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Translated by Patricia Guzmán (Calderón Koch)
Reviewed by Meenakshi Sundaresan

0:11 Dieses Buch, das ich hier in der Hand halte ist ein Adressbuch von allen, die eine E-Mail-Adresse hatten, 1982. (Lachen) Eigentlich ist es verdächtig groß. Da sind nur 20 Personen auf jeder Seite, mit dem Namen, der Adresse und den Telefonnummern von jedem einzelnen. Und sie sind sogar zweimal aufgelistet, denn sie sind einmal nach Namen und ein anderes Mal nach E-Mail-Adressen sortiert. Offensichtlich eine sehr kleine Gemeinschaft. Damals gab es nur zwei weitere Dannys im Internet. Ich kannte sie beide. Wir kannten uns nicht alle untereinander, aber wir vertrauten uns gegenseitig, und dieses Grundvertrauen durchdrang das ganze Internet und es gab so ein echtes Gefühl, sich aufeinander verlassen zu können, um etwas zu tun.

1:05 Um Ihnen ein Gefühl für dieses Vertrauen innerhalb dieser Gemeinschaft zu geben, möchte ich Ihnen erzählen, wie das damals war einen Domainnamen zu registrieren. Es verhielt sich damals so, dass ich den dritten Domainname im Internet registrierte. Ich konnte also alles haben, was ich wollte, außer bbn.com und symbolics.com. Ich wählten den Namen think.com, aber dann dachte ich– da draußen gibt es viele interessante Namen. Ich sollte ein paar mehr anlegen für den Fall der Fälle. Und dann dachte ich: "Ach ne, das wäre nicht anständig."

1:39 (Lachen)

1:45 Diese Einstellung nur das zu nehmen, was wirklich gebraucht wurde, hatten damals alle, die im Netz unterwegs waren; und eigentlich waren es nicht nur die Menschen im Netz, es war eigentlich schon in den Protokollen des Internets mitangelegt. Die Grundidee des IPs oder des Internet-Protokolls und die Art wie der Routing-Algorithmus es verwendet, waren im Wesentlichen: " Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen". Und wenn du eine extra Bandbreite hattest hast du irgendjemand eine Nachricht überbracht. Und wenn die anderen eine extra Bandbreite hatten, haben die eine Nachricht für dich überbracht. Man war darauf angewiesen, dass das so gehandhabt wurde und das war das tragende Element. Eigentlich interessant, dass so ein kommunistisches Prinzip die Basis eines Systems war, das mitten im Kalten Krieg entwickelt wurde, und zwar vom Verteidigungsministerium, aber es funktionierte auch richtig gut und wir alle sahen, was mit Internet dann passierte. Es war unglaublich erfolgreich.

2:43 Es war sogar so erfolgreich, dass es jetzt keine Möglichkeit gibt, in diesen Tagen so ein Buch wie dieses hier zu verfassen. Meiner Einschätzung nach wäre es 40 km dick. Aber, klar, das wäre nicht realisierbar, denn wir kennen die Namen aller Personen mit ihren Internet- oder E-Mail-Adressen nicht, und auch wenn wir ihre Namen kennen würden, bin ich mir sicher, dass sie nicht wollen würden, dass alle Zugang zu ihrem Namen, Adresse oder Telefonnummer hätten.

3:10 Tatsache ist, dass sich heutzutage viele Bösewichte im Internet tummeln, und wir gehen damit so um, dass wir unsere Communitys eingemauert haben, sichere Subnetzwerke, VPNs, kleine Dinge, die eigentlich kein Internet sind, aber aus denselben Bausteinen stammen, aber im Grunde genommen bauen wir es immer noch aus denselben Bausteinen und der gleichen Vertrauensbasis. Und das bedeutet, es ist anfällig für gewisse Fehler, die passieren können oder für gewisse beabsichtigte Attacken, aber schon die Fehler können schlimm sein.

3:45 Zum Beispiel war es in Asien gerade unmöglich auf YouTube zu gelangen, weil Pakistan einige Fehler machte, weil es in seinem internen Netzwerk einige YouTube-Inhalte zensieren wollte. Sie wollten in Asien keinen Mist bauen, aber sie taten es, weil die Protokolle so angelegt waren. Ein anderes Beispiel, das viele von Ihnen wahrscheinlich schon betroffen hat – Sie erinnern sich, es ist schon ein paar Jahre her, alle Flieger westlich des Mississippi wurden am Boden gehalten, weil eine einzige Routing-Karte in Salt Lake City einen Fehler hatte. Nun, Sie glauben ja wohl nicht, dass unser Flugsystem vom Internet abhängig ist und irgendwie ist es das auch nicht. Ich komme später noch darauf zu sprechen. Aber Tatsache war, dass Menschen nicht abfliegen durften, weil irgendetwas mit dem Internet nicht stimmte, und die Router-Karte abgestürzt war.

4:34 Und jetzt gibt es viele solcher Dinge, die zu passieren beginnen. Nun, letzten April passierte etwas sehr interessantes. Ganz plötzlich, wurde ein großer Prozentsatz des gesamten Internetverkehrs, auch der zwischen U.S. Militäranlagen, über China umgeleitet. Für wenige Stunden also ging alles über China. Telekom China sagte, es sei tatsächlich ehrlicherweise nur ein Fehler und es ist tatsächlich auch möglich, dass dies so war, so wie das läuft, aber bestimmt kann jemand auch einen unredlichen Fehler machen, wenn er das will und das zeigt Ihnen, wie angreifbar das System sogar für Fehler ist. Stellen Sie sich vor, wie angreifbar es für beabsichitgte Attacken ist.

5:18 Wenn also jemand wirklich die Vereinigten Staaten angreifen will oder heutzutage auch westliche Kulturen, werden sie es nicht mit Panzern bewerkstelligen. Das hat keine Aussicht auf Erfolg. Viel wahrscheinlicher ist, dass sie etwas tun wie diesen Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen. Keiner hat die Verantwortung für sich beansprucht. Es handelte sich dabei um eine Fabrik für Industriemaschinen. Sie wusste selber gar nicht, dass sie im Internet ist. Vielmehr dachte sie, sie sei gar nicht mit dem Internet verbunden. Aber für irgendjemand war es möglich, ein USB-Laufwerk reinzuschmuggeln und Software geriet hinein, die diese Zentrifugen damals veranlasste sich selbst zu zerstören. Diese gleiche Software kann eine Ölraffinerie zerstören oder eine Pharmafabrik oder eine Halbleiterfabrik. Es gibt also – ich bin sicher, Sie haben viel darüber gelesen über Besorgnisse über Cyberattacken und Verteidigung gegen sie.

6:13 Tatsache ist, dass die meisten Menschen darauf fokussiert sind, die Computer im Internet zu schützen, und eine erstaunlich kleine Aufmerksamkeit darauf gerichtet wird, das Internet an sich zu schützen. Und ich glaube, wir müssen das unbedingt tun, denn es ist sehr fragil. Früher, als es noch ARPANET war gab es Momente – wo es ganz ausfiel, weil ein einziger Prozessor einen Fehler hatte. Und im Grunde genommen arbeitet das Internet so, dass Router Informationen darüber austauschen, wie Nachrichten irgendwohin vermittelt werden können und dieser Prozessor, an dem nur eine Karte fehlerhaft war, entschied sich eine Nachricht an irgendeinen Ort und entgegen der Zeit zu senden. Er beanspruchte also selbständig eine Nachricht zu senden, bevor Sie sie gesendet hatten. Die schnellste Methode eine Nachricht zu versenden, war also sie diesem Typen zu schicken, der sie rechtzeitig wieder zurückschicken würde und sie dort sehr früh abrufen konnte; jede Nachricht im Internet beginnt damit, dass sie durch diesen einen Knoten muss und dies verstopfte natürlich alles. Alles begann abzustürzen. Dennoch war es interessant, dass die Systemadmins die Fehler beheben konnten. Aber sie mussten jedes einzelne Ding im Internet auf "off" schalten. Heutzutage kann man das natürlich nicht mehr machen. Ich meine, alles auf "off" zu setzen, das wäre wie ein Anruf ihres Kabelanbieters, aber für die ganze Welt.

7:40 Heutzutage kann man das aus vielen Gründen nicht mehr so machen. Ein Grund dafür ist, dass viele ihrer Telefonate ein IP-Protokoll und Skype u.ä. benutzen und jetzt gerade durch das Internet gehen, wir werden also für immer mehr verschiedene Dinge von ihm abhängig, wie wenn Sie gerade von LAX abfliegen, da denken Sie ja nicht, dass Sie gerade das Internet benutzen. Wenn Sie Gas pumpen, denken Sie das auch nicht. Was aber gerade passiert ist, dass diese Systeme zunehmend das Internet nutzen. Die meisten sind noch nicht internetbasiert, aber sie benutzen das Internet für Dienstleistungsfunktionen für administrative Funktionen und wenn man dann so ein System wie das Handy-System nimmt, das relativ unabhängig vom Internet ist, gibt es Internetkomponenten, die sich da hinein schlängeln bezüglich Kontrolle und Verwaltungsaufgaben. Es ist verlockend also dieselben Bausteine zu benuzten, weil sie so wunderbar funktionieren, sie billig sind, sich wiederholen usw.. Alle unsere Systeme benutzen also immer häufiger dieselbe Technologie und hängen auch von ihr ab. Jedes moderne Raketenschiff benutzt Internetprotokolle, um von einem Ende des Schiffes zum anderen zu kommunizieren. Das ist verrückt. Das war nie so geplant.

8:52 Wir haben also dieses System entwickelt, von dem wir alle Komponenten verstehen, aber die wir ganz anders nutzen als geplant und es hat eine ganz andere Dimension angenommen, als die für die sie entwickelt wurde. Tatsache ist, dass keiner wirklich versteht, für welche Sachen es gerade benutzt wird. Es verwandelt sich gerade in ein immer größer werdendes System, vergleichbar mit dem Finanzsystem, für das wir alle Teile entworfen haben, aber keiner wirklich so richtig versteht, wie es in all seinen Einzelheiten funktioniert und welche Verhaltensweisen daraus entstehen werden. Wenn Sie einen Experten über das Internet sprechen hören, dass es dies und das kann oder machen wird, sollten Sie dem mit derselben Skepsis gegenübertreten wie Sie der Meinung eines Wirtschaftswissenschaftlers über die Wirtschaft gegenübertreten würden, oder einem Meteorologen übers Wetter oder so. Sie haben eine fundierte Meinung, aber sie verändert sich so rasant, dass auch die Experten kaum noch wissen, was gerade los ist. Wenn Sie also diese Internetkarten sehen, ist es einfach nur die Vermutung irgendjemands. Keiner weiß, was das Internet im Moment ist, weil es anders ist, als eine Stunde zuvor. Es ändert sich ständig. Es rekonfiguriert sich ständig.

10:00 Und das Problem dabei ist, wir zielen auf eine Katastrophe hin wie die des Finanzsystems, wo ein System, das im Grunde auf Vertrauen basiert und für kleinere Dimensionen gedacht war und wir es weit über seine Grenzen hinaus erweitert haben, wie es funktionieren sollte. Jetzt ist es buchstäblich wahr, dass wir die Konsequenzen eines erfolgreichen Dienstverweigerungsangriffs im Internet nicht kennen und was immer es auch sein mag, im nächsten Jahr wird es schlimmer und im darauffolgenden noch schlimmer, usw..

10:35 Wir brauchen also einen Plan B. Im Moment gibt es keinen Plan B. Es gibt kein Backup, das sorgfältig aufbewahrt wird, um vom Internet unabhängig zu sein, und das aus völlig anderen Bausteinen besteht. Wir brauchen also irgendetwas, das nicht unbedingt die Leistung des Internets hat, aber bei dem die Polizei in der Lage ist, die Feuerwehr zu rufen, auch wenn kein Internet zur Verfügung steht, oder wenn Krankenhäuser Heizöl brauchen. Dies braucht kein Multi-Milliarden-Dollar- Projekt der Regierung zu sein. Es ist eigentlich relativ einfach zu erstellen, im technischen Sinne, weil es auf bestehende Fasern in der Erde zurückgreifen kann, da eine Funk-Infrastruktur vorhanden ist. Im Grunde genommen braucht man sich nur dafür zu entscheiden.

11:16 Aber das tun wir nicht, bis wir nicht erkennen, dass es notwendig ist und das ist das Problem, das wir gerade haben. Es gibt viele Menschen, viele von uns haben viele Gründe dafür vorgebracht, dass wir schon seit Jahren dieses unabhängige System brauchen, aber es ist sehr schwer, die Menschen dazu zu bewegen sich auf Plan B zu fokussieren, wenn Plan A so gut zu funktionieren scheint.

11:38 Ich glaube, wenn Menschen verstehen, wie sehr wir vom Internet abhängig sind und wie angreifbar es ist, können wir anfangen uns auf das Wollen eines anderes Systems einstellen und wenn genügend Menschen sagen: "Ja, ich würde das gern benutzen, ich möchte so ein System haben", würde es auch gebaut werden. Es ist nicht so ein schwieriges Problem. Es könnte definitiv von Leuten hier aus dem Publikum gemacht werden.

12:02 Und somit ist es von allen Problemen, von denen Sie in dieser Konferenz hören werden wahrscheinlich am leichtesten in den Griff zu bekommen. Ich bin froh, dies mal gesagt haben zu dürfen.

12:15 Vielen Dank.

12:18 Applaus