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Zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen allen bedanken. Zweitens möchte ich meinen Co-Autoren, lieben Freund und Co-Lehrer vorstellen. Ken und ich arbeiten nun bereits seit fast 40 Jahren zusammen. Das ist Ken Sharpe dort drüben.
Es gibt bei vielen Leuten -- sicherlich bei mir und bei den meisten Leuten, mit denen ich spreche -- eine Art kollektiver Unzufriedenheit darüber, wie Dinge laufen, wie unsere Institutionen arbeiten. Unsere Kinder scheinen von den Lehrern im Stich gelassen zu werden. Unsere Ärzte wissen nicht, wer zur Hölle wir sind und sie haben nicht genug Zeit für uns. Wir können sicher nicht den Bankern vertrauen und wir können sicher nicht den Brokern vertrauen. Sie haben beinahe das gesamte Finanzsystem zum Einsturz gebracht. Und sogar wenn wir unsere eigene Arbeit tun, allzu oft, ertappen wir uns dabei, entscheiden zu müssen, das zu tun, was wir für richtig halten und das zu tun, was erwartet wird oder was gefordert wird oder was wirtschaftlich ist. Überall, wo wir also hinsehen, so ziemlich durch die Bank, beunruhigt es uns, dass den Leuten, auf die wir angewiesen sind, nicht wirklich unsere Belange am Herzen liegen. Oder wenn ihnen unsere Belange am Herzen liegen, beunruhigt es uns, dass sie uns nicht gut genug kennen, um zu verstehen, was sie tun müssen, um uns zu ermöglichen, diese Belange abzusichern. Sie verstehen uns nicht. Sie haben nicht die Zeit, uns kennenzulernen.
Es gibt zwei Arten von Antworten, die wir auf diese Art allgemeiner Unzufriedenheit haben. Wenn Dinge nicht richtig laufen, ist die erste Antwort: Lasst uns mehr Regeln aufstellen. Lasst uns eine Reihe detaillierter Abläufe festlegen, um sicherzustellen, dass die Leute das Richtige tun werden. Gebt den Lehrern Skripte, die sie in den Klassen befolgen. Auch wenn sie also nicht wissen, was sie tun und sich nicht um das Wohl unserer Kinder bemühen -- solange sie die Skripte befolgen, werden unsere Kinder ausgebildet. Gebt den Richtern eine Liste verbindlicher Strafen, die sie für Verbrechen verhängen können, so dass man sich nicht darauf verlassen muss, dass die Richter nach eigenem Ermessen handeln. Stattdessen müssen sie lediglich in der Liste nachsehen, welche Art von Strafe zu welcher Art von Verbrechen passt. Setzt Grenzen für die Zinsen, die Kreditkarten-Unternehmen berechnen können sowie für die Gebühren, die sie nehmen können. Mehr und mehr Regeln, um uns vor einer gleichgültigen, gefühllosen Reihe an Institutionen zu schützen, mit denen wir zu tun haben.
Oder -- oder vielleicht und -- zusätzlich zu den Regeln schauen wir uns an, ob wir mit ein paar wirklich raffinierten Anreizen aufwarten können. Auch wenn die Leute, mit denen wir zu tun haben, nicht in unserem Interesse handeln wollen, ist es somit in ihrem Interesse, in unserem Interesse zu handeln -- die magischen Anreize, welche die Leute dazu bringen werden, das Richtige zu tun, wenn auch aus reinem Eigennutz. Wir bieten Lehrern also Prämien an, wenn die Kinder, die sie unterrichten, diese großen Prüfungen bestehen, die verwendet werden, um die Qualität unserer Schulsysteme zu beurteilen.
Regeln und Anreize -- Zuckerbrot und Peitsche. Wir haben eine Reihe von Vorschriften verabschiedet, um die Finanzbranche als Reaktion auf den jüngsten Zusammenbruch zu regulieren. Es gibt den Dodd-Frank Act. Es gibt die neue Behörde zum Verbraucherschutz in Finanzangelegenheiten, die vorübergehend durch die Hintertür von Elizabeth Warren geleitet wird. Vielleicht werden diese Regeln tatsächlich die Art und Weise verbessern, wie sich diese Finanzdienstleister verhalten. Wir werden sehen. Außerdem ringen wir darum, einen Weg zur Schaffung von Anreizen für die Leute in der Finanzdienstleistungsbranche zu finden, der sie dazu bewegt, sich mehr für längerfristige Vorteile einzusetzen -- auch für ihre eigenen Unternehmen -- als die Generierung kurzfristiger Gewinne. Wenn wir also nur die richtigen Anreize finden, werden sie das Richtige tun -- wie gesagt, aus Eigennutz. Und wenn wir uns die richtigen Regeln und Vorschriften einfallen lassen, werden sie uns nicht ins Verderben stürzen. Und Ken und ich wissen zweifellos, dass man die Banker im Zaum halten muss. Wenn es eine Lektion gibt, die wir aus dem finanziellen Zusammenbruch lernen sollten, dann diese.
Was wir jedoch glauben und was wir im Buch erörtern, ist, dass es kein Regelwerk gibt, egal wie detailliert, egal wie präzise, egal wie sorgfältig überwacht und durchgesetzt. Es gibt kein Regelwerk, das uns bringen wird, was wir brauchen. Warum? Weil Banker kluge Leute sind. Und wie auch Wasser werden sie in jedem Regelwerk Lücken finden. Man entwickelt ein Regelwerk, welches sicherstellt, dass der spezifische Grund warum das Finanzsystem beinahe zusammengestürzt ist nicht noch einmal vorliegen kann. Es ist unbeschreiblich blauäugig zu denken, dass man mit der Verhinderung dieser Quelle des finanziellen Zusammenbruchs alle denkbaren Quellen eines finanziellen Zusammenbruchs verhindert hat. Es ist also nur eine Frage, wann der nächste kommt, um uns dann zu wundern, wie dumm wir sein konnten, uns dagegen nicht zu schützen.
Was wir dringend neben besseren Regeln und halbwegs intelligenten Anreizen benötigen ist Tugendhaftigkeit. Wir brauchen Persönlichkeit, wir brauchen Leute, die das Richtige tun wollen. Und vor allen Dingen benötigen wir die Tugend, die Aristoteles Klugheit genannt hat. Klugheit ist der moralische Wille das Richtige zu tun und die moralische Fähigkeit zu verstehen, was das Richtige ist. Aristoteles war also sehr interessiert daran zu beobachten, wie die Handwerker um ihn herum arbeiteten. Und er war beeindruckt, wie sie neue Lösungen zu neuen Problemen improvisierten -- Probleme, die sie nicht erwartet hätten. Zum Beispiel sieht er diese Steinmetze, die auf der Insel Lesbos arbeiten, und sie müssen runde Säulen ausmessen. Nun ja, wenn Sie darüber nachdenken, ist es wirklich schwierig runde Säulen mit einem Lineal auszumessen. Was machen sie also? Sie gestalten eine neue Lösung für das Problem. Sie haben ein Lineal erstellt, das sich biegen lässt, was wir heutzutage Maßband nennen würden -- eine flexible Vorschrift, eine Vorschrift, die sich umgehen lässt. Und Aristoteles sagte: "Ha! Sie haben eingesehen, dass man manchmal zur Gestaltung runder Säulen die Vorschrift umgehen muss." Und Aristoteles sagte oftmals, wenn er mit anderen Leuten zu tun hatte: "Wir müssen die Vorschriften umgehen."
Der Umgang mit anderen Leuten verlangt eine Art Flexibilität, die kein Regelwerk umfassen kann. Kluge Leute wissen, wann und wie man Vorschriften umgehen muss. Kluge Leute wissen, wie man improvisiert. Wie mein Co-Autor Ken und ich zu sagen pflegen, sind sie wie Jazz-Musiker. Die Regeln sind wie die Noten auf dem Blatt und damit kann man loslegen. Dann aber tanzt man um die Noten auf dem Blatt herum, denkt sich die gerade richtige Kombination für diesen besonderen Moment mit der speziellen Auswahl an Mitspielern aus. Für Aristoteles also ist die Art der Regelumgehung, des Findens von Ausnahmen für Regeln und der Improvisation, die man bei erfahrenen Handwerkern vorfindet, genau das, was man benötigt, um ein erfahrener, moralischer Handwerker zu sein. Und im Zusammenspiel mit Leuten ist es fast immer diese Art von Flexibilität, die benötigt wird. Ein kluger Mensch weiß, wann man die Vorschriften umgeht. Ein kluger Mensch weiß, wann man improvisiert. Und am wichtigsten ist, dass ein kluger Mensch diese Improvisation und Regelumgehung im Dienst der richtigen Ziele anwendet. Wenn man ein Regelumgeher und Improvisierer hauptsächlich für seine eigenen Zwecke ist, wird dies zu rücksichtsloser Manipulation anderer Leute führen. Es kommt also darauf an, dass man diese kluge Praxis im Dienste anderer und nicht für sich selbst anwendet. Der Wille also, das Richtige zu tun, ist genauso wichtig wie die moralische Fähigkeit der Improvisierung und des Findens von Ausnahmen. Zusammen umfassen sie die Klugheit, von der Aristoteles dachte, dass sie die wichtigste Tugend sei.
Ich möchte Ihnen nun ein Beispiel von Klugheit aus der Praxis geben. Es handelt sich um den Fall von Michael. Michael ist ein junger Kerl. Er hatte eine sehr schlecht bezahlte Arbeitsstelle. Er versorgte seine Frau und ein Kind und das Kind ging zur Konfessionsschule. Dann verlor er seine Arbeit. Er geriet in Panik, seine Familie nicht mehr versorgen zu können. Eines Nachts trank er etwas zu viel und raubte einen Taxifahrer aus -- er stahl 50 Dollar. Er überfiel ihn mit vorgehaltener Pistole. Es war eine Spielzeugpistole. Er wurde geschnappt, er wurde vor Gericht gestellt, er wurde verurteilt. Die Strafrichtlinien aus Pennsylvania verlangten eine Mindeststrafe für ein Verbrechen wie dieses von zwei Jahren -- 24 Monaten. Die Richterin in diesem Fall, Richterin Lois Forer, dachte, dass dies keinen Sinn ergebe. Er hatte niemals zuvor ein Verbrechen begangen. Er war ein verantwortungsvoller Ehemann und Vater. Er war mit hoffnungslosen Umständen konfrontiert. All dies würde lediglich eine Familie ins Unglück stürzen. Also improvisierte sie eine Strafe -- 11 Monate. Und nicht nur das, sondern auch einen täglichen Freigang, um zur Arbeit zu gehen. Verbringe die Nacht im Gefängnis, nutze den Tag, um einer Arbeit nachzugehen. Er tat es. Er saß seine Strafe ab. Er leistete Rückerstattung und fand eine neue Arbeitsstelle für sich. Und die Familie war vereint.
Und er schien auf dem Weg in ein sozusagen anständiges Leben zu sein -- ein glücklicher Ausgang einer Geschichte über die kluge Improvisation einer klugen Richterin. Aber es stellte sich heraus, dass der Staatsanwalt nicht glücklich damit war, dass Richterin Forer die Strafrichtlinien ignorierte und sozusagen ihre eigenen erfand. Er ging also in Berufung. Und er forderte die vorgeschriebene Mindeststrafe für bewaffneten Raub ein. Er hatte letzten Endes nur eine Spielzeugpistole. Die vorgeschriebene Mindeststrafe für bewaffneten Raub ist fünf Jahre. Er gewann die Berufung. Michael wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Richterin Forer musste dem Gesetz folgen. Und übrigens wurde der Berufung stattgegeben, nachdem er seine Strafe abgesessen hatte. Er war also draußen, arbeitete, kümmerte sich um seine Familie und musste dann zurück ins Gefängnis. Richterin Forer tat was sie tun musste und anschließend räumte sie ihren Stuhl. Und Michael verschwand. Das ist also ein Beispiel von Klugheit in der Praxis und der Zerstörung der Klugheit durch Regeln, die natürlich dazu gedacht sind, um Dinge besser zu machen.
Betrachten Sie nun Frau Dewey. Frau Dewey ist eine Lehrerin in einer texanischen Grundschule. Eines Tages hörte sie einem Berater zu, der den Lehrern zu helfen versuchte, die Prüfungsergebnisse der Kinder nach oben zu treiben, so dass die Schule die Elite-Kategorie durch den Anteil an Kindern, die die großen Prüfungen bestehen, erreichen würde. All diese Schulen in Texas stehen miteinander im Wettbewerb, diese Meilensteine zu erreichen, und es gibt Prämien und verschiedene andere Leckerbissen, die man erhält, wenn man die anderen Schulen schlägt. Hier ist also der Rat des Beraters: Erstens: Verschwendet eure Zeit nicht mit Kindern, die die Prüfung bestehen werden, egal was ihr tut. Zweitens: Verschwendet eure Zeit nicht mit Kindern, die die Prüfung nicht bestehen können, egal was ihr tut. Drittens: Verschwendet eure Zeit nicht mit Kindern, die zu spät in den Stadtteil gezogen sind, so dass ihre Ergebnisse nicht zählen. Konzentriert all eure Zeit und Aufmerksamkeit auf die Kinder, die auf der Kippe stehen, die so genannten Kippen-Kinder -- Kinder, bei denen euer Eingreifen sie vielleicht gerade davor bewahren kann, nicht zu bestehen. Frau Dewey hörte dies und schüttelte verzweifelt ihren Kopf, wohingegen ihre Lehrer-Kollegen sich sozusagen gegenseitig zujubelten und zustimmend nickten. Es war so als wären Sie im Begriff zum Fußballspielen zu gehen. Für Frau Dewey war das nicht der Grund, warum sie Lehrerin wurde.
Nun sind Ken und ich nicht naiv und wir verstehen, dass man Regeln haben muss. Man braucht Anreize. Die Leute müssen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Aber das Problem, sich auf Regeln und Anreize zu verlassen, liegt darin, dass sie die berufliche Tätigkeit demoralisieren. Und sie demoralisieren die berufliche Tätigkeit in zweierlei Hinsicht. Erstens demoralisieren sie die Leute, die der Tätigkeit nachkommen. Richterin Forer gibt ihre Arbeit auf und Frau Dewey ist völlig niedergeschlagen. Und zweitens demoralisieren sie die Tätigkeit selbst. Eben jene Tätigkeit wird demoralisiert und die Ausübenden werden demoralisiert. Dies schafft Leute -- wenn man Anreize manipuliert, um Leute dazu zu bewegen, das Richtige zu tun -- dies schafft Leute, die abhängig von Anreizen sind. Das heißt, dass dies Leute schafft, die Dinge nur für Anreize tun.
Das Bemerkenswerte dabei ist, dass Psychologen dies bereits seit 30 Jahren wissen. Psychologen wissen von den negativen Folgen, für alles Anreize zu schaffen seit 30 Jahren. Wir wissen, dass wenn man Kinder für das Malen von Bildern belohnt, sie aufhören, das Bild wichtig zu nehmen und sich nur noch für die Belohnung interessieren. Wenn man Kinder für das Lesen von Büchern belohnt, machen sie sich nichts mehr aus dem Inhalt der Bücher und interessieren sich dafür, wie lang sie sind. Wenn man Lehrer anhand der Prüfungsergebnisse der Kinder belohnt, hören sie auf, die Ausbildung wichtig zu nehmen und interessieren sich nur noch für die Prüfungsvorbereitung. Würde man die Ärzte dafür belohnen, mehr Behandlungsmethoden durchzuführen -- was dem aktuellen System entspricht -- würden sie mehr tun. Wenn man stattdessen die Ärzte dafür belohnen würde, weniger Behandlungsmethoden anzuwenden, werden sie weniger tun. Was wir natürlich möchten, sind Ärzte, die genau die richtige Anzahl an Behandlungsmethoden anwenden und die richtige Anzahl aus dem richtigen Grund durchführen -- und zwar zum Wohlergehen ihrer Patienten. Psychologen wissen dies bereits seit Jahrzehnten und es ist an der Zeit für Entscheidungsträger anzufangen, dem Beachtung zu schenken und den Psychologen zuzuhören anstelle von den Wirtschaftlern.
Und es muss nicht so sein. Ken und ich glauben, dass es echte Quellen der Hoffnung gibt. Wir erkennen eine Reihe von Leuten in all diesen Handlungen, die wir als kluge Gesetzlose bezeichnen. Dies sind Leute, die gezwungen sind, in einem System zu agieren, das Regelbefolgung verlangt und Anreize schafft, und sie finden einen Weg um die Regeln herum, sie finden einen Weg, die Regeln zu untergraben. Es gibt also Lehrer, die sich an diese Skripten halten müssen und sie wissen, dass die Kinder bei Befolgung der Skripte nichts lernen werden. Was sie also tun, ist, dass sie die Skripte befolgen, sie befolgen die Skripte allerdings in doppeltem Tempo und schaffen ein wenig zusätzliche Zeit beiseite, in der sie auf die Art und Weise unterrichten, von der sie wissen, dass sie effektiv ist. Dies sind kleine, alltägliche Helden und sie sind unglaublich bewundernswert. Es gibt jedoch keine Möglichkeit, dass sie diese Tätigkeit angesichts eines Systems aufrecht erhalten können, das sie entweder entwurzelt oder unterdrückt.
Kluge Gesetzlose sind also besser als nichts, aber es ist schwer vorstellbar, dass irgendein kluger Gesetzloser dies für unbegrenzte Zeit aufrecht erhalten kann. Hoffnungsvoller sind Leute, die wir Systemänderer nennen. Dies sind Leute, die die Regeln und Vorschriften des Systems nicht umgehen möchten, sondern das System ändern möchten und wir sprechen dabei von mehreren Leuten. Eine Person im Besonderen ist ein Richter namens Robert Russell. Eines Tages wurde er mit dem Fall von Gary Pettengill konfrontiert. Pettengill war ein 23 Jahre alter Veteran, der zuvor bei der Armee Karriere machen wollte. Dann aber hat er sich einen ernsten Wirbelsäulenschaden im Irak zugezogen und das zwang ihn zu einer Ausmusterung aus medizinischen Gründen. Er war verheiratet, sein drittes Kind war auf dem Weg, er litt neben seinen Rückenproblemen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und wiederkehrenden Albträumen und er hatte angefangen, Marihuana zu nehmen, um einige der Symptome zu lindern. Er war aufgrund seines Rückens nur in der Lage, einer Teilzeitarbeit nachzugehen, und somit war er außerstande, genug zu verdienen, um Essen auf den Tisch zu bringen und sich um seine Familie zu kümmern. Also fing er an, Marihuana zu verkaufen. In einer Drogenfahndung ist er aufgeflogen. Seine Familie wurde aus ihrer Wohnung geworfen und das Sozialsystem drohte damit, die Kinder wegzunehmen.
Nach den üblichen Strafrichtlinien hätte Richter Russell keine Wahl gehabt, Pettengill zu einer erheblichen Gefängnisstrafe als Drogen-Straftäter zu verurteilen. Aber Richter Russell hatte eine Alternative. Und das liegt daran, dass er in einem Sondergericht war. Er war in einem Gericht, das Veteranen-Gericht genannt wird. Im Veteranen-Gericht -- dies war das erste seiner Art in den Vereinigten Staaten. Richter Russell hatte das Veteranen-Gericht geschaffen. Es war ein Gericht nur für Veteranen, die das Gesetz gebrochen hatten. Und er hatte es genau deswegen geschaffen, da verbindliche Strafgesetze kein Ermessen bei der Beurteilung zulassen würden. Niemand wollte nicht-gewalttätige Straftäter -- und insbesondere nicht-gewalttätige Straftäter, die obendrein noch Veteranen waren -- ins Gefängnis stecken. Sie wollten etwas ändern, von dem wir alle wissen, und zwar die Drehtür des Strafrechtssystems. Und was das Veteranen-Gericht tat, war, dass es jeden Verbrecher als ein Individuum behandelte, versuchte von deren Problemen zu erfahren, versuchte Maßnahmen auf deren Verbrechen zu gestalten, die ihnen halfen, sich selbst wieder einzugliedern, und vergaß sie nicht, nachdem das Urteil gesprochen wurde. Man blieb bei ihnen, fasste nach, stellte sicher, dass sie an was auch immer für einer Maßnahme festhielten, die gemeinsam erarbeitet worden war, um sie über den Berg zu bekommen.
Es gibt inzwischen 22 Städte, die ein Veteranen-Gericht wie dieses haben. Warum hat sich diese Idee verbreitet? Nun ja, ein Grund ist, dass Richter Russell inzwischen 108 Veteranen in seinem Veteranen-Gericht gesehen hat -- seit Februar dieses Jahres. Und wie viele von diesen 108 glauben Sie sind zurück durch die Drehtür der Gerechtigkeit ins Gefängnis gegangen? Niemand. Kein einziger. Jeder würde sich an ein Strafrechtssystem klammern, das diese Art von Höchstleistung aufweisen kann. Hier ist also ein Systemänderer und es scheint übertragbar zu sein.
Es gibt einen Banker, der eine gewinnorientierte Gemeinschaftsbank ins Leben rief, die Banker dazu ermutigte -- ich weiß, dass dies schwer zu glauben ist -- die Banker, die dort arbeiteten, dazu ermutigte, ihre Sache gut zu machen, indem sie ihren einkommensschwachen Kunden gute Dienste leisteten. Die Bank half dabei, den Wiederaufbau dessen zu finanzieren, was ansonsten eine aussterbende Gemeinschaft gewesen wäre. Obwohl ihre Darlehensnehmer nach gewöhnlichen Standards sehr risikoreich waren, war die Ausfallquote extrem gering. Die Bank war profitabel. Die Banker blieben bei ihren Darlehensnehmern. Sie haben keine Kredite ausgestellt und sie dann verkauft. Sie haben die Kredite gepflegt. Sie haben sichergestellt, dass ihre Kreditnehmer mit ihren Zahlungen am Ball bleiben. Das Bankwesen war nicht immer so, wie wir davon heutzutage in den Zeitungen lesen. Sogar Goldman Sachs stand einmal im Dienst seiner Kunden, bevor es zu einer Einrichtung wurde, die nur sich selbst dient. Das Bankwesen war nicht immer so und es muss auch nicht so sein.
Es gibt Beispiele wie dieses in der Medizin -- Ärzte in Harvard, die versuchen, die medizinische Ausbildung zu ändern, so dass es keine Art von ethischem Verschleiß und Verlust an Einfühlungsvermögen gibt, welche die meisten Medizinstudenten während ihrer medizinischen Laufbahn auszeichnen. Und sie machen es so, indem sie Medizinstudenten im dritten Jahr Patienten zuteilen, die sie ein gesamtes Jahr lang begleiten. Somit sind die Patienten keine Organsysteme und auch keine Krankheiten; sie sind Menschen, Menschen mit Leben. Und um ein effektiver Arzt zu sein, muss man Menschen behandeln, die ein Leben haben und nicht nur Krankheiten. Zusätzlich dazu gibt es eine gewaltige Menge an hin und her -- ein Student wird von einem anderen beraten, alle Studenten werden von den Ärzten beraten, und das Ergebnis -- so hoffen wir -- ist eine Generation von Ärzten, die für die Menschen Zeit haben, die sie behandeln. Wir werden sehen.
Es gibt also eine Menge Beispiele wie dieses, über das wir gesprochen haben. Jedes von ihnen zeigt, dass es möglich ist, auf dem Charakter aufzubauen und ihn zu fördern und einen Beruf getreu seiner eigentlichen Berufung zu wahren -- was Aristoteles den eigentlichen Zweck (Telos) nannte. Und Ken und ich glauben, dass es dies ist, was Ausübende tatsächlich wollen. Die Menschen möchten tugendhaft sein dürfen. Sie möchten die Erlaubnis haben, das Richtige zu tun. Sie möchten sich nicht so fühlen, als müssten sie sich duschen, um den moralischen Schmutz von ihren Körpern zu waschen, wenn sie täglich von der Arbeit nach Hause kommen.
Aristoteles glaubte, dass Klugheit der Schlüssel zum Glück sei und er hatte recht. Heute gibt es viele Untersuchungen in der Psychologie darüber, was die Menschen glücklich macht und die zwei Dinge, die von zu Studie zu Studie herausstechen, -- ich weiß, dass dies ein Schock für Sie alle sein wird -- die zwei Dinge, die am wichtigsten für Ihr Glück sind, sind Liebe und Arbeit. Liebe: Erfolgreich die Beziehungen pflegen mit den Menschen, die einem nahe sind, und mit den Gemeinden, von denen man ein Teil ist. Arbeit: Sich mit Tätigkeiten beschäftigen, die bedeutsam und befriedigend sind. Wenn man das hat, gute, enge Beziehungen mit anderen Menschen, Arbeit, die bedeutsam und erfüllend ist, braucht man nicht viel mehr.
Nun ja, um gut zu lieben und zu arbeiten benötigt man Klugheit. Regeln und Anreize sagen dir nicht, wie man ein guter Freund ist, wie man ein guter Elternteil ist, wie man ein guter Ehepartner ist, oder wie man ein guter Arzt oder ein guter Anwalt oder ein guter Lehrer ist. Regeln und Anreize sind kein Ersatz für Klugheit. In der Tat behaupten wir, dass es keinen Ersatz für Klugheit gibt. Klugheit verlangt also keine Heldentaten der Selbstaufopferung von den Ausübenden. Indem es uns den Willen und die Fähigkeit verleiht, das Richtige zu tun, gibt uns die Klugheit auch den Willen und die Fähigkeit, das Richtige von uns selbst aus zu tun.
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In einem persönlichen Vortrag taucht Barry Schwartz in die Frage ein "Wie tun wir das Richtige?". Mit der Hilfe seines Mitarbeiters Kenneth Sharpe erzählt er Geschichten, die den Unterschied zwischen der Befolgung von Regeln und dem wahrlich klugen Entscheiden veranschaulichen.
Barry Schwartz studies the link between economics and psychology, offering startling insights into modern life. Lately, working with Ken Sharpe, he's studying wisdom. Full bio »
Translated into German by Sven Henckel
Reviewed by Valentina Wellbrock
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20:45 Posted: Feb 2009
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