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Translated by Dan Verständig
Reviewed by Judith Waczek

0:11 Hi. Also ich möchte heute einige laufende Arbeiten vorstellen. Da wir noch an den Projekten arbeiten, Wir arbeiten noch weitestgehend in einem Bereich von Intuition und Mysterien. Also werde ich versuchen, einige Eindrücke zu beschreiben, nach denen wir in jedem dieser Werke suchen.

0:26 Das erste Werk heißt "Imperial Monochromes". Ein Betrachter geht irgendwie ahnungslos in den Raum, und wirft einen flüchtigen Blick auf Tafeln in einer chaotischen Komposition an der Wand. Innerhalb von Sekunden, als ob die Tafeln die Anwesenheit des Betrachters bemerkt hätten, scheinen sie in Panik zu geraten und ordnen sich in strenger Symmetrie an. (Lachen) Das ist also die Skizze der zwei Zustände. Einer ist totales Chaos. Der andere ist absolute Ordnung. Wir wollten gern sehen, wie wenig Veränderung nötig ist, um von einem Zustand in den anderen zu gelangen.

0:58 Dies erinnerte uns auch an zwei sehr unterschiedliche Bildtraditionen. Eine ist die der Altartafeln des 15. Jahrhunderts, und die andere ist von vor etwa 100 Jahren, Malewitschs abstrakte Kompositionen. Also werde ich Ihnen jetzt einfach ein Video zeigen, um Ihnen ein Gefühl der Dimensionen zu geben. Die größte Tafel ist über zwei Meter hoch. Das ist ungefähr so viel. Und die kleinste ist ein A4. Der Betrachter betritt also den Raum und sie richten sich sofort aus. Und nach einer Weile, wenn der Betrachter weiter im Raum bleibt, werden die Tafeln irgendwie immun gegen die Anwesenheit des Betrachters und werden nachlässig und verselbstständigen sich wieder, bis sie eine Art von Präsenz im Raum oder eine Bewegung bemerken, dann richten sie sich sofort wieder aus. (Lachen) Hier scheint es also, als ob es der Betrachter ist, der irgendwie das Gefühl der Ordnung zwischen den Tafeln initiiert, aber es könnte auch umgekehrt sein, dass die Tafeln so in ihrem vorprogrammiertem Verhalten gefangen sind, dass sie irgendwie den Betrachter in die Rolle eines Tyrannen drängen.

1:57 Das bringt mich nun zu einer ruhigeren, kleinen Arbeit

2:01 mit dem Titel "Handheld". Der Betrachter sieht ein Stück Papier, das am anderen Ende der Wand angebracht ist, aber wenn man näher herangeht, sieht man ein leeres Blatt Papier in A4 oder Briefgröße, das an den Seiten von zwei kleinen Händen gehalten wird, die mühevoll und mit großer Sorgfalt aus einem kleinen Holzblock geschnitzt wurden. Der Betrachter sieht auch, dass diese gesamte Skulptur sich ganz geringfügig bewegt, als ob diese beiden Hände versuchen, das Papier für längere Zeit sehr ruhig zu halten und es irgendwie nicht schaffen. Also diese Instabilität in der Bewegung

2:36 imitiert sehr gut den wackligen Bildcharakter, wie er durch eine Handkamera zu beobachten ist. Hier werde ich Ihnen noch zwei Tandem-Clips zeigen. Einer wurde mit einer festen Kamera und der andere mit einer Handkamera aufgenommen. Und Sie sehen sofort, wie der wacklige Charakter des Videos die Präsenz eines Beobachters und einer subjektiven Sicht suggeriert. Also haben wir einfach die Kamera entfernt und diese Bewegung auf die Tafel übertragen. Und hier ist das Video. Die andere Hand müssen Sie sich vorstellen, sie ist jetzt nicht da. Aber wir versuchen irgendwie eine zurückhaltende Gestikulation hervorzurufen, als wäre da eine kleine Person mit ausgestreckten Armen hinter dieser enormen Stück Papier. Das ist irgendwie vergleichbar zu dem Grad der Belastung, im Dienst des Beobachter zu sein und dem davorstehenden Betrachter dieses Stück Papier sehr grazil zu präsentieren.

3:26 Die nächste Arbeit ist ein Köder. Das ist ein Pappmodell, also das Objekt ist etwa so groß wie ich. Es hat einen abgerundeten Körper, zwei Arme und eine sehr große kopfähnliche Antenne, und sein einziger Zweck ist es, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Also wenn ein Betrachter vorbeigeht, wackelt es ein bisschen seitlich hin und her und bewegt seine Arme immer verzweifelter, je näher die Person kommt. Hier ist das erste Testszenario. Sie sehen die zwei Bewegungen integriert und das Objekt ist damit beschäftigt, diesen Ausdruck der Verzweiflung zu verkörpern. Sobald es die Aufmerksamkeit der Person hat, ist es nicht mehr daran interessiert und es sucht die nächste Person, deren Aufmerksamkeit es bekommen kann. (Lachen) Dies ist der fertiggestellte Körper des Köders. Er sieht aus, als wäre er aus einer Massenproduktion, als käme er aus einer Fabrik, wie Staubsauger und Waschmaschinen. Da wir immer aus einem sehr persönlichen Raum heraus arbeiten, gefällt uns, wie diese Konsumästhetik das Objekt irgendwie selbstentfremdet und uns ein wenig Distanz gibt, zumindest im Erscheinungsbild. Und so ist es für uns eine Art finsteres Wesen, das versucht, Sie von den Dingen abzulenken, die eigentlich Ihrer Aufmerksamkeit bedürfen, aber es könnte auch eine Figur sein, die viel Hilfe braucht. Das nächste Werk ist ein Objekt, das auch eine Art Musikinstrument ist in Form eines Amphitheaters, welches der Größe eines Publikums angepasst ist, wie es von jemandem von der Bühne aus wahrgenommen wird. Also von wo ich stehe, scheint jeder von euch so groß zu sein, und das Publikum nimmt irgendwie mein gesamtes Blickfeld ein. Im Publikum sitzen 996 kleine Figuren. Eine Mechanik befähigt sie zu klatschen

5:06 aus eigenem freien Willen.

5:08 Dies bedeutet, dass sie alle einzeln entscheiden können, wann sie klatschen wollen,

5:11 wie stark und wie lang, ob sie von Menschen um sie herum beeinflusst werden oder andere beeinflussen möchten, und zur Innovation beitragen wollen. Also, wenn sich der Betrachter vor das Publikum stellt,

5:23 gibt es eine Reaktion. Es könnte sein, dass nur wenige klatschen oder ein starker Applaus aufkommt, und dann passiert nichts, bis der Betrachter die Bühne verlässt und das Publikum wieder reagiert. Es könnte alles sein, von einem dürftigen Beifall einzelner Mitglieder aus dem Publikum oder gar sehr laute Ovationen.

5:41 Also ich denke, wir sehen wirklich ein Publikum als ein eigenständiges Objekt oder eigenständigen Organismus, der eben auch eine Art musikalischer Qualität aufweist, ein Instrument. So kann der Betrachter es spielen, indem er ziemlich komplexe und vielfältige, differenzierte musikalische oder akustische Muster hervorruft, aber er kann das Publikum nicht wirklich zu einer bestimmten Art der Reaktion beeinflussen. Es sind also Gefühle des Urteilens und der Launenhaftigkeit und des Unbehagens involviert. Es bringt auch eine verführerische und fesselnde Qualität mit sich. Also hier, wenn Sie es sehen können, sind wir ganz begeistert von dem Bild, wie sich die Köpfe aufteilen, um die beiden Hände zu bilden. Hier also eine kleine visuelle Animation, als ob die beiden Seiten des Gehirns sich gegenseitig anstoßen, um sich irgendwie Sinn zu geben, durch die Dualität und die Spannung. Und hier ist ein Prototyp. Wir können es kaum erwarten, von 996 davon verschlungen zu werden.

6:37 Okay, das ist das letzte Werk. Es heißt Framerunners. Es geht aus dem Konzept eines Fensters hervor. Das ist tatsächlich ein Fenster in unserem Studio, und wie Sie sehen können, setzt es sich aus drei verschiedenen dicken, hölzernen Abschnitten zusammen. Also haben wir den gleichen Fensteraufbau verwendet,

6:51 um unseren eigenen Rahmen oder ein Gitter herzustellen,

6:54 das dann im Raum hängen soll

6:56 und von zwei Seiten betrachtet werden kann. Dieses Gitter ist von einem Stamm von kleinen Figuren bewohnt. Sie wurden auch in drei verschiedenen Größen geschaffen, um eine Art Perspektive oder Landschaft auf einer einzelnen Ebene anzudeuten. Jede dieser Figuren kann auch rückwärts laufen und vorwärts in der Schiene und sich hinter zwei angrenzenden Schienen verstecken. Also im Gegensatz zu diesem sehr engen Gitter wollten wir diesen Figuren eine sehr komische und Slapstick-ähnliche Qualität geben, als ob ein Puppenspieler sie hält und sie physisch auf dem Pfad animiert. Also uns gefällt die Idee, dass die Figuren irgendwie entlang hoppeln,

7:31 als wären sie selbstvergessen und unbeschwert und sorglos und zufrieden, bis sie eine Art von Bewegung des Beobachters merken und sich dann hinter der nächsten Wand verstecken. Also für uns zeigt dieses Werk seine eigene Paradoxie. Diese Figuren sind irgendwie gefangen innerhalb dieses sehr starren Gitters, das wie ein Gefängnis ist, aber auch wie eine Festung, weil es ihnen erlaubt, sich selbst zu vergessen und naiv und sorglos und ganz unberührt von der Außenwelt zu sein. Alle diese Qualitäten des realen Lebens, von denen ich rede, werden übersetzt in eine sehr spezielle technische Konfiguration

8:08 und wir waren sehr glücklich, dass wir mit der ETH Zürich zusammenarbeiten konnten, um den ersten Prototypen zu entwickeln. Nun hier sehen Sie die Zahnräder der Bewegung aus unseren Animationen extrahiert und mit einem Wackeln, welches das Hüpfen des Kopfes und die Bewegung vor und zurück kombiniert. Also, ist es wirklich sehr klein. Sehen Sie, es könnte in meine Handfläche passen. Also stellen Sie sich unsere Aufregung vor, als wir es wirklich funktionierend im Studio gesehen haben, und hier ist es.

8:33 (Lachen)

8:36 Vielen Dank.

8:37 (Beifall)