Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war, was menschliches Handeln angeht, ein absolutes Desaster, eine Katastrophe. Wir hatten den ersten Weltkrieg, die Weltwirtschaftskrise, den zweiten Weltkrieg und den Aufstieg der kommunistischen Staaten. Und jedes einzelne dieser Ereignisse entzweite die Welt, riss die Welt auseinander, teilte die Welt. Und dadurch wurden Mauern errichtet, Mauern der Politik, Mauern des Handels, Mauern des Transports, Mauern der Kommunikation, eiserne Vorhänge, die Völker und Staaten teilten.
Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben wir allmählich begonnen, uns aus diesem Abgrund zu hieven. Mauern des Handels begannen einzustürzen. Hier haben wir einige Daten über Zollsätze. Zunächst liegen sie bei 40 Prozent, dann sinken sie auf weniger als 5 Prozent. Wir haben die Welt globalisiert. Und was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinaus verbreitet haben. Wir haben die Welt kooperativer werden lassen. Mauern des Transports sind eingestürzt. 1950 hat ein durchschnittliches Schiff 5.000 bis 10.000 Tonnen an Gütern befördert. Heute kann ein Frachtschiff 150.000 Tonnen befördern. Es kann mit weniger Besatzungsmitgliedern bemannt und schneller als jemals zuvor entladen werden. Mauern der Kommunikation sind -- das muss ich Ihnen sicher nicht sagen -- mit dem Internet eingestürzt. Und natürlich sind die eisernen Vorhänge, Mauern der Politik, eingestürzt.
Und all das hat enorme Auswirkungen auf die Welt gehabt. Der Handel hat einen Aufschwung erfahren. Das hier sind bloß ein paar Daten. Chinesische Exporte in die Vereinigten Staaten um 1990 -- 15 Milliarden Dollar. Um 2007: über 300 Milliarden Dollar. Und vielleicht am bemerkenswertesten: Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden zum allerersten Mal in der jüngeren Vergangenheit so gut wie alle Teile der Welt von wirtschaftlichem Wachstum erfasst. China, ich bin schon darauf eingegangen -- 1978, um die Zeit von Maos Tod, Wachstumsrate: zehn Prozent pro Jahr. Jahr auf Jahr auf Jahr, einfach unglaublich. Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit sind so viele Menschen wie in China von so bitterer Armut befreit worden. China verkörpert die größte Anti-Armuts-Initiative der Welt innerhalb der letzten drei Jahrzehnte. In Indien ging es ein wenig später los, aber 1990 hat es immense Wachstumsraten erzeugt. Die Einkommen dieser Zeit lagen unter 1.000 Dollar pro Jahr und haben sich über die nächsten 18 Jahre nahezu verdreifacht. Wachstumsraten von sechs Prozent pro Jahr. Einfach unglaublich. Aber Afrika -- Afrika südlich der Sahara -- das Afrika südlich der Sahara ist der Wachstums-resistenteste Teil der Welt gewesen. Und wir können die Tragödie Afrikas an den ersten paar Diagrammen hier ablesen. Die Wachstumsraten waren negativ. Die Leute sind ärmer geworden als noch ihre Eltern waren und manchmal sogar ärmer als ihre Großeltern waren. Aber gegen Ende des 20. Jahrhunderts, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, haben wir Wachstum in Afrika beobachten können. Und ich glaube, dass es -- Sie werden das verstehen -- Anlass zu Optimismus gibt. Denn ich glaube, dass uns das Beste noch bevorsteht. Ich erkläre Ihnen weshalb:
An vorderster Front stehen heutzutage Ideen, die Wachstum antreiben. Und damit meine ich Produkte, deren Forschungs- und Entwicklungskosten sehr, sehr hoch und deren Produktionskosten niedrig sind. Mehr als je zuvor sind es Ideen dieser Art, die an vorderster wirtschaftlicher Front Wachstum antreiben. Und Ideen haben eine recht verblüffende Eigenschaft. Ich glaube, Thomas Jefferson hat das wirklich sehr gut in Worte gefasst. Er sagte: "Sowie wer meine Ideen für sich benutzt, bloß Anweisungen befolgt, ohne deren Wert zu schmälern, so verdunkelt mein Licht nicht, wer seine Kerze an der meinen entzündet." Oder um es ein wenig anders auszudrücken: Ein Mann kann von einem Apfel leben, aber die ganze Welt kann von einer Idee leben. Aber das ist nichts Neues; für TEDster ist das nicht wirklich neu. Das ist praktisch das Modell von TED. Das Neue daran ist, dass die größere Wirkung von Ideen das Wachstum noch mehr antreiben wird als je zuvor. Das ist ein Grund, weshalb der Handel und die Globalisierung wichtiger als je zuvor, mächtiger als jemals zuvor sind, und das Wachstum mehr als jemals zuvor antreiben werden.
Und um zu erklären, warum dem so ist, habe ich eine Frage. Stellen Sie sich vor, es gibt zwei Krankheiten. Eine ist selten, die andere ist eher verbreitet. Aber wenn sie nicht behandelt werden, sind sie gleichermaßen verhängnisvoll. Wenn Sie sich eine aussuchen müssten, welche würden Sie eher haben wollen? Die verbreitete Krankheit oder die seltene Krankheit? Die verbreitete! Die verbreitete. Ich finde, das ist völlig richtig. Weshalb? Weil es mehr Medikamente gibt, um verbreitete Krankheiten zu behandeln als für seltene Krankheiten. Der Grund dafür sind Anreize. Es kostet ungefähr das selbe, ein neues Medikament zu entwickeln, ob sich mit diesem Medikament 1.000 Menschen behandeln lassen, 100.000 Menschen oder eine Million Menschen. Aber die Erlöse sind sehr viel höher, wenn sich mit dem Medikament eine Million Menschen behandeln lassen können. Die Anreize sind sehr viel größer, ein Medikament zu entwicklen, mit dem sich mehr Menschen behandeln lassen. Um es anders auszudrücken: Größere Märkte retten Menschenleben. Niemand ist mit seinem Schmerz gerne allein, insbesondere in diesem Fall.
Denken Sie einmal über das Folgende nach: Wenn China und Indien so reich wären, wie die Vereinigten Staaten es heute sind, dann wäre der Markt für Medikamente, mit denen sich Krebs behandeln lässt, achtmal so groß wie heute. Wir sind zwar noch nicht ganz so weit, aber früher oder später wird es so kommen. Wenn andere Länder reicher werden, steigt die Nachfrage für solche Pharmazeutika ganz gewaltig. Und das bedeutet einen größeren Antrieb für Forschung und Entwicklung, was jedem in der Welt zugute kommt. Größere Märkte erhöhen den Antrieb, alle nur erdenklichen Ideen hervorzubringen. Ob es Software ist, ob es ein Computer-Chip ist, ob es ein neues Design ist. Für die Hollywood-Menschen im Publikum lässt sich so sogar erklären, warum Action-Filme ein größeres Budget haben als Komödien. Das liegt daran, dass sich Action-Filme leichter in andere Sprachen und Kulturen übersetzen lassen. Also ist der Markt für diese Filme größer. Die Leute sind bereit, mehr zu investieren und die Budgets sind größer.
Okay. Wenn also größere Märkte den Antrieb erhöhen, neue Ideen hervorzubringen, wie können wir diesen Antrieb maximieren? Indem wir einen einzigen Weltmarkt haben, indem wir die Welt globaliseren. Ich drücke das gerne so aus: Eine Idee - Ideen sollten geteilt werden, so dass eine Idee einer Welt, einem Markt dienlich sein kann. Eine Idee, eine Welt, ein Markt. Wie sonst können wir neue Ideen entwickeln? Das ist ein Grund. Globalisierung, Handel. Wie sonst können wir neue Ideen entwickeln? Nun, mehr Ideen-Haber. Leute, die Ideen haben, kommen aus allen Gesellschaftsschichten. Künstler und Innovatoren, viele derjenigen Leute, die sie auf dieser Bühne gesehen haben. Ich werde mich auf Wissenschaftler und Ingenieure konzentrieren, weil ich einige Daten darüber habe und ich Daten mag.
Heutzutage sind weniger als 1/10 eines Prozents der Weltbevölkerung Wissenschaftler und Ingenieure. (Gelächter) Die Vereingten Staaten sind ein Ideen-Führer. Ein großer Anteil dieser Leute leben in den Vereinigten Staaten. Aber die USA sind im Begriff, einen großen Teil ihrer Führungsrolle einzubußen. Und dafür bin ich sehr dankbar. Das ist eine gute Sache. Es ist eine glückliche Entwicklung, dass wir in Sachen Ideen weniger und weniger führen, denn die Vereinigten Staaten und eine handvoll anderer entwickelter Länder haben die Last der Forschung und Entwicklung lange genug getragen. Aber ziehen Sie Folgendes in Betracht: Wenn die Welt als Ganzes so wohlhabend wäre, wie es die Vereinigten Staaten jetzt sind, dann gäbe es mehr als fünfmal so viele Wissenschaftler und Ingenieure, die Ideen beisteuern würden, die jedem zugute kämen und die von allen geteilt würden. Ich denke da an den großen indischen Mathematiker Ramanujan. Wie viele Ramanujans gibt es heute in Indien, die sich auf den Feldern abplacken, kaum in der Lage, sich selbst zu ernähren, wo sie doch die Welt ernähren könnten? Allerdings sind wir noch nicht ganz so weit. Aber es wird innerhalb dieses Jahrhunderts passieren. Die wirkliche Tragödie des letzten Jahrhunderts ist diese: Wenn Sie sich die Weltbevölkerung als einen gigantischen Computer vorstellen, einen enormen Parallel-Prozessor, dann sah die große Tragödie so aus, dass Milliarden unserer Prozessoren offline waren. Aber in diesem Jahrhundert geht China online. Indien geht online. Afrika geht online. Wir werden dieses Jahrhundert einen Einstein in Afrika sehen.
Hier sind bloß ein paar Daten. Das hier ist China. 1996: weniger als eine Million neue Studenten in China pro Jahr. 2006: über fünf Millionen. Bedenken Sie, was das bedeutet. Es bedeutet, dass wir alle profitieren, wenn ein anderes Land reich wird. Wir sollten uns nicht davor fürchten, dass andere Länder wohlhabend werden. Es ist etwas, dass wir begrüßen sollten -- ein wohlhabendes China, ein wohlhabendes Indien, ein wohlhabendes Afrika. Wir brauchen eine größere Nachfrage an Ideen -- die größeren Märkte, über die ich eben gesprochen habe -- und ein größeres Angebot an Ideen für die Welt. Jetzt wissen Sie um ein paar der Gründe, warum ich optimistisch bin. Die Globalisierung erhöht die Nachfrage an Ideen, den Antrieb neue Ideen zu entwickeln und Investitionen und Bildung erhöhen das Angebot an Ideen.
Wenn Sie sich die Geschichte der Welt ansehen, dann können sie in der Tat einige Gründe zum Optimismus ausmachen. Etwa seit den Anfängen der Menschheit bis 1500: null wirtschaftliches Wachstum, nichts. 1500 bis 1800: vielleicht ein klein bisschen wirtschaftliches Wachstum. Aber weniger in einem Jahrhundert als Sie heute erwarten würden, innerhalb eines Jahres zu sehen. In den 1900ern vielleicht ein Prozent. 20. Jahrhundert: ein wenig über zwei Prozent. Das 21. Jahrhundert könnte leicht 3,3 -- sogar mehr -- Prozent haben. Selbst mit dieser Wachstumsrate wird das BIP pro Kopf um 2100 weltweit bei 200.000 Dollar liegen. Das ist nicht das Pro-Kopf-BIP der USA, was bei über einer Million liegen wird, sondern das BIP der Welt pro Kopf -- 200.000 Dollar. Es ist gar nicht so lange bis dahin. Wir werden es nicht erleben. Aber einige unserer Enkel werden es wahrscheinlich erleben. Und ich sollte sagen, dass ich denke, dass dies eine relativ bescheidene Vorhersage ist. Nach Kurzweil'schen Maßstäben ist das schwarzseherisch. Nach Kurzweil'schen Maßstäben bin ich der misanthropische Pessimist des wirtschaftlichen Wachstums. (Gelächter)
Gut, aber gibt es auch Probleme? Was ist mit einer Weltwirtschaftskrise? Schauen wir es uns an. Schauen wir uns die Weltwirtschaftskrise an. Hier sehen Sie das BIP pro Kopf von 1900 bis 1929. Stellen Sie sich jetzt vor, dass sie ein Volkswirt um 1929 wären, der versucht, das zukünftige Wachstum der Vereinigten Staaten zu prognostizieren, ohne zu wissen, das die Wirtschaft in Kürze vor die Hunde gehen würde. Ohne zu wissen, dass wir kurz davor ständen, das mit Sicherheit schlimmste wirtschaftliche Desaster des 20. Jahrhunderts zu durchleben. Was hätten Sie ohne dieses Wissen vorhergesagt? Wenn die Basis Ihrer Prognose, Ihrer Vorhersage, die Jahre 1900 bis 1929 gewesen wären, hätten sie so etwas wie das hier prognostiziert. Wenn Sie ein bisschen optimistischer gewesen wären, sagen wir aufgrund des starken Aufschwungs der 20er, dann hätten sie das hier vorhergesagt. Was ist denn nun wirklich passiert? Wir sind in einen Abgrund gestürzt, aber wir haben uns erhohlt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Wachstumsrate in der Tat noch höher als alles, was Sie aufgrund der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prognostziert hätten. Wachstum kann also selbst einer scheinbaren Weltwirtschaftskrise das Wasser reichen.
Okay. Was noch? Öl. Öl. Das war ein wichtiges Thema. Als ich meine Notizen angefertigt hatte, stand der Ölpreis bei 140 Dollar pro Fass. Die Leute haben mir Fragen gestellt. Die haben gefragt: "Trinken die Chinesen unseren Milchshake?" (Gelächter) Und da ist etwas Wahres dran, im Sinne der Tatsache, dass wir da so etwas wie eine erschöpfliche Resource haben. Und erhöhte Wachstumsraten werden die Nachfrage danach antreiben. Ich glaube dabei nicht, dass ich diesem Publikum hier erzählen muss, dass ein höherer Ölpreis nicht unbedingt eine schlechte Sache ist. Außerdem, wie jeder hier weiß -- es geht um Energie, nicht Öl. Und höhere Ölpreise bedeuten einen höheren Anreiz, in die Energie-Forschung zu investieren. Sie können das an den Daten ablesen. Der Ölpreis steigt, und gleichzeitig steigt die Anzahl energiebezogener Patente. Die Welt ist heute sehr viel besser ausgerüstet, um einen Anstieg des Ölpreises zu überstehen, als sie es in der Vergangenheit jemals war, und das aufgrund dessen, worüber ich hier spreche. Eine Idee, eine Welt, ein Markt.
Ich bin daher optimistisch, solange wir diese beiden Ideen befolgen: Weiterhin den Weltmarkt globalisieren, weiterhin die Kooperation über Staatsgrenzen hinaus verbreiten und weiterhin in die Bildung investieren. Die Vereinigten Staaten haben dabei eine besonders wichtige Funktion zu übernehmen -- unser Bildungssystem weiterhin global zu halten, unser Bildungssystem weiterhin Schülern und Studenten aus aller Welt zugänglich zu machen, denn unser Bildungssystem ist die Kerze, an dem andere Schüler und Studenten ihre eigenen Kerzen entzünden. Erinnern Sie sich an das, was Jefferson gesagt hat. Jefferson hat gesagt: "Wenn sie ihre Kerzen an den unseren entzünden, dann erhalten sie Licht, und wir werden nicht verdunkelt." Aber Jefferson hat nicht ganz Recht gehabt, oder? Denn die Wahrheit ist, dass, wenn sie ihre Kerzen an den unseren entzünden, es für jedermann zweimal so viel Licht gibt wie zuvor. Daher ist meine Sicht der Dinge: Seien Sie optimistisch. Verbreiten Sie die Ideen. Verbreiten Sie das Licht. Vielen Dank. (Applaus)
You can share this video by copying this HTML to your clipboard and pasting into your blog or web page. This video will play with subtitles.
You either have JavaScript turned off or have an old version of the Adobe Flash Player. To view this rating widget you
need to get the latest Flash player.
If your browser allows only "trusted sites" to execute Javascript, you should add the "googleapis.com" domain to your whitelist to allow our Flash detection to work properly.
Got an idea, question, or debate inspired by this talk? Start a TED Conversation.
Die "unseelige Wissenschaft" glänzt wahrhaftig, wenn der Wirtschaftsexperte Alex Tabarrok in diesem optimistischen Vortrag behauptet, dass die Globalisierung und der freie Handel die Welt zu einer Gemeinschaft werden lassen, in der Ideen geteilt werden und die vitaler, glücklicher sowie wohlhabender ist als je irgendwer vorhergesagt hätte.
With the hit economic blog MarginalRevolution.com, co-author Alex Tabarrok generates more hits than a summer hailstorm, and sheds light into the darkest corners of the dismal science. Full bio »
Translated into German by Robert Grimm
Reviewed by Sven Henckel
Comments? Please email the translators above.
19:01 Posted: Jan 2007
Views 630,100 | Comments 84
16:41 Posted: Jan 2007
Views 524,630 | Comments 381
16:23 Posted: Mar 2009
Views 1,248,206 | Comments 222
Just follow the guidelines outlined under our Creative Commons license.
This comment will be attributed to . Not ? Sign Out.