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Das bin ich. Ich heiße Ben Saunders. Meine Spezialität ist es, schwere Sachen durch kalte Gegenden zu schleppen.
Am 11. Mai letzten Jahres stand ich allein am geographischen Nordpol. Ich war das einzige menschliche Wesen in einem Gebiet, das anderthalb Mal größer ist als die USA, um die vierzehntausend Quadratkilometer. Mehr als 2.000 Leute sind auf den Everest geklettert, 12 Leute standen auf dem Mond. Mich eingerechnet sind nur vier Leute auf Ski allein zum Nordpol gewandert. Und ich glaube, der Grund dafür -- (Applaus) -- danke -- ich glaube, der Grund dafür ist, dass es einfach, es ist -- na ja, wie Chris das gesagt hat, es ist Wahnsinn. Diese Reise ist am Rande des menschlichen Vermögens. Ich habe das Äquivalent von 31 Marathons hintereinander auf Ski zurückgelegt. 1.300 Kilometer in 10 Wochen. Und ich habe das ganze Essen, das ich brauchte, hinter mir hergezogen, die Vorräte, die Ausrüstung, Schlafsack, einmal Wechselunterwäsche, alles, was ich für fast drei Monate brauchte. (Lachen) Was wir heute versuchen werden, in den gut sechzehn Minuten, die mir bleiben, ist es, drei Fragen zu beantworten. Die erste ist: "Warum?". Die zweite ist: "Wie geht man bei minus 40 Grad auf die Toilette?" "Ben, ich habe mal gelesen, dass Haut, die minus 40 Grad ausgesetzt ist, in weniger als einer Minute Erfrierungen erleidet. Wie folgst du also dem Ruf der Natur?" Diese Fragen möchte ich jetzt nicht beantworten. Das mache ich am Ende. Die dritte Frage ist: "Wie übertriffst du das? Was kommt jetzt?"
Alles fing 2001 an. Meine erste Expedition war mit einem Typen namens Pen Hadow - ein ungeheuer erfahrener Kerl. Das war quasi meine Polarlehre. Wir versuchten, von dieser Inselgruppe hier, Sewernaja Semlja, auf Ski zum Nordpol zu gelangen. Und wenn mich etwas am Nordpol fasziniert, also am geographischen Nordpol, ist es, dass er mitten im gefrorenen Meer liegt. Besser als das wird das Kartenmaterial nicht, und um dorthinzukommen muss man buchstäblich über die gefrorene Kruste skifahren, die treibende Eishaut des Arktischen Ozeans. Ich hatte mit allen Experten gesprochen. Ich hatte 'ne Menge Bücher gelesen und Land- und Seekarten studiert. Aber am Morgen von Tag 1 ging mir auf, dass ich keine Ahnung hatte, worauf ich mich da eigentlich genau eingelassen hatte.
Ich war 23 Jahre alt. Keiner in meinem Alter hatte so etwas jemals probiert, und ziemlich schnell ging auch so ziemlich alles, das schief gehen konnte, schief. An Tag 2 wurden wir von einem Eisbären angegriffen. Mein linker großer Zeh hatte Erfrierungen. Unser Essen ging zur Neige. Wir waren beide sehr hungrig und verloren eine Menge Gewicht. Einige sehr ungewöhnliche Wettervorkommnisse, sehr schwierige Eisbedingungen. Wir hatten mit Absicht ziemlich einfache Kommunikationsmittel. Wir konnten uns kein Satellitentelefon leisten, also hatten wir ein Hochfrequenz-Funkgerät. Hier können Sie sehen, wie zwei Skistöcke oben aus dem Zelt rausgucken. Auf jeder Seite hängt ein Draht runter. Das war unsere Hochfrequenz-Funkantenne. Wir hatten weniger in zwei Monaten weniger als zwei Stunden wechselseitiger Kommunikation mit der Außenwelt. Am Ende ging uns diese Zeit aus. Wir waren 600 Kilometer weit gekommen. Gut 300 waren noch übrig bis zum Pol, und uns war die Zeit ausgegangen. Wir waren zu weit in den Sommer geraten, das Eis begann zu schmelzen, wir redeten über Funk mit den russischen Helikopterpiloten und sie sagten: "Hört mal, Jungs, euch ist die Zeit ausgegangen. Wir müssen euch abholen." Und ich hatte das Gefühl, dass ich auf ganzer Linie versagt hatte. Ich war ein Versager.
Das eine Ziel, der eine Traum, den ich hatte, den ich solange ich mich erinnern kann gehabt hatte - ich war ihm nicht einmal nahe gekommen. Und als ich den ersten Trip auf Ski zurücklegte, gab es zwei Filme, die sich ständig vor meinem inneren Auge wiederholten, immer wenn es schwer wurde, weiterzumachen, damit meine Motivation aufrecht blieb. Der erste war meine Ankunft am Nordpol. Ich konnte, würde ich mal sagen, es lebhaft vor mir sehen, wie ich aus der Tür eines Helikopters gefilmt wurde, und es gab irgendwelche Rockmusik im Hintergrund, und ich hatte einen Skistock mit einer britischen Flagge, die im Wind flatterte. Ich konnte mich dabei sehen, wie ich die Flagge am Stock befestigte, na ja... aah, ein glorreicher Moment, und die Musik lief zu einem Crescendo auf. Im zweiten Film, den ich mir vorstellte, war, dass ich am Flughafen Heathrow ankomme, und ich sah, wieder ganz lebhaft, wie die Blitzlichter losgingen, die Paparazzi, die Autogrammjäger, und die Verlagsagenten, die mir einen Vertrag anbieten wollten. Und natürlich passierte keines dieser Dinge. Wir kamen nicht am Nordpol an und wir hatten kein Geld, um irgendjemanden für PR-Arbeit zu bezahlen, also hatte keiner von dieser Expedition gehört.
Und dann kam ich in Heathrow an. Meine Mama war da, und mein Bruder, und mein Opa war auch da - er hatte eine kleine britische Flagge - (Lachen) - na ja, und das war's auch schon. Ich habe dann weiter bei meiner Mutter gewohnt. Und ich war körperlich erschöpft, psychisch ein totales Wrack, und betrachtete mich als Versager. Ungeheuer verschuldet wegen dieser Expedition, und so lag ich auf dem Sofa meiner Mutter, jeden einzelnen Tag, und guckte mir das Tagesprogramm im Fernsehen an. Mein Bruder schickte mir eine Textnachricht, eine SMS, sie ist -- sie war ein Zitat aus den Simpsons, und lautete: "Du hast dein bestes versucht und hast zutiefst versagt. Die Moral ist: Versuch's gar nicht erst." (Lachen)
Spulen wir mal drei Jahre vor. Ich habe mich irgendwann vom Sofa erhoben und angefangen, eine andere Expedition zu planen. Diesmal wollte ich gerade drüber marschieren, diesmal allein, von Russland aus, ganz oben auf der Karte, zum Nordpol, wo dieser Knick da in der Mitte ist, und dann weiter nach Kanada. Niemand hatte zuvor allein das Arktische Meer komplett überquert. Zwei Norweger haben es 2000 im Team geschafft. Allein aber keiner. Der sehr bekannte und erfahrene italienische Bergsteiger Reinhold Messner versuchte es 1995, musste aber nach einer Woche gerettet werden. Er beschrieb diese Expedition als zehnmal gefährlicher als Everest. Aus irgendeinem Grunde war es dies, was ich versuchen wollte, aber ich wusste, dass ich, um in einem Stück wieder zu Hause anzukommen, oder es überhaupt nach Kanada zu schaffen, mit einem radikalen Ansatz herangehen musste. Das reichte von der Perfektionierung der abgesägten, unter 2 Gramm wiegenden Zahnbürste, bis hin zur Arbeit mit einem der führenden Ernährungsspezialisten dieser Welt, um eine komplett neue, revolutionäre Ernährungsstrategie zu erfinden: 6.000 Kalorien am Tag.
Und die Expedition begann im Februar letzten Jahres. Ein riesiges Helferteam. Wir hatten ein Filmteam, ein paar Logistik-Leute, meine Freundin, einen Fotografen. Am Anfang lief alles noch ganz vernünftig. Wir sind mit British Airways nach Moskau geflogen. Das nächste Stück in Sibirien nach Krasnojarsk mit einer russischen Airline namens KrasAir, die sich K-R-A-S buchstabiert. Für das nächste Stück hatten wir uns ein ziemlich greises russisches Flugzeug gechartert, das uns in eine Stadt namens Khatanga flog, was auch irgendwie das letzte Stück Zivilisation war. Unser Kameramann, der im besten Fall ein ziemlich nervöser Fluggast war, fragte den Piloten, bevor wir einstiegen, wie lange der Flug dauern würde. Und der Pilot - russischer Pilot - antwortete ganz trocken: also er antwortete: Sechs Stunden - wenn wir es überleben. (Lachen) Wir kamen in Khatanga an. Ich glaube, der Witz geht so, dass Khatanga zwar nicht das Ende der Welt ist, aber dass man es von dort sehen kann. (Lachen) Eigentlich sollten wir dort über Nacht bleiben. Wir hingen aber für 10 Tage fest. Es gab einen ziemlichen von Wodka beseelten Streit um Geld zwischen den Piloten und den Besitzern des Helikopters. Also hingen wir fest. Wir kamen nicht weiter. Endlich, am Morgen des elften Tages, bekamen wir das Startsignal. Wir beluden die Helikopter - zwei Helikopter im Tandemflug - die mich am Rand des Packeises absetzten. Es gab dann hektische 45 Minuten, wo gefilmt und fotografiert wurde, während der Helikopter noch da war, ich gab ein Interview am Satellitentelefon und dann kletterten alle anderen zurück in den Helikopter. Krach, die Tür ging zu, und ich war allein.
Und ich bezweifle, dass Worte jemals diesem Moment gerecht werden können. Alles, woran ich denken konnte, war, zurück zu der Tür zu rennen, an die Tür zu hämmern und zu sagen, "Hört mal, Leute, ich hab das wohl nicht ganz durchdacht." (Lachen) Was alles noch schlimmer machte, war der weiße Fleck, den Sie da oben rechts am Bildschirm sehen können, das ist der Vollmond.
Da wir in Russland aufgehalten worden waren, war Vollmond, und der bringt die höchsten Gezeitenunterschiede mit sich. Wenn man auf der gefrorenen Oberfläche des Meeres steht, bedeuten Ebbe und Flut normalerweise, dass interessante Dinge passieren werden - das Eis bewegt sich ein bisschen herum. Ich zog, wie Sie hier sehen können, zwei Schlitten hinter mir her. Alles zusammen, 95 Tage Essen und Brennstoff, 180 Kilos, das sind fast genau 400 britische Pfund. Wenn das Eis mehr oder weniger eben war, konnte ich gerade mal so beide ziehen. Wenn das Eis nicht eben war, hatte ich überhaupt keine Chance. Ich musste einen ziehen, abstellen, dann zurückgehen und den anderen holen. Ich krabbelte geradezu durch das zusammengepresste Eis - das Eis war unter dem Druck der Ozeanströmungen, des Winds und der Gezeiten total zusammengepresst. Die NASA beschrieb die Eissituation im letzten Jahr als die schlimmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Und es driftete ständig. Das Packeis driftet immer. Neun von zehn Wochen lief ich auf Ski allein in den Gegenwind. Und meistens driftete ich dabei nach hinten. Mein Rekord waren minus 4 Kilometer. Ich stand morgens auf, baute das Zelt ab, lief siebeneinhalb Stunden auf Ski nach Norden, stellte das Zelt auf, und war vier Kilometer weiter südlich als am Anfang des Tages. Ich konnte mit dem Drift des Packeises nicht mithalten.
(Video): Es ist jetzt Tag 22. Ich liege im Zelt und mache mich bereit loszugehen. Das Wetter ist einfach nur eklig - oh, und ich bin etwa 8 Kilometer zurückgedriftet. in der letzten - in der letzten Nacht. Später auf der Expedition war das Problem nicht mehr das Eis. Vielmehr das Fehlen von Eis - offenes Gewässer. Ich wusste, dass dies der Fall sein würde. Ich wusste, dass die Arktik sich erwärmt. Ich wusste, dass es mehr offenes Gewässer gab. Und ich hatte eine Geheimwaffe mit. Das war mein kleines Stück Bio-Mimikry. Eisbären bewegen sich in schnurgeraden Linien durchs Arktische Meer. Wenn sie Wasser erreichen, klettern sie rein und schwimmen durch. Also hatten wir einen Trockenanzug entwickelt - der war mit einem Team in Norwegen entstanden - der auf einer Art Überlebensanzug basierte - ich vermute mal, so einer wie den Helikopterpiloten tragen - in den ich reinklettern konnte. Der passte um meine Stiefel, die Fäustlinge, um mein Gesicht, und dort würde er ziemlich eng abschließen. Und das bedeutete, dass ich über sehr dünnes Eis skifahren konnte. Und wenn ich reinfiel, war das nicht gleich das Ende der Welt. Es bedeutete auch, dass ich im absoluten Notfall sogar ins Wasser springen und drüberschwimmen konnte und den Schlitten hinter mir herziehen konnte. Das war eine ziemlich radikale Technologie und ein radikaler Ansatz - aber es funktionierte prima.
Eine weitere spannende Sache, die wir letztes Jahr gemacht haben hatte mit Kommunikationstechnologie zu tun. 1912 lief Shackletons "Endurance"-Expedition - es gab in seinem Trupp einen Typen namens Thomas Orde-Lees. Er sagte: "Die Entdecker im Jahr 2012 werden - wenn es noch etwas zu entdecken gibt - ohne Zweifel drahtlose Taschentelefone mit sich bringen, die mit drahtlosen Teleskopen versehen sind." Na ja, Orde-Lees lag ungefähr acht Jahre daneben. Das hier ist mein drahtloses Taschentelefon, ein Iridium-Satellitentelefon. Das drahtlose Teleskop war eine Digitalkamera, die in meiner Tasche steckte. Und jeden einzelnen der 72 Tage, die ich allein auf dem Eis verbrachte, schrieb ich live aus meinem Zelt Blog-Einträge, schickte ein kleines Stück Tagebuch zurück, schickte Informationen über die zurückgelegte Distanz zurück -- die Eisverhältnisse, Temperatur -- und jeden Tag ein Foto. Im Jahr 2001 hatten wir, wie gesagt, weniger als zwei Stunden Funkkontakt mit der Außenwelt. Letztes Jahr schrieb ich Live-Blogeinträge von einer Expedition, die als zehnmal gefährlicher als Everest eingeschätzt worden war. Aber nicht alles war hochtechnologisch. Hier sehen Sie, wie man in einem sogenannten Whiteout vorankommt. Wenn man viel Nebel, niedrige Wolken hat, fängt der Wind an, den Schnee aufzuwirbeln. Man kann eigentlich kaum was sehen. Man kann gerade mal das gelbe Bändchen sehen, das an einen meiner Skistöcke gebunden ist. Ich richtete mich dann nach der Windrichtung. Also war es eine seltsame Kombination aus High-Tech und Low-Tech.
Am 11. Mai kam ich am Pol an. Von Russland aus hatte ich 68 Tage benötigt, und da gibt es einfach gar nichts. (Lachen) Man hat keinen Hinweis auf den Nordpol. Es gibt nichts, es ist einfach nur Eis im Meer. Es driftet. Wenn man eine Flagge reinsteckt und dort lässt, driftet sie ziemlich bald weg, normalerweise Richtung Kanada oder Grönland. Ich hatte das zwar gewusst, aber ich hatte etwas erwartet. Ein seltsames Gemisch an Gefühlen: Es war ungeheuer warm, viel offenes Gewässer um mich herum, und natürlich war ich begeistert, dass ich es allein hierher geschafft hatte, aber ich begann zu erkennen, dass meine Chancen, es den ganzen Weg nach Kanada zu schaffen, was immer noch 600 Kilometer entfernt war, bestenfalls gering waren. Mein einziger Beweis, dass ich hiergewesen war, war ein verwackeltes Foto meines GPS, des kleinen Satelliten-Navigationsgerätes. Sie können hier gerade so sehen, dass eine Neun und eine Reihe Nullen hier steht. Neunzig Grad Nord - das ist punktgenau am Nordpol. Ich habe das fotografiert. Habe mich auf meinen Schlitten gesetzt und so einen Videoeintrag gemacht. Ein paar Fotos gemacht, und mein Satellitentelefon rausgeholt. Die Batterie erwärmte ich in meiner Achselhöhle. Ich rief drei Nummern an. Meine Mutter rief ich an. Meine Freundin. Und den Chef der Firma meines Sponsors. Und dreimal war der Anrufbeantworter dran. (Lachen) (Video): Neunzig. Das ist ein ganz besonderes Gefühl. Der gesamte Planet rotiert unter meinen Füßen. Die -- die ganze Welt ist unter mir. Irgendwann erreichte ich meine Mutter. Sie stand im Supermarkt an der Kasse. Sie weinte. Sie bat mich, sie zurückzurufen. (Lachen)
Eine Woche lang lief ich noch auf Ski. Ich wollte so nah an Kanada ran wie möglich, bevor die Umstände zu gefährlich würden um weiterzumachen. Das hier war der letzte Tag auf dem Eis. Als ich mit den - mit meinem Projektmanagement-Team sprach, sagten die: "Hör mal, Ben, die Umstände sind zu gefährlich. Es gibt riesige Gebiete offenen Wassers direkt südlich von Dir. Wir möchten dich gern abholen. Ben, kannst du bitte nach einer Landebahn Ausschau halten?" Das hier war der Blick aus meinem Zelt, als ich diesen schicksalsschweren Anruf bekam. Ich hatte noch nie versucht, eine Landebahn zu bauen. Tony, der Manager der Expedition, sagte: "Ben, hör zu, du musst nur 500 Meter sicheren, ebenen, dicken Eises finde." Das einzige bisschen Eis, das ich finden konnte - ich brauchte 36 Stunden auf Ski, um eine Landebahn zu finden - war genau 473 Meter. Ich konnte das mit meinen Ski vermessen. Tony habe ich das nicht gesagt. Den Piloten habe ich das nicht gesagt. Ich dachte, das muss einfach reichen. (Video): Oh, oh, oh, oh, oh, oh.
Es hat gerade so funktioniert. Eine ziemlich dramatische Landung - das Flugzeug ist viermal drüber geflogen, und ich war ein bisschen besorgt, dass es gar nicht landen würde. Der Pilot hieß Troy, das wusste ich. Ich hatte irgendwie erwartet, dass jemand namens Troy, der so was beruflich macht, ziemlich hart im Nehmen ist. Als das Flugzeug landete, heulte ich mir die Augen aus. Ein ziemlich emotionaler Moment. Also dachte ich, ich muss mich für Troy zusammenreißen. Ich bin doch der abgebrühte Abenteurer. Das Flugzeug hielt dann dort wo ich stand. Die Tür ging auf. Dieser Typ sprang raus. Er war ungefähr so groß und sagte: "Hey, ich bin Troy." (Lachen) Der Copilot war eine Frau namens Monica. Sie saß da in einem handgestrickten Pullover oder so was. Die beiden sahen überhaupt kein bisschen raubeinig aus, aber es war toll, sie zu sehen. Troy - Troy rauchte eine Zigarette auf dem Eis, wir machten ein paar Fotos. Er -- er kletterte die Leiter rauf. Er sagte: "Kletter einfach hinten rein." Er warf seine Zigarette raus, als er vorn einstieg, und ich kletterte hinten rein. (Lachen) Wir sind dann ein paarmal die Startbahn rauf und runter, nur um sie etwas zu ebnen, und er sagte: "Okay, ich werde -- Ich werde es mal versuchen." Und er -- Ich weiß jetzt, dass das eine Standardmaßnahme ist, aber damals war ich beunruhigt. Er legt die Hand an den Gashebel. Die Steuerung für die Motoren ist ja an der Decke des Cockpits. Es ist die kleine Leiste dort. Da legt er also seine Hand hin. Monica legte ihre Hand ganz locker über seine. Ich dachte mir: "Herrje, dann mal los. Wir... wir... das ist alles oder nichts." Sie stießen den Hebel nach vorn. Wir hüpften die Startbahn runter. Und hoben ab. Es hing nur einer der Ski an einem Pressrücken am Ende der Startbahn fest. Ich konnte ins Cockpit blicken, Troy kämpfte mit der Steuerung und er nahm dann einfach eine Hand, griff nach hinten, legte einen Schalter an der Decke vom Cockpit um, und dann sah man das "Sicherheitsgurt anlegen"-Zeichen da an der Wand. (Lachen) Und nur aus der Luft sah ich das Gesamtbild. Wenn man im Eis ist, sieht man ja immer nur ein Hindernis auf einmal, ob es nun ein Pressrücken ist oder Wasser. Deswegen wurde mir wahrscheinlich auch kein Vorwurf wegen der Länge meiner Startbahn gemacht. Es brach ja gerade wirklich alles auseinander.
Warum? Ich bin kein Erforscher im ursprünglichen Sinne. Ich fahre nicht entlang von existierenden Karten Ski. Jeder weiß, wo der Nordpol ist. Am Südpol gibt es eine große Wissenschaftler-Basis. Es gibt eine Landebahn. Es gibt ein Café und einen Souvenirladen. Mir geht es aber um das Ausloten menschlicher Grenzen, die Grenzen der Physiologie, Psychologie, und der Technologie. Das ist es, was mich fasziniert. Und es geht um Potenzial, auf einer persönlichen Ebene. Das ist - für mich - eine Chance, die Grenzen zu erforschen, die Grenzen meines eigenen Könnens auszuweiten und zu sehen, wie weit sie reichen. Und in größerem Maßstab fasziniert es mich, wie Leute durch das Leben gehen und gerade mal ein klitzekleines Stück ihres Potenzials nutzen, nur drei oder vier oder fünf Prozent dessen tun, wessen sie wirklich fähig sind. Also auf einer größeren Ebene hoffe ich, dass diese Reise eine Gelegenheit war, andere Leute zu inspirieren, darüber nachzudenken, was sie mit ihrem Potenzial tun wollen, und was sie mit dem kleinen bisschen Zeit anfangen wollen, das wir alle auf diesem Planeten haben. Damit habe ich das versucht so gut wie möglich zusammenzufassen.
Die nächste Frage ist - wie erledige ich bei minus 40 Grad mein Geschäft? Die Antwort darauf ist natürlich ein Geschäftsgeheimnis. Und die letzte Frage - "Was nun?" - So schnell wie möglich, wenn ich am Ende eine Minute übrig hab, vertiefe ich das. Was nun? Antarktis. Es ist der kälteste, höchste, windigste und trockenste Kontinent auf der Erde. Ende 1911, Anfang 1912 gab es ein Rennen, wer der Erste am Südpol sein würde: Dem Herzen des antarktischen Kontinents. Wenn man das Schelfeis an der Küste mitberechnet, Sie sehen hier das Ross-Eisschelf - - das große hier - das Ross-Eisschelf hat die Größe Frankreichs. Antarktis, wenn man die Eisschelfe mitrechnet, ist zweimal so groß wie Australien - es ist echt groß. Und es gibt also dieses Rennen zum Südpol zwischen Amundsen, dem Norweger - Amundsen hatte Hundeschlitten und Huskies - und Scott, der Brite, Captain Scott. Scott hatte Traktoren und Ponys oder so was. Und ein paar Hunde, und das lief alles schief, und Scott und sein vierköpfiges Team liefen zu Fuß weiter. Sie kamen im späten Januar 1912 am Pol an, nur um die norwegische Flagge schon dort zu sehen. Es gab ein Zelt, einen Brief an den norwegischen König. Und sie drehten um und wollten wieder zur Küste, und alle fünf starben auf der Rückreise. Seitdem ist niemand auf Ski - das war vor 93 Jahren - seitdem also ist niemand auf Ski von der Küste von Antarktis zu dem Pol und zurück. Jede Expedition zum Südpol, von der Sie gehört haben, wird entweder vom Pol rausgeflogen oder verwendete Fahrzeuge oder Hunde oder Drachen für die Querung. Niemand ist jemals wieder zurückgereist. Das ist also der Plan. Wir sind zwei. Das ist der Plan.
Ein letzter Gedanke bevor ich zu dem Teil mit der Toilette komme, ist - ist, ich habe ein - und ich wollte das eigentlich einscannen und hab's vergessen - aber ich habe ein Schulzeugnis. Ich war 13 Jahre, und es hängt zu Hause eingerahmt über meinem Schreibtisch. Darauf steht: "Ben fehlt ausreichender Antrieb um irgendetwas Erstrebenswertes zu erreichen." (Lachen) (Applaus) Ich glaube, wenn ich irgendetwas gelernt habe, dann dies: Niemand anders ist eine Autorität über das eigene Potenzial. Nur die Person selbst kann entscheiden, wie weit sie geht und was sie kann. Sehr geehrte Damen und Herren, das ist meine Geschichte. Vielen Dank. Vielen herzlichen Dank.
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Der Arktik-Abenteurer Ben Saunders berichtet von seiner schreckenerfüllten Solo-Skiwanderung zum Nordpol, voller unterhaltsamer Anekdoten, atemberaubender Fotos und noch nie zuvor gesehenem Videomaterial.
In 2004, Ben Saunders became the youngest person ever to ski solo to the North Pole. In 2011, he’ll set out on another record-breaking expedition, this time to be the fastest person to walk solo to the North Pole. Full bio »
Translated into German by Judith Matz
Reviewed by Martina Panzer
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For me, [the North Pole] is about exploring human limits, about exploring the limits of physiology, of psychology and of technology. They're the things that excite me.” (Ben Saunders)
12:13 Posted: Apr 2009
Views 426,659 | Comments 91
17:43 Posted: Jun 2007
Views 595,009 | Comments 181
12:15 Posted: Mar 2009
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