Gabriel García Márquez ist einer meiner Lieblingsschriftsteller. Wegen seiner Art, Geschichten zu erzählen, aber viel mehr wegen der Schönheit und Genauigkeit seiner Prosa. Ob es die ersten Zeilen von "100 Jahre Einsamkeit" oder der fantastische Bewusstseinsstrom im "Herbst des Patriarchen" sind, wenn die Worte vorbeirauschen, Seite um Seite interpunktionsloser Bilderflut, die den Leser davonspülen wie ein wilder Fluss, der sich durch einen südamerikanischen Dschungel windet, Márquez zu lesen geht an die Nieren. Es erstaunte mich vor allem beim Lesen eines seiner Romane, als ich bemerkte, dass das Davonspülen auf diese lebhafte Reise in einer Übersetzung geschah.
Ich habe einen Abschluss in Vergleichender Literaturwissenschaft, vergleichbar mit einem in Anglistik (oder Germanistik), nur statt drei Monate bei Chaucer festzukleben, lasen wir grosse Literatur aus aller Welt in Übersetzungen. Und so toll diese Werke waren, spürte man immer, dass man der vollen Wirkung sich nur näherte. Ganz anders bei Márquez, der einst die Fassung seines Übersetzers als besser als seine eigene pries. Ein erstaunliches Kompliment.
Dieser Übersetzer, Gregory Rabassa, hatte ein Buch über dieses Thema geschrieben, und ich konnte nicht erwarten, es zu lesen. Es heisst, passend zum italienischen Sprichwort, das ich aus seinem Vorwort entführt habe, "If This Be Treason" ["Wenn das Verrat ist"] Ein sehr charmantes Lesevergnügen. Sehr empfehlenswert für jeden, der sich für die Kunst der Übersetzung interessiert. Doch ich erwähne es, weil Rabassa uns hier sehr früh diesen eleganten, einfachen Einblick gewährt: "Jeder Kommunikationsvorgang ist ein Übersetzungsvorgang."
Vielleicht war euch allen das schon lange klar, aber für mich, so oft ich genau dieser Schwierigkeit täglich begegnete, hatte ich diese der Verständigung inhärente Herausforderung nie so kristallklar gesehen. Seit ich mich erinnern kann, bewusst über so etwas nachzudenken, war Kommunikation meine zentrale Leidenschaft. Schon als Kind hatte ich den sehnlichen Wunsch, alles im Leben verstehen zu können und es dann allen anderen erzählen zu können. Also gar keine Egoprobleme. (Lachen) Meine Frau, in deren Familie es einen Haufen Schizophrener gibt – wirklich einen Haufen – sagte mir mal: "Chris, ich habe schon einen Bruder, der sich für Gott hält. Ich brauche nicht auch so einen Ehemann."
Als mir in meinen Zwanzigern immer mehr dämmerte, wie unerreichbar der erste Teil meines Kindheitswunsches war, barg der zweite Teil, erfolgreich all mein erworbenes Wissen an die anderen kommunizieren zu können, die wirkliche Enttäuschung. Immer wieder, wenn ich ansetzte eine grosse Wahrheit mit einem in Kürze dankbaren Empfänger zu teilen, trat das Gegenteil ein. Wenn dein erster Satz eines Gesprächs lautet: "Pass mal auf, ich werde dir gleich mal richtig wichtige Dinge mitteilen", ist es erstaunlich, wie schnell du sowohl Frostigkeit und Abwehr spürst.
Nachdem ich ungefähr zehn Jahre lang Freunde und Fremde gleichermassen abstiess, begriff ich sie endlich, meine ganz persönliche Wahrheit: Wenn ich meine Ideen jemals gut an die anderen vermitteln wollte, sollte ich besser einen anderen Weg finden. Und so entdeckte ich Comedy.
Comedy hat eine Wellenlänge, die sie von jeder anderen Sprachform unterscheidet. Wenn ich sie einordnen müsste, wäre sie irgendwo zwischen Poesie und Lügen. Und ich spreche hier nicht über alles Komische, denn es gibt viel Humor, der ganz ungefährlich innerhalb unserer Denk- und Gefühlsgrenzen bleibt. Ich möchte über die einzigartige Fähigkeit von guter Comedy und Satire sprechen, unsere tiefverwurzelten Sichtweisen zu überlisten: Komödie als der Stein des Weisen. Sie verwandelt das Urgestein unseres gewöhnlichen Wissens durch Spott in eine andere Art, die Welt zu sehen, und schliesslich in der Welt zu sein. Und das nehme ich auch aus dem Thema dieser Konferenz: Gewinn durch Übersetzung. Kommunikation, die nicht nur ein grösseres Verständnis beim Einzelnen bewirkt, sondern die zu realer Veränderung führt. Aus meiner Erfahrung bedeutet das Kommunikation, die sich an unser Konzept des Eigeninteresses richtet und sie erweitert. Ich kann gut über "Eigeninteresse" sprechen, denn wir sind alle dafür empfänglich. Es ist Teil unseres "Notfallrucksacks", deshalb ist es für uns so wichtig, deshalb horchen wir auf diesem Level auf. Und dort erkennen wir auch, im Sinne unseres Eigeninteresses – unsere Fähigkeit, unsere Verantwortung, uns dem Rest der Welt mitzuteilen.
Ich verstehe unter guter Comedy und Satire also Werke, die zu allererst aus Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit entstehen. Erinnert euch an Tina Feys Darstellung bei Saturday Night Live (SNL) der frisch ernannten Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin: Sie waren vernichtend. Fey zeigte effektiver als jeder politische Experte Palins fundamentalen Mangel an Ernsthaftigkeit, und verfestigte so ein Bild, das die Mehrheit der amerikanischen Öffentlichkeit noch heute hat. Der Schlüssel ist, dass Feys Texte nicht von ihr oder ihren Saturday Night Live Autoren stammten, Sie entstammten wortwörtlich aus Palins eigenen Bemerkungen. (Gelächter) Eine Palin-Darstellerin, die Palin Wort für Wort zitierte. Das ist ehrlich und aufrichtig, und der Grund, weswegen Feys Darstellung solch einen nachhaltigen Eindruck hinterliess.
Am anderen Ende des politischen Spektrums landete Rush Limbaugh einen Volltreffer, als er die Präsidentschaftshoffnungen von John Edwards als "Breck Girl" etikettierte. Es kommt selten vor, dass ich Ehrlichkeit und Integrität mit Limbaugh verknüpfe, aber über diese Pointe kann man nicht streiten. Die Beschreibung fing Edwards' persönliche Eitelkeit perfekt ein. Und nun ratet mal! Eitelkeit war das entscheidende Merkmal des Skandals, der seine politische Karriere beendete.
Die "Daily Show" mit Jon Stewart ist bei weitem das – (Applaus) (Gelächter) das bestdokumentierte Beispiel über die Wirksamkeit dieser Art von Komik. Jede Untersuchung belegt, von der PEW bis zum Annenberg Center für Politikforschung, dass Zuschauer der "Daily Show" besser informiert sind als Zuschauer der grossen Sender und Kabelkanäle.
Ob das nun mehr aussagt über den Konflikt zwischen Integrität und Profitorientierung der angestellten Journalisten oder über die Aufmerksamkeit von Stewarts Zuschauern, der entscheidende Punkt ist, dass Stewarts Material immer auf Fakten basiert – aber nicht, weil er informieren will. Das will er nicht. Er will witzig sein. Aber seine Art von Witz funktioniert nur, wenn die Fakten stimmen. Das Ergebnis ist grosse Comedy, die Inhalte besser vermittelt und nachweislich glaubwürdiger und erinnerbarer ist als professionelle Nachrichtenmedien. Das ist doppelt ironisch, bedenkt man dass die Treffsicherheit von Satire dadurch entsteht, dass sie eigentlich bewusst in die Irre führt.
Komik ist wie ein Wortspiel-Zauber, der dich glauben macht, dorthin zu gehen und dich plötzlich hier drüben hinführt. Diesem mentalen Vergnügen folgt die körperliche Reaktion des Lachens, die ihrerseits wieder Endorphine im Hirn ausschüttet. Und so wird man dazu verführt, die Dinge anders zu betrachten, weil die Endorphine die Wachsamkeit herabsetzen. Das ist das genaue Gegenteil wie Wut, Angst und Panik oder die Flucht-oder-Angriffs-Muster funktionieren. Flucht-Angriff (flight-or-fight) setzt Adrenalin frei, das unsere Verteidigungsmauern erhöht. Und dann kommt die Komödie und spielt mit vielen derselben Themen, wo unsere Abwehr am stärksten ist: Rasse, Religion, Politik, Sexualität. Doch über Humor entladen sich statt Adrenalin Endorphine, und der alchemistische Zauber des Lachens öffnet Fenster in den Mauern und ermöglicht neue, unerwartete Blickwinkel.
Ich gebe euch ein Beispiel meines Auftritts: Ich habe Material über die sogenannte radikale Schwulenbewegung, die damit beginnt, dass ich frage, wie radikal die Schwulenbewegung überhaupt ist. Die drei Dinge, die schwule Amerikaner am meisten zu wollen scheinen, sind zum Militär gehen, heiraten und eine Familie gründen. (Gelächter) Drei Dinge, die ich mein ganzes Leben vermeiden wollte. (Gelächter) Na los, ihr radikalen Schweine. Das überlasse ich euch gern.
Dann folgen diese Zeilen über schwul-lesbische Adoption: Wer hat Probleme mit schwul-lesbischer Adoption? Was ist daran eigentlich so kontrovers? Wenn du glaubst, dein Baby sei schwul bzw. lesbisch, solltest du es zur Adoption freigeben dürfen. (Gelächter) Du hast ein Scheusal geboren. Wirf es aus deinem Haus. Indem ich den biblischen Begriff des "Scheusals" mit einem Baby verknüpfe, dem Bild reinster Unschuld, bewirkt dieser Witz einen emotionalen Kurzschluss in dieser Debatte und gibt dem Publikum Gelegenheit, durch sein Lachen die Werte zu hinterfragen.
In-die-Irre-führen ist nicht der einzige Trick, den Comedy im Ärmel versteckt hat. Sparsamer Umgang mit Sprache ist ein weiterer Zug guter Komik. Es gibt nur wenige Sätze, die mehr Inhalt und Symbole vermitteln als eine perfekte Schlusspointe. Bill Hicks – solltet ihr seine Arbeit nicht kennen, dann solltet ihr ihn wirklich googlen – Hicks hat einen Auftritt, bei dem er in diese kindliche Spielplatz-Prahlerei verfällt, bis das andere Kind ihm schliesslich sagt: "Mein Papa kann deinen Papa verhauen!" und Hicks antwortet: "Echt? Wie bald?" (Gelächter) Da liegt eine ganze Kindheit in diesen drei Worten. (Gelächter) Ganz zu schweigen von dem, was es über den Erwachsenen sagt, der es erzählt.
Eine letzte machtvolle Eigenschaft der Komik als Kommunikationsform ist, dass sie unglaublich ansteckend ist. Menschen können es kaum erwarten, einen guten Witz weiterzuerzählen. Und das ist nicht nur in unserer vernetzten Welt so. Komik hat Landesgrenzen mit beachtlicher Geschwindigkeit überschritten, lange vor Internet, sozialen Medien und selbst dem Kabelfernsehen. Als damals 1980 der Komiker Richard Pryor sich aus Versehen bei einem kleinen Drogenexperiment selbst in Brand steckte, hörte ich am nächsten Tag in Los Angeles und am übernächsten Tag in Washington D.C. genau dieselbe Pointe an Ost- und Westküste: über den "Fonds für erleuchtete schwarze Studenten". Das stammte aus keinem Monolog der "Tonight Show". Ich vermute – und ich habe nicht recherchiert – dass intensive Nachforschung sicher feststellen könnte, dass Komik das zweitälteste ansteckende Gewerbe der Welt ist. Erst gab es Trommeln und dann "Klopf Klopf"-Witze.
Wenn man all diese Elemente vereint: den viralen Reiz eines tollen Witzes, eine zündende Schlusspointe, die auf Ehrlichkeit und Integrität basiert, erzielt man einen Effekt in der realen Welt, der eine Debatte verändern kann. Ein enger Freund von mir, Joel Pett, ist der Hauskarikaturist des Lexington Herald-Leaders. Er war der Typ in der Montagsausgabe der "USA Today". Ich besuchte Joel am Wochenende, bevor die Kopenhagener Klimakonferenz begann, damals im Dezember 2009. Joel erklärte mir, dass "USA Today" als eine der vier meistzitierten Zeitungen Amerikas von fast jedem Teilnehmer quergelesen würde, er also mit einer aberwitzigen Karikatur am Eröffnungstag der Konferenz erreichen könnte, dass diese Karikatur auf dem höchsten Level wirklicher Entscheidungsträger verbreitet würde.
Also sprachen wir über den Klimawandel. Sowohl Joel und mich störte es, dass die Debatte so stark davon beherrscht wurde, inwieweit die wissenschaftlichen Erkenntnisse ausreichend seien oder nicht. Wir beide hatten den Eindruck, man steuerte absichtlich am Thema vorbei. Zunächst die falsche Grundannahme, dass es etwas wie "vollständige" wissenschaftliche Erkenntnis gibt. Perry, Gouverneur meines Lieblingsstaates Texas, argumentierte letzten Sommer zu Beginn seiner mehr als peinlichen Kampagne als republikanischer Präsidentschaftkandidat sehr ähnlich. Er predigte ständig, die Datenlage sei unzureichend, während gleichzeitig 250 von 254 Landkreise in Texas lichterloh brannten. Perrys politische Lösung war, die Bürger von Texas aufzufordern, für Regen zu beten. Ich habe für vier weitere Feuer gebetet, damit die Daten endlich ausreichend wären.
Damals, 2009, überlegten Joel und ich immer wieder warum zu einem derart späten Zeitpunkt so viel Energie in die Datenfrage gesteckt wurde, wenn doch das Bekämpfen des Klimawandels durch die Politik für die Menschheit auf lange Sicht ungleich viel besser wäre. Wir überlegten hin und her, bis Joel hiermit ankam: "Was, wenn es eine grosse Verarschung ist, und wir ganz umsonst die Welt verbessern?" (Gelächter) Man muss diesen Einfall lieben. (Applaus) Wie wäre das denn? Die Welt ganz umsonst verbessern? Nicht für Gott, fürs Vaterland oder den Profit – Nur als Masseinheit für weltweite Entscheidungen.
Diese Karikatur war ein Volltreffer. Kurz nach der Konferenz erhielt Joel eine Anfrage nach einer signierten Kopie vom Direktor der Umweltbehörde EPA in Washington, an dessen Wand sie jetzt hängt. Kurz darauf eine weitere Anfrage der Chefin der EPA in Kalifornien, die sie als Teil ihrer Präsentation für die Internationale Klimakonferenz in Sacramento letztes Jahr benutzte. Und damit nicht genug. Joel erhielt Anfragen von über 40 Öko-Organisationen aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa. Dieses Jahr erhielt er eine Anfrage der Grünen in Australien, die die Karikatur in ihrer Wahlkampagne nutzten, wo er Teil der Debatte wurde, die dazu führte, dass das australische Parlament die schärfste CO2-Besteuerung der ganzen Welt durchsetzte. (Applaus) Das ist viel Einfluss für 14 Worte.
Deswegen ist mein Vorschlag für euch alle hier, die ihr die Welt wirklich verbessern wollt, jeden Tag ein bisschen Zeit zu investieren und komisch zu denken. Vielleicht findet ihr so die Frage, die ihr so lange gesucht habt.
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Jeder Kommunikationsvorgang ist auch immer eine Form von Übersetzung. Bei TEDxRainier sinniert der Schriftsteller Chris Bliss, inwieweit gute Comedy profunde Wahrheiten für ein Massenpublikum verständlich werden lässt.
Chris Bliss explores the inherent challenge of communication, and how comedy opens paths to new perspectives. Full bio »
Translated into German by TeeKay Kreissig
Reviewed by Judith Matz
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06:42 Posted: Jan 2011
Views 464,438 | Comments 119
09:30 Posted: Dec 2009
Views 433,066 | Comments 103
18:03 Posted: Jan 2010
Views 391,710 | Comments 116
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