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Translated by Chavva Schneider
Reviewed by Max Bortone

0:11 Ich habe eigentlich immer über Architektur geschrieben, über Gebäude, und das beruht auf gewissen Annahmen. Ein Architekt entwirft ein Gebäude und es wird ein Ort oder mehrere Architekten bauen viele Gebäude und somit entsteht eine Stadt, aber abgesehen von dieser komplizierten Mischung aus Politik, Kultur und Wirtschaft, die unsere Umgebung gestaltet, können Sie diese Gebäude zum Schluss einfach besuchen. Sie können sogar um sie herum spazieren. Sie können sie riechen. Sie fühlen. Sie erleben ihre Räumlichkeit.

0:40 Aber mir ist in den letzten Jahren am meisten aufgefallen, dass ich immer weniger raus in die Welt ging, dafür aber immer mehr Zeit vor meinen Computerbildschirm saß. Insbesondere seit 2007, als ich mein iPhone kriegte, saß ich nicht nur den ganzen Tag vor dem Bildschirm, sondern guckte sogar am Abend auf diesen kleinen Bildschirm, den ich seitdem in meiner Tasche trage. Was ich daran erstaunlich fand, war wie schnell sich meine Beziehung zur materiellen Welt sich veränderte. Während dieser kurzen Zeit, ob Sie nun die letzten 15 Jahre oder so nehmen, die wir online waren, oder die vier oder fünf Jahre, seitdem wir den ganzen Tag online sind, änderte sich unser Verhältnis zur Umgebung so, dass unsere Aufmerksamkeit ständig geteilt ist. Wir haben gleichzeitig ein Auge auf unseren Bildschirmen und eines auf die Welt um uns herum.

1:24 Was mich noch mehr verwunderte und richtig wurmte, war die Tatsache, dass die Welt im Bildschirm keine eigene physikalische Realität zu haben schien. Falls Sie mal nach Abbildungen des Internets gesucht haben, war alles was Sie finden konnten, dieses berühmtes Bild von OPTE, wo das Internet als eine Art Milchstraße erscheint, diese Unendlichkeit, wo wir einfach verschwinden. Seine Gesamtheit zu erfassen ist für uns schwierig. Dieses Bild erinnert mich immer an das Apollo-Bild der Erde: eine kleine blaue Kugel. Diese Ähnlichkeit bedeutet, glaube ich, dass wir es nicht als Ganzes verstehen können. Gegenüber dieser Weite erscheinen wir immer irgendwie klein.

2:00 Wenn da also diese Welt und dieser Bildschirm wären und die physische Welt um mich herum, dann könnte ich sie nie an einem Ort zusammenbringen.

2:09 Und dann passierte dies. Mein Internetanschluss ging eines Tages nicht mehr, wie es manchmal vorkommt, der Kabel-Mann kam und reparierte es; er fing an mit einem staubigen Haufen von Kabeln hinter der Couch, dem er durch die Hintertür, runter in den Keller, bis raus in den Garten folgte, wo der große Kabelsalat an der Wand hing. Dann sah er ein Eichhörnchen am Kabel entlang rennen, und er sagte: "Hier läuft Ihr Problem. Ein Eichhörnchen kaut an Ihrem Internet." (Lachen) Das war erstaunlich. Das Internet ist eine transzendente Idee. Es ist ein Haufen Protokolle, der alles von Shopping bis zum Dating und bis hin zu Revolutionen verändert hat. Es ist eindeutig nicht etwas, an dem ein Eichhörnchen drauf rumkauen kann. (Lachen) Aber so schien es in der Tat zu sein. Ein Eichhörnchen hatte wirklich an meinen Internet gekaut. (Lachen) Und dann hatte ich diese Idee in meinem Kopf, was passieren würde wenn man die Kabel aus der Wand ziehen und anfangen würde, ihnen zu folgen. Wohin würden sie führen? Ist das Internet tatsächlich ein Ort, den man besuchen kann? Könnte ich da hin gehen? Wen würde ich treffen? Gab es da draußen tatsächlich etwas?

3:10 Die Antwort war, nach allem, nein. Das war das Internet, diese schwarze Box mit einem roten Licht, so wie in der Sitcom "The IT Crowd". Normalerweise liegt sie oben auf dem Big Ben, weil man da den besten Empfang kriegt, aber sie handelten aus, dass ihre Kollegen sie für eine Präsentation im Büro ausleihen konnten. Die Väter des Internet waren damit einverstanden, sich für eine kurze Zeit davon zu trennen; als sie die Box sah, sagte sie: "Ist das das Internet? Das ganze Internet? Ist es schwer?" Sie sagten: "Natürlich nicht, das Internet wiegt nichts."

3:45 Es war mir peinlich. Ich suchte gerade nach etwas, das anscheinend nur Narren verfolgen. Das Internet war dieser amorphe Blob oder es war diese komische Box mit einem rot blinkenden Licht drauf. Das war keine reale Welt da draußen.

3:57 Aber eigentlich doch. Es gibt eine reale Welt des Internets da draußen, die ich in den letzten zwei Jahren besucht habe. Ich war in großen Datenzentren, die soviel Energie verbrauchen, wie die Stadt, in der sie stehen. Ich besuchte auch Orte wie diesen, 60 Hudson Street in New York, das eines der wenigen Gebäuden auf der Welt ist, eine sehr kleine Liste von Gebäuden, zirka ein Dutzend, wo mehr Netzwerke des Internet verbunden sind als irgendwo anders. Diese Verbindung ist eindeutig ein materieller Prozess. Es geht einfach um einen Router von einem Netzwerk, sei es Facebook, Google, B.T., Comcast oder Time Warner, der sich dank eines gelben Glasfaserkabels, das durch die Decke läuft, mit einem anderen Router verbindet; dies ist eindeutig körperlich und sogar erstaunlich intim. Ein Gebäude wie Hudson 60 und ein Dutzend andere, hat 10 Mal mehr Netzwerke, die sich miteinander verbinden, als der nächste Häuserblock. Die Liste von ähnlichen Gebäuden ist sehr klein. Hudson 60 ist außerdem besonders interessant, weil es etwa ein halbes Dutzend sehr wichtiger Netzwerke unterbringt, dazu gehören diejenigen, die den Unterwasser-Kabeln dienen, die am Boden des Ozeans liegen und Europa mit Amerika verbinden und somit auch uns alle. Ich möchte mich insbesondere auf diese Leitungen konzentrieren.

5:04 Wenn Internet ein globales Phänomen ist, wenn wir in einem globalen Dorf leben, dann nur deshalb, weil es Kabel wie diese auf dem Grund der Ozeane gibt. In dieser Dimension sind sie extrem klein. Man kann sie in einer Hand halten. Sie sind wie ein Gartenschlauch. Aber in der anderen Dimension sind sie unglaublich weit, so weit, wie sie sich vorstellen können. Sie erstrecken sich über die Ozeane. Sie sind drei-, fünf- oder auch achttausend Meilen lang; auch wenn die Materialwissenschaft und die Computertechnologie, die dahinter steckt sehr kompliziert sind, ist der grundlegende physikalische Prozess erstaunlich einfach. Licht kommt vom einen Ufer des Ozeans rein und geht am anderen wieder raus, normalerweise kommt es aus einem Gebäude, Landing Station genannt, das oft in einer kleinen Siedlung am Meer versteckt ist; dann gibt es Kraftverstärker, die auf dem Meeresboden liegen und ein bisschen wie Roter Thunfisch aussehen, die alle 50 Meilen das Signal verstärken und weil die Übertragungsrate unfassbar schnell ist, beträgt die Grundeinheit der Wellenlänge des Lichts 10 Gigabit pro Sekunde, etwa tausend Mal so viel wie Ihre eigene Verbindung und sie kann 10.000 Videostreams transportieren. Aber nicht nur das: anstatt nur eine Wellenlänge des Lichts in den Fasern zu nutzen, sendet man 50, 60 oder 70 verschiedene Wellenlängen (Farben) von Licht durch eine einzige Faser, es gibt dann vielleicht acht Fasern in einem Kabel, vier für jede Richtung. Und sie sind so winzig. Sie haben die Dicke eines Haares.

6:23 Irgendwo verbinden sie sich dann mit dem Kontinent. Zum Beispiel in einem Kanalschacht wie diesem. Hier werden die 5000-Meilen-Kabel angeschlossen. Das ist Halifax, ein Kabel, das von Halifax bis nach Irland reicht. Und die Landschaft verändert sich. Vor drei Jahren, als ich anfing, mich damit zu beschäftigen, war da nur ein Kabel entlang der afrikanischen Westküste, dargestellt hier in dieser Karte von Steve Song als dünne schwarze Linie. Jetzt gibt es sechs Kabel und mehr sind geplant, drei an jeder Küste. Wenn ein Staat einmal durch ein Kabel angeschlossen ist, erkennt man sofort, dass das nicht genügt. Um eine Industrie aufzubauen, muss man wissen, ob die eigene Verbindung nicht zu schwach ist , sondern beständig, denn falls ein Kabel bricht, muss man ein Schiff schicken, einen Haken ins Wasser werfen, es raus holen, das andere Ende finden und sie wieder miteinander verschmelzen, bis man das Kabel wieder verlegen kann. Es ist ein sehr physikalisches Verfahren.

7:13 Das hier ist mein Freund Simon Cooper. Er arbeitete bis vor kurzem bei Tata Communications, der Kommunikationsabteilung von Tata, des großen indischen Industriekonzerns. Ich habe ihn nie persönlich getroffen. Wir kommunizierten nur durch dieses Videokonferenz-System, deshalb nenne ich ihn den Mann aus dem Internet. (Lachen) Er ist Engländer. Die Seekabelindustrie ist von Engländern beherrscht und sie scheinen alle 42 zu sein. (Lachen) Denn sie haben alle zusammen angefangen, vor 20 Jahren, zur Zeit des Booms. Und Tata begann als Kommunikationsunternehmen, als sie zwei Kabel kauften, eines durch den Atlantik und das andere durch den Pazifik, und sie fuhren fort, immer neue Stücke zu vernetzen, bis sie ein Mal um die Erde herum waren und das bedeutete, sie konnten Bits nach Osten oder nach Westen schicken. Das ist wirklich so, es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Lichtstrahl, der um die Erde geht, und falls mal ein Kabel im Pazifik kaputt geht, senden sie die Bits in die andere Richtung. Als sie damit fertig waren, begannen sie nach neuen vernetzbaren Orten zu suchen. Sie suchten nach bis jetzt unerschlossenen Orten und das bedeutete in erster Linie Nord und Süd, hauptsächlich diese Kabel nach Afrika. Was mir an Simon besonders auffällt, ist seine erstaunliche geographische Vorstellungskraft. Er denkt über die Welt nach mit dieser überraschenden Weite.

8:24 Ich war an ihm sehr interessiert, weil ich sehen wollte, wie so ein Kabel verlegt wird. Wissen Sie, während wir online sind, erleben wir manchmal diese flüchtigen Augenblicke, wo wir uns verbunden fühlen, diese Art von momentaner Nähe, sei es ein Tweet, ein Facebook -Post oder eine Email, und es schien so, als ob es dazu eine physikalische Folge gäbe. Es war, als gäbe es einen Moment, in dem ein Kontinent angeschlossen wird und das wollte ich sehen. Simon arbeitete gerade an einem neuen Kabel, dem WACS oder West-Afrikanischen- Kabel-System, das von Lissabon entlang der westlichen Küste Afrikas bis zur Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und Kamerun führte. Er sagte, in Kürze würde etwas geschehen, je nach Wetterbedingungen, aber er würde mich auf dem Laufenden halten; und mit vier Tagen Vorwarnung sagte er, ich sollte zu diesem Strand südlich von Lissabon gehen, weil gegen 9 Uhr würde dieser Mann aus dem Wasser laufen. (Lachen) Und er würde einen leichten grünen Nylonfaden in der Hand halten, der "Messenger-Leitung" genannt würde, und das war die erste Verbindung zwischen Meer und Land, diese Verbindung, die dann in einen 9.000 Meilen langen Lichtstrahl umgesetzt würde. Danach fing ein Bulldozer an, das Kabel aus einem speziellen Schiff zur Kabelverlegung zu ziehen und es schwamm auf solchen Bojen, bis es an der richtige Stelle war. Man kann hier sehen, wie die englischen Ingenieure aufpassen. Als es dann endlich in Position war, ging der Mann mit einem großen Messer zurück ins Wasser und schnitt alle Bojen ab, was sie in die Luft hüpfen ließ, und das Kabel sank zum Meeresboden; er machte den ganzen Weg bis zum Schiff, und als er ankam, bekam er ein Glas Saft und einen Keks. Danach hüpfte er wieder ins Wasser und schwamm zurück zur Küste, wo er sich eine Zigarette anzündete. (Lachen)

9:58 Und dann, als das Kabel an Land war, begannen sie die Vorbereitungen für den Anschluss am anderen Ende, für das Kabel, das von der Landing-Station hinuntergelassen worden war. Zu erst benutzen sie eine Säge, dann fangen sie an, den Kunststoff im Inneren abzuschälen, ähnlich wie Küchenchefs es machen würden, dann arbeiten sie schließlich wie Juweliere, um diese haardünnen Fasern mit dem anderen Kabel auszurichten und sie mit dieser Art Lochmaschine zusammen zu verschmelzen. Wenn man sieht, wie diese Männer mit einer Säge an diesem Kabel arbeiten, stellt man sich das Internet nicht mehr als eine Cloud vor. Es scheint mehr etwas sehr Konkretes zu sein. Was mich auch noch überrascht hat, war die Tatsache, dass auch wenn es um modernste Technologie geht, wie neu sie auch sei, das materielle Verfahren an sich doch schon lange existiert und so auch die Kultur. Man sieht lokale Arbeiter, englische Ingenieure, die im Hintergrund Anweisungen geben. Und das Wichtigste: Es sind immer dieselben Ortschaften. Die Kabel verbinden immer noch die klassischen Hafenstädte wie Lissabon, Mombasa, Mumbai, Singapur, New York.

10:58 Die Arbeit an der Küste dauert ungefähr drei bis vier Tage, dann, wenn alles fertig ist, kommt der Deckel wieder auf den Schacht, er wird mit Sand verdeckt und wir alle vergessen es wieder.

11:12 Wir reden und hören heutzutage viel von der Cloud, aber jedes Mal, wenn wir etwas Neues in die Cloud hochladen, geben wir ein Stück Verantwortung dafür ab. Wir haben weniger damit zu tun. Wir lassen andere Leute sich darum kümmern. Und das erscheint mir nicht richtig. Es gibt da einen sehr guten Satz von Neal Stephenson, wo er sagt, dass vernetzte Menschen etwas von Drähten verstehen sollten. Und wir sollten wissen, glaube ich, wir sollten wissen wo unser Internet herkommt und wir sollten auch wissen was uns physisch, physisch wirklich alle vernetzt. Danke sehr. (Applaus) (Applaus) Danke. (Applaus)