Wenn man 21 Minuten zu reden hat, erscheinen zwei Millionen Jahre wie eine sehr lange Zeit. Aus Evolutionssicht sind zwei Millionen Jahre jedoch nichts. Und trotzdem hat sich die Masse des menschlichen Gehirns in zwei Millionen Jahren verdreifacht – von einem 600-Gramm-Gehirn unserer Vorfahren, Habilis, zu fast 1,4 kg Hackbraten, die jeder hier zwischen seinen Ohren hat. Warum war die Natur so besessen davon, dass wir solch ein großes Gehirn haben?
Es stellte sich heraus, dass durch die Verdreifachung der Masse das Gehirn nicht nur dreimal größer wird – es erhält auch neue Strukturen. Ein Hauptgrund für die Vergrößerung unseres Gehirns ist ein neuer Teil, der Frontallappen. Im Speziellen ein Teil mit dem Namen Präfrontaler Cortex. Was ist es, das ein Präfrontaler Cortex für einen tut, dass es eine komplette architektonische Überarbeitung des menschlichen Schädels in einem Augenzwinkern evolutionärer Zeit gerechtfertigt?
Naja, es stellte sicher heraus, dass der Präfrontale Cortex einige Dinge macht, aber eine der wichtigsten Aufgaben ist, dass es ein Erfahrungssimulator ist. Flugpiloten üben im Flugsimulator, sodass sie keine wirklichen Fehler in Flugzeugen machen. Menschen haben diese geniale Anpassung, dass sie Erfahrungen in ihren Köpfen haben können, bevor sie diese im wirklichen Leben testen. Das ist ein Trick, den keiner unserer Vorfahren konnte und den kein anderes Tier in diesem Stile tun kann. Das ist eine geniale Anpassung. Das ist auf einem Level mit dem Daumen, aufrechtem Stehen und Sprache als eines der Dinge, die unsere Spezies aus den Bäumen und in die Einkaufspassagen getrieben hat.
(Lachen) Sie haben das alle schon gemacht. Ich meine: „Ben and Jerry's“ haben kein Leber-Zwiebel-Eis. Das liegt nicht daran, dass sie es gemacht und versucht haben und sagten "Igitt!", sondern weil man, ohne seinen Stuhl zu verlassen, den Geschmack simulieren und Igitt sagen kann ohne es zu machen.
Lassen Sie uns testen, wie gut Ihre Erfahrungssimulatoren funktionieren. Lassen Sie uns eine kurze Diagnose durchführen, bevor ich mit dem Vortrag weitermache. Hier sind zwei verschiedene Zukunftsszenarien und ich lade Sie ein, sie abzuwägen. Sie können versuchen, sie zu simulieren und mir dann sagen, welche davon Sie bevorzugen. Eine ist, im Lotto zu gewinnen – so etwa 314 Millionen Dollar. Die andere ist, querschnittsgelähmt zu werden. Ich gebe Ihnen einen kurzen Moment Bedenkzeit. Sie denken wahrscheinlich, Sie brauchen keine Bedenkzeit.
Interessanterweise gibt es Daten dieser beiden Gruppen von Leuten, Daten darüber, wie glücklich sie sind. Das ist genau, was Sie erwartet haben, oder? Aber das sind nicht die Daten. Ich habe sie erfunden.
Das hier sind die Daten. Sie haben den Test nicht bestanden und Sie sind gerademal fünf Minuten in der Vorlesung. Fakt ist, dass ein Jahr nachdem man die Kontrolle über die Füße verloren hat und ein Jahr nach Gewinn der Lotterie, der Lottogewinner und der Querschnittsgelähmte gleich glücklich mit ihrem Leben sind.
Sie brauchen sich nicht schlecht zu fühlen, weil Sie den Test nicht bestanden haben, weil alle jedes Mal bei diesen Tests durchfallen. Die Forschungsarbeit, die in meinem Labor gemacht wird, die Wirtschaftler und Psychologen im ganzen Land gemacht haben, haben etwas ziemlich verblüffendes ans Licht gebracht. Etwas, das wir „impact bias“ nennen. Damit ist die Tendenz des Simulators gemeint, schlecht zu funktionieren. Dass der Simulator Ihnen vorgaukelt, dass unterschiedliche Ergebnisse unterschiedlicher seien als sie eigentlich sind.
Von Feldstudien bis Laborstudien sehen wir, dass der Gewinn oder Verlust einer Wahl, der Beginn oder das Ende einer romantischen Beziehung, eine Beförderung zu erhalten oder nicht zu erhalten, eine Uni-Klausur zu bestehen oder sie nicht zu bestehen usw. weniger Einfluss haben, weniger intensiv sind und von viel kürzerer Dauer sind als Menschen glauben würden. Tatsächlich legt eine aktuelle Studie nahe – das haut mich fast vom Hocker –, die zeigt, wie extreme Lebenstraumata Menschen beeinflussen, dass etwas, das vor über drei Monaten passiert ist – mit nur wenigen Ausnahmen –, nicht einmal den geringsten Einfluss auf Ihre Zufriedenheit hat.
Warum? Weil Zufriedenheit künstlich erzeugt werden kann. Sir Thomas Brown schrieb 1642, „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Ich habe in mir, was Armut in Reichtum umwandeln kann, Elend in Gedeihen, ich bin unverwundbarer als Achilles; Zufall hat keinen Punkt, an dem es mich treffen kann.“ Was für eine bemerkenswerte Maschine hat dieser Typ in seinem Kopf?
Es stellt sich heraus: genau die gleiche bemerkenswerte Maschine, die wir alle haben. Menschen haben etwas, das wir uns etwa wie ein psychologisches Immunsystem vorstellen können. Ein System von kognitiven Prozessen, größtenteils unterbewussten kognitiven Prozessen, die ihnen helfen, ihre Sicht der Welt zu ändern, sodass sie sich wohler fühlen in der Welt, in der sie sich wiederfinden. Genau wie Sir Thomas haben Sie diese Maschine. Im Gegensatz zu Sir Thomas scheinen Sie sich dessen aber nicht bewusst zu sein.
Wir erzeugen Zufriedenheit künstlich, aber wir denken, Zufriedenheit ist etwas, das gefunden werden muss. Nun, Sie brauchen mich nicht, um Ihnen zu viele Beispiele davon zu nennen, wie Menschen Zufriedenheit künstlich erzeugen. Ich werde Ihnen aber trotzdem ein paar experimentelle Beweise liefern. Man muss nicht sehr weit nach Beweisen suchen.
Als Herausforderung an mich, da ich dies ab und zu in Vorlesungen frage, habe ich eine Ausgabe der New York Times genommen und versucht, Beispiele von Leuten zu finden, die Zufriedenheit künstlich erzeugen. Hier sind drei Leute, die Zufriedenheit künstlich erzeugen. „Mir geht es physisch, finanziell, emotional, mental und in fast jeder anderen Art so viel besser.“ „Ich bereue keine Minute. Es war eine herrliche Erfahrung.“ „Ich glaube, es hat sich zum Besten gewandelt.“
Wer sind diese Charaktere, die so verdammt glücklich sind? Der erste ist Jim Wright. Einige von Ihnen sind alt genug, um sich daran zu erinnern: Er war der Vorsitzende des Repräsentantenhauses und er ist unter Schande zurückgetreten als der junge Republikaner mit Namen Newt Gingrich von einem zwielichtigen Buchhonorar erfahren hat. Er hat alles verloren. Der mächtigste Demokrat im Land – er hat alles verloren. Er verlor sein Geld, er verlor seine Macht. Was hat er all diese Jahre später darüber zu sagen? „Mir geht es physisch, finanziell, mental und in fast jeder anderen Art so viel besser.“ Welche anderen Arten gibt es, in denen es einem besser gehen kann? Pflanzlich? Mineralisch? Animalisch? Er hat so ziemlich alles abgedeckt.
Von Moreese Bickham haben Sie noch nie gehört. Moreese Bickham äußerte folgende Worte bei seiner Freilassung. Er war 78 Jahre alt. Davon verbrachte er 37 Jahre im Gefängnis in Louisiana für ein Verbrechen, dass er nicht begangen hatte. Letztendlich wurde er freigesprochen – mit 78 Jahren – durch DNA Beweise. Was hatte er über seine Erfahrungen zu sagen? „Ich bereue keine Minute. Es war eine herrliche Erfahrung.“ Herrlich! Der Junge sagt nicht „Naja, weißt du, es gab ein paar nette Leute. Sie hatten eine Sporthalle." Es war „herrlich“, ein Wort, das wir uns normalerweise für eine religiöse Erfahrung vorbehalten.
Harry S. Langerman sagte folgende Worte und er ist jemand, von dem Sie hätten hören können, es aber nicht getan haben, weil er 1949 einen kleinen Zeitungsartikel über einen Hamburgerstand zweier Brüder mit Namen McDonalds gelesen hatte. Und er dachte: „Das ist eine wirklich nette Idee!“ Also suchte er sie auf. Sie sagten: „Wir können dir ein Franchise für das hier für 3.000 Dollar geben.“ Harry ging zurück nach New York und bat seinen Bruder, der Investmentbanker war, um einen Kredit über die 3.000 Dollar. Die unsterblichen Worte seines Bruders waren: „Du Idiot, niemand isst Hamburger.“ Er lieh ihm das Geld nicht und natürlich hatte Ray Croc sechs Monate später genau die gleiche Idee. Es stellte sich heraus, dass Leute doch Hamburger essen und Ray Croc für eine Weile der reichste Mann der USA wurde.
Und schließlich das Beste – manche von Ihnen erkennen dieses Photo vom jungen Pete Best, dem ursprünglichen Schlagzeuger der Beatles, bevor sie ihn Zigaretten holen geschickt haben, sich davon gemacht haben und Ringo auf einer Tour eingesammelt haben. 1994 wurde Pete Best interviewt. ... ja, er ist noch Schlagzeuger, ja, er ist Studiomusiker ... Er hatte Folgendes zu sagen: „Ich bin glücklicher als ich es jemals mit den Beatles geworden wäre.“
Okay. Es gibt eine wichtige Lektion, die man von diesen Leuten lernen kann. Es ist das Geheimnis der Zufriedenheit. Hier ist es – endlich wird es gelüftet. Erstens: Häufen Sie Wohlstand, Macht und Prestige an und verlieren Sie es dann. (Lachen) Zweitens: Verbringen Sie so viel Zeit Ihres Lebens im Gefängnis wie möglich. (Lachen) Drittens: Machen Sie jemand anderen richtig, richtig reich. (Lachen) Und schließlich: Treten Sie ja niemals den Beatles bei. (Lachen)
Okay. Jetzt kann ich – wie Ze Frank – Ihren nächsten Gedanken vorhersagen. Der ist: „Na, klar!“ Wenn Menschen nämlich Zufriedenheit künstlich erzeugen, wie es diese Herren wohl getan haben, lächeln wir sie an, rollen jedoch mit den Augen und sagen „Na, klar, du wolltest den Job nie wirklich." „Na, klar. Du wolltest nicht wirklich so viel mit ihr gemeinsam haben, und das hast du genau in dem Moment verstanden als sie dir den Ehering ins Gesicht warf.“
Wir lächeln zynisch, weil wir glauben, dass künstliche Zufriedenheit nicht von der gleichen Qualität ist, wie das, was wir vielleicht natürliche Zufriedenheit nennen. Was bedeuten diese Begriffe? Natürliche Zufriedenheit ist das, was wir bekommen, wenn wir bekommen, was wir wollten. Künstliche Zufriedenheit ist das, was wir erzeugen, wenn wir nicht bekommen, was wir wollten. In unserer Gesellschaft haben wir den festen Glauben, dass künstliche Zufriedenheit von minderwertiger Art ist. Warum haben wir diesen Glauben? Naja, das ist sehr einfach. Welche Art wirtschaftlicher Motor würde weitertuckern, wenn wir glaubten, dass nicht zu bekommen, was wir wollen, uns genauso glücklich macht, wie, es tatsächlich zu bekommen.
Mit Entschuldigungen an meinen Freund Matthieu Ricard – eine Einkaufspassage voll mit Zen-Mönchen wird nicht wirklich profitabel sein, weil sie das Zeug nicht genug wollen. Ich möchte Ihnen aufzeigen, dass künstliche Zufriedenheit genauso real und beständig ist, wie die Art von Zufriedenheit, über die man stolpert, wenn man tatsächlich das bekommt, was man will. Aber ich bin Wissenschaftler, also werde ich dies nicht rhetorisch tun, sondern mit ein paar Daten unterstreichen.
Lassen Sie mich zuerst ein experimentelles Modell vorstellen, das benutzt wird, um die Synthese von Glück von normalen alten Leuten darzustellen. Das ist nicht meines. Dieses 50 Jahre alte Modell wird „Paradigma der freien Wahl“ genannt. Es ist sehr einfach. Man nimmt, sagen wir, sechs Objekte und weist einen Teilnehmer an, es vom am meisten gemochten zum am wenigsten gemochten anzuordnen. In diesem Fall sind es, weil sie im Experiment, von dem ich Ihnen berichten werden benutzt wurden, Drucke von Monets Bildern. Jeder kann diese Monet-Drucke sortieren – von dem Bild, das sie am meisten mögen bis zu dem, das sie am wenigsten mögen. Jetzt geben wir Ihnen eine Wahl: „Wir haben einige weitere Drucke im Schrank. Wir werden Ihnen eines davon als Preis mit nach Hause geben. Es sind Nummer drei und Nummer vier.", sagen wir den Teilnehmern. Das ist eine etwas schwere Entscheidung, weil keines der beiden stark bevorzugt wird, aber naturgemäß tendieren die Leute dazu, Nummer drei zu wählen, weil sie es ein bisschen lieber mögen als Nummer vier.
Etwas später – es können 15 Minuten sein oder auch 15 Tage – werden den Teilnehmern die gleichen Stimuli präsentiert. Der Teilnehmer wird gebeten, die Stimuli neu einzustufen. „Sagen Sie uns, wie sehr sie Ihnen jetzt gefallen.“ Was passiert? Man kann zusehen, wie Zufriedenheit künstlich erzeugt wird. Das Resultat wurde immer wieder wiederholt. Man sieht, wie Zufriedenheit künstlich erzeugt wird. Wollen Sie es nochmal sehen? Zufriedenheit! „Das Bild, das ich bekommen habe, ist tatsächlich besser als ich dachte! Das Bild, das ich nicht bekommen habe, ist Mist!“ (Lachen) Das ist die Synthese von Glück.
Was ist die richtige Reaktion darauf? „Na, klar!“ Hier ist das Experiment, das wir durchgeführt haben und ich hoffe, dass es Sie überzeugen wird, dass „Na, klar!“ nicht die richtige Reaktion war.
Wir haben dieses Experiment mit einer Gruppe von Patienten gemacht, die anterograde Amnesie haben. Das sind hospitalisierte Patienten. Die meisten haben das Korsakow-Syndrom, eine polyneuropathische Psychose, die... sie haben viel zu viel getrunken und können keine neuen Erinnerungen erzeugen. OK? Sie erinnern sich an die Kindheit, aber wenn man in den Raum läuft, sich vorstellt dann den Raum verlässt, und wieder zurückkommt, wissen sie nicht mehr, wer man ist.
Wir nahmen unsere Drucke von Monet mit ins Krankenhaus und baten diese Patienten, sie zu sortieren – vom Bild, das sie am meisten mögen zu dem, das sie am wenigsten mögen. Wir gaben ihnen die Wahl zwischen Nummer drei und Nummer vier. Wie alle anderen sagten sie: „Danke, Doktor! Das ist ja klasse! Ich könnte ein neues Bild gebrauchen. Ich nehme Nummer drei.“ Wir erklärten ihnen, dass wir Nummer Drei an sie schicken werden. Wir sammelten unsere Materialien ein, gingen aus dem Zimmer und warteten eine halbe Stunde ab. Zurück im Zimmer sagten wir: „Hallo, wir sind zurück.“ Die Patienten, sie seien gesegnet, sagten „Ahh, Doktor, es tut mir leid, ich habe ein Gedächtnisproblem, deswegen bin ich hier. Falls wir uns begegnet sind kann ich mich nicht daran erinnern.“ „Wirklich, Jim? Du erinnerst dich nicht? Ich war gerade hier mit den Bildern von Monet.“ „Tut mir Leid, Dok. Ich habe keine Ahnung.“ „Kein Problem, Jim. Alles, was ich von dir möchte, ist, dass du diese Bilder sortierst – beginnend mit dem, das dir am meisten gefällt bis zu dem, das dir am wenigsten gefällt.“
Was haben sie getan? Naja, lasst uns zuerst sicherstellen, dass sie wirklich amnestisch sind. Wir fragten diese amnestischen Patienten, ob sie uns sagen können, welches davon sie besitzen, welches sie das letzte Mal ausgewählt haben, welches ihres ist. Wir fanden heraus, dass amnestische Patienten einfach raten. Das sind normale Kontrollen, in denen, wenn ich das mit Ihnen machen würde, Sie alle wüssten, welches Bild Sie gewählt haben. Aber, wenn ich es mit amnestischen Patienten tue haben sie keine Ahnung. Sie können ihr Bild bei einer Gegenüberstellung nicht auswählen.
Das hier machen normale Kontrollgruppen: sie erzeugen künstlich Zufriedenheit. Richtig? Das ist die Veränderung in der Geschmackswertung, die Veränderung vom ersten Mal, dass sie es bewertet haben, zum zweiten Mal. Normale Experimente zeigen – das war die Magie, die ich Ihnen gezeigt habe und nun zeige ich es Ihnen in grafischer Form – „Das Bild, das ich besitze, ist besser als ich dachte. Das andere, das ich zurück ließ, ist nicht so gut, wie ich dachte.“ Amnestische Patienten machen genau das Gleiche. Denken Sie über dieses Ergebnis nach.
Diese Leute mögen das Bild, das sie besitzen, lieber, aber sie wissen nicht, dass sie es besitzen. „Na, klar!“ ist nicht die richtige Reaktion! Was diese Leute taten als sie Zufriedenheit künstlich erzeugten ist, dass sie wirklich ihre affektive, hedonistische und ästhetische Reaktion auf das Poster verändert haben. Sie sagen das nicht einfach, weil sie es besitzen, denn sie wissen nicht, dass sie es besitzen.
Nun, wenn Psychologen Ihnen Statistiken zeigen, wissen Sie, dass sie Ihnen Durchschnittswerte einer Menge Personen zeigen. Und trotzdem haben alle von uns dieses psychologische Immunsysstem, das die Fähigkeit hat, Zufriedenheit künstlich zu erzeugen, aber für manche von uns funktioniert das besser als für andere. Und manche Situationen erlauben es einem, dies besser zu tun als andere Situationen. Es stellt sich heraus, dass Freiheit – die Fähigkeit, seine Meinung zu bilden und diese zu verändern – der Freund natürlicher Zufriedenheit ist, weil es einem erlaubt, von all den schmackhaften Zukunftsszenarien die zu finden und auszuwählen, die man am meisten genießt. Aber die Freiheit, zu wählen – seine Meinung zu ändern und zu bilden – ist der Feind der künstlichen Zufriedenheit. Ich werde Ihnen zeigen, wieso.
Dilbert weiß dies natürlich bereits. Sie lesen die Cartoons während ich rede. „Dogbert's technischer Dienst. Wie kann ich Sie ausnutzen?“ „Mein Drucker druckt eine leere Seite nach jedem Dokument.“ „Warum beschweren Sie sich darüber, dass sie kostenloses Papier bekommen?“ „Kostenlos? Geben sie mir nicht nur mein eigenes Papier?“ "Wahrhaftig, Mann! Schauen Sie sich die Qualität des kostenlosen Papiers im Vergleich zu Ihrem lausigen normalen Papier an! Nur ein Narr oder Lügner würde sagen, dass sie gleich aussehen!“ „Ah! Jetzt, da Sie es sagen, scheint es tatsächlich ein wenig seidener zu sein!“ „Was machen Sie?“ „Ich helfe Leuten, Dinge zu akzeptieren, die sie nicht verändern können.“ Genau.
Das psychologische Immunsystem funktioniert am besten, wenn wir komplett feststecken, wenn wir gefangen sind. Das ist der Unterschied zwischen Beziehung und Ehe, oder? Ich meine, wenn man sich mit einem Typen auf ein Date trifft und er in der Nase bohrt geht man nicht nochmal mit ihm aus. Wenn man mit dem Typ verheiratet ist, der in der Nase bohrt? Jepp, er hat ein Herz aus Gold; berühr ja nicht den Früchtekuchen. Oder? (Lachen) Man findet einen Weg, mit dem glücklich zu sein, was passiert ist. Was ich Ihnen jetzt zeigen will ist, dass Leute das nicht über sich selbst wissen. Und, sich nicht darüber im Klaren zu sein, kann im höchsten Maße zu unserem Nachteil sein.
Hier ist ein Experiment, das wir in Harvard gemacht haben. Wir haben einen Schwarz-Weiß-Fotokurs angeboten und den Studenten erlaubt, in die Dunkelkammer zu kommen und zu lernen wie diese funktioniert. Wir gaben ihnen Kameras, sie gingen über den Kampus und machten 12 Bilder von ihren Lieblings-Professoren, ihren Zimmern und Hunden und all den anderen Dingen, von denen sie in Harvard Erinnerungen haben wollten. Sie brachten uns die Kamera, wir erstellten einen Kontaktabzug, sie suchten sich die zwei besten Bilder aus und wir verbrachten nun sechs Stunden damit, zu erklären, wie die Dunkelkammer funktioniert. Sie vergrößerten zwei Bilder und hatten nun zwei wunderschöne 8x10" glänzende Abzüge von für sie bedeutenden Dingen und wir sagten: „Welches davon würden Sie abgeben?“ Sie sagten: „Wir müssen eins davon hergeben?“ „Oh, ja. Wir benötigen eines davon als Nachweis für das Projekt. Sie müssen mir also eines geben. Sie müssen die Entscheidung treffen. Sie bekommen eines und ich bekomme eines.“
Es gibt nun zwei Bedingungen in diesem Experiment. In einem Fall wird den Studenten gesagt: „Aber, wissen Sie was? Wenn Sie Ihre Meinung ändern wollen... ich werde das andere hier behalten und in den nächsten vier Tagen – bevor ich es ans Hauptquartier schicke – werde ich es... (Lachen) – ja, „Hauptquartier“ – werde ich es gerne für Sie austauschen. Ich werde sogar zu Ihnen ins Wohnheim kommen und es Ihnen geben. Schicken Sie mir einfach eine E-Mail. Oder noch besser: ich frage nach. Wenn Sie jemals Ihre Meinung ändern, ist es auf jeden Fall umtauschbar." Der anderen Hälfte wurde genau das Gegenteil gesagt: „Treffen Sie Ihre Entscheidung. Und nebenbei bemerkt, die Post wird in, puhh, zwei Minuten nach England geschickt. Ihr Bild wird über den gesamten Atlantik fliegen. Sie werden es nie wieder sehen.“ Die Hälfte der Studenten unter jeder der beiden Bedingungen werden um Vorhersagen darüber gebeten, wie sehr sie wohl das Bild mögen werden, das sie behalten, und wie sehr das Bild, das sie zurückgeben. Die anderen Studenten werden einfach zurück in ihre Wohnheime geschickt. In den nächsten drei bis sechs Tagen wird ihre Vorliebe und Zufriedenheit über die Bilder gemessen. Sehen Sie, was wir herausfanden:
Zunächst einmal dachten die Studenten, dass Folgendes passieren wird. Sie glaubten, dass sie das Bild, das sie ausgewählt haben, ein bisschen lieber mögen als das, das sie zurückgelassen haben, aber das sind statistisch keine signifikanten Unterschiede. Es ist eine sehr kleine Erhöhung, aber es macht keinen großen Unterschied, ob sie der umkehrbaren oder der unabänderlichen Bedingung unterworfen waren.
Falsch gedacht. Schlechte Simulatoren. Hier ist, was wirklich passiert. Sowohl kurz vor dem Tausch als auch fünf Tage später mochten die Leute, die das Bild nicht tauschen durften, die keine Wahl hatten, die ihre Meinung nicht verändern konnten, ihr Bild sehr! Und die Leute, die darüber nachdachten – „Soll ich es zurückgeben? Habe ich das richtige ausgewählt? Vielleicht ist das nicht das bessere? Vielleicht hab ich das gute zurückgelassen?“ – haben sich umgebracht. Sie mochten ihr Bild nicht. Selbst nach Ablauf der Möglichkeit eines Tausches mochten sie ihr Bild immer noch nicht. Warum? Weil ein umkehrbarer Zustand einer Synthese von Glück nicht zuträglich ist.
Hier ist der letzte Teil des Experiments. Wir nehmen eine komplett neue Gruppe von naiven Harvard-Studenten und sagen: „Wissen Sie, wir geben einen Fotokurs und wir können ihn auf zwei verschiedene Arten machen. Wir können ihn so machen, dass Sie zwei Bilder aussuchen und vier Tage Zeit haben, Ihre Meinung zu ändern – oder wir geben einen anderen Kurs, in dem Sie die zwei Bilder nehmen und sich direkt festlegen müssen und Sie können sie niemals ändern. In welchem Kurs möchten Sie sein?“ „Dummkopf!“ 66 Prozent der Studenten – zwei Drittel – bevorzugen es, in dem Kurs zu sein, in dem sie die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu ändern. Hallo? 66 Prozent der Studenten wählen den Kurs, der sie im Endeffekt zutiefst unzufrieden mit dem Bild sein lässt. Weil sie die Umstände nicht kennen, unter welchen künstliche Zufriedenheit erwächst.
Der Barde drückt alles am Besten aus, und er trifft hier meine Aussage, aber in übertriebener Form: „Denn an sich ist nichts weder gut noch böse / das Denken macht es erst dazu.“ Es ist gute Dichtkunst, aber das kann nicht ganz richtig sein. Ist wirklich nichts gut oder böse? Ist es wirklich so, dass eine Gallenblasen-Operation und ein Trip nach Paris genau das gleiche sind? Das scheint wie ein Ein-Fragen-IQ-Test zu sein. Das kann nicht genau das gleiche sein.
In einer etwas geschwollenen Prosa, aber näher an der Wahrheit, sagte der Vater des modernen Kapitalismus, Adam Smith, Folgendes. Es lohnt sich darüber nachzudenken: „Die große Quelle für sowohl Elend als auch Unordnung im menschlichen Leben scheint durch die Überbewertung der Unterschiede zwischen einer permanenten Situation und einer anderen zu entstehen ... Einige dieser Situationen scheinen – ohne Zweifel – anderen vorgezogen zu werden, aber keine verdient es mit der leidenschaftlichen Inbrunst verfolgt zu werden, die uns dazu bringt, Regeln von entweder Klugheit oder Gesetz zu brechen oder die zukünftige Ruhe unseres Geistes zu stören – sei es wegen der Scham über die Erinnerung an unsere eigene Torheit oder vor Reue wegen des Gräuels unserer eigenen Ungerechtigkeit.“ Anders gesagt: Ja, es gibt einige Dinge, die besser sind als andere.
Wir sollten Vorlieben haben, die uns in eine bestimmte Zukunft führen anstelle einer anderen. Aber, wenn diese Vorlieben uns zu hart und zu schnell treiben, weil wir die Unterschiede dieser beiden Zukunftsszenarien überschätzen, sind wir in Gefahr. Wenn unser Streben eingeschränkt ist, führt uns dies zu freudigem Arbeiten. Wenn unser Streben unbegrenzt ist, leitet uns dies dazu zu lügen, zu stehlen, zu betrügen, andere zu schädigen, Dinge von wirklichem Wert zu opfern. Wenn unsere Ängste eingeschränkt sind, sind wir besonnen, vorsichtig, nachdenklich. Wenn unsere Ängste unbeschränkt und bombastisch sind, werden wir rücksichtslos und feige.
Die Lektion dieser Daten, die ich Ihnen hinterlassen möchte, ist, dass unsere Sehnsüchte und unsere Bedenken zu einem gewissen Grade übertrieben sind, weil wir in uns die Fähigkeit haben, jenes Erzeugnis zu kreieren, das wir beständig verfolgen, wenn wir eine Erfahrung wählen.
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Dan Gilbert, Autor von „Ins Glück stolpern“ („Stumbling on Happiness“), stellt die Einstellung infrage, dass wir unglücklich sein werden, wenn wir nicht bekommen, was wir wollen. Unser „psychologisches Immunsystem“ lässt uns in der Tat glücklich sein – auch, wenn die Dinge nicht wie geplant laufen.
Harvard psychologist Dan Gilbert says our beliefs about what will make us happy are often wrong -- a premise he supports with intriguing research, and explains in his accessible and unexpectedly funny book, Stumbling on Happiness. Full bio »
Translated into German by Alexander Klar
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23:27 Posted: Sep 2006
Views 2,735,408 | Comments 394
21:15 Posted: Sep 2006
Views 620,956 | Comments 67
09:37 Posted: Nov 2011
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