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Bob Thurman sagt, wir können Buddhas sein

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Danke. Dieser ganze Abend ist für mich sehr erstaunlich. Ich finde, es ist ungefähr so wie das Vimalakirti - Sutra, ein antikes Werk aus dem alten Indien, in dem zu Beginn Buddha erscheint, und eine Menge Leute kommen, um ihn zu sehen, aus der größten Stadt der Gegend, Vaisali, und ihm eine Art edelsteinbesetzter Sonnenschirme darzubieten. Eigentlich all die jungen Menschen der Stadt - die alten kommen nicht, weil sie auf Buddha sauer sind, denn als er in ihre Stadt kam, nahm er... er nimmt immer die erste Einladung an, die ihn erreicht, von wem auch immer, und die örtliche Geisha, so eine Art Filmstar, trat gegen die Stadtälteren mit einem Wagen an und lud ihn zuerst ein.

Er hing also mit dem Filmstar herum und natürlich murrten sie: "Er sollte doch religiös sein und so. Was macht er dort in Amrapalis Haus mit all seinen 500 Mönchen" usw... Sie alle murrten und so boykottierten sie ihn. Sie kamen nicht, um ihm zuzuhören. Aber die jungen Leute kamen alle. Sie hatten diese edelsteinbesetzten Schirme dabei und legten sie auf dem Boden ab. Und sobald sie alle dort lagen, so ein ganzer Stapel dieser Sonnenschirme, die man im alten Indien dabei hatte, vollbrachte er eine Art Special Effect, der sie in ein gigantisches Planetarium verwandelte, das Wunder des Universums. Jeder schaute hinein und sie sahen darin die vollkommene Verbundenheit allen Lebens in allen Universen.

Und natürlich gibt es im buddhistischen Kosmos Millionen und Milliarden Planeten mit menschlichem Leben und erleuchtete Wesen können das Leben auf all den anderen Planeten sehen. Wenn sie also in den Himmel schauen und diese Lichter sehen, sehen sie nicht nur irgendwelche Teile brennender Materie oder Gestein oder Flammen oder explodierende Gase. Sie sehen tatsächlich Landschaften und Menschen und Götter und Drachen und Schlangenwesen und Göttinnen und solche Dinge.

Er machte diesen Special Effect zu Beginn, um jeden dazu zu bringen, über Verbundenheit nachzudenken, und das Verwobensein und wie alles im Leben vollkommen miteinander verbunden ist. Und dann erzählte uns Leilei - ich kenne auch seinen anderen Namen - von der Verbundenheit und wie wir hier alle vollständig miteinander verbunden sind und uns alle gegenseitig kennen. Und im buddhistischen Universum haben wir das alles natürlich schon tausende Male gemacht, zu vielen Lebzeiten in der Vergangenheit. Und nicht immer habe ich gesprochen. Sie taten es und wir schauten Ihnen zu usw. Und wir versuchen immer noch alle... ich nehme an, wir versuchen alle, TEDster zu werden, falls das eine moderne Form der Erleuchtung ist. Ich glaube, das ist es. Denn auf eine Art, wenn sich TEDster-Sein auf das Vernetztsein all der Computer und solchen Dingen bezieht, ist das der Beginn einer Massenbewusstwerdung, wo jeder wirklich alles wissen kann, was überall auf dem Planeten geschieht.

Und deshalb wird es unerträglich werden - Mitgefühl bedeutet, dass es für uns unerträglich wird, absolut nicht tolerierbar, dass wir hier sitzen, gemütlich und vergnüglich, und das Geistesleben oder was auch immer genießen und es gibt Menschen, die fürchterlich von einer Krankheit geplagt sind, und sie haben nichts zu essen und kein Heim oder sie werden von einer schrecklichen Person brutal behandelt usw. Es wird einfach unerträglich. Und wenn wir alle alles wissen, sind wir irgendwie durch die Technik gezwungen, Buddhas oder sowas ähnliches zu werden, erleuchtet zu werden.

Und natürlich werden wir alle tief enttäuscht sein, wenn es so weit ist. Denn wir glauben, weil wir es irgendwie leid sind, was wir tun - ein bisschen leid - dass wir leiden. Auf eine Weise genießen wir unser Elend. Wir lenken uns von unserem Trübsal ab, indem wir irgendwo herumrennen. Aber im Grunde haben wir alle dieses gewöhnliche Elend, dass wir in unserer Haut gefangen sind, und jeder andere ist dort draußen. Und ab und an kommen wir zusammen mit einer anderen Person, gefangen in deren Haut, und wir beide genießen einander und versuchen beide aus unserer eigenen herauszukommen, und letzten Endes scheitert es natürlich und wir stecken wieder drin.

Denn unsere ichbezogene Wahrnehmung - aus Buddhas Sicht eine Täuschung - ist, dass alles, was wir sind, in unserer Haut steckt. Und es gibt das Innerhalb und Außerhalb, das Selbst und das Andere und das Andere ist äußerst andersartig. Und jeder hier hat unglücklicherweise diese gewohnheitsmäßige Wahrnehmung, ein wenig schon, oder? Jemand, der im Sitz neben Ihnen sitzt - das ist o.k. in einem Veranstaltungssaal, würden Sie jedoch auf einer Parkbank sitzen und jemand würde sich so dicht neben Sie setzen, dann würden Sie austicken. Was will der von mir? So wie: Wer ist das denn? Sie würden einfach nicht so dicht neben einer anderen Person sitzen aufgrund Ihrer Vorstellung: ich gegen das Universum. Das ist alles, was Buddha entdeckt hatte. Durch diese kosmische Grundannahme, dass wir ganz für uns allein sind, jeder von uns, und jeder andere andersartig ist, geraten wir in eine unmögliche Situation, nicht wahr? Wer von uns wird genug Aufmerksamkeit von der Welt bekommen? Wer wird genug von der Welt bekommen? Wer wird nicht überrannt werden von unzähligen anderen - wenn Sie anders sind, als all die anderen?

Mitgefühl kommt ins Spiel, wenn Sie überraschend entdecken, dass Sie sich auf irgendeine Art verlieren: durch Kunst, durch Meditation, durch Verständnis - durch Wissen, in der Tat, wenn sie erkennen, dass Sie keine solche Begrenzung haben, wenn Sie Ihr Verbundensein mit anderen erkennen. Sie können sich als die anderen erfahren, wenn Sie die Täuschung des Getrenntseins von ihnen durchschauen. Wenn Sie das machen, sind Sie gezwungen zu fühlen, was sie fühlen. Glücklicherweise wird gesagt - ich bin noch nicht sicher - aber zum Glück wird gesagt, dass, wenn man diesen Punkt erreicht, denn einige sagten in der buddhistischen Literatur: Oh, wer würde denn wirklich mitfühlend sein wollen? Wie furchtbar! Mir geht's schon selber so schlecht. Mein Kopf tut weh. Meine Knochen tun weh. Ich bewege mich von der Geburt hin zum Tod. Ich bin nie zufrieden. Ich habe niemals genug, selbst als Milliardär habe ich nie genug. Ich brauche hundert Milliarden, so in etwa geht's mir. Stellen Sie sich vor, ich müsste noch das Leiden hunderter anderer fühlen. Es wäre furchtbar.

Anscheinend ist das jedoch ein seltsames Paradoxon des Lebens. Wenn Sie nicht länger eingesperrt sind in Ihrem Inneren und wenn die Weisheit oder die Intelligenz oder das wissenschaftliche Wissen über die Natur der Welt Sie befähigen, Ihren Geist in die Welt auszuweiten und mitzufühlen und die grundlegende menschliche Fähigkeit zum Mitgefühl zu vertiefen und zu erkennen, dass Sie der andere sind, können Sie durch dieses Sich-Öffnen irgendwie die tiefere Natur des Lebens sehen und Sie kommen weg von diesem schrecklichen eisernen Kreislauf des Ich-Mich-Mich-Meins, wie die Beatles mal gesungen haben.

Wissen Sie, eigentlich haben wir alles schon in den 60ern gelernt. Zu schade, dass sich dessen niemand je bewusst geworden ist, und seitdem wurde versucht, es zu unterdrücken. Ich, mich, mich, meins. Dieses Lied ist eigentlich perfekt. Ein ideales Lehrstück. Aber wenn wir davon befreit werden, beginnen wir, uns für all die anderen Wesen zu interessieren. Und wir fühlen uns anders. Es ist sehr seltsam. Es ist sehr seltsam. Der Dalai Lama sagt immer gern - er sagt, wenn man in seinem Geist die Idee des Mitfühlens entstehen lässt, ist es, weil man erkennt, dass man selbst und seine Schmerzen und Freuden letztendlich ein zu kleiner Spielplatz für die eigene Intelligenz sind. Es ist einfach zu langweilig, ob man sich so oder so fühlt oder was, und nebenbei bemerkt, je mehr Sie sich darauf konzentrieren, wie Sie sich fühlen, desto schlimmer wird es. Sogar wenn Sie gerade Spaß haben: Wann ist die gute Zeit vorbei? Die gute Zeit ist vorbei, wenn Sie denken: Wie gut ist es? Dann ist es niemals gut genug.

Ich liebe es, dass Leilei sagt, die Möglichkeit, denen zu helfen, die sehr leiden auf der physischen Ebene oder einer anderen, ist, Spaß dabei zu haben; es zu machen, indem man Freude daran hat. Ich denke, der Dalai Lama hätte das hören sollen. Ich wünschte, er wäre dagewesen, es zu hören. Er sagte mir mal... - Er sah etwas traurig aus, er sorgt sich sehr wegen der Habenden und Nicht-Habenden. Er sah ein wenig traurig aus, denn er sagte, vor hundert Jahren kamen sie und nahmen den Habenden alles weg. Die großen kommunistischen Revolutionen, Russland und China usw. Sie nahmen alles mit Gewalt weg, sagten, sie würden es allen geben, und dann waren sie noch schlimmer. Und sie waren überhaupt keine Hilfe.

Was also könnte denn diese furchtbare Kluft verändern, die sich heute in der Welt geöffnet hat? Und er sieht mich an. Also sagte ich "Nun ja, Sie selbst geben doch die Antwort. Sie lehren: Es ist die Großzügigkeit." Das war alles, was mir einfiel... diese buddhistische Tugend. Aber ich glaube, der Schlüssel zur Rettung der Welt - der Schlüssel zum Mitgefühl - ist eigentlich, dass es mehr Spaß macht. Es sollte aus Freude geschehen. Großzügigkeit macht mehr Spaß. Das ist der Schlüssel. Jeder macht sich falsche Vorstellungen. Sie glauben, Buddha war so langweilig, und sind ganz überrascht, wenn sie den Dalai Lama treffen und er ist ziemlich fröhlich. Obwohl sein Volk verfolgt und getötet wird und glauben Sie mir, er fühlt jeden Schlag auf jeden Kopf einer alten Nonne, in jedem chinesischen Gefängnis. Er fühlt es. Er fühlt, wie sie heutzutage Yaks fangen. Ich werde nicht mal sagen, was sie machen. Aber er fühlt es. Und trotzdem ist er sehr fröhlich. Er ist außerordentlich fröhlich.

Denn wenn Sie sich so sehr öffnen, können Sie nicht mehr... - Was hilft es, zu anderer Leute Elend noch das eigene solche Gefühl draufzupacken? Sie müssen eine Vorstellung finden, bei der Sie sehen, wie hoffnungsvoll es ist, wie es verändert werden kann. Nehmen Sie doch diese wundervolle Sache, die Chiho uns gezeigt hat. Sie jagte uns Angst ein mit dem Lava-Mann. Sie machte uns Angst damit, dass der Lava-Mann kommt, dann, dass der Tsunami kommt, aber dann letztendlich waren da Blumen und Bäume und es war wunderschön. Das ist wirklich wundervoll.

Mitgefühl bedeutet also, die Gefühle anderer zu fühlen, und der Mensch ist in der Tat Mitgefühl. Der Mensch ist beinahe unzeitgemäß. Der Mensch ist Mitgefühl, denn wozu ist unser Gehirn denn da? Jims Gehirn lernt einen Almanach auswendig. Aber er könnte sich auch all die Bedürfnisse aller Wesen merken und das wird er, das tat er bereits. Er könnte sich alle möglichen fantastischen Dinge merken, um vielen zu helfen. Und er hätte dabei ungeheuren Spaß.

Die erste Person, die also glücklich wird... wenn man aufhört, sich auf die selbstbezogene Situation zu konzentrieren von 'Wie glücklich bin ich?', wobei man immer unzufrieden ist, wie Mick Jagger uns erzählt hat, wird man so nie Zufriedenheit erlangen. Und dann entscheiden Sie: Also, ich hab' genug von mir. Ich werde darüber nachdenken, wie andere Leute glücklich sein können. Ich werde morgens aufstehen und denken: Was kann ich für auch nur einen anderen Menschen tun, sogar einen Hund, meinen Hund, meine Katze, mein Haustier, meinen Schmetterling. Und die erste Person, die glücklich wird, wenn Sie das tun - Sie machen ja nichts für irgendjemanden sonst, aber Sie werden trotzdem glücklicher, Sie selbst, denn Ihre gesamte Wahrnehmung weitet sich, und Sie sehen plötzlich die ganze Welt und alle Menschen in ihr. Und Sie erkennen, dass das - mit diesen Menschen zusammenzusein - der Blumengarten ist, den Chiho uns gezeigt hat. Es ist das Nirvana. Und meine Zeit ist um - und ich kenne die TED-Gebote. Danke.

About The Speaker

The first American to be ordained a Tibetan Monk by the Dalai Lama, Robert A.F. Thurman is a scholar, author and tireless proponent of peace.
Full bio and more links

About This Talk

In unserer durch und durch vernetzten Welt können wir alles wissen - jederzeit. Und diese Massenerleuchtung, meint der buddhistische Gelehrte Bob Thurman, ist unser erster Schritt hin zum Wesen eines Buddha.

Translated into German by Anne Mentz
Reviewed by Björn Láczay
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