18 Minuten sind ein brutales Zeitlimit, also werde ich direkt starten sobald die Technik mitspielt. Jetzt geht's los. Ich werde über fünf verschiedene Dinge sprechen. Ich werde erklären, warum es erstrebenswert ist, das Älterwerden zu verhindern. Ich werde darüber sprechen, warum wir uns anstrengen müssen und wirklich mehr darüber sprechen müssen, als wir es tun. Ich werde natürlich auch über Machbarkeit sprechen. Ich werde darüber sprechen, warum wir so schicksalsergeben sind, wenn es darum geht, etwas gegen das Älterwerden zu tun. Und dann werde ich etwa die zweite Hälfte des Vortrags erzählen, wie es uns tatsächlich möglich sein könnte zu beweisen, dass diese Schicksalsergebenheit falsch ist und zwar indem wir tatsächlich etwas dagegen tun.
Das werde ich in zwei Schritten tun. Zuerst wie wir von einer relativ mäßigen Lebensverlängerung -- sagen wir von 30 Jahren, angewandt auf Menschen die bereits in mittlerem Alter sind, wenn man anfängt -- bis hin zu einem Punkt, den man wirklich den Sieg über das Älterwerden nennen kann. Nämlich, im Wesentlichen eine Eliminierung des Zusammenhangs zwischen dem Alter und der Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr zu sterben -- oder überhaupt krank zu werden. Und zum Schluss werde ich darüber reden wie man den Zwischenschritt erreichen kann, diesen Punkt von vielleicht 30 Jahren Lebensverlängerung
Ich werde mit dem "Warum?" beginnen. Jetzt will ich Ihnen eine Frage stellen. Hände hoch: Findet irgendwer im Publikum Malaria gut? Das war einfach. OK. OK. Hände hoch, wer im Publikum ist sich nicht sicher, ob Malaria etwas Gutes oder Schlechtes ist? OK. Wir finden also alle, dass Malaria etwas Schlechtes ist. Das ist gut. Ich dachte mir schon, dass das die Antwort sein würde. Ich glaube nämlich, dass der Hauptgrund warum wir Malaria für etwas Schlechtes halten ist die Eigenart von Malaria, die sie mit dem Älterwerden gemein hat. Und hier ist diese Eigenschaft: Sie tötet Menschen! Der einzige echte Unterschied ist, dass Älterwerden wesentlich mehr Leute tötet als Malaria.
Vor einem Publikum, besonders in England, ziehe ich gerne den Vergleich mit der Fuchsjagd, die nach viel hin und her vor erst wenigen Monaten von der Regierung verboten wurde. Ich weiß, dass ich hier ein verständnisvolles Publikum vor mir habe, dennoch sind, glaube ich, viele Leute von dieser Logik nicht völlig überzeugt. Und das ist eigentlich ein recht guter Vergleich, scheint mir. Viele Leute sagten, "Naja, wissen sie, Städter haben uns ländlichen Typen nicht zu sagen, was wir mit unserer Zeit anfangen sollen. Es ist ein traditioneller Teil der Lebensart, und wir sollten damit weitermachen dürfen. Es ist ökologisch vernünftig; es stoppt die Bevölkerungsexplosion der Füchse." Aber letztendlich setzte sich die Regierung durch, weil die Mehrheit der britischen Öffentlichkeit, und sicherlich die Mehrheit der Parlamentarier, zu dem Schluß kamen, dass es wirklich etwas war, das in einer zivilisierten Gesellschaft nicht toleriert werden sollte.
Und ich glaube, dass das menschliche Älterwerden genau die gleichen Eigenschaften hat. Was genau ist hier so schwer zu verstehen? Es geht natürlich nicht nur um das Leben -- (Gelächter) es geht um gesundes Leben, wissen sie -- Gebrechen, Elend und Abhängigkeit machen keinen Spaß, unabhängig davon ob Sterben ein Spaß wäre. Ich würde es so beschreiben. Es ist eine globale Trance. Das sind unglaubliche Ausreden, die Menschen für das Älterwerden haben. Ich behaupte ja nicht dass diese Ausreden völlig wertlos wären. Es gibt einige wichtige Aspekte. Dinge, über die wir bei unseren Vorbereitungen nachdenken müssen, so dass nichts ... also, dass wir die Unruhe minimieren, wenn wir tatsächlich einen Weg finden das Altern zu heilen.
Aber sie sind völlig verrückt, wenn man sich die Verhältnismäßigkeit anschaut. Wissen Sie, es wäre legitim über diese Apekte, diese Dinge beunruhigt zu sein. Die Frage ist aber, sind sie so gefährlich -- die Risiken, etwas gegen das Älterwerden zu unternehmen -- dass sie die Nachteile aufwiegen, die entstehen, wenn wir das Gegenteil tun, nämlich das Älterwerden so belassen wie es ist? Sind sie so hoch, dass sie den unnötigen, frühen Tod von 100.000 Menschen täglich aufwiegen? Wenn Sie kein entsprechend starken Einwand haben, dann verschwenden Sie bitte nicht meine Zeit. (Gelächter)
Es gibt einen Einwand, den einige für ausreichend wichtig halten. Das ist folgender: Die Leute befürchten eine Überbevölkerung. Sie sagen: "Nun, wenn wir das Älterwerden aufhalten, wird ja keiner sterben, oder zumindest werden wesentlich weniger sterben, nur noch die, die beim Überqueren der St. Giles unvorsichtig waren. Und daher werden wir nicht mehr viele Kinder haben können, und Kinder sind für die meisten Leute wirklich wichtig." Und das stimmt. Wissen Sie, es wird viel Unsinn geredet bei dieser Frage, so wie mit einer solchen Antwort. Ich stimme diesen Antworten nicht zu. Ich glaube sie sind im Grunde nicht richtig. Ich glaube es stimmt, es gibt hier ein Dilemma. Wir werden uns entscheiden müssen ob wir eine niedere Geburtenrate oder eine hohe Sterberate haben wollen. Eine hohe Sterberate werden wir einfach dadurch erreichen können, dass wir die Therapien nicht annehmen um weiterhin viele Kinder haben zu können.
Und ich glaube das ist gut -- die zukünftige Menschheit darf eine solche Entscheidung treffen. Nicht gut ist es, wenn wir diese Entscheidung im Namen der Zukunft treffen. Wenn wir uns nicht sicher sind und zögern und die Therapien nicht entwickeln dann verdammen wir eine Schar Menschen -- die jung und gesund genug gewesen wären um von den Therapien zu profitieren, es aber nicht tun, weil wir sie nicht so schnell entwickelt haben wie wir hätten können -- wir verweigern diesen Menschen eine unbegrenzte Lebenserwartung, und das halte ich für unmoralisch. Das ist meine Antwort auf die Frage nach der Überbevölkerung.
Die nächste Frage ist warum sollten wir hier an Aktvität zulegen? Die grundlegende Anwort darauf ist, dass die pro-Alterungs Trance gar nicht so dumm ist wie es scheint. Es ist schwierig mit der Unvermeidbarkeit des Älterwerdens zurechtzukommen. Älterwerden ist grausam, aber es ist unvermeidbar, also versuchen wir es aus unserer Gedanken zu verdrängen, und es ist verständlich, dass wir alles tun um das zu tun. Wie, zum Beispiel, alle möglichen lächerlichen Gründe erfinden warum Älterwerden letzten Endes doch etwas Positives ist. Das allerdings funktioniert nur, wenn beide Eigenschaften zu treffen. Sobald die Unvermeidbarkeit nicht mehr ganz so sicher ist -- und wir eventuell etwas gegen das Älterwerden tun können -- haben wir ein Problem. Die pro-Alterungs Trance ist dafür verantwortlich, dass uns diese Dinge heute nicht mehr bewegen. Und deshalb müssen wir mehr darüber reden -- ich gehe sogar soweit zu sagen, wir müssen viel missionieren -- um die Aufmerksamkeit der Leute zu erregen und ihnen klar zu machen, dass sie sich bei diesem Thema in Trance befinden. Das ist alles was ich darüber sagen werde.
Nun zum Thema Machbarkeit. Und den eigentliche Grund, warum wir Älterwerden für unvermeidbar halten fasst meine Definition von Älterwerden gut zusammen. Die Definition ist sehr einfach. Älterwerden ist überhaupt erst eine Nebenwirkung des Lebendigseins, also dem Stoffwechsel. Das ist keine Binsenweisheit; es ist eine vernünftige Aussage. Älterwerden ist etwas, dass leblosen Objekten wie Autos widerfährt, und uns passiert das auch, und das obwohl wir viele clevere Reparaturmechanismen haben, aber diese sind eben nicht perfekt.
Das heißt also, der Stoffwechsel, der uns tagtäglich überleben lässt, hat Nebenwirkungen. Diese Nebeneffekte akkumulieren und verursachen irgendwann Krankheiten. Das ist eine ausgezeichnete Definition. Sagen wir mal so: Es gibt eine Verkettung von Ereignissen. Und es gibt zwei Betrachtungsweisen wie nach Meinung der meisten Älterwerden verzögert werden kann. Die eine nenne ich den gerontologischen, die andere geriatrischen Ansatz. Der geriatrische interventiert später, wenn Krankheiten relevant werden, und er versucht den Zahn der Zeit aufzuhalten, und zu verhindern, dass die Akkumulation der Nebenwirkungen zu früh zu Krankheiten führt. Natürlich ist das eine kurzfristige Strategie, die zum Scheitern verurteilt ist, da die Ursachen der Krankheiten mit der Zeit zunehmen.
Der gerontologische Ansatz sieht erst einmal vielversprechender aus, weil Vorsorge besser ist als Nachsorge. Nur leider verstehen wir den Stoffwechsel nicht gut genug. Tatsächlich verstehen wir die Funktion der Organismen erbärmlich schlecht -- selbst bei Zellen sind wir noch nicht wirklich gut. Wir haben zum Beispiel Dinge wie die Bedeutung der RNA erst vor ein paar Jahren entdeckt, und die ist wirklich wesentlich für die Funktion der Zellen. Gerontologie ist ein ausgezeichneter Ansatz, aber keiner, der heute schon soweit ist, dass wir dort eingreifen könnten. Wenn das so ist, was heißt das für uns? Es klingt logisch, sehr überzeugend, in Stein gemeiselt.
Ist es aber nicht. Bevor ich erkläre warum, werde ich etwas dazu sagen, was ich den zweiten Schritt nenne. Nehmen wir an, wir schaffen es -- rein theoretisch -- 30 zusätzliche, gesunde Lebensjahre Menschen mittleren Alters, sagen wir mit 55, zu ermöglichen. Ich nenne das robuste menschliche Verjüngung. Was würde das für die Lebenserwartung von Menschen unterschiedlichen Alters heute -- oder genauso für deren Alter zum Zeitpunkt, wenn entsprechende Therapien verfügbar sind -- bedeuten? Sie denken vielleicht die Antwort auf diese Frage ist einfach, ist sie aber nicht. Es reicht nicht zu sagen "wenn sie jung genug sind um von den Therapien zu profitieren, dann werden sie 30 Jahre länger leben." Das ist die falsche Antwort. Sie ist falsch, weil wir Fortschritte machen.
Es gibt zwei Arten technologischen Fortschritts für dieses Thema. Es gibt grundlegende, große Durchbrüche und es gibt schrittweise Verbesserungen dieser Durchbrüche. Das macht einen großen Unterschied für die Vorhersage von Zeiträumen. Grundlegende Durchbrüche: sehr schwer vorherzusagen, wie lange es dauert grundlegende Durchbrüche zu erreichen. Der Wunsch zu fliegen ist schon sehr alt, aber es dauerte bis 1903 bis wir herausgefunden hatten, wie es geht. Aber danach ging die Entwicklung sehr beständig und gleichförmig weiter. Hier ist eine Abfolge von Ereignissen in der Entwicklung der Luftfahrt. Im Prinzip ist jede Erfindung außerhalb des Vorstellungsvermögens des Erfinders der vorhergehenden. Die schrittweisen Verbesserungen summierten zu etwas das nicht mehr nur kleine Teilschritte war.
Das ist typisch nach einem fundamentalen Durchbruch. Und das gibt es in allen Technologiebereichen. Computer haben eine mehr oder weniger ähnliche Zeitleiste, nur etwas später. Ebenso medizinische Versorgung. Hygiene, Impfstoffe, Antibiotika -- der gleiche Zeitrahmen. Deshalb glaube ich dass der zweite Schritt, den ich eben noch als "Schritt" bezeichnet habe, überhaupt kein "Schritt" ist. Tatsächlich sind die Menschen, die jung genug sind um von den ersten Therapien zu profitieren, die die Lebensdauer moderat verlängern, obwohl diese Menschen bereits mittleren Alters sind wenn die Therapien verfügbar werden, an einem Scheitelpunkt. Die meisten werden lange genug leben um verbesserte Behandlungen zu erhalten die ihnen weitere 30 oder sogar 50 Jahre bringen. Anders formuliert: sie bleiben weiter im Spiel. Die Therapien werden sich schneller verbessern als die verbleibenden Mängel der Therapien uns einholen.
Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Denn die meisten, denen ich vorhersage, dass viele der heute lebenden Menschen 1000 Jahre oder älter werden, meinen, ich behaupte, dass wir Therapien in den nächsten Jahrzenten erfinden werden, die das Älterwerden so grundlegend unterbinden, dass sie uns 1000 Jahre oder länger leben lassen. Aber das behaupte ich gar nicht. Ich behaupte dass die Geschwindigkeit der Therapieverbesserungen ausreichen wird. Sie werden nie perfekt sein, aber wir werden in der Lage sein das zu behandeln woran 200-jährige sterben, bevor wir die ersten 200-jährigen haben. Das gleiche gilt für 300- und 400-jährige und so weiter. Ich habe mir einen Namen dafür ausgedacht, nämlich "Langlebigkeits-Fluchtgeschwindigkeit". (Gelächter) Er scheint das gut zu beschreiben.
Diese Trajektorien beschreiben unsere Erwartungen an die verbleibende Lebenserwartung in Abhängigkeit von ihrer Gesundheit für verschiedene Alter zum Zeitpunkt der Verfügbarkeit der Therapien. Für bereits 100-jährige ist, oder sogar 80-jährige -- durchschnittliche 80-jährige, können wir mit diesen Therapien nicht mehr viel tun, weil sie zu kurz vor dem Ableben stehen als dass die ersten, experimentellen Therapien wirken könnten. Sie würden sie nicht aushalten. Wenn Sie aber erst 50 sind, dann besteht die Möglichkeit dass Sie dem Sturzflug entkommen und -- (Gelächter) letzten Endes durchkommen und sinnvoll biologisch jünger werden, jugendlicher, sowohl physisch als auch psychisch, mit geringerem Risiko eines altersbedingten Todes. Und wenn Sie noch etwas jünger sind werden Sie niemals auch nur in die Nähe eines altersbedingten Todes kommen.
Meine eigentliche Schlussfolgerung ist, dass wir nicht wissen wie alt der erste 150-jährige heute ist, weil wir nicht wissen, wie lange es dauern wird bis wir die Therapien der ersten Generation soweit haben werden. Aber unabhängig von diesem Alter behaupte ich, dass der erste Mensch der 1000 Jahre alt werden wird -- natürlich vorbehaltlich globaler Katastrophen -- tatsächlich nur etwa 10 Jahre jünger sein wird als der erste 150-jährige. Und das ist ein wichtiger Gedanke.
Gut. Den Rest meines Vortrags, die letzten sieben einhalb Minuten, werde ich über den ersten Schritt sprechen; wie wir es tatsächlich schaffen können diese moderate Verlängerung der Lebenserwartung zu erreichen, die uns zur Fluchtgeschwindigkeit bringt. Um das zu tun muss ich etwas über Mäuse erzählen. Es gibt einen mit der menschlichen Verjüngung vergleichbaren Meilenstein. Ich nenne ihn robuste Mäuseverjüngung, nicht sehr einfallsreich. Und hier ist er. Nehmen wir einen Rasse Mäuse, die lange leben, das heißt bei Mäusen etwa durchschnittlich drei Jahre. Wir machen überhaupt nichts mit ihnen, bis sie zwei Jahre alt sind. Und dann machen wir eine ganze Menge, und mit diesen Therapien schaffen wir es, dass sie im Durchschnitt bis zu ihrem fünften Geburtstag leben. Anders formuliert haben wir zwei Jahre hinzugefügt -- wir haben ihre verbleibende Lebenserwartung verdreifacht, ab dem Augenblick, in dem wir die Therapien begonnen haben.
Die Frage ist nun, was das nun für die Zeitspanne bedeutet bis wir zu dem Meilenstein kommen, über den ich vorher für die Menschen gesprochen habe? Die wir nun, wie ich erklärt habe, gleichermaßen robuste menschliche Verjüngung (RHR), oder Langlebigkeits-Fluchtgeschwindigkeit (LEV) nennen können. Zweitens, was bedeutet das für die allgemeine Vorstellung wie lange es dauern wird zu diesem Punkt zu kommen, beginnend bei dem Zeitpunkt an dem wir die Mäuse soweit haben? Und drittens, was bedeutet das für die Zahl der Menschen, die soetwas wollen? Ich glaube die erste Frage ist eine rein biologische Frage, und sie ist extrem schwer zu beantworten. Man kann nur spekulieren, und viele meiner Kollegen sagen wir sollten diese Spekulation nicht betreiben, wir sollten unsere Meinung für uns behalten bis wir mehr wissen.
Ich behaupte das ist Unsinn. Ich behaupte wir handeln absolut unverantwortlich, wenn wir hier schweigen. Wir sollten den Zeithorizont schätzen um den Menschen ein Augenmaß zu geben um ihre Prioritäten zu setzen. Daher sage ich, wir haben eine 50/50 Chance den RHR Meilenstein, die robuste menschliche Verjüngung, innerhalb von 15 Jahren nach der robusten Mäuseverjüngung zu erreichen. 15 Jahre nach der robusten Maus. Die Allgemeinheit sieht es vermutlich positiver. Die Öffentlichkeit neigt zu unterschätzen, wie schwierig wissenschaftliche Dinge sind. Sie denkt vielleicht, es sind nur fünf Jahre. Sie werden nicht Recht haben, aber das macht eigentlich nichts. Schliesslich kann man glaube ich sagen, dass die Ambivalenz der Menschen gegenüber dem Älterwerden zum Großteil durch die bereits erwähnte globale Trance verursacht wird, die Bewältigungsstrategie. Das wird zu diesem Zeitpunkt Geschichte sein, denn es wird nicht mehr möglich sein zu glauben, dass Älterwerden für Menschen unvermeidbar ist, wenn es so effektiv bei Mäusen hinausgezögert wurde. Wahrscheinlich erleben wir eine sehr starke Veränderung der Einstellung der Menschen und das hat natürlich enorme Auswirkungen.
Um nun zu erklären, wie wir zu diesen Mäusen kommen werde ich das Älterwerden noch etwas genauer beschreiben. Ich werde das Wort "Schädigung" verwenden um die Zwischenprodukte des Stoffwechsels zu beschreiben, die irgendwann Krankheiten verursachen. Denn das Problem dabei ist, dass Schädigungen zwar erst irgendwann einmal zu Krankheiten führen, die Schädigungen selbst aber das ganze Leben über entstehen, beginnend mit der Geburt. Aber sie sind selbst nicht Bestandteil des Stoffwechsels. Und das erweist sich als nützlich. Denn damit können wir das ursprüngliche Diagramm neu zeichnen. Im Prinzip heißt das, der Unterschied zwischen Gerontologie und Geriatrie ist, dass die Gerontologie versucht die Geschwindigkeit zu reduzieren mit der der Stoffwechsel Schädigungen verursacht. Ich werde gleich exakt beschreiben, was Schädigungen biologisch bedeuten. Die Geriatrie versucht den Zahn der Zeit aufzuhalten indem sie verhindern dass die Schädigungen zu Krankheiten führen. Der Grund warum das zum Scheitern verurteilt ist dass die Schädigungen sich kontinuierlich aufaddieren.
So gesehen gibt es einen dritten Ansatz. Nennen wir ihn den Ingenieurs-Ansatz, und ich behaupte der Ingenieurs-Ansatz ist in Reichweite. Der Ingenieursansatz greift in keinen der Prozesse ein. Er greift nicht in diesen oder jenen Prozess ein. Und das ist gut so, denn das bedeutet das es nicht zum Scheitern verurteilt ist, und das es etwas ist, das sich in Reichweite befindet denn er versucht nicht die Evolution zu verbessern. Der Ingenieurs-Ansatz sagt einfach nur "Lasst uns loslegen und regelmäßig die verschiedenen Schädigungen reparieren -- nicht unbedingt vollständig, aber durchaus so viel, dass wir den Grad der Schädigungern unterhalb der Schwelle halten die es geben muss, bevor Krankheiten entstehen." Wir wissen dass es diese Schwelle gibt, weil wir keine altersbedingten Beschwerden bekommen, bevor wir ein mittleres Alter erreichen, und das obwohl sich die Schädigungen seit vor unserer Geburt aufsummieren.
Warum glaube ich, dass das in Reichweite ist? Darum: Die Hauptaussage dieses Bildes steht ganz unten. Wenn wir die Teile des Stoffwechsels aufzählen wöllten, die relevant sind für das Älterwerden bräuchten wir die ganze Nacht, denn praktisch der ganze Stoffwechsel ist auf seine Art wichtig für das Älterwerden. Diese Liste ist nur eine Illustration, sie ist unvollständig. Die Liste auf der rechten Seite ist ebenfalls unvollständig. Es ist eine Liste der altersbedingten Krankheiten, und es ist ebenso eine unvollständige Liste. Aber ich behaupte, die Liste in der Mitte ist vollständig, es ist die Liste der Dinge, die als Schädigung bekannt sind, Nebenwirkungen des Stoffwechsels die letztendlich zu Krankheiten führen, oder zu Krankheiten führen können. Und es sind nur sieben. Es sind natürlich Kategorien, aber es gibt davon nur sieben. Zellverlust, Chromosomen-Mutationen, Mitochondrien-Mutationen und so weiter.
Zuerst möchte ich beweisen, warum diese Liste vollständig ist. Natürlich könnte man einen biologischen Beweis anführen. Man könnte fragen, "Ok, woraus bestehen wir?" Wir bestehen aus Zellen und Zeug zwischen den Zellen. Wo können sich Schädigungen akkumulieren? Die Antwort ist: in langlebigen Molekülen, denn wenn geschädigte kurzlebige Moleküle zerstört werden -- wie zum Beispiel ein Protein durch Proteolyse -- dann ist die Schädigung ebenfalls weg. Es müssen also langlebige Moleküle sein. Diese sieben Dinge wurden alle bereits vor langer Zeit in der Gerontologie diskutiert und das ist gut so, denn es bedeutet, dass wir es in der Biologie in den letzten 20 Jahren weit gebracht haben, die Tatsache, dass wir die Liste nicht erweitern mussten ist ein ziemlich guter Hinweis darauf, dass es keine Erweiterung gibt. Und es wird noch besser; wir wissen heute wie wir sie heilen können bei Mäusen, im Prinzip -- was ich mit "im Prinzip" meine ist, dass wir dies vielleicht innerhalb des nächsten Jahrzehnts tun können. Einige sind bereits teilweise verfügbar, die in der oberen Hälfte.
Ich hatte keine Zeit alle genauer zu betrachten, aber meine Schlussfolgerung ist, wenn wir nur genügend Förderung hierfür bekommen, können wir robuste Mäuse Verjüngung in nur 10 Jahren entwickeln, aber wir müssen uns dahinter klemmen. Wir müssen anfangen es wirklich zu versuchen. Natürlich wird es einige Biologen im Publikum geben und ich möchte einige Antworten auf die Fragen geben, die Sie vermutlich haben. Sie sind vielleicht unzufrieden mit meinem Vortrag, aber eigentlich können Sie alles nachlesen. Ich habe eine Menge zu diesem Thema veröffentlicht; ich zitiere die experimentellen Arbeiten, auf denen mein Optimismus basiert, und dazu gibt es eine Menge Details. Die Details überzeugen mich einen so aggressiven Zeithorizont vorherzusagen. Wenn Sie also denken ich habe Unrecht, dann finden Sie verdammt nochmal heraus, warum Sie das glauben.
Sie sollten vor allem niemandem vertrauen, der sich selbst Gerontologe nennt, denn wie bei jeder radikalen Abkehr von existierendem Gedankengut in einem bestimmten Thema wird es Menschem im Mainstream geben, die resistent sind und Dinge nicht wirklich ernst nehmen. Das heißt, Sie müssen Ihre Hausaufgaben machen um zu verstehen, ob das hier wahr ist.
Zum Schluss noch ein paar Hinweise. Erstens, in der nächsten Session werden Sie von jemandem hören der vor einiger Zeit behauptet hat er könne das menschliche Genom in kürzester Zeit entschlüsseln, und alle sagten "Nun, das ist offensichtlich unmöglich." Und Sie kennen das Ergebnis. Das heißt, so etwas ist möglich. Wir haben verschiedene Strategien -- es gibt denn "Methusalem Maus Preis", ein Anreiz für Innovation, und das zu tun, von dem Sie glauben, dass es funktioniert, und Sie bekommen Geld, wenn Sie gewinnen. Es gibt den Vorschlag ein Institut zu gründen. Das wird etwas Geld kosten. Aber, ernsthaft -- wie schnell ist dieses für den Krieg im Irak ausgegeben? Sehr schnell. Ok. (Gelächter) Es muss menschenfreundlich sein, denn Profitgier lenkt Biotech ab, aber ich glaube im Prinzip gibt es eine 90% Chance erfolgreich zu sein. Ich glaube wir wissen was zu tun ist. Und an dieser Stelle höre ich auf. Vielen Dank. (Applaus)
Chris Anderson: Ok. Ich weiß nicht, ob es irgendwelche Fragen gibt aber ich würde dem Publikum gerne eine Chance geben. Publikum: Sie sprechen über das Älterwerden und den Versuch es zu bekämpfen, warum lassen Sie sich selbst wie ein alter Mann aussehen? (Gelächter)
AG: Weil ich ein alter Mann bin. In Wirklichkeit bin ich 158. (Gelächter) (Applaus)
Publikum: Die Lebewesen auf diesem Planet haben ein Immunsystem entwickelt, das Krankheiten bekämpft so dass Individuen lange genug leben um sich fortzupflanzen. Jedoch haben - soweit ich weiß - sich alle Lebewesen so entwickelt, dass sie sterben, bei jeder Zellteilung werden die Telomere kürzer, und irgendwann sterben die Lebewesen. Warum hat sich die Evolution gegen Unsterblichkeit entschieden, wenn sie so vorteilhaft ist, oder ist die Evolution einfach noch nicht abgeschlossen?
AG: Hervorragend. Danke, dass Sie diese Frage gestellt haben die ich mit einer unstrittigen Antwort beantworten kann. Ich werde Ihnen die übliche Mainstream-Antwort auf Ihre Frage nennen, der ich zufällig zustimme, nämlich, nein, Älterwerden ist nicht ein Resultat der Selektion, der Evolution; sondern wurde von der Evolution nicht betrachtet. Anders formuliert, es gibt das Älterwerden weil es schwer ist es nicht zu haben; Sie brauchen mehr genetische Varianz, mehr Vollkommenheit in den Genen um langsamer älter zu werden und das trifft um so mehr zu, je länger Sie es hinauszögern. Wenn also Evolution keine Rolle spielt, es keinen Unterschied macht ob Gene durch lange lebende Individuen oder durch Nachkommen weitergegeben werden, gibt es eine gewisse Schwankung dessen, was verschiedene Lebensdauern bei verschiedenen Lebewesen bewirkt, aber deshalb gibt es keine unsterblichen Lebewesen.
CA: Den Genen ist es egal aber uns nicht?
Publikum: Hallo. Ich habe irgendwo gelesen, dass sich in den letzten 20 Jahren die durchschnittliche Lebensdauer von praktisch jedem auf dem Planeten um 10 Jahre verlängert hat. Wenn ich das hochrechne, dann glaube ich, dass ich 120 Jahre alt werde, falls ich vorher keinen Motorradunfall habe. Heißt das, ich bin einer von denen, die 1000 Jahre alt werden?
AG: Wenn Sie ein wenig abnehmen, (Gelächter) Ihre Zahlen sind etwas veraltet. Üblicherweise sagt man, die Lebensdauer hat sich zwischen einem und zwei Jahren je Jahrzehnt verlängert. Das heißt, es ist nicht ganz so gut wie Sie denken - wie Sie hoffen. Aber ich beabsichtige das so bald wie möglich auf ein Jahr pro Jahr zu erhöhen.
Publikum: Ich habe gehört dass viele Gehirnzellen, die wir als Erwachsene haben bereits im menschlichen Embryo vorhanden sind, und dass Gehirnzellen etwa 80 Jahre alt werden. Wenn das wirklich stimmt, hat das biologische Auswirkungen in der Welt der Verjüngung? Wenn es Zellen in meinem Körper gibt, die die ganzen 80 Jahre über leben, im Gegensatz zu typischerweise ein paar Monaten?
AG: Es gibt sicherlich technische Implikationen. Grundsätzlich müssen wir Zellen in den wenigen Gegenden des Gehirns ersetzen, die Zellen in relevanter Zahl verlieren, speziell Neuronen, aber wir wollen sie nicht schneller als nötig ersetzen - jedenfalls nicht viel schneller, weil zu schneller Ersatz die kognitive Funktion herabsetzen würde. Was ich vorher über das Fehlen nicht-alternder Lebewesen sagte war nicht ganz richtig. Es gibt Lebewesen die nicht älter werden -- die Hydra zum Beispiel -- aber die schaffen das weil Sie kein Nervensystem haben -- und sie haben kein Gewebe, dessen Funktion von sehr langlebigen Zellen abhängt.
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Aubrey de Grey, Wissenschaftler in Cambridge, behauptet Älterwerden ist einfach nur eine Krankheit -- und dazu noch eine heilbare. Menschen werden auf sieben grundlegende Arten älter, die seiner Meinung nach alle verhindert werden können.
Aubrey de Grey, British researcher on aging, claims he has drawn a roadmap to defeat biological aging. He provocatively proposes that the first human beings who will live to 1,000 years old have already been born. Full bio »
Translated into German by Thomas Herzinger
Reviewed by Kerstin Blum
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03:12 Posted: Jun 2008
Views 543,249 | Comments 77
19:25 Posted: Jul 2007
Views 741,335 | Comments 129
18:49 Posted: Oct 2006
Views 473,894 | Comments 182
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