Als ich meinen derzeitigen Job bekam, wurde mir ein guter Rat gegeben, der da war, drei Politiker je Tag zu interviewen. Und von so viel Kontakt mit Politikern, kann ich Ihnen sagen, dass sie alle emotionale Sonderlinge der einen oder anderen Art sind. Sie haben, was ich Logorrhoe-Demenz nenne, was bedeutet, dass sie so viel reden, dass sie sich selsbt in den Wahnsinn treiben. (Gelächter) Aber was sie haben, das ist eine unglaubliche Sozialkompetenz. Wenn mann sie trifft, dann schießen sie sich auf einen ein, dann sehen sie einem in die Augen, dringen in den persönlichen Raum ein und massieren einem den Hinterkopf.
Vor einigen Monaten hatte ich ein Dinner mit einem republikanischen Senator, der seine Hand die ganze Zeit auf der Innenseite meines Oberschenkels ruhen ließ, während der gesamten Mahlzeit – und ihn drückte. Einmal – das ist schon Jahre her – beobachtete ich ein Treffen zwischen Ted Kennedy und Dan Quayle im Treppenhaus des Senates. Und da sie Freunde waren, umarmten sie einander und sie lachten und ihre Gesichter waren ungefähr so weit von einander entfernt. Und sie bewegten sich und rieben sich an einander und sie ließen ihre Arme an einander auf- und abwandern. Und ich dachte mir nur, „Bitte besorgt euch ein Zimmer. Ich will das nicht sehen.“ Aber sie haben diese Sozialkompetenz.
Ein anderer Fall: Im letzten Wahlzyklus folgte ich Mitt Romney in New Hampshire. Und er führte seinen Wahlkampf mit seinen fünf perfekten Söhnen: Bip, Chip, Rip, Zip, Lip und Dip. (Gelächter) Er geht also in einen Imbiss. Und er geht in den Imbiss hinein, stellt sich einer Familie vor und sagt: „Aus welcher Stadt in New Hampshire kommen Sie?“ Und dann beschrieb er das Haus, das ihm in ihrer Stadt gehörte. Und so geht er durch den Raum und als er dann den Imbiss verlässt, nennt er fast jeden, den er gerade kennengelernt hat, beim Vornamen. Ich dachte mir: „Okay, das ist Sozialkompetenz.“
Aber das Paradoxe ist, bei vielen dieser Leute, wenn sie in den Politik-machen-Modus umschalten, dann verschwindet dieses soziale Bewusstsein und sie beginnen, wie Buchhalter zu sprechen. Im Laufe meiner Karriere habe ich über eine Reihe an Fehlschlägen berichtet. Wir haben Wirtschaftler in die Sowjetunion geschickt mit Privatisierungsplänen, als alles zerbrach und was ihnen wirklich fehlte, das war soziales Vertrauen. Wir sind in den Irak mit einem Militär einmarschiert, das sich der kulturellen und psychologischen Realitäten nicht bewusst ist. Wir hatten ein finanzielles Regelwerk zur Ordnung, das auf den Annahmen beruhte, dass Handelsmänner rationale Wesen sind, die keine Dummheiten begehen würden. 30 Jahre lang habe ich über Schulreformen berichtet und wir haben im Grunde genommen den bürokratischen Rahmen neu organisiert – Chartas, Privatschulen, Gutscheine – aber die Ergebnisse sind Jahr für Jahr enttäuschend. Und die Tatsache ist, dass Menschen von Menschen lernen, die sie lieben. Und wenn man nicht von über die individuelle Beziehung spricht zwischen einem Lehrer und einem Schüler, dann spricht man nicht über diese Realittät, aber diese Realität wird ausgemerzt von unserer Politik machenden Vorgehensweise.
Und das hat zu einer Frage für mich geführt: Warum sind die am meisten sozial eingestellten Menschen auf diesem Planeten komplett entmenschlicht, wenn sie an Politik denken? Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass dies ein Symptom eines größeren Problems ist. Dass wir jahrhundertelang eine Sichtweise der menschlichen Natur verinnerlicht haben, die auf der Vorstellung basiert, dass wir zwiegespaltene Wesen sind, dass Rationalität getrennt ist von den Emotionen und dass sich die Gesellschaft weiterentwickelt bis hin zu dem Grad, dass Rationalität die Leidenschaften unterdrücken kann. Und das hat zu einer Sicht der menschlichen Natur geführt, dass wir rationale Individuen sind, die auf geradlinige Weise auf Belohnungen reagieren. Und das hat zu Sichtweisen der Welt geführt, in denen Menschen versuchten, die Annahmen der Physik zu verwenden, um zu messen, wie menschliches Verhalten funktioniert. Und das hat einen immensen Einschnitt erzeugt, eine oberflächliche Sichtweise der menschlichen Natur.
Wir sind wirklich gut darin, über materielle Dinge zu sprechen, aber wir sind wirklich schlecht darin, über Gefühle zu sprechen. Wir sind wirklich gut darin, über Fähigkeiten zu sprechen und Sicherheit und Gesundheit, wir sind wirklich schlecht darin, über Charakter zu sprechen. Alasdair MacIntyre, der berühmte Philosoph, sagte, dass „wir die Konzepte der altertümlichen Moral besitzen, von Tugend, Ehre, Güte, aber wir haben nicht länger ein System, über das wir sie verbinden können.“ Das hat also zu einem oberflächlichen Pfad in der Politik geführt, aber ebenso in einer ganzen Bandbreite an menschlichen Bestrebungen.
Man kann es an der Art und Weise erkennen, wie wir unsere jungen Kinder erziehen. Man geht zu einer Grundschule um drei Uhr nachmittags und man sieht zu, wie die Kinder herausströmen und sie tragen diese 80 Pfund-Rucksäcke. Wenn der Wind sie umbläst, dann sind sie wie Käfer auf dem Boden aufgeschmissen. Man kann die Autos sehen, die vorfahren – normalerweise sind es Saabs und Audis und Volvos, weil es in bestimmten Nachbarschaften sozial akzeptabel ist, ein Luxusauto zu besitzen, solange es aus einem Land stammt, das der US-amerikanischen Außenpolitik feindlich gesinnt ist – das ist in Ordnung. Sie werden von diesen Wesen abgeholt, die ich Super-Mamis nenne, die äußerst erfolgreiche Karrierefrauen sind, die sich Zeit genommen haben, um sicherzugehen, dass all ihre Kinder nach Harvard kommen. Und man kann diese Super-Mamis normalerweise daran erkennen, dass sie tatsächlich weniger wiegen als ihre eigenen Kinder. (Gelächter) Im Augenblick der Empfängnis machen sie diese kleinen Übungen für den Hintern. Babies plumpsen heraus, sie bombardieren die Dinger mit Mandarin-Leselernkarten.
Sie fahren sie nach Hause und sie wollen, dass sie aufgeklärt sind, also bringen sie sie zur Ben & Jerry's Eiscreme-Fabrik, mit ihrer eigenen Außenpolitik. In einem meiner Bücher scherze ich, dass Ben & Jerry's eine pazifistische Zahncreme herstellen sollte – tötet keine Bakterien, bittet sie nur zu gehen. Das wäre ein Verkaufsschlager. (Gelächter) Und sie gehen zu Whole Foods, um ihr Baby-Menü zu bekommen. Und Whole Foods ist eine dieser fortschrittlichen Lebensmittelketten, in der alle Kassierer so aussehen, als seien sie eine Leihgabe von Amnesty International. (Gelächter) Sie kaufen dort diese Snacks auf Algen-Basis namens Veggie Booty mit Kohl, genau richtig für Kinder, die nach Hause kommen und sagen: „Mami, Mami, ich will einen Snack, der dabei hilft, Dickdarmkrebs vorzubeugen.“
Und so werden diese Kinder auf eine ganz bestimmte Art erzogen, springen von einer Leistung zur nächsten in Dingen, die wir messen können – Studierfähigkeitstest, Oboe, Fußballtraining. Sie gehen auf wettbewerbsorientierte Colleges, sie ergattern tolle Jobs und manchmal machen sie sich selbst zum Erfolgsprodukt auf eine oberflächliche Weise – und sie machen damit einen Haufen Geld. Und manchmal kann man sie an Ferienorten sehen wie Jackson Hole oder Aspen. Und sie sind elegant und abgemagert – sie haben keine wirklichen Oberschenkel; sie haben nur eine elegante Wade auf einer anderen. (Gelächter) Sie bekommen ihre eigenen Kinder und sie haben ein genetisches Wunder vollbracht, indem sie schöne Menschen geheiratet haben, so dass ihre Großmütter wie Gertrude Stein aussieht, ihre Töchter wie Halle Berry – ich weiß nicht, wie sie das hinbekommen haben. Sie kommen an und sie erkennen, dass es jetzt im Trend liegt, Hunde zu haben, ein Drittel so hoch wie die Zimmerdecke. Sie haben also diese pelzigen 160-Pfund-Hunde – die wie Velociraptoren aussehen und alle nach Jane-Austen-Charakteren benannt sind.
Und wenn sie dann alt werden, dann haben sie keine wirkliche Lebensphilosophie entwickelt, sondern sie haben entschieden: „Ich war in allen Bereichen des Lebens erfolgreich, ich werde einfach nicht sterben.“ Dann stellen sie persönliche Trainer an, die Cialis wie Pfefferminz gegen schlechten Atem in sich hineinstopfen. Man kann sie auf den Bergen ganz oben sehen. Sie fahren querfeldein Ski oben auf dem Berg mit diesem verbissenen Gesichtsausdruck, der Dick Cheney daneben wie Jerry Lewis aussehen lässt. (Gelächter) Und wenn sie an einem vorbeiziehen, dann ist es, als würde man von einer kleinen eisernen Rosine überholt werden, die den Berg hinaufwandert.
Und das ist Teil dessen, was das Leben ist, aber es ist nicht alles, was das Leben ausmacht. Im Laufe der letzten Jahre denke ich, dass wir einen tieferen Einblick in die menschliche Natur erhalten haben und einen tieferen Einblick in wer wir sind. Das basiert nicht auf Theologie oder Philosophie, es liegt begründet im Studium der Psyche, in all diesen Bereichen der Forschung von den Neurowissenschaftlern zu den Erkenntnistheoretikern, ökonomischen Verhaltensforschern, Psychologen, Soziologen, wir alle entwickeln eine Revolution im Bewusstsein. Und wenn man all das darstellt, dann eröffnet uns das eine neue Sicht der menschlichen Natur. Und weit von einer kalten, materialistischen Sichtweise der Natur entfernt, ist das ein neuer Humanismus, es ist eine neue Verzauberung. Ich denke, wenn man diese Recherche darstellt, dann beginnt man mit drei entscheidenden Erkenntnissen.
Die erste Erkenntnis ist, dass während das Bewusstsein die Autobiographie unserer Spezies schreibt, das Unterbewusstsein die meiste Arbeit leistet. Eine Art, das zu formulieren, ist, dass das menschliche Gehirn Millionen von Informationsbrocken pro Minute aufnehmen kann, von denen wir uns aber nur über rund 40 bewusst sind. Und das führt zu Eigenartigkeiten. Eine meiner liebsten ist, dass Menschen namens Dennis mit unverhältnismäßig großer Wahrscheinlichkeit Dentist werden, Menschen namens Lawrence werden „lawyers“, Anwälte – weil wir unbewusst von Dingen angezogen werden, die uns bekannt vorkommen, was der Grund dafür ist, dass ich meine Tochter Präsidentin der Vereinigten Staaten Brooks genannt habe. (Gelächter) Eine weitere Erkenntnis ist, dass das Unterbewusstsein, weit entfernt davon, dumm oder sexuell geprägt zu sein, tatsächlich ziemlich schlau ist. Eine der wahrnehmungstechnisch am anspruchsvollsten Aktivitäten ist der Kauf von Möbeln. Es ist wirklich schwer, sich bei einem Sofa vorzustellen, wie es wohl im eigenen Haus aussehen wird. Man sollte das tun, indem man das Möbelstück erforscht, es in seinen Geist einsickern lassen, sich ablenken und dann ein paar Tage später nach Gefühl enscheiden, denn unbewusst hat man den Sachverhalt erkannt.
Die zweite Erkenntnis ist, dass Gefühle im Zentrum unseres Denkens sitzen. Menschen mit Gehirnschlägen und Verletzungen in dem Teil des Gehirns, das Gefühle weitergibt, sind nicht mega-intelligent, sie sind tatsächlich manchmal ziemlich hilflos. Und die Koriphäe auf diesem Gebiet befindet sich heute Abend hier im Saal und wird morgen früh sprechen – Antonio Damasio. Eines der Dinge, die er uns wirklich gezeigt hat, ist, dass Gefühle nicht vom rationalen Denken getrennt sind, sondern dass sie die Grundlage der Vernunft sind, weil sie uns sagen, was wir schätzen sollen. Die eigenen Gefühle zu lesen und auszubilden, ist eine der zentralen Aktivitäten der Weisheit.
Ich bin jetzt also ein Typ im mittleren Alter; ich fühle mich mit Emotionen nicht wirklich wohl. Eine meiner liebsten Gehirn-Geschichten beschreibt diese Typen mittleren Alters. Man hat sie in eine Maschine gesteckt, die Gehirnströme misst – das ist übrigens zweifelhaft, aber das macht mri nichts aus – und sie mussten einen Horrorfilm ansehen und dann mussten sie die Gefühle für ihre Frauen beschreiben. Und die Gehirnströme waren bei beiden Aktivitäten dieselben. Es war einfach blanker Terror. Wenn ich also über Emotionen spreche, dann ist das, als würde Gandhi über Völlerei sprechen, aber es geht um den zentralen Organisationsprozess, der Art und Weise, wie wir denken. Er sagt uns, was wir uns einprägen sollen. Das Gehirn ist die Aufzeichnung der Gefühle eines Lebens.
Und die dritte Erkenntnis ist, dass wir nicht in erster Linie eigenständige Individuen sind. Wir sind soziale Tiere, nicht rationale Tiere. Wir entstammen Beziehungen und wir durchdringen einander in tiefem Maße. Wenn wir also einer anderen Person begegnen, dann wiederholen wir in unserem Kopf, was wir in ihrem Kopf sehen. Wenn wir eine Verfolgungsjagd mit Autos in einem Film sehen, dann ist das beinahe so, als würden wir subtil an einer Verfolgungsjagd teilnehmen. Wenn wir einen Porno ansehen, dann ist das ein bisschen so, als würden wir Sex haben, obwohl wahrscheinlich nicht ganz so gut. Und wir sehen das, wenn ein Liebespaar eine Straße entlanggeht, wenn eine Menge in Ägypten oder Tunesien in einer emotionalen Ansteckungswelle mitgerissen wird, wir sehen diese tiefe Durchdringung. Diese Revolution in Bezug darauf, wer wir sind, bietet uns, wie ich denke, eine andere Möglichkeit Politik zu sehen, ein andere Möglichkeit, was noch viel wichtiger ist, menschliches Kapital zu sehen.
Wir sind nun Kinder der französischen Aufklärung. Wir glauben, dass die Vernunft die höchtste der Tugenden ist. Aber ich denke, dass die Forschung zeigt, dass die britische Aufklärung, oder die schottische Aufklärung mit David Hume, Adam Smith, tatsächlich ein besseres Verständnis davon hatte, wer wir sind – dass die Vernunft oft schwach ist, dass unsere Emotionen stark sind und unsere Emotionen oft vertrauenswürdig sind. Und diese Arbeit korrigiert diese Tendenz in unserer Kultur, diese tiefgreifend humanisierende Tendenz. Sie vermittelt uns einen tieferen Sinn dessen, was es eigentlich bedeutet für uns, in diesem Leben Erfolg zu haben. Wenn wir an menschliches Kapital denken, dann denken wir an die Dinge, die wir leicht messen können – Dinge wie Noten, den Studierfähigkeitstest, Abschlüsse, die Anzahl der Ausbildungsjahre. Was man aber wirklich braucht, um gut abzuschneiden, um ein bedeutungsvolles Leben zu führen, das sind Dinge, die tiefer gehen, Dinge, für die wir nicht einmal Worte haben. Lassen Sie mich deshalb einfach ein paar Dinge auflisten, von denen ich denke, dass uns die Forschung darauf hinweist, dass wir versuchen sollten, sie zu verstehen.
Das erste Geschenk, oder Talent, ist Gedankeneinsicht – die Fähigkeit, in die Köpfe anderer Menschen zu spähen und herauszufinden, was sie anzubieten haben. Babies besitzen diese Fähigkeit. Meltzoff, der an der University of Washington ist, beugte sich über ein Baby, das 43 Minuten alt war. Er streckte dem Baby seine Zunge heraus. Das Baby streckte ebenfalls seine Zunge heraus. Babies werden geboren, um tief in das Bewusstsein ihrer Mütter einzudringen und herunterzuladen, was sie dort finden – ihre Modelle, wie Realität zu verstehen ist. In den Vereinigten Staaten haben 55% der Babies tiefgehende, beidseitig gerichtete Gespräche mit ihren Müttern und sie erlernen dabei Modelle, wie sie sich anderen Menschen gegenüber verhalten sollen. Und diese Menschen, die Vorstellungen davon besitzen, wie man sich verhält, haben einen großen Vorsprung im Leben. Wissenschaftler an der University of Minnesota haben eine Studie angefertigt, mit deren Hilfe sie voraussagen konnten mit 77 Prozent Wahrscheinlichkeit, im Alter von 18 Monaten, wer einen Highschool-Abschluss machen würde, darauf basierend, wer eine gute Verbindung zu seiner Mutter hatte. 20 Prozent der Kinder haben keine derartige Beziehung. Sie sind, was wir ausweichend verbunden nennen. Sie haben Probleme damit, Verbindungen zu anderen Menschen zu knüpfen. Sie gehen durch das Leben wie Segelboote, die sich dem Wind beugen – die anderen Menschen nahe kommen wollen, aber keine wirklichen Vorstellungen davon haben, wie sie das tun sollen. Und das ist also eine Fähigkeit, wie man Wissen einheimst, der eine vom anderen.
Eine zweite Fähigkeit ist ein gleichmäßiges Gleichgewicht. Die Fähigkeit, die Ruhe zu besitzen, die Tendenzen und das Fehlverhalten im eigenen Kopf zu lesen. Wir sind zum Beispiel über die Maße selbstbewusste Maschinen. 95 Prozent unserer Professoren berichten, dass sie überdurchschnittliche Lehrer sind. 96 Prozent der College-Studenten sagen, dass sie überdurchschnittliche Sozialkompetenz besitzen. Das Time-Magazin fragte Amerikaner: „Gehören sie zu dem einen Prozent an der Spitze der Topverdiener?“ 19 Prozent der Amerikaner gehören zu dem einen Prozent an der Spitze der Topverdiener. (Gelächter) Das ist übrigens ein geschlechterspezifisches Merkmal. Männer ertrinken doppelt so oft wie Frauen, weil Männer denken, dass sie den ganzen See durchschwimmen können. Aber manche Menschen haben die Fähigkeit und das Bewusstsein ihrer eigenen Tendenzen, ihres eigenen überzogenen Selbstbewusstseins. Sie besitzen epistemologische Bescheidenheit. Sie sind aufgeschlossen im Angesicht der Ungewissheit. Sie können das Gewicht der Schlussfolgerungen mit dem Gewicht ihrer Beweise abgleichen. Sie sind neugierig. Und diese Fähigkeiten haben oftmals nichts zu tun mit dem IQ.
Die dritte Fähigkeit ist medes, was wir Gassenwissen nennen könnten – das ist ein griechisches Wort. Es handelt sich dabei um ein Gespür für die physische Umgebung, die Fähigkeit, Muster in einer Umgebung zu erkennen – das Wesentliche abzuleiten. Einer meiner Kollegen bei Times hat eine tolle Geschichte über Soldaten im Irak geschrieben, die eine Straße entlangsehen konnten und irgendwie erspüren konnten, ob dort eine USBV, eine Landmine, auf der Straße war. Sie konnten einem nicht erklären, wie sie das gemacht haben, aber sie konnten Kälte spüren, sie spürten eine Kälte und sie lagen häufiger richtig als falsch. Das dritte ist, was man Sympathie nennen könnte, die Fähigkeit, in Gruppen zu arbeiten. Und das erweist sich als ziemlich praktisch, denn Gruppen sind schlauer als Individuen – und von Angesicht zu Angesicht sogar noch schlauer als Gruppen, die auf elektronischem Wege kommunizieren, denn 90% der Kommunikation ist nonverbal. Und die Effizienz einer Gruppe wird nicht vom IQ der Gruppe bestimmt, sondern sie wird davon bestimmt, wie gut sie kommuniziert, wie oft sie sich in der Konversation abwechseln.
Dann könnte man von einer Fähigkeit wie der Vermischung sprechen. Jedes Kind kann sagen: „Ich bin ein Tiger“, und so tun, als sei es ein Tiger. Es erscheint uns so einfach. Aber tatsächlich ist es auf phänomenale Weise kompliziert, das Konzept „ich“ und das Konzept „Tiger“ zu nehmen und diese mit einander zu vermischen. Aber das ist die Grundlage der Innovation. Was Picasso beispielsweise tat, war, dass er das Konzept der westlichen Kunst nahm und das Konzept der afrikanischen Masken und sie mit einander vermischte – nicht nur die Geometrie, sondern auch die moralischen Systeme, die sie mit sich bringen. Und noch einmal, das sind Fähigkeiten, die wir nicht zählen und messen können.
Und dann noch die letzte Sache, die ich nennen werde, das ist etwas, das man Limerenz nennen könnte. Und das ist keine Fähigkeit, es ist ein Antrieb und eine Motivation. Das Bewusstsein sehnt sich nach Erfolg und Prestige. Das Unterbewusstsein sehnt sich nach diesen Momenten der Transzendenz, wenn wir die Grenzen des Kopfes überwinden und wir in einer Herausforderung oder einer Aufgabe verloren sind – wenn ein Handwerker sich in seinem Handwerk verloren fühlt, wenn sich ein Naturalist eins fühlt mit der Natur, wenn ein Gläubiger sich eins fühlt mit der Liebe Gottes. Das ist es, wonach sich das Unterbewusstsein sehnt. Und viele von uns fühlen das in der Liebe, wenn Liebende sich eins fühlen.
Und eine der schönsten Beschreibungen, über die ich im Laufe meiner Forschung gestolpert bin, wie sich das Bewusstsein zweier Menschen durchdringt, wurde von einem großen Theoretiker und Wissenschaftler geschrieben namens Douglas Hofstadter an der University of Indiana. Er war mit einer Frau namens Carol verheiratet und sie hatten eine wundervolle Beziehung. Als ihre Kinder fünf und zwei Jahre alt waren, erlitt Carol einen Gehirnschlag aufgrund eines Gehirntumors und starb plötzlich. Und Hofstadter schrieb ein Buch namens „Ich bin eine seltsame Schleife.“ Im Laufe des Buches beschreibt er einen Moment – einige Monate nur nach dem Tod von Carol – er findet zufällig ein Bild von ihr auf dem Kaminsims, oder auf einer Kommode in seinem Schlafzimmer.
Und er schrieb Folgendes: „Ich sah ihr Gesicht an und ich blickte so tief, dass ich das Gefühl hatte, hinter ihren Augen zu sein. Und plötzlich ertappte ich mich dabei, wie ich sagte, während Tränen flossen, „Das bin ich. Das bin ich.“ Und diese einfachen Worte brachten viele Gedanken zurück, die ich zuvor gehabt hatte über die Vereinigung unserer Seelen zu einer eine Stufe höheren Entität, über die Tatsache, dass im Kern unser beider Seelen, unsere identischen Hoffnungen und Träume für unsere Kinder begründet lagen, über die Bedeutung dessen, dass diese Hoffnungen nicht unterschiedliche oder individuelle Hoffnungen waren, sondern nur eine Hoffnung, eine deutliche Sache, die uns beide definierte, die uns zu einer Einheit zusammenschmiedete – die Art von Einheit, die ich mir nur vage vorgestellt hatte, bevor ich verheiratet war und Kinder hatte. Ich erkannte, dass obwohl Carol gestorben war, dass dieses Kernstück von ihr gar nicht gestorben war, sondern voller Entschlossenheit in meinem Gehirn weiterlebte.“
Die Griechen sagen, dass wir auf unserem Weg zum Wissen leiden. Durch dieses Leiden verstand Hofstadter, wie tief wir in einander eindringen. Durch die Fehler der Politik in den letzten 30 Jahren sind wir, wie ich denke, bei der Erkenntnis angelangt, wie oberflächlich unsere Auffassung der menschlichen Natur gewesen ist. Und wenn wir nun diese Oberflächlichkeit konfrontieren mit den Fehlschlägen, die von unserer Unfähigkeit stammen, die Tiefe dessen zu erfassen, wer wir sind, dann folgt diese Revolution des Bewusstseins – diese Menschen, die in so vielen Feldern die Tiefgründigkeit unserer Natur erforschen gehen von dieser Verzauberung aus, von diesem neuen Humanismus. Und als Freud seine Bedeutung des Unterbewusstseins entdeckte, hatte das breite Auswirkungen auf das Meinungsklima der damaligen Zeit. Jetzt bringen wir eine genauere Vision dieses Unterbewusstseins ans Licht – dessen, was wir tief im Inneren sind. Und das wird eine wunderbare und tiefgreifende und humanisierende Auswirkung auf unsere Kultur haben.
You can share this video by copying this HTML to your clipboard and pasting into your blog or web page. This video will play with subtitles.
You either have JavaScript turned off or have an old version of the Adobe Flash Player. To view this rating widget you
need to get the latest Flash player.
If your browser allows only "trusted sites" to execute Javascript, you should add the "googleapis.com" domain to your whitelist to allow our Flash detection to work properly.
Got an idea, question, or debate inspired by this talk? Start a TED Conversation.
Indem er sich auf die Erkenntnisse seines neuesten Buches bezieht, enthüllt NYTimes-Kolumnist David Brooks neue Einblicke der Erkenntnistheorie in die menschliche Natur – Einsichten mit massiven Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik, ebenso wie auf unser eigenes Selbstverständnis. In einem humorvollen Talk zeigt er, dass man nicht darauf hoffen sollte, Menschen als unterschiedliche Individuen zu verstehen, die Entscheidungen auf Basis ihres Selbst-Bewusstseins treffen.
New York Times columnist David Brooks is the author of “Bobos in Paradise,” “On Paradise Drive” -- and his new narrative of neuroscience, "The Social Animal: The Hidden Sources of Love, Character and Achievement." Full bio »
Translated into German by Simone Lackerbauer
Reviewed by Alex Boos
Comments? Please email the translators above.
18:42 Posted: Sep 2008
Views 1,610,539 | Comments 596
Just follow the guidelines outlined under our Creative Commons license.
This comment will be attributed to . Not ? Sign Out.