australiens Outback. Wir glauben auch, dass dieser Krebs sehr alt sein könnte. Genetische Untersuchungen bestätigen, dass er zehntausende Jahre alt sein könnte, was bedeutet, dass dieser Krebs zuerst aus den Zellen eines Wolfes entstanden sein könnte, der zur Zeit der Neandertaler lebte. Dieser Krebs ist bemerkenswert. Er ist die älteste bekannte Lebensform, die von Säugetieren abstammt. Er ist ein lebendes Relikt einer entfernten Vergangenheit.
Wir sehen also, dass es bei Tieren vorkommen kann. Könnte Krebs auch unter Menschen ansteckend sein? Das ist eine Frage, die Chester Southam faszinierte, ein Krebsarzt in den 1950ern. Er beschloss, dies auszutesten, indem er wirklich Menschen mit den Krebszellen eines anderen impfte. Das ist ein Foto von Dr. Southam aus dem Jahr 1957, auf dem er Krebs in einen Freiwilligen injiziert. In diesem Fall war es ein Insasse des Ohio Staatsgefängnisses. Die meisten Menschen, die Dr. Southam behandelte, entwickelten keinen Krebs aus den injizierten Zellen. Aber eine kleine Zahl schon, und das waren meistens Menschen mit anderen Erkrankungen, deren Immunsystem womöglich geschwächt war.
Das sagt uns, wenn wir die ethischen Aspekte beiseite lassen, dass ... (Lachen) es höchst unwahrscheinlich ist, dass Krebsarten von Menschen übertragen werden können. Auch wenn es unter einigen Umständen passieren kann. Ich glaube, das ist etwas, dessen sich Onkologen und Epidemiologen in Zukunft bewusst sein sollten.
Letztlich ist Krebs eine unvermeidbare Folge der Fähigkeit unserer Zellen sich zu teilen und sich ihrer Umgebung anzupassen. Das heißt aber nicht, dass wir die Hoffnung im Kampf gegen den Krebs aufgeben sollten. Ich glaube sogar, mit mehr Wissen über die komplexen evolutionären Prozesse, die den Krebswachstum begünstigen, können wir den Krebs besiegen. Mein persönliches Ziel ist es, den Krebs des Tasmanischen Teufels zu besiegen. Wir müssen verhindern, dass der Tasmanische Teufel das erste Tier ist, das durch Krebs ausgerottet wurde.
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Was tötet den Tasmanischen Teufel? Ein bösartiger Krebs befällt tausende dieser Tiere - und im Gegensatz zu den meisten Krebsarten ist er ansteckend. Die Wissenschaftlerin Elizabeth Murchison berichtet von ihrem Kampf zur Rettung des Beutelteufels und erzählt, was sie von diesem ungewöhnlichen Erregerstamm über sämtliche Krebsarten gelernt hat. Der Beitrag enthält erschreckende Bilder von Gesichtskrebserkrankungen.
Elizabeth Murchison studies a mysterious (and contagious) cancer that threatens to wipe out Tasmanian devils. Full bio »
Translated into German by Katja Tongucer
Reviewed by Alex Boos
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Cancer could be thought of as a strange, short-lived, self-destructive life form — an evolutionary dead end.” (Elizabeth Murchison)
19:25 Posted: Jul 2007
Views 608,876 | Comments 101
23:44 Posted: Feb 2010
Views 242,378 | Comments 141
16:28 Posted: Dec 2008
Views 201,485 | Comments 81
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