Mein neues Ich ist "Schönheit". (Lachen) Bis jetzt haben die Leute immer gesagt: "Norman ist in Ordnung, aber würde man machen, was er sagt, wäre alles benutzerfreundlich, aber schlichtweg hässlich. Daran habe ich wohl nicht gedacht, also...
Das ist toll. Danke, dass Sie meine Bühne hergerichtet haben. Ich finde, das ist einfach wundervoll. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was es ist oder wofür es gut ist, aber ich will es haben. Und das ist mein neues Leben. Mein neues Leben befasst sich damit zu verstehen, was "Schönheit" ausmacht und "hübsch" und Emotionen. Das neue Ich dreht sich ganz darum, Dinge irgendwie nett und unterhaltsam zu machen.
Das hier zum Beispiel ist eine Philippe Starck Saftpresse, produziert von Alessi. Die ist so cool, dass ich sie in meinem Haus habe. Aber sie steht im Eingangsbereich, ich verwende sie nicht, um Saft zu machen. (Lachen) Ich habe sogar das vergoldete Sondermodell gekauft. Da ist ein kleiner Zettel dabei, auf dem steht: "Benutzen Sie diese Saftpresse nicht, um Saft zu pressen. Die Säure ruiniert die Goldschicht." (Lachen) Also habe ich eine Tüte Orangensaft genommen und etwas davon in das Glas gefüllt, um dieses Foto zu machen. (Lachen)
Darunter ist ein wundervolles Messer. Es ist ein Global Küchenmesser, hergestellt in Japan. Erstens: Schauen Sie sich die Form an, sie ist einfach wunderschön. Zweitens ist es wirklich sch ausbalanciert. Es liegt wunderbar in der Hand und fühlt sich gut an. Und drittens ist es sehr scharf, es schneidet perfekt. Es ist ein Vergnügen es zu verwenden. Also hat es alles, was es braucht, oder? Es ist schön und funktionell. Und ich kann Ihnen Geschichten darüber erzählen, was es "reflective" macht. Wie Sie sehen werden, habe ich eine Theorie der Emotionen. Und dies sind die drei Komponenten.
Hiroshi Ishii und sein Team am MIT Media Lab haben über einer Tischtennisplatte einen Projektor installiert und damit auf die Platte Wasser und schwimmende Fische projiziert. Wenn man spielt und der Ball auf dem Tisch aufkommt, breiten sich Wellen aus und die Fische schwimmen davon. Aber natürlich kommt der Ball dann auch auf der anderen Seite auf, Wellen breiten sich aus - die armen Fische, nirgendwo finden sie Ruhe. (Lachen) Und, ist dies eine gute Art Tischtennis zu spielen? Nein. Aber macht es Spaß? Ja! Na klar.
Oder sehen Sie sich Google an. Sucht man beispielsweise nach "Emotion und Design", bekommt man zehn Seiten voll Ergebnissen. Google hat nun einfach das eigene Logo genommen und es verlängert. Anstatt anzuzeigen "Es gibt 73.000 Ergebnisse. Das hier sind die Ergebnisse 1 bis 20. Weiter," stellt Google einfach so viele "O" dar, wie es Seiten gibt. Es ist einfach und subtil. Ich wette, viele von Ihnen haben es schon gesehen, aber nie bemerkt. Es ist das Unterbewusstsein, das es irgendwie bemerkt, es ist warhscheinlich angenehm und Sie wussten nicht genau warum. Es ist einfach clever. Besonders toll ist natürlich, dass wenn man "Design und Emotion" eingibt, das erste Suchergebnis auf diesen zehn Seiten meine Website ist. (Lachen) Das Sonderbare daran ist allerdings, dass Google lügt. Denn wenn man "Design und Emotion" eingibt, sagt Google "Das 'und' ist nicht notwendig. Wir machen das automatisch." Nun gut. Also gebe ich "Design Emotion" ein und meine Website ist nicht mehr an erster Stelle. Sie kommt an dritter Stelle. Aber naja, das ist eine andere Geschichte.
In der New York Times war dieser wunderbare Testbericht über den MINI Cooper. Es hieß "Wissen Sie, dieses Auto hat viele Fehler. Kaufen Sie es trotzdem. Es macht so viel Spaß damit zu fahren." Und wenn man sich das Interieur des Autos ansieht... Ich wollte mir das genauer ansehen, ich hab es ausgeliehen. Hier mache ich gerade ein Foto, während mein Sohn fährt. Das Interieur des Autos, das ganze Design macht Freude. Es ist rund, es ist hübsch. Die Bedienelemente funktionieren wundervoll. Das ist also mein neues Leben. Es geht um Spaß.
Ich habe wirklich das Gefühl, dass angenehme Dinge besser funktionieren. Das hat für mich früher nie einen Sinn ergeben, bis ich herausgefunden habe... Ich lege hier ein Brett auf den Boden. Stellen Sie sich vor, das wäre eine Holzplanke, 60 cm breit und 10 m lang. Ich gehe darüber und wie Sie feststellen, muss ich dazu nicht hinsehen. Ich kann hin und her laufen und auf und ab springen. Gar kein Problem. Jetzt befestige ich die Planke in 100 m Höhe und ich werde gewiss nicht einmal in ihre Nähe gehen. Nein, danke. Starke Angst lähmt einen. Sie beeinflusst sogar die Funktionsweise des Gehirns.
Paul Saffo sagte kurz vor seinem Vortrag, dass er seinen Text bis wenige Tage oder Stunden vor dem Vortrag nicht wirklich beherrscht hatte und dass ihm die Aufregung stark dabei geholfen hatte sich zu konzentrieren. Genau das ist es, was Angst und Sorgen verursachen. Sie bewirken, dass man in einen Zustand der "Tiefensuche" gerät, um zu fokussieren und nicht abgelenkt zu werden. Ich könnte mich nicht über diese Planke zwingen. Allerdings können einige Menschen es - Zirkusartisten und Stahlarbeiter. Aber es verändert die eigene Denkweise gravierend.
Eine Psychologin, Alice Isen, hat dieses wunderbare Experiment durchgeführt: Sie hat Studenten aufgefordert Aufgaben zu lösen. Sie brachte die Studenten in einen Raum, in dem hier ein Seil herunterhing und da ein Seil herunterhing. Ansonsten gab es nichts außer einen Tisch mit allerlei Schrott darauf - Papier, Scheren und so Zeug. Sie bat die Studenten herein und sagte: "Dies ist ein Intelligenztest, der untersucht, wie gut ihr im Leben zurechtkommt. Würdet ihr bitte diese Seile zusammenbinden?" Also nahmen sie ein Seil und zogen es hier herüber, aber sie konnten das andere Seil nicht erreichen. Sie schafften es einfach nicht. Praktisch keiner konnte diese Aufgabe lösen. Wenn man eine zweite Gruppe von Personen hereinbringt und sagt: "Achso, bevor wir beginnen, ich habe hier diese Schachtel voll Süßigkeiten, aber ich esse nichts süßes. Wollt ihr die Süßigkeiten?" Wie sich herausstellte, mochten die Studenten die Süßigkeiten und es machte sie glücklich, zwar nicht sehr glücklich, aber zumindest ein bisschen. Und raten Sie mal - sie haben die Aufgabe gelöst.
Es stellte sich heraus, dass wenn man unter Druck steht, Neurotransmitter in das Gehirn abgegeben werden, welche das Fokussieren fördern und eine Art Tiefensuche veranlassen. Und wenn man glücklich ist - was in der Fachsprache "positiv geladen" genannt wird - werden Dopamine in die präfrontalen Gehirnlappen ausgeschüttet. Dadurch wird man zum breitensuchenden Problemlöser, man ist anfälliger für Ablenkung, aber kann dafür um die Ecke denken. Darum geht es doch beim Brainstorming, oder? Beim Brainstormen ist man gut drauf, man spielt herum und man sagt "Keine Kritik" und man bekommt all diese eigenartigen, prima Ideen. Wenn man aber immer in diesem Zustand wäre, würde die Arbeit nie fertig werden. Denn man würde plötzlich während dem Arbeiten sagen "Oh, ich habe einen neuen Weg gefunden es zu machen." Also muss man, um die Arbeit erledigt zu bekommen, eine Frist setzen, oder? Man muss diesen Druck haben. So dass das Gehirn anders arbeiten kann und wenn man glücklich ist, laufen die Dinge besser, da man kreativer ist. Wenn ein kleines Problem auftaucht sagt man: "Ach, ich werd schon eine Lösung finden." Kein Ding.
Es gibt da etwas, das ich "viszerale" Verarbeitungsebene nenne. Biologie - wir haben uns durch biologische Prozesse so angepasst, dass wir leuchtende Farben mögen. Es ist sehr gut, dass Säugetiere und Primaten Früchte und leuchtende Pflanzen mögen, denn die Früchte werden gegessen und die Samen dadurch verteilt. Im Gehirn ist eine beeindruckende Fülle von Funktionen eingebaut. Wir mögen keinen bitteren Geschmack, wir mögen keine lauten Geräusche, wir mögen keine heißen Temperaturen, keine kalten Temperaturen. Wir mögen keine verärgerten Stimmen, wir mögen keine finsteren Gesichtsausdrücke. Wir mögen symmetrische Gesichter, et cetera. Das ist also die viszerale Ebene und im Design kann dieses "Viszerale" auf vielfältige Weisen dargestellt werden, wie beispielsweise durch die Schriftart oder die Farbe rot für "heiß" oder "aufregend". Oder der 1963er Jaguar. Genau genommen ist es ein lausiges Auto, er hat dauernd irgendwelche Macken, aber seine Besizter lieben ihn. Und er ist wunderschön - er steht im Museum of Modern Art. Eine Flasche Wasser. Man kauft sie wegen der Flasche, nicht wegen dem Wasser. Und wenn man sie ausgetrunken hat, wird sie nicht weggeschmissen. Sie wird behalten - Sie wissen ja, es ist wie mit den alten Weinflaschen, sie werden zu Dekorationszwecken aufbewahrt oder vielleicht wird sie wieder mit Wasser gefüllt, was beweist, es geht hier nicht um das Wasser. Es dreht sich alles um das viszerale, das körperliche Erlebnis.
Die mittlere Verarbeitungsebene ist die Verhaltensebene, diejenige, in der tatsächlich das meiste passiert. "Viszeral" ist unterbewusst, man bemerkt es nicht. "Verhalten" ist unterbewusst, man bemerkt es nicht. Fast alles, was wir machen, geschieht unterbewusst. Ich laufe über die Bühne und beschäftige mich dabei nicht ständig mit der Kontrolle meiner Beine. Ich mache gerade sehr viel und sogar das meiste, was ich sage, geschieht unterbewusst. Es wurde eingeübt und viel darüber nachgedacht. Das meiste, was wir machen, geschieht unterbewusst. Automatisiertes Verhalten - verinnerlichtes Verhalten ist unterbewusst, kontrolliert von der Verhaltensebene. Und beim Verhaltens-Design dreht sich alles um das Gefühl bei der Benutzung. Das beinhaltet die Bedienbarkeit, das Verstehen, aber auch die Haptik und das Gewicht.
Deshalb sind Global Küchenmesser auch so toll. Sie sind so wundervoll ausbalanciert, so scharf, man fühlt richtig, wie man die Kontrolle über das Schneiden hat. Oder einfach einen Sportwagen über eine anspruchsvolle Strecke zu fahren und wiederum zu spüren, dass man die totale Kontrolle über seine Umwelt besitzt. Oder die sinnliche Wahrnehmung. Dies ist eine Kohler Dusche, eine Wasserfall Dusche. Sogar all diese Knaufe da unten sind Duschköpfe. Man wird rundum abgespritzt und man kann stundenlang in der Dusche verbringen. Und man verschwendet übrigens kein Wasser, denn sie führt das dreckige Wasser wieder zurück. (Lachen)
Oder das hier - das ist eine wirklich tolle Teekanne, die ich im Four Seasons Hotel in Chicago gefunden habe. Es ist eine Ronnefeldt Kipp-Teekanne. Sie sieht aus wie eine ganz normale Teekanne, aber man benutzt sie, in dem man sie auf den Rücken legt, den Tee einfüllt und sie dann mit Wasser auffüllt. Das Wasser sickert dann durch den Tee. Der Tee befindet sich in diesem Teil auf der rechten Seite - er ist rechts von dieser Linie. Da drinnen ist ein kleiner Spalt, damit der Tee dort liegt und das Wasser sie so füllt. Und wenn der Tee fertig ist, wird die Kanne gekippt, was dazu führt, dass der Tee teilweise bedeckt ist, während er fertig zieht. Und wenn er fertig gezogen ist, stellt man die Kanne aufrecht hin und jetzt befindet sich der Tee über dieser Linie und das Wasser reicht nur bis hier und so hält die Kanne den Tee aus dem Wasser. Darüber hinaus kummuniziert sie. Das ist genau das, was Emotionen tun.
Bei Emotionen geht es vor allem ums Handeln. Es geht darum, in dieser Welt sicher zu sein. Die Kognition befasst sich damit die Welt zu verstehen, die Emotionen interpretieren sie als gut, böse, sicher, gefährlich und bereiten uns darauf vor zu handeln, weshalb die Muskeln sich dann anspannen oder entspannen. Daher können wir auch die Emotionen anderer Menschen wahrnehmen, weil ihre Muskeln handeln, unbewusst. Außer der Tatsache, dass wir uns weiterentwickelt haben und die Gesichtsmuskeln nun viele Emotionen ausdrücken können. Die Teekanne besitzt sozusagen Emotionen,. denn sie signalisiert dem Ober: "Hey, ich bin fertig. Schauen Sie - aufrecht." Und der Ober kann kommen und fragen "Möchten Sie noch etwas Wasser?" Es ist irgendwie nett. Was für ein wunderbares Design.
Und die dritte Ebene ist die Reflexive-Ebene, sozusagen das Über-Ich. Es ist ein kleiner Teil des Gehirns, der keine Kontrolle darüber hat, was man macht. Keine Kontrolle über - er hat keinen Zugriff auf die Sinneswahrnehmungen und hat keine Kontrolle über die Muskeln. Dieser Teil überblickt das Geschehen. Es ist diese leise Stimme in Ihrem Kopf, die zuschaut und sagt: "Das ist gut. Das ist schlecht." Oder: "Warum machst du das? Das verstehe ich nicht." Es ist diese leise Stimme im Kopf, das Bewusstseins.
Hier ist ein gutes reflektives Produkt. Besitzer von Hummern haben gesagt: "Wissen Sie, Ich habe viele Autos in meinem Leben besessen, die verschiedensten exotischen Autos, aber ich hatte noch nie ein Auto, das so viel Aufmerksamkeit erregt hat." Es dreht sich alles um ihr Image, es geht nicht ums Auto. Selbst wenn Sie ein besseres Model wollen - das ist ein GM. Der Grund, weshalb Sie es nun vielleicht kaufen wollen, ist, weil Sie sich um die Umwelt sorgen. Sie werden es kaufen, um die Umwelt zu schützen, selbst wenn die ersten Fahrzeuge sehr teuer sein werden und nicht ausgereift. Aber das ist auch reflektives Design. Oder eine teure Uhr, um andere Menschen zu beeindrucken, die sagen "Junge, ich wusste nicht, dass du so eine Uhr hast." Im Gegensatz zu dieser, welche eine rein "Vernunft-Uhr" ist und welche die Zeit wahrscheinlich besser wiedergibt als die 13.000 Dollar Uhr, die ich Ihnen gerade gezeigt habe. Aber sie ist hässlich. Dies ist eindeutig eine Don Norman Uhr.
Es ist interessant, manchmal wird die eine Emotion einer anderen gegenübergestellt. Die viszerale Angst zu fallen, gegen den reflektiven Zustand, der sagt "Es ist OK, Es ist OK. Es ist sicher. Es ist sicher." Wäre der Freizeitpark rostig und würde auseinander fallen, dann würden Sie nie eine Fahrt antreten. Also ist es eine Gegenüberstellung von Emotionen. Die andere tolle Sache - (Lachen) Jake Cress ist Möbeldesigner und er kreiert diese unglaublichen Möbelkollektionen. Das ist sein Stuhl mit Krallen. Und der arme, kleine Stuhl hat seinen Ball verloren und versucht ihn zurück zu holen, bevor irgendjemand es bemerkt. Das Tolle daran ist, wie man diese Geschichte akzeptiert. Und das ist das Schöne an Emotionen.
Das ist also das neue Ich. Von nun an sage ich nur noch positive Dinge. (Lachen) (Applaus)
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In diesem Vortrag aus dem Jahr 2003 richtet der Design-Kritiker Don Norman seinen scharfen Blick auf die Themen Schönheit, Freude, Genuss und Emotion, in dem er Design betrachtet, welches Menschen glücklich stimmt. Er nennt drei emotionale Auslöser, die ein gut gestaltetes Produkt treffen muss, um erfolgreich zu sein.
Don Norman studies how real people interact with design, exploring the gulf between what a designer intends and what a regular person actually wants. His work has resulted in some classic books, including "The Design of Everyday Things." Full bio »
Translated into German by Niko Single
Reviewed by Manuel Tanner
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15:30 Posted: Apr 2007
Views 775,814 | Comments 69
17:43 Posted: May 2008
Views 468,296 | Comments 54
15:06 Posted: Aug 2006
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