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Ich spreche kein Englisch. Englisch lerne ich erst seit circa einem Jahr. Ich bin mit Französisch aufgewachsen, also klingt mein Englisch auch so. Ich wurde im Westkongo geboren, in einem Gebiet hier in der Nähe, und dann ging ich in Kisangani an die Universität. Nach dem Abschluss ging ich hierhin, in den Ituri-Wald. Bis dahin hatte ich schon vieles getan – Als ich etwa 14 war, lebte ich im Haus meines Onkels. Mein Vater war Soldat, und mein Onkel Fischer und auch ein Wilderer. Zwischen meinem 14. und 17. Lebensjahr half ich ihnen beim Einsammeln von Stoßzähnen, Fleisch und was sie sonst noch im Wald töteten, wilderten oder jagten, und wir brachten es in die Hauptstadt auf den Markt.
Schließlich wurde ich darin verwickelt. Zwischen 17 und 20 Jahren wurde ich selbst Wilderer. Und ich wollte es tun, um mein Studium fortzusetzen. Ich wollte an die Universität, doch meine Familie war arm. Also zog ich es durch. Und ich ging für drei bis vier Jahre an die Universität. Dreimal bewarb ich mich für Biomedizin, um Arzt zu werden. Erfolglos. Ich hatte mich eingeschrieben und meine Zulassung für Biologie. Doch ich sagte, "Auf keinen Fall, das werde ich nicht tun. Meine Familie ist arm, das Gesundheitssystem in meiner Heimat ist schlecht, ich möchte ein Arzt werden, um ihnen zu helfen." Dreimal, das heißt drei Jahre, und ich wurde langsam alt. Und ich sagte, "Jetzt mach ich weiter." Also studierte ich tropische Ökologie und Botanik. Als ich fertig war, ging ich für ein Praktikum in den Ituri-Wald. Dort fing ich wirklich Feuer für das, was ich heute immer noch tue – und weswegen ich vor Ihnen stehe – nämlich für Botanik und Artenschutz.
Damals war der Ituri-Wald zum Naturschutzwald erklärt worden, mit einigen Tieren und Pflanzen. Und das Trainingszentrum dort wurde um die wissenschaftlichen kongolesischen Mitarbeiter und ein paar amerikanische Wissenschaftler errichtet. Das Okapi-Tierreservat also beschützt eine Menge – ich glaube, es ist die größte Anzahl von Elefanten, die zur Zeit in kongolesischen Schutzgebieten leben. Es gibt auch Schimpansen. Und der Namensgeber des Okapi-Tierreservats ist dieses wunderschöne Wesen. Das ist eine Waldgiraffe. Ich glaube, Sie kennen sie ziemlich gut. Hier haben wir Steppengiraffen, aber durch die Evolution gibt es auch diese Waldgiraffe, die nur im Kongo lebt. Im Reservat gibt es auch ein paar schöne Primaten. Dreizehn Spezies – die höchste regionale Artenvielfalt Afrikas. Und es gibt natürlich den Ituri-Wald selbst – bis jetzt sind ungefähr 1.300 Pflanzenarten bekannt.
Ich begann meine Arbeit für die Artenschutzgesellschaft 1995, doch als Student hatte ich schon seit 1991 mit ihnen gearbeitet. An meiner Universität wurde ich als Lehrassistent eingestellt, da ich mit Auszeichnung abgeschlossen hatte. Dies gefiel mir jedoch nicht – ich erhielt nicht genügend Einweisung. Und ich wollte einem Trainings- und Forschungszentrum angeschlossen sein. Zum Ende der Diktatur von Mobutu Sese Seko – von dem Sie vielleicht gehört haben – wurde das Leben sehr, sehr schwer. Es war schwierig, unsere Arbeit zu verrichten und Ziele durchzusetzen.
Als Kabila seine Bewegung zur Befreiung des Kongos startete, traten Mobutus Soldaten den Rückzug an. Sie begannen ihre Flucht von Osten nach Westen. Und das Okapi-Tierreservat ist hier, und hier war eine Straße aus Goma, irgendwo dort, und sie verlief so. Also kamen sie auf ihrem Weg durchs Okapi-Tierreservat. Im Kongo liegen fünf der artenreichsten Schutzgebiete der Welt, und das Okapi-Tierreservat ist eines davon. Also flohen die Soldaten ins Okapi-Tierreservat. Auf ihrem Weg plünderten sie alles. Kriege, Folter – mein Gott, es war wirklich unglaublich. Jeder Mensch war auf den Beinen – wohin, wusste keiner. Und für die junge Generation war es das erste Mal, dass wir die Sprache des Krieges, der Gewehre hörten. Und selbst Leute, die die Rebellion 1963 nach dem Erreichen der Unabhängigkeit mitgemacht hatten, glaubten nicht, was vor sich ging. Sie brachten Leute um. Sie taten, was sie wollten, weil sie die Macht dazu hatten. Und wer hatte dies getan? Junge Menschen. Kindersoldaten. Sie können ihn nicht fragen, wie alt er ist, weil er bewaffnet ist.
Aber ich war aus dem Westen und arbeitete im Osten. Zu jener Zeit sprach ich noch nicht einmal Swahili. Aber wenn sie kamen, plünderten sie alles. Man konnte kein Lingala sprechen, weil es Mobutus Sprache war, und jeder, der Lingala sprach, ein Soldat war. Und ich kam aus derselben Region. Alle meine Freunde verließen wegen der Bedrohung die Gegend. Doch ich wollte nicht in den Osten gehen, weil ich kein Swahili sprach. "Ich bleibe," sagte ich. "Wenn ich gehe, werde ich getötet." Ich konnte nicht zurück nach Hause, es war mehr als 1.000 km weg.
Ich blieb, nachdem sie alles geplündert hatten. Wir hatten uns mit botanischer Forschung beschäftigt, und wir hatten ein kleines Herbarium mit 4.500 gepressten Pflanzen. Wir schnitten sie ab, trockneten und pressten sie, und legten sie in einem Ordner ab. Wir wollten sie für die Landwirtschaft erforschen, für die Medizin, alles mögliche, für die Wissenschaft, für die Untersuchung der Flora und die Veränderungen im Wald. Hier bewegen sich Leute umher, hier sind Pygmäen. Und das hier ist ein kluger Kerl, er arbeitet hart und ist Pygmäe. Ich arbeite seit circa 10 Jahren mit ihm. Und sie gingen mit Soldaten in den Wald, um Elefanten zu wildern. Weil er Pygmäe ist, kann er Elefanten im Wald aufspüren. Er wurde von einem Leoparden angegriffen und im Wald im Stich gelassen. Dann wurde ich gebeten, ihn zu retten. Und ich gab ihm einfach Antibiotika, die wir für Tuberkulose vorrätig hatten. Das rettete glücklicherweise sein Leben.
Und das war die Sprache des Krieges. Überall wurden ständig Erze abgebaut, Tiere getötet, der Wald abgeholzt, und so weiter. Und nun zu den wichtigen Dingen. Sie haben wahrscheinlich alle ein Mobiltelefon. Dieses Erz hat viele Leute auf dem Gewissen: Fünf Millionen Kongolesen haben wegen Colombit-Tantalit – genannt Coltan – ihr Leben lassen müssen. Es wird zur Herstellung von Mobiltelefonen verwendet und es gibt es überall im Kongo. Erzgewinnung und das Erfolgsgeschäft des Krieges.
Im ersten Krieg, nachdem wir alles verloren hatten, musste ich etwas retten, mich selbst, mein Leben und das Leben der Angestellten. Ich vergrub einige unserer neuen Fahrzeugmotoren um sie zu retten. Und ein Teil der Ausrüstung nahm diesen Weg, in die Spitzen der Baumkronen, um sie zu retten. Er sammelt keine Pflanzen, sondern wird unsere Ausrüstung retten, indem er sie im Blätterdach deponiert. Und das verbliebene Material – sie wollten es zerstören, verbrennen, sie verstanden es nicht, da sie keine Schulbildung hatten – ich packte es zusammen. Und das bin ich, auf dem schnellsten Weg nach Uganda, um die 4.500 gepressten Pflanzen zu retten, die Leute transportierten sie auf Fahrrädern. Und wir schafften es. Ich brachte das Material im Herbarium der Makerere-Universität unter. Und nach dem Krieg konnte ich es wieder zurückbringen, damit wir unsere Studien fortsetzen konnten.
Der zweite Krieg kam sehr unverwartet. Wir hatten uns mit Freunden Fußball angeschaut und hörten gute Musik über WorldSpace Radio, als er anfing. Glaube ich. Das war so furchtbar. Wir hörten, dass der Krieg diesmal wieder im Osten begonnen hatte, und sich schnell voranbewegte. Dieses Mal nahm Kabila die Stelle Mobutus ein. Und das Reservat war ein Ziel für die Rebellen. Drei Bewegungen und zwei Milizen waren im selben Bereich aktiv, und stritten sich um die natürlichen Vorkommen. Es war unmöglich, weiterzuarbeiten. Sie zerstörten alles. Wilderei - es war schlimm. Und das waren die Menschen an der Macht. Wir mussten die Kommunikation aufnehmen. Wie wird das Reservat reguliert und wie werden die Parks reguliert? Sie konnten einfach nicht so weitermachen. Also wollten wir sie treffen. Hier wird Coltan abgebaut, und Gold.
Also begannen wir unsere Gespräche und erklärten ihnen, dass dies ein Schutzreservat ist. Dass es Regeln gibt, und dass Holzfällen, Bergbau und besonders Wilderei verboten sind. Aber sie sagten, "Ihr denkt wohl, dass sterbende Soldaten nicht wichtig sind, und dass die Tiere, die ihr schützt, wichtiger sind. Aber wir finden das nicht. Wir müssen das tun, damit unsere Sache vorankommt." Und ich sagte, "Hier werdet ihr das auf keinen Fall tun." Wir begannen die Verhandlungen mit ihnen. Ich versuchte unsere Ausrüstung und Angestellten zu schützen, und die etwa 1.500 Dorfbewohner. Und wir hörten nicht auf.
Aber ich führte die Verhandlungen. Manchmal trafen wir uns und sie redeten mit Jean-Pierre Bemba, mit Mbusa Nyamwisi, mit Kabila, und war immer dabei. Manchmal sprachen sie in meiner eigenen Sprache, Lingala. Ich konnte dann hören, welche Strategien und Pläne sie verfolgten. Manchmal kam ein Helikopter, um sie mit Munition und Vorräten zu versorgen. Ich musste tragen helfen und konnte zählen, was woher kam, und wohin ging. Ich hatte nur diese Ausrüstung – mein Satellitentelefon, meinen Computer und eine Solarbatterie – und versteckte alles im Wald. Und nach jedem Meeting, jeden Tag, immer wenn wir einen Kompromiss erreichten, nach allem, schrieb ich eine kurze E-Mail und schickte sie ab. Ich weiß nicht, wie viele Leute in meinem Adressbuch waren. Ich schickte ihnen einfach allen eine E-Mail, über den Kriegsfortschritt, und über ihre Pläne. Sie schöpften Verdacht, als ihre morgendlichen Aktivitäten nachmittags in den Nachrichten auftauchten: BBC, RFI. (Lachen) Irgendwas war komisch. Und eines Tages gingen wir zu einem Treffen. (Applaus) Entschuldigung.
Eines Tages trafen wir uns mit dem Oberkommandeur. Er hatte genau so ein Iridium-Telefon wie ich. Und fragte mich: "Wissen Sie, wie man das verwendet?" Ich sagte, "Hab ich noch nie gesehen." (Lachen) "Keine Ahnung." Und ich hatte meins in der Tasche. Es bestand die Möglichkeit, dass sie mir vertrauten oder vielleicht auch nicht. Sie schauen mich nicht an. Ich hatte also Angst. Und als wir das Meeting beendet hatten, ging ich in den Wald zurück. Und ich schickte Nachrichten raus, tägliche Berichte über das aktuelle Geschehen schickte ich an die UN, UNESCO, unseren Sitz in New York. Und auf sie wurde großer Druck ausgeübt, das Gebiet freizugeben. Denn es war ihnen nicht möglich – was sie auch taten, es wurde sofort bekannt.
Während der ersten zwei Rebellionen töteten sie all unsere Tiere in den Gehegen. Wir hatten 14 Okapis und eines von ihnen war trächtig. Und während des Kriegs, nach einer Woche schwerer Kämpfe im Reservat gelang es uns endlich – wir bekamen unser erstes Okapi-Junges. Diese Hose und dieses Hemd erinnern mich daran. Das ist nicht die örtliche Bevölkerung, es sind Rebellen. Sie waren nun glücklich, die Nachricht herauszugeben, dass sie mit dem Krieg das Okapi beschützt hatten, denn wir hatten die Nachricht verbreitet, dass sie überall töteten und wilderten. Nach einer Woche feierten wir den Geburtstag dieses Okapis, und sie töteten einen Elefanten, nur 50 Meter entfernt von der Stelle, wo sich die Okapis befanden und das Junge geboren war. Und ich war wütend. Sie wollten ihn sezieren – ich wollte sie aufhalten, bis ich den Bericht eingereicht und den Oberkommandeur gesehen hätte. Und hatte Erfolg. Der Elefant verweste einfach und sie nahmen sich die Stoßzähne.
Und danach – so war die Situation nach dem Krieg – mussten wir alles wieder aufbauen. Ich hatte etwas Geld. Ich bekam 150 Dollar. Mit der Hälfte davon wollte ich das Herbarium wieder aufbauen, da wir keine gute Infrastruktur zum Ziehen von Pflanzen hatten. Die Artenschutzgesellschaft kümmerte sich mehr um Pflanzen. Ich fing mit 70 Dollar an, und fing an, überall dort, wo ich hinging, Spenden zu sammeln. Ich konnte überall dorthin, wo es Material für mein afrikanisches Herbarium gab. Und mit der erhaltenen Unterstützung baute ich dies. Im Moment werden hier junge Kongolesen ausgebildet.
Und eine unserer Spezialitäten ist das Aufzeichnen globaler Wärmeeffekte im Zusammenhang mit Biodiversität und die Rolle des Ituri-Waldes bei der CO2-Aufnahme. Dies ist eine der Studien auf unserem Gebiet von 40 Hektar, wo wir selbst die kleinsten Bäume und Lianen mit Anhängern versehen und aufzeichnen. Wir haben nun die Daten von etwa 15 Jahren, die uns zeigen, wie der Wald zur CO2-Reduktion beiträgt. Und das ist – das ist schwierig für mich. Es ist ein mir sehr unangenehmer Vortrag. Ich weiß nicht, wo er anfangen oder aufhören soll.
Als ich darüber nachdachte, hierher zu kommen, fand ich keinen passenden Titel für meinen Vortrag. Aber jetzt glaube ich, ich hätte ihn "Die Sprache der Gewehre" genannt. Wo bleiben Sie? Wir reden über die Wiederherstellung, den Wiederaufbau Afrikas. Aber sind diese Waffenindustrien ein Mittel zum Wiederaufbau, oder ein Spiel? Es scheint, wir sehen den Krieg als ein Spiel, wie Fußball oder Football. Alle sind glücklich, aber sehen, was passiert, und was in Darfur passiert. Dann sagen wir "Oh, mein Gott." Schauen Sie sich die Kriege in Ruanda an. Das ist die Sprache der Gewehre. Ich glaube nicht, dass jemand Google beschuldigen kann, denn Google macht das Richtige, selbst wenn Leute wie Al-Qaida Google verwenden, um sich zu vernetzen. Aber es hilft Millionen von Menschen. Aber wie ist das mit den Waffenindustrien? Danke. (Applaus)
Chris Anderson: Danke, danke schön. Bleiben Sie bitte noch kurz. Es ist eine faszinierende Geschichte. Ich vermute, viele Leute hier haben dieselbe Frage wie ich. Wie können wir Ihnen helfen?
Corneille Ewango: Das ist mir sehr unangenehm. Ich glaube, jetzt bin ich nervös. Und ich glaube, dass manche Leute, die uns helfen wollen, ignorant handeln. Ich habe das selbst getan. Hätte ich als junger Mann gewusst, dass ich mit dem Töten eines Elefanten Biodiversität zerstöre, hätte ich es nicht getan. Viele, viele von Ihnen haben die Talente von Afrikanern gesehen, aber es gibt nur wenige, die zur Schule gehen. Viele sterben wegen der grassierenden Pandemien, HIV, Malaria, Armut, keine Schulbildung. Womit Sie uns helfen können, ist der Aufbau von Kompetenz. Wie viele haben die Möglichkeit, so wie ich, in die USA zu gehen um einen Master zu machen? Und – zur Zeit promoviere ich in den Niederlanden. Aber viele von ihnen haben kein Geld und können nicht fort. Sie können nicht einmal an die Universität. Sie können keinen Bachelor erlangen. Der Aufbau von Kompetenzen für die junge Generation wird zu einer besseren Generation führen, und zu einer besseren Zukunft für Afrika.
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Der Botaniker Corneille Ewango spricht über seine Arbeit im Okapi-Tierreservat im Kongobecken – und über sein heroisches Streben, es vor Wilderern, Grubenarbeitern und tobenden Bürgerkriegen zu schützen.
As a botanist at the Okapi Wildlife Reserve in the Congo basin, Corneille Ewango has faced down poachers and soldiers who threaten this delicate and vital ecosystem. Full bio »
Translated into German by Judith Matz
Reviewed by Alex Boos
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We are talking about reconstitution, rebuilding Africa. But is the gun industry a tool to rebuild, or is it a game? I think we see the war like a game — like soccer, football.” (Corneille Ewango)
35:28 Posted: Jan 2008
Views 310,114 | Comments 78
18:36 Posted: Jun 2006
Views 512,756 | Comments 149
04:12 Posted: Jul 2007
Views 505,218 | Comments 125
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